"Dank des Talents und der Anstrengungen von Alfieri und seinen Brüdern Ettore, Ernesto und Bindo gelangte das Unternehmen zu internationalem Ruhm und Prestige und trug damit zur weltweiten Bekanntheit Bolognas und seiner exzellenten Reputation bei." So steht es auf einer Gedenktafel an einem Haus in Bologna. Nicht irgendeinem Gebäude, sondern dem Haus, in dem die Maserati-Brüder einst ihre Autowerkstatt und ein Rennteam gründeten. Heute ist das Haus übrigens eine offizielle Sehenswürdigkeit in Bologna.
Nicht erwähnt wird hier der jüngste Bruder, Mario, der 1926 das Logo von Maserati entworfen hat: einen stilisierten Dreizack, der seither bei vielen Auto-Fans als Symbol für erfolgreiche Rennwagen sowie für Sportwagen und sportliche Limousinen gilt. Doch trotz der Werbung, die Maserati für Bologna machte, stand die Marke lange im Schatten von Ferrari. Beide sind bereits seit Jahrzehnten Luxus-Tochtermarken von Fiat/Stellantis – und trotz der Beziehung irgendwie auch Konkurrenten. Inzwischen gibt es aber eine klare Trennung: Maserati ist sportlich unterwegs, dabei alltagstauglicher und deutlich günstiger als Ferrari. Und mit dem aktuellen Standort Modena allerdings etwas näher dran an Maranello.
Maserati: zu Besuch im Werk Modena
Auf dem GT2-Stradale-Band kann man tief in das Auto hineinschauen. Die Verarbeitung ist sensationell, das Carbon-Monocoque ein echtes Meisterwerk.
Bild: Lena Willgalis
Modena ist das perfekte Stichwort. 1930 verlagerte man sich schon einmal dorthin, weil man in der dortigen Region mehr Platz vorfand. Die Maserati-Familie hatte kurz zuvor mit einem 16-Zylinder-Weltrekordauto von sich reden gemacht (1929). 1930 folgte der erste Grand-Prix-Sieg, ab 1933 stieß Tazio Nuvolari als Werksfahrer hinzu. 1937 jedoch stand Maserati vor dem finanziellen Ruin, der Industrielle Adolfo Orsi kaufte die Firma auf.

Große Erfolge auf Straße und Rennstrecke

1946 stellte die Marke dann ihr erstes Straßenmodell vor, den Maserati A6; 1957 wird Juan Manuel Fangio auf Maserati Formel-1-Weltmeister, und 1963 debütiert der Maserati Quattroporte, die damals schnellste Limousine der Welt. Nur Enzo Ferrari empfand den Quattroporte als Provokation, so wollte er in den 1980ern den italienischen Staatspräsidenten Sandro Pertini nicht empfangen, weil dieser im Maserati-Dienstwagen in Maranello vorfuhr. 1968 wird das Unternehmen, das jetzt vor allem bärenstarke V8-Sportwagen baut, an Citroën verkauft. Es folgen ein kurzer Höhenflug, ein steiler Absturz – der 1975 schließlich im Konkurs von Maserati endet. Die nächsten Besitzer im Schnelldurchgang: das italienische Staatsunternehmen GEPI, Alejandro de Tomaso, Chrysler und ab 1993 schließlich Fiat.
Maserati: zu Besuch im Werk Modena
Auf den hauseigenen Motor-Prüfständen wird entwickelt und getestet.
Bild: Lena Willgalis
Hinter dem Fiat-Engagement in Modena stand zunächst wohl eher nationales Pflichtbewusstsein als ein überzeugender Plan. Erst 1998 rollte ein neues Modell auf die Straße, der Maserati 3200 GT; und erst 2003 gab es wieder eine vernünftige Perspektive – mit der Premiere einer neuen, sportlichen Luxuslimousine namens Quattroporte, die das Fundament legte für die gegenwärtige Expansion. Seit 2021 ist Maserati eine von 19 Marken im Stellantis-Konzern. Vor zwei Jahren, zum 110. Markenjubiläum, wollte man noch mit Vollgas in die elektrische Zukunft gehen, mit Folgore (das italienische Wort für Blitz) und ohne V8-Donner. Der GranTurismo Folgore übernahm die Vorreiterrolle, der Quattroporte Folgore sollte 2028 den Schlusspunkt der Reise ins Elektrozeitalter setzen.

Elektrostrategie wackelt und neue Antriebe rücken in den Fokus

Aktuell scheint der Fahrplan gründlich überarbeitet zu werden. Der Viertürer ruht genauso wie der elektrische MC20. Stattdessen werden immer wieder Pläne für einen neuen Plug-in-Hybrid-Antrieb auf Basis des bekannten Nettuno-V6 kolportiert.
Maserati: zu Besuch im Werk Modena
Wir haben uns selbst überzeugt, es gibt wirklich nichts, was es nicht gibt. Nicht nur bei den Ledernaht-Farben.
Bild: Lena Willgalis
Apropos Entwicklung: Seit der Stellantis-Zeitrechnung baute Maserati seine GT-Autos und den Levante hauptsächlich im Mirafiori-Werk in Turin, das SUV Grecale zusammen mit Alfa Romeo in Cassino. In Modena lief 2019 der letzte GT vom Band, danach wurde das Werk umgerüstet für die Zukunft. Hauptsächlich aber für den neuen Supersportwagen MC20. Sechs Jahre später nun die Kehrtwende: Zur Stärkung von Handwerkskunst und Standortbindung in Italiens Motor Valley holt man die traditionellen GT-Modelle wieder zurück nach Modena.

Fuoriserie bringt mehr Individualität ins Werk Modena

Und nicht nur das. Im Rahmen dieser Rückkehr wird auch das hauseigene Individualisierungsprogramm namens "Fuoriserie" weiter ausgebaut. Der Begriff bedeutet "nicht von der Stange", also maßgeschneiderter Luxus und italienische Handwerkskunst mit viel Gespür für die Zukunft – weit mehr als ein lapidares Ausstattungs-Upgrade, wie man es von anderen kennt.
Tausende von Kombinationsmöglichkeiten wurden mit den drei Kollektionen "Corsa", "Unica" und "Futura" geschaffen. Diese bringen die Stärke der Marke zum Ausdruck und repräsentieren ihre Werte: Sportlichkeit, Eleganz und Innovation. Der Kunde kann neue Außenfarben und Lackierungen, Rad- und Bremssattelfarben sowie spezifische Innenraumkombinationen mit unterschiedlichen Nahtfarben und Innenausstattungen beauftragen. "Corsa" mit Designs, die an alte Rennwagen erinnern sollen, "Unica" mit betont dynamischen Linien sowie "Futura" mit futuristischen Farben und Dekoren.
Maserati: zu Besuch im Werk Modena
Im Museum zu sehen: der Prototyp Chubasco aus den 90ern von Marcello Gandini: Mittelmotor, V8-Biturbo.
Bild: Lena Willgalis
So weit, so schön, nur was ist aus dem traditionsreichen und erfolgreichen Motorsport geworden? 2026 feiert man den hundertsten Jahrestag des Renndebüts der Marke: 1926 nahm der Maserati Tipo 26 – das erste Fahrzeug mit dem Dreizack-Logo auf der Motorhaube – an der Targa Florio teil und gewann seine Klasse. 2026 will man mit dem GT2-Modell des MC20 versuchen, die Titel aus den Vorjahren in der GT2 European Series zu verteidigen. In der US-GT-Serie wird man erstmals mit dem Maserati MCXtrema in der GTX-Klasse starten. Und weil man daran sieht, dass sich Maserati mehr auf den GT-Sport konzentriert, ist der Ausstieg aus der Formel E nur verständlich. Stellantis-intern übernimmt den Platz Citröen, die auch deutlich mehr Bezug zur Elektromobilität haben.

Maseratis Geschichte im Panini Museum hautnah erleben

Sie wollen auch einmal tief in die Maserati-Geschichte eintauchen? Dann halten Sie doch auf dem Weg in den Italien-Urlaub einmal in Modena beim Umberto-Panini-Museum an. Ja, richtig, das hat was mit den Paninis zu tun, die mit den Fußballbildern weltberühmt geworden sind. Umberto hat die exklusivste Maserati-Sammlung der Welt. Rund 50 Autos, 60 Motorräder, 20 Traktoren, Motoren und vieles mehr gibt es dort zu bestaunen. Alle stehen sie hier: der Viertürer Maserati Royale, der 3500 GT Touring, der von Giugiaro entworfene Bora, der Khamsin aus der Citroën-Ära und der von Marcello Gandini entworfene Chubasco. Sohn Giovanni Panini gibt auch private Touren, und am Eingang kann man hauseigenen Parmesan kaufen, herrlich.
Maserati: zu Besuch im Werk Modena
Alle stehen sie da, auch die kantigen Modelle aus den 60ern, 70ern und frühen 80ern. Der A6G/54 Allemano, Khamsin und, und, und ...
Bild: Lena Willgalis
Einer, der auch auf den italienischen Charme steht, ist Jean-Philippe Imparato. Der Franzose hat Maserati von Santo Ficili übernommen und sagte kürzlich bei der Feier zur Rückkehr nach Modena: "Maserati ist eine Marke, bei der es nicht nur um Sportwagen geht, sondern um Gran Turismo, um Lebensqualität, la dolce vita und Technologie. Maserati 100 Prozent elektrisch? Unmöglich!"
Und weiter meinte der ehemalige Stellantis-Europa-Chef: "Back to the roots ist nicht nur eine Hommage an unsere legendäre Geschichte, sondern eine identitätsstiftende Entscheidung, mit der wir mit Stolz in die Zukunft blicken." Wer solche Worte in den Mund nimmt, das kann nur gut werden. Wir sind gespannt und freuen uns auf alles, was aus Modena kommt.