GT2 – was für ein Name, was für ein Statement. Wenn ein Hersteller seinem Sportwagen diesen Zusatz ans Heck klebt, dann macht er das nicht einfach so, sondern weil das entsprechende Ergebnis in der Regel richtig schnell und entsprechend spektakulär ist.
Bislang hat sich nur Porsche an dieses Kürzel getraut und vor zehn Jahren mit dem 991.2 GT2 RS eine Ikone geschaffen, die damals alles in Grund und Boden gefahren hat. Doch dann kam Maserati, gewann 2024 mit 16 Polepositions und zwölf Siegen die GT2-Europameisterschaft und baute aus diesem Anlass heraus eine gleichnamige Straßenversion zum erfolgreichen Rennwagen. Und nun steht das vierköpfige Test- und Entwicklungsteam aus Modena an der Strecke des Lausitzrings.
Maserati GT2 Stradale im Test
Die Italiener sind für ihren Nationalstolz bekannt. Da wundern wir uns auch nicht über den Hinweis am Schalensitz.
Bild: Ronald Sassen
Angeführt von Teamchefin Caterina Secchieri harren Marco Carozzo, Fausto Castagnoli und Patrick Corsi der Dinge, die hier und heute passieren. Die Italiener sind genauso gespannt wie wir. Wo wird sich der GT2 einordnen? Wird er seiner Optik und seinem Namen gerecht? Oder ist das einfach nur Kunst auf Rädern und ganz viel Marketing?

Die besten Autos über 500 PS im Test

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Dass das Auto wirklich gut fährt, davon konnte ich mich schon Anfang letzten Jahres auf der Ascari-Rennstrecke in Spanien überzeugen. Das war schon ziemlich zügig, eine ganz andere Welt als das, was wir sonst von Maserati kannten. Aber wie viel Motorsport steckt denn nun wirklich drin?
Mit seiner Optik ist der Stradale tatsächlich näher am Renn-GT2 als am Basis-MC20. Unter anderem mit der länger nach vorne gezogenen Spoilerlippe, die für mehr Anpressdruck sorgt. Am Heck erfüllt diese Aufgabe ein aufgesetzter, vom Rennwagen abgeleiteter Flügel – dreifach verstellbar, versteht sich. Aerodynamisch optimiert agiert auch der Heckdiffusor. Maserati verspricht bei 280 km/h bis zu 500 Kilo Abtrieb. Eine ganze Menge, die sich übrigens auch bei der Längsdynamik bemerkbar macht. Das Flügelwerk steht so sehr im Wind, dass der GT2 Stradale bis 100 zwar noch zwei Zehntel schneller als der MC20 ist, die 250 aber erst knapp sechs Sekunden später erreicht. Und: Die zerklüftete Fronthaube ist wirklich eins zu eins vom Rennwagen.
Maserati GT2 Stradale im Test
Aufgeräumt, wertig, alles im Blick, wenig Toucherei, Fahrdynamik-Regler perfekt in Position.
Bild: Ronald Sassen
Motor? Der bekannte Dreiliter-V6-Biturbo, genannt Nettuno – klingt herrlich nach Mythos. Im GT2 Stradale leistet er 10 PS mehr als sonst im Pura. Dem gegenüber steht eine ausschweifende Carbon-Diät, die reichlich am Kampfgewicht feilt. Zu den Leichtbau-Maßnahmen zählen auch die Räder in 20 Zoll mit Zentralverschluss (19 kg leichter als MC20). Darauf montiert sind in der Basis Michelin Cup 2 in 245/35 und 305/30. Verzögerung mit großen Keramikbremsen, 390 Millimeter vorne, 360 hinten.

