Es gibt sie noch, die dicken Diesel – sogar in primär für den US-Markt gedachten SUV. Etwa im Mazda CX-80, wo die sechs Zylinder in Reihe stehen wie bei BMW oder seit 2017 auch wieder bei Mercedes.
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Das derzeitige Mazda-Topmodell ist eine fast schon amerikanisch stattliche Erscheinung und vorn mit dem vor zwei Jahren gestarteten CX-60 identisch, aber gestreckt auf einen Radstand von 3120 Millimeter und nur knapp in die Normgarage passende 4995 Millimeter Länge.

Zentraler Controller für leichte Bedienung

Innen bleibt's beim klassischen Layout mit Rundinstrumenten, Drehdrücksteller und einem 12,3-Zoll-Infotainmentschirm, der nicht die gesamte Gestaltung dominiert. Die Mittelkonsole mit dem zentralen Controller, der bei Mazda Multi-Commander heißt, mag sich seit zehn Jahren kaum verändert haben, dafür ist die Bedienung ablenkungsarm und leihwagentauglich.
Mazda CX-80 e-Skyactiv D 254 AWD
Klassisches, ablenkungsarmes Cockpit mit Runduhren, Tasten und Drehreglern – und unnötig breiter Mittelkonsole im US-Car-Stil.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Mazda hat zusätzlich neuzeitliche Goodies hineingepackt, wie den 360-Grad-Monitor mit virtuell durchsichtiger Motorhaube im Land-Rover-Stil. Letztere ist eine Idee aus dem Geländewagenbau (2550 Euro, Serie ab Ausstattung Homura plus) und hilfreich bei der Auffahrt an Steilhängen, wo der Fahrer sonst nur Himmel sieht.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Sechszylinder, Turbo 
Einbaulage 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Hubraum 
3283 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
187 (254)/3750 
Nm bei 1/min
550/1500 
Vmax
219 km/h 
Getriebe 
Achtstufenautomatik 
Antrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
Goodyear Eagle F1 
Reifentyp 
235/50 R20 W 
Radgröße 
7,5 x 20" 
Abgas CO2 
150 g/km 
Verbrauch* 
5,8 l/100 km 
Tankinhalt 
74 l 
Kraftstoffsorte 
Diesel 
SCR-Kat/Ad-Blue-Tankinhalt 
S/6,7 l 
Vorbeifahrgeräusch 
64 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
2500/750 kg 
Stützlast 
100 kg 
Kofferraumvolumen 
258/687–1971 l 
Länge/Breite/Höhe 
4995/1890–2134**/1710 mm 
Radstand 
3120 mm 
Grundpreis
59.050 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
69.350 Euro
Angesichts seiner Maße ist man im CX-80 aber auch in 80er-Jahre-Parkhäusern und Altstadtgassen dankbar für dieses Extra. Mit dem Multi-Commander lässt sich zwischen 360-Grad-Ansicht und "See-through-view" umschalten per Links- und Rechtsruck.

Nur ganz hinten ist es eng im CX-80

Vorn wie hinten sitzt man nicht so extrem hoch wie in vielen Geländewagen, aber bequem auf bis zu 28 Zentimetern Höhe über dem Fußboden. Die Sitzflächen vorn sind etwas kurz und nicht ausziehbar. Für lange Menschen dürfte der Verstellbereich gern größer sein, die Sitzschienen könnten weiter nach hinten reichen.
Mazda CX-80 e-Skyactiv D 254 AWD
Roter Riese: Der CX-80 bietet bei rund fünf Metern Länge und 3,12 Metern Radstand viel Platz – nur in Reihe drei kneift es schnell.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die dritte Reihe zu entern, erfordert Gelenkigkeit. Und wer dort sitzt, sollte weder über 1,70 Meter groß sein noch an Rückenproblemen leiden, denn die Lehnen sind steil und wenig ausgeformt.

