Glühende Hitze an der Algarve. Enge, kurvige Straßen, die sich wie ein Korkenzieher durchs Hinterland winden. Klingt nicht unbedingt nach dem Jagdrevier eines Lexus, oder? Steht Toyotas Luxusmarke doch für Komfort, für leises Gleiten, für die große Entspannung. Doch halt! Am Blech dieses neuen RZ prangt ein "F SPORT"-Logo.
Gerade mal zwei Jahre auf dem Markt, bekommt das SUV bereits eine ordentliche Verjüngungskur. Die neue Topversion, der RZ 550e F Sport, lässt die Muskeln spielen. Zwei E-Motoren, einer pro Achse, prügeln zusammen 408 PS auf den Asphalt. Das Ergebnis: ein Katapultstart, der den 2,1-Tonnen-Koloss in nur 4,4 Sekunden auf Tempo 100 beamt. Dieser Tritt ins Kreuz fühlt sich herrlich unaufgeregt an. Dass bei 180 km/h elektronisch der Riegel vorgeschoben wird – geschenkt, außerhalb deutscher Autobahnen eh nur Stammtisch-Futter.

Lexus RZ 550e F Sport: Steer-by-Wire statt Lenksäule

Damit das große Auto nicht zum unkontrollierbaren Geschoss wird, verteilt der schlaue Allradantrieb Direct4 die Antriebskraft blitzschnell dorthin, wo sie gebraucht wird. Beim Rausbeschleunigen aus der Kurve geht die meiste Kraft nach hinten, um das nervige Nicken zu unterdrücken. Das Resultat ist eine stoische Ruhe und Grip ohne Ende, selbst wenn der Teer unter der portugiesischen Sonne mancherorts ganz schön bröckelt. Aber echtes Sportwagen-Feeling? Nein, dafür schleppt der RZ dann doch zu viele Kilos mit sich herum.
Lexus RZ 550e F Sport: Fahrbericht
Der 550e F Sport mit 408 PS ist die Topversion des überarbeiteten Lexus RZ.
Bild: Lexus
Die echte Sensation findet ohnehin zwischen den Händen des Fahrers und den Vorderrädern statt. Lexus wirft die Lenksäule raus! Einfach so. Kein Scherz. Stattdessen gibt es "Steer-by-Wire". Sensoren erfassen die Bewegung am Steuer, ein Computer übersetzt sie in Befehle für Stellmotoren an den Rädern. Damit ist Lexus eine der ersten Automarken überhaupt, die ein solches System in Serie bringen.

Flugzeug-Steuer statt Lenkrad

Statt in ein rundes Lenkrad greifen wir in ein "Yoke", ein oben und unten abgeflachtes Ding, das an die Steuerung eines Flugzeugs erinnert. Und es fühlt sich auch so an. Im Stadtverkehr und beim Rangieren ist das System genial. Eine 200-Grad-Drehung genügt, um von Anschlag zu Anschlag zu kommen. Kein nerviges Umgreifen mehr, ein kleiner Impuls reicht – und der RZ flutscht in die nächste Parklücke. Grandios!
Lexus RZ 550e F Sport: Fahrbericht
Die Steer-by-Wire-Lenkung mit flachem Yoke-Lenkrad ist in der Topversion obligatorisch.
Bild: Lexus
Aber, und das ist ein ganz großes Aber für jeden, der gerne dynamisch Auto fährt: Wo bleibt das Gefühl? Die Rückmeldung? Das Kribbeln in den Fingern, das einem verrät, was die Vorderräder gerade machen? Fehlanzeige. Die Lenkung ist steril, entkoppelt, ziemlich synthetisch. Unerwünschte Vibrationen filtert sie zwar perfekt weg, aber eben auch vieles andere.
Warum ausgerechnet das fahrdynamische Topmodell diese entkoppelte Hightech-Lenkung aufgezwungen bekommt und eine normale Lenkung nicht mal gegen Geld und gute Worte zu haben ist, bleibt das Geheimnis der Lexus-Strategen.

Zurück in die Vergangenheit: Schalten im E-Auto

Und neben der Zukunftsmusik haben die Japaner dem RZ 550e auch noch die Vergangenheit beigebracht. Über die Rekuperationswippen rechts und links hinterm Lenkrad lässt sich ein virtuelles Achtgang-Getriebe bedienen.
Wir ziehen am rechten Paddel, das System simuliert eine kurze Zugkraftunterbrechung, der künstliche Motorsound aus den Boxen jault dazu im Stil eines Atari 2600 – und auf dem Display tanzt ein virtueller Drehzahlmesser. Wer zu spät hochschaltet, landet sogar im ebenfalls simulierten Begrenzer.
Lexus RZ 550e F Sport: Fahrbericht
Mit 4,81 Meter Länge ist das elektrische Crossover-SUV in der gehobenen Mittelklasse angesiedelt.
Bild: Lexus
Technisch ist das natürlich ziemlicher Unfug und simuliert Nachteile, die mit E-Autos überwunden sind. Emotional soll es die Bindung zwischen Mensch und Maschine stärken. In Wahrheit ist es eine digitale Spielerei, die mutmaßlich viele genau einmal ausprobieren und dann nie wieder aktivieren. Aber hey, man muss den Modus ja nicht nutzen.

Schneller Laden und solide Reichweite

Im Unterboden steckt ein neuer Akku, der 72 Kilowattstunden netto speichert und für eine Reichweite von bis zu 450 Kilometer nach WLTP reichen soll. Solide, aber keine Revolution in dieser Klasse.
Richtig gut hingegen: Eine neue Vorkonditionierung sorgt dafür, dass die Batteriezellen an der Ladesäule immer die richtige Temperatur haben. So soll das Schnelladen von 10 auf 80 Prozent selbst bei einer Eiseskälte von minus zehn Grad nur 30 Minuten dauern. Und an der heimischen Wallbox zieht der RZ dank des neuen 22-kW-Bordladers jetzt doppelt so schnell Strom wie bisher. Das ist ein echtes Pfund.
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Der RZ bietet 522 Liter Kofferraumvolumen; mit umgeklappten Rücksitzen wächst es auf 1451 Liter.
Bild: Lexus
Innen gibt's die übliche Lexus-Perfektion. Feine Materialien wie das Wildleder-Imitat Ultrasuede, knackige Sportsitze mit gutem Seitenhalt und blaue Ziernähte für den sportlichen Touch. Daran gibt es nichts zu meckern.
Der neue Lexus RZ 550e F Sport polarisiert. Auf der einen Seite stehen dynamische Fahrleistungen, ein sehr souveränes Fahrwerk und der Mut zu neuen Technologien. Auf der anderen Seite ein sinnfreies Schalt-Gimmick. Wir sind gespannt, wie Lexus den Neuen einpreisen wird. Zum Jahreswechsel 2025/2026 soll er bei den Händlern vorrollen.