Performance-Paket und Technik-Feinschliff

Beim Testwagen war zudem das 16.184 Euro teure Performance Paket Plus verbaut. Das umfasst neben speziell abgestimmtem ABS und ESP auch eigens entwickelte Michelin-Pilot-Sport-Cup-2R-Trackreifen sowie ein spezielles Sperrdifferenzial. Außerdem ist im großen, runden Fahrmodi-Regler in der Mittelkonsole ein Corsa-Evo-Mode mit vierstufiger Traktionskontrolle hinterlegt. Trotz der vielen Anbauten soll das Gewicht um 60 Kilo gesunken sein. Wir haben natürlich nachgewogen, leider ist "GW 080PY" 48 Kilo schwerer als der MC20-Testwagen von 2022, der seinerseits damals allerdings auch mit diversen Leichtbau-Zutaten aufgerüstet war.
Motorbauart/Aufladung 
V6, Biturbo 
Einbaulage 
Mitte hinten längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/4 
Hubraum 
2991 cm³ 
Bohrung x Hub 
88,0 x 82,0 mm 
Verdichtung 
11,0:1 
Leistung bei 1/min 
471 kW (641 PS)/7500 
Literleistung 
214 PS/l 
Drehmoment bei 1/min 
720 Nm/3000-5500 
Getriebe 
Achtgang-Doppelkupplung 
Antriebsart 
Hinterrad 
Bremsen (vorn) 
390 mm innenbelüftet/gelocht 
Bremsen (hinten) 
360 mm innenbelüftet/gelocht 
Bremsscheibenmaterial 
Carbon-Keramik 
Radgröße 
9 x 20" - 11 x 20" 
Reifengröße 
245/35 R 20 - 305/30 R 20 
Reifentyp 
Michelin Pilot Sport Cup 2 R (MGT) 
Maße L/B/H 
4669/2178*/1222 mm 
Radstand 
2700 mm 
Tank-/Kofferraumvolumen 
60/100 l 
WLTP-Verbrauch auf 100 km 
11,6 l Super Plus 
Testwagenpreis
334.427 € 
Steigen wir ein. Türen klassisch nach oben, mit leichter Verrenkung in die Carbon-Sitzschale reingleiten. Hosenträgergurt festgezurrt, am Lenkrad den Startknopf gedrückt. Im Stand klingt der V6 ziemlich dünn, nicht wie der Name GT2 und 641 PS suggerieren. Und auch die ersten Meter sind verhalten, nicht das explosive Temperament, das ich erwartet hätte. Kein Wunder, der "GT"-Modus ist aktiv. Zwei Klicks weiter auf "Corsa", und der Stradale erwacht.
Eine Karosserie zum Niederknien! Insgesamt 500 Kilo Abtrieb bei Tempo 280, 130 Kilogramm vorne und 370 hinten.
Bild: Ronald Sassen
Der Beat im Rücken ist nun deutlich kerniger, die Schaltzeiten des Tremec-Achtgang-Doppelkupplungsgetriebes ziemlich derb. Unter 2000/min sind die Lader noch etwas faul, danach hängen die Verdichter jedoch verzugsfrei an der Kette und wirbeln derart stürmisch in lichte Höhen, dass man trotz Schaltbalken immer wieder an den Begrenzer ditscht. Sind die Cup 2 R auf Temperatur, legt der GT2 Stradale auf kurvenreichen Landstraßen einen beeindruckenden Speed vor. Das steifere Fahrwerk mit seinen Unibal-Gelenken ist richtig gut abgestimmt. Bewegt sich da, wo man es braucht, bietet aber auch viel Stabilität. Trotz verstellbarer Dämpfer ist das aber nie wirklich komfortabel weich, was letztlich aber wahrscheinlich auch niemand erwartet bei einem Auto mit Namen GT2. Alltag stand hier ganz sicher nicht groß im Lastenheft.

Fahrverhalten am Lausitzring

Am Lausitzring erste Proberunden im Corsa Mode 3, also alles halb-off. Der MC20 fiel damals mit abwechselndem Über- und Untersteuern auf. Der GT2 Stradale ist genau das Gegenteil, bleibt trotz satten Drehmoments auf der Linie und tendiert nur dann zum Übersteuern, wenn die Reifen durchgeschwitzt sind. Die Lenkung ist einen Tick zu weich, die Bremsen liefern gute Rückmeldung. Die eine Welle kurz vor Start-Ziel hebelt das Auto noch zu sehr aus; in der nächsten Runde mit weicheren Dämpfern passt aber auch das.
Maserati GT2 Stradale im Test
Übersteuern, das kann er. Aber nur, wenn die Cup 2 R ihren Peak überschritten haben. Jedoch Vorsicht vor Gegenpendlern.
Bild: Lena Willgalis
Nach dem finalen Reifenwechsel wieder raus. Corsa Stufe 1, alles off. Start-Ziel Tacho 254, Abbiegen vom Oval ins Infield, die Bremse begeistert mit feinem ABS, dazu minimales Untersteuern. In den nächsten Links-Scheitel krallt sich die Vorderachse satter, der GT2 surft geschmeidig durch die lange Rechts. Die Hinterhand bleibt im dritten Gang ruhig, bis der V6 mit heftigem Drehmomentpunch am Heck drückt und die Fuhre leicht übersteuernd über die Bergauf-Links schießt. Alles ein Fluss, keine Hektik am Lenkrad.

Rundenzeit und Fazit zum Anspruch

Spätes Ankern für die nächste Spitzkehre, im Scheitel schon in den Dritten rein, Drehmoment nutzen, Übersteuern vermeiden. Kein Kippeln, kein Wanken, die Dämpfer schlucken die kleinen Wellen sauber weg, so geht schnell. Wie schnell? 1:29,39 Minuten. Ein 911 GT2 RS war damals 3,5 Sekunden schneller.
Antrieb 
60 
49 
Bremse 
40 
35 
Fahrwerk 
60 
36 
Lenkung 
40 
28 
Rundenzeit 
50 
40 
Emotionen 
50 
45 
Alltag 
50 
31 
Kosten 
50 
14 
GESAMTWERTUNG
400
278
Nicht falsch verstehen, die Maserati-Zeit ist top, das Auto agiert viel satter und griffiger als ein MC20! Am Ende fehlt es irgendwie an Speed oder daran, ob sich 641 PS tatsächlich so anfühlen.

Fazit

Nix da mit Marketing-Floskeln und leeren Versprechen – der Zusatz GT2 hält, was er verspricht. Querdynamisch und auf der Bremse fährt dieser Maserati ganz oben mit. Einzig in Sachen Leistung hätten wir uns etwas mehr gewünscht. Nichtsdestotrotz: Forza Maserati!