Lynk & Co 02 im Test
Es hat sich ausgemietet: Lynk & Co kann es auch ohne Auto-Abo

Lynk & Co hat sich mit Auto-Abos einen Namen gemacht. Die gibt es nun nicht mehr, dafür mit dem 02 aber ein neues Modell. AUTO BILD macht den Test.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Als alteingesessene Autofans müssen wir in diesen Tagen tapfer sein. Bei Fragen von Freunden und Verwandten ("Du, sag mal, was für ein Auto ist DAS denn?!") müssen auch wir mittlerweile mal das Smartphone zücken.
Zu schnell wächst derzeit die Auswahl an neuen, chinesischen Herstellern, die auch bei uns ihre Fahrzeuge vermarkten. In diesem konkreten Fall sogar schon verhältnismäßig lange: Lynk & Co war ab 2021 mit der erste Auto-Abo-Anbieter, ist Teil der chinesischen Geely-Familie, zu der auch Volvo zählt.
Lynk & Co 02 im Elroq-Format
Um die Verwirrung komplett zu machen, ist die Zeit der Abos bei Lynk & Co seit Anfang 2025 aber schon wieder vorbei. Das Konzept ging wohl nicht auf, für den 01 weist die KBA-Statistik des Jahres 2024 lediglich 57 Neuzulassungen aus. Man wolle sich nun stärker auf den Einzelhandel konzentrieren, heißt es auf der Website des Herstellers. Auf der zugehörigen Karte werden deutschlandweit 17 Händler und etwas über 70 Werkstätten ausgewiesen.

Neu für Europa: Mit seinen 4,46 Metern Länge ist der kompakte Lynk & Co 02 in etwa so groß wie ein Skoda Elroq. Das Design ist rundlich-glatt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auf anderen Märkten werden auch größere Lynk-&-Co-Modelle angeboten – bis hin zum deutlich über fünf Meter langen 900er. Der neue 02 hingegen scheint wie gemacht für Europa, geriet verhältnismäßig kompakt und misst mit 4,46 Meter Länge ungefähr so viel wie ein Skoda Elroq.
Innenraum ist gut verarbeitet und wertig
Im Inneren ziehen wir unbedarft erst mal an der Schlaufe rechts vom Lenkrad, weil wir dahinter einen verkappten Startknopf vermuten. Stellt sich heraus: Sie ist nur dazu da, wenn man sein privates Carsharing betreiben möchte. Soll ja mittlerweile mancherorts ein Ding sein. Dann können ebendiese anderen Nutzer per Handy das Auto öffnen und über die Schlaufe das Auto starten. Ja, sapperment!

Ordentlich: Das Cockpit bietet viel Bildschirmfläche, solide Verarbeitung und wertige Materialien, insbesondere für diese Preisklasse.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auch weitere Features überraschen. Der Monitor dreht sich auf Wunsch elektrisch ein paar Grad zum Fahrer hin, die Fensterhebertasten in Gnubbelform reagieren genau andersherum, als man es gewohnt ist. Angenehm: Das Panoramadach des 02 bietet ein echtes, elektrisch bedienbares Rollo zur Abdunklung und setzt nicht wie mancher Konkurrent lediglich auf eine Tönung des Glases, die spätestens bei stärkerer Sonneneinstrahlung kaum mehr temperaturdämmende Wirkung entfaltet.
Fahrzeugdaten
Modell | Lynk & Co 02 |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | hinten |
Spitzenleistung | 200 kW (272 PS) |
Dauerleistung | 75 kW (102 PS) |
maximales Drehmoment | 323 Nm |
Vmax | 180 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Hinterradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung/Radgröße | 245/45 R 20 V/8 x 20" |
Reifentyp | Continental EcoContact 6Q |
Reichweite* | 445 km |
Verbrauch* | 17,1 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen (NMC) |
Batteriekapazität | 66 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 22/150 kW |
Ladezeit (10-80 %; DC-Ladung) | 30 Minuten |
Ladeanschluss | hinten links |
Fach unter Frontklappe | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1600/750 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 440–1400 l + 15 l vorn |
Länge/Breite/Höhe | 4460/1845–2040**/1573 mm |
Radstand | 2755 mm |
Grundpreis | 35.995 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 39.995 Euro |
Darüber hinaus macht der Innenraum einen gut verarbeiteten und durchaus wertigen Eindruck. Die eher junge Zielgruppe freut sich über gleich zwei induktive Ladeschalen fürs Smartphone, die ansehnlich animierten Darstellungen auf dem mittigen Screen und das allgemein flotte Rechentempo des Infotainments. Dass ChatGPT zum Testzeitpunkt nur Englisch verstand, stempeln wir mal wohlwollend als Kinderkrankheit ab. Die nervösen und ständig bimmelnden Assistenzsysteme auch. Vielleicht ließe sich da ja per OTA-Update noch etwas nachjustieren.
Reichweite ist durchaus akzeptabel
Ob die Zündung an- oder ausgeschaltet ist, lässt sich so ganz ohne Startknopf dann allerdings auch nicht wirklich gut steuern – das Ganze hängt mit der Sitzbelegungserkennung zusammen. Apropos Sitze: Deren Beinauflagen fallen besonders vorn eher kurz aus, die Polsterung ist weich. Das trifft nicht jedermanns Geschmack, passt aber immerhin ganz gut mit dem soft abgestimmten Fahrwerk und der leichtgängigen Lenkung zusammen.

