An Selbstbewusstsein mangelt es den Lucid-Verantwortlichen nicht. Neben dem neuen Aushängeschild der Marke, dem 5,03 Meter langen Gravity Grand Tourer, sind wie selbstverständlich einige Wettbewerber ausgestellt: BMW X7, Cadillac Escalade iQ, Rivian R1S und Mercedes EQS SUV. Die ebenso einfache wie klare Botschaft: Die schlagen wir alle, egal ob Verbrenner oder Elektroantrieb, Europa oder USA – und zwar in allen Disziplinen.
Der Lucid Gravity ist an amerikanischen Dimensionen gemessen kleiner als gedacht und tritt eher in der Oberklasse als im Luxussegment an. Ein edler Crossover für die ganz große Reise und damit eine logische Fortführung des Air. Während die europäische Konkurrenz gerade Ladetempi von 300 kW feiert und BMW oder Mercedes mit Verspätung auf das 800-Volt-Bordnetz umsteigen, kann Chefentwickler Eric Bach nur schmunzeln: "Wir bieten den Gravity wie beim Air mit einem 926-Volt-Bordnetz und Ladegeschwindigkeiten von 400 kW an." Selbst an einem vergleichsweise langsamen Tesla Supercharger kann das SUV mit 225 kW laden.

Der Lucid Gravity orientiert sich an BMW X7, Mercedes EQS und Co

Man habe sich beim sogenannten Benchmarking an Modellen wie einem BMW X7 beim Komfort orientiert, am edlen Innenraum des Mercedes EQS und am sportlichen Fahrverhalten von Porsche Cayenne GTS oder Aston Martin DBX. Gepaart mit den eigenen Qualitäten ist dabei ein mehr als beeindruckender Luxus-Crossover herausgekommen, mit dem sich Strecken von über 700 Kilometern bis zum nächsten Ladestopp zurücklegen lassen und dessen Fahrwerk mit variabler Luftfeder ein einzigartiges Spektrum abbilden soll, das sogar das eines Range Rover in den Schatten stellt. Das gilt auch für die Höchstgeschwindigkeit: Der Lucid Gravity soll spektakuläre 270 km/h schaffen.
Lucid Gravity Grand Tourer
Der Lucid Gravity ist an amerikanischen Dimensionen gemessen kleiner als gedacht – und tritt eher in der Oberklasse als im Luxussegment an.
Bild: Lucid
Das elegante Design des Lucid Gravity Grand Touring – wahlweise als Fünf- oder Siebensitzer zu bekommen – ist elegant, fast zurückhaltend und sorgt nebenbei für beste Aerodynamikwerte. Bei der Motorleistung hält sich der Autobauer mit Sitz im kalifornischen Silicon Valley ohnehin nicht zurück. Das Modell, das im vierten Quartal 2025 auch nach Europa kommen soll, wird von zwei Elektromotoren angetrieben, die gemeinsam 611 kW (831 PS) und ein beängstigendes Drehmoment von mehr als 1200 Nm entwickeln. Das Spurtpotenzial ist schlicht gigantisch, und nicht allein beim engagierten Tritt aufs Gaspedal schwinden einem die Sinne.
Motor
Elektro, vorn / hinten
Leistung
611 kW / 831 PS
Max. Drehmoment
1232 Nm
Höchstgeschwindigkeit
270 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h
3,6 Sekunden
Batteriegröße
123 kWh
Max. Ladegeschwindigkeit
400 kW
Leergewicht
2768 kg
Laderaum
230 Liter vorn und 1500 bis 3000 Liter hinten
Preis
ab ca. 130.000 Euro
Mit seinem massigen 123-kWh-Akkupaket kommt das Familien-SUV auf ein Leergewicht von über 2,7 Tonnen. Dass sich diese Masse derart spielerisch beschleunigen lassen, scheint allen physikalischen Gesetzen zu widersprechen. Das gilt sogar bei schneller Kurvenfahrt oder dem Anbremsen aus flotten Tempi, denn hier vollbringen Regelsysteme, niedriger Schwerpunkt, 23 Zöller mit dem optionalen Handling-Paket und entsprechender Hinterachslenkung wahre Wunder, denn es neigt und wankt nichts.
Lucid Gravity Grand Tourer
Der Gravity kombiniert die Stärken von Crossover und luxuriösem Van.
Bild: Lucid
Wer in die kommodere Gangart und das Komfort-Fahrprogramm wechselt, der bewegt den Gravity Grand Touring ebenso artgerecht wie sinnhaft. Dabei dürfte das Komfortniveau dank seiner variablen Luftfederung durchaus größer sein.

1500 Liter Platz für Gepäck

Die Lenkung mit dem seltsam eckig geformten Lenker wirkt unabhängig von Kurvenradien künstlich, und auch die Bremse will fein dosiert sein. Zugegeben könnten die Sitze gerade im Fond mehr Kontur bieten, und es fehlen vollelektrische Einzelsitze wie bei der Konkurrenz. Doch hier nickt Eric Bach und verweist darauf, dass beim Start nicht alles abgedeckt werden kann.
Lucid Gravity Grand Tourer
An Platz mangelt es im Lucid Gravity nicht.
Bild: Lucid
Was ferner fehlt, ist eine Version mit langem Radstand. Denn auch wenn das Platzangebot in allen drei Reihen passt, würden dem Amerikaner ein paar Zentimeter mehr und eine elektrische dritte Sitzreihe nicht schaden. In dieser Klasse will niemand sein Gestühl händisch in die rechte Position bringen. Details wie elektrische Klappen hinten wie vorne sind den Kunden nicht genug. Das gilt jedoch nicht für das Ladevolumen, denn der rund 1500 Liter große Gepäckraum erfährt durch den 230 Liter großen Frunk eine stattliche Erweiterung mit Praxisnutzen.
Preislich wird sich der Lucid Gravity an seinem ungleichen Limousinen-Bruder Air Grand Touring orientieren, der in Deutschland bei 130.000 Euro startet. In den USA geht es aktuell bei 94.000 Dollar los, also 16.000 Dollar günstiger als der Lucid Air Grand Touring.
Später dürften auch Versionen wie der "Pure" oder "Touring" mit weniger Leistung und zu Preisen unter der 100.000-Euro-Marke folgen. Aber auch ein opulentes Topmodell nach Vorbild des über 1200 PS starken Lucid Air Sapphire sollte gesetzt sein.
Und dann ist es nicht mehr weit bis zu Mittelklasse-Familie, die dann wohl alles entscheiden soll. Bis dahin muss Lucid aber erst einmal an seiner Markenbekanntheit arbeiten. Sonst wird es im Hochpreissegment schwerer denn je.