Klein, flott und trotzdem bezahlbar – für die Autohersteller eine zunehmend komplizierte Geschichte. Denn erstens machen Brüsseler CO2-Regelungen es ihnen besonders schwer, bei geringem Fahrzeuggewicht die Flottengrenzwerte einzuhalten. Und zweitens lassen sich herkömmliche Verbrenner irgendwann nur noch mit viel Gehirnschmalz sparsamer machen.

Zwei Kleinwagen mit Hybridantrieb im Test

#Getestete ProduktePreis
1.
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Opel Corsa 1.2 Turbo Hybrid 48V
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2.
Mazda 2 Hybrid
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Mazda hat dieses Problem auf einfache und einfach zu enttarnende Art gelöst: Badge-Engineering. Der Mazda2 Hybrid ist im Grunde nichts weiter als eine Adaption des aktuellen Toyota Yaris. Sicher nicht schlecht, denn Toyota gilt als Meister Yoda unter den Hybridherstellern: "Elektrifizieren du musst." Opel startet nun mit dem Corsa einen eigenen Versuch. Geht das Konzept auf, schafft der Corsa es, am Mazda vorbeizufahren?

Mazda2 und Corsa überzeugen nicht überall

Aber der Reihe nach. Zunächst lohnt es sich, einen Blick auf das Drumherum zu werfen: die Karosserien. Man stellt fest, dass beide nicht zu den praktischsten, aber auch nicht zu den unpraktischsten Vertretern ihrer Klasse zählen.
Mazda2 Hybrid Opel Corsa 1.2 Turbo Hybrid 48V
Kleinwagen mit Hybridantrieb: Mazda2 und Opel Corsa haben ihre Stärken, erforden an manchen Stellen aber auch Kompromisse.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Im Corsa stört das ergonomisch etwas ungünstig platzierte Lenkrad, das sich zwar – wie auch die Sitze – weit genug herunterstellen lässt, dann aber die digitale Geschwindigkeitsanzeige verdeckt. Also stellt man es wieder ein Stück hoch, muss dann aber auch den Sitz etwas weiter hochfahren, als man das eigentlich tun würde.

Bei der Ausstattung herrscht Gleichstand

Im Mazda stört die teilweise rustikale Verarbeitung beispielsweise des Laderaumbodens im Kofferraum mit scharfen Kanten, dazu leidet die Übersicht unter der nach hinten steil ansteigenden Fensterlinie, und der Kofferraum fällt mit 286 bis 935 Litern etwas kleiner aus als im Corsa (309 bis 1081 Liter). Alles in allem geht das Karosseriekapitel an den Corsa, der mit 4,06 Metern den Mazda (3,94 Meter) um ein ganzes Stück überragt.
Mazda2 Hybrid
Licht und Schatten: Das Mazda-Cockpit ist jetzt immer volldigital, die Bedienung okay, aber die Materialqualität bleibt einfach.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Bei der Technik im Innenraum herrscht Gleichstand. Beide bieten reichlich Ausstattung, von Sitz- und Lenkradheizung übers Navigationssystem bis hin zu getönten Scheiben ist so ziemlich alles Wünschenswerte an Bord. Smartphones, egal ob Apple oder Android, spiegeln beide Systeme kabellos.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Dreizylinder + E-Motor, Hybrid
Dreizylinder, Turbo, 48V-Hybrid
Einbaulage
vorn quer
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Zahnriemen
Hubraum
1490 cm³