Mit seinem 66 kWh großen Akku kommt der Lynk & Co 02 im Test 377 Kilometer weit. Geladen werden kann er mit bis zu 150 kW.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ein Dynamiker wird der Lynk so trotz seines potenten, 272 PS starken Antriebs und der damit einhergehenden flotten Beschleunigung (5,8 s von 0 auf 100 km/h) nicht. Dafür bremst er ordentlich, lädt als More (4000 Euro) sogar mit bis zu 22 kW an der AC-Säule und lässt auch ansonsten kaum Komfort vermissen. An der Schnellladesäule geben die Chinesen eine Ladeleistung von bis zu 150 kW an beziehungsweise 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Der Akku misst immerhin 66 Kilowattstunden brutto. So bringt es der 02 im Test auf eine Reichweite von 377 Kilometern, 314 Kilometer wären bei 130 km/h auf der Autobahn drin. Schluss ist bei 180 km/h.
Messwerte
Modell | Lynk & Co 02 |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,6 s |
0–100 km/h | 5,8 s |
0–130 km/h | 8,9 s |
0–160 km/h | 13,7 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,7 s |
80–120 km/h | 3,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1865/405 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 48/52 % |
Wendekreis links/rechts | 12,3/12,3 m |
Sitzhöhe | 655 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 35,9 m |
aus 100 km/h warm | 35,4 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 57 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) |
bei 130/160 km/h | 69 dB(A) |
bei 160 km/h | 73 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 13,0 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 19,6 kWh/100 km (+15 %) |
Sportverbrauch | 26,0 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 377 km |
Grundsätzlich anzuraten ist die höhere Ausstattungslinie, weil erst dann eine energiesparende Wärmepumpe an Bord ist, die das Aufheizen des Innenraums bei Kälte effizienter macht. Auch die beidseitige elektrische Sitzverstellung, das potente Harman/Kardon-Soundsystem mit 14 Lautsprechern, getönte Scheiben ab der B-Säule und eine Heizung fürs Lenkrad ziehen dann mit ein.
Wertung Lynk & Co 02
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Ordentliches Platzangebot, gute Qualität. Sitzposition nicht optimal, keine Anhängelast eingetragen. | 3 / 5 |
Antrieb | Ausreichende Fahrleistungen, aber langsames Laden. Geringe Reichweite wegen der kleinen Akkus. | 4 / 5 |
Fahrdynamik | Durchaus handlich und agil. Lenkung eher gefühllos, Bremsen mit Luft nach oben. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Sprachsteuerung ordentlich, zahlreiche Apps. Navigation eher von der einfachen Sorte. | 4 / 5 |
Umwelt | Format und Gewicht noch im Rahmen, lokal keine CO2-Emission, Verbrauch akzeptabel. | 4 / 5 |
Komfort | Gute Vordersitze, umfangreiche Ausstattung, verbindliche Federung. Sitzposition nicht optimal. | 3,5 / 5 |
Kosten | Teuer und Wiederverkauf eher schwierig. Dafür bis zu acht Jahren Garantie und günstiger Unterhalt. | 3,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,9 |
Wer weniger hohe Ansprüche an die winterliche Reichweite und den Komfort an Bord hat, könnte sich auch mit der Basis (ab 35.995 Euro) begnügen. Wer überlegt, hier zuzugreifen, sollte sich über die recht teure Vollkaskoversicherung im Klaren sein. Die muss man nun schließlich wieder selbst abschließen – jetzt, wo das Abo-Modell Geschichte ist.
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