Beim Diesel setzt Mazda auf Upsizing

Ein Druck auf den Startknopf, und wir atmen auf: Der Reihensechszylinder lebt! Nach all den stummen Elektroautos dürfen wir hier wieder mechanischen Wohlklang erleben – genießen wir's! Typisch für aktuelle Mazda ist der niedrig verdichtete Diesel (15,2:1) mit integriertem Startergenerator und generös eingeschenktem Hubraum. Der bärige Selbstzünder produziert beim Hochbeschleunigen einen leicht angerauten Wohlklang, etwas heller als das übliche Dieselbrummen.
Mazda CX-80 e-Skyactiv D 254 AWD
Reihensechser: Ein 3283 cm³ großer Selbstzünder mit 254 PS und 550 Nm sorgt im CX-80 für Vortrieb – mit feiner Laufkultur.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dieses dicke Ding umarmt uns geradezu mit seiner Großzügigkeit. Und leitet seine 550 Nm Drehmoment weiter an eine Achtstufenautomatik mit Mehrscheiben-Nasskupplung statt Wandler, die die Gänge so sinnreich wie rechtzeitig sortiert und bestens mit dem Diesel harmoniert.

Achtstufenautomatik mit langer Übersetzung

Die Endübersetzung fällt lang aus; bei schiffsdieseligen 2000 Touren ist man bereits mit Tempo 140 unterwegs, bei 3000 Umdrehungen laut Tacho mit 190 km/h. Leider sind Windgeräusche zu vernehmen ab etwa 140 km/h aus Richtung Spiegel, und die Dichtgummis liegen offenbar nicht ganz sauber an.
Mazda CX-80 e-Skyactiv D 254 AWD
Fahrdynamik: sehr stabiler Geradeauslauf, für Gewicht und Größe agil.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Assistenten und Spurführung arbeiten recht feinfühlig und angenehm. Die rein kamera-, nicht navibasierte Verkehrszeichenerkennung zeigt Tempolimits erst an, wenn man daran vorbeigefahren ist – spät, das birgt ein gewisses Punkte-Risiko.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,1 s 
0–100 km/h 
7,9 s 
0–130 km/h 
12,4 s 
0–160 km/h 
19,1 s 
0–200 km/h 
35,5 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,0 s 
80–120 km/h 
5,2 s 
Leergewicht/Zuladung 
2207/574 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
52/48 % 
Wendekreis links/rechts 
12,7/12,6 m 
Sitzhöhe 
650 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,2 m 
aus 100 km/h warm 
33,6 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A) 
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
bei 130 km/h 
68 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
5,4 l/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
7,0 l D/100 km
(+ 4 %)
Sportverbrauch 
9,8 l/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
185 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
1050 km 
Die Verkehrszeichenübernahme braucht einen bestätigenden Druck auf die "Res"-Taste in der rechten Lenkradspeiche – übrigens gibt's die Möglichkeit, ein Offset zu programmieren wie etwa bei BMW. Also: ein bisschen über dem Tempolimit, ohne gleich in die Flensburg-Punkte zu fahren.

Fahrwerk mit konventioneller Stahlfederung

Etwas viel Teig in der Lenkung und Schwergängigkeit beim Rangieren erinnern an ältere G-Mercedes. Man gewöhnt sich daran, ebenso wie an den Wendekreis von 12,7 Metern. Bei flotterer Fahrt passt die Handkraft hingegen, bei sehr stabilem Geradeauslauf.
Mazda CX-80 e-Skyactiv D 254 AWD
Der CX-80 ist ganz konventionell gefedert, ein Luftfahrwerk gibt es nicht. Fahrbahnfugen federt der Mazda so herb und stuckerig an.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Luftfederung oder gar Allradlenkung wird man in der Optionsliste vergeblich suchen. Der CX-80 kommt stets mit konventioneller Stahlfederung. Zu den Fahrwerken der großen Mazda-SUV haben wir schon viel geschrieben. Auch zu diesem hier, obwohl gegenüber frühen CX-60 überarbeitet, haben wir einiges anzumerken. Mazda hat sich erkennbar das Fahrwerk noch mal vorgeknöpft und das amerikanisch Weiche beseitigt.
Das Ergebnis ist verbessert, aber noch immer nicht perfekt: Auf Fahrbahnfugen federt der Dicke herb und stuckerig an, reicht sie trocken an die Fahrgäste durch. Sogar Fahrbahnmarkierungen, falls neu und noch nicht abgenutzt, stuckern munter in die Kabine hinein. Kurz: Die Hinterachse wirkt trampelig, nicht oberklassig. Das gilt auch für Kleinigkeiten wie die Lüftung ohne wirksamen Aktivkohlefilter, die den Dieselgeruch des Uralt-Schleppers vor uns ins Innere lässt.

Wertung

Wertung
Karosserie
Platzangebot vorn nur mittelgut, im Fond top. Guter Qualitätseindruck. Zuladung könnte höher sein.
3,5/5 Punkten
Antrieb
Beschleunigt gemütlich, aber Zwischenspurt souverän. Ansprechen etwas verzögert. Laufkultur fein.
4/5 Punkten
Fahrdynamik
Kräftige Bremsen. Sehr stabiler Geradeauslauf, für Gewicht und Größe agil. Großer Wendekreis.
4/5 Punkten
Connected Car
Navi ohne Echtzeitdaten. Sprachsteuerung trotz Alexa-Integration bescheiden. Top: Telefon, Audio.
3,5/5 Punkten
Umwelt
Groß, schwer, aber hoher Nutzwert und leise. Außer E-Motor im Getriebe keine besondere Umwelttechnik.
2,5/5 Punkten
Komfort
Einstieg bequem. Die besten Plätze sind im Fond. Federung und Innengeräusch mit Schwächen.
3,5/5 Punkten
Kosten
Preis angemessen, Wiederverkauf mittelgut. Versicherung und Wartung teuer. Generöse Garantie.
3,5/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
2-
Lange Bodenwellen verarbeitet der lange CX-80 klar besser als der von uns kritisierte CX-60, denn im Gegensatz zu diesem verlieren die Hinterräder auf der heftigsten Bodenwelle unserer Teststrecke nie den Bodenkontakt. Leider federn sie noch immer zu weit aus, die Zugstufe der Hinterachse ist noch immer weit offen. Und so braucht der schwere Allradler einen Moment, bis er sich wieder beruhigt. Die Karosserie bewegt sich zu viel, schwingt sich leicht auf – aber klar weniger als der CX-60 der Anfangstage.

Absolut kein SUV für Dynamiker

Cockpit und Innenverkleidungen sind nicht ganz zirp- und quietschfrei auf Kopfsteinpflaster, was aber die insgesamt solide Anmutung wenig stört. Beim Ausweichtest dreht sich das große, schwere Gefährt weit ein. Leicht übersteuernd ist es ausgelegt, vollführt deutlich mehr Aufbaubewegungen als etwa ein Mercedes GLC.
Mazda CX-80 e-Skyactiv D 254 AWD
Zu viel Bewegung im großen SUV: Die Karosserie schwingt sich leicht auf, vollführt deutliche Aufbaubewegungen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Mazda wirft seine Masse viel stärker von einer Seite der Dämpfer auf die andere. Nun ja, dieses SUV ist nichts für Dynamiker. Der anvisierten Kundschaft dürften die 2,5 Tonnen Zuglast und die von uns attestierte angemessene Fahrsicherheit aber wichtiger sein. Zumal der CX-80 entschlossen und stabil bremst.

Bildergalerie

Mazda CX-80 e-Skyactiv D 254 AWD
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Mazda CX-80 im Test

Fazit

Mazda macht motortechnisch sein eigenes Ding – und der Testverbrauch gibt der Marke recht! Das überarbeitete Fahrwerk ist noch immer nicht perfekt, aber der Pracht-Diesel rechtfertigt den Kauf des ganzen Autos. AUTO BILD-Testnote: 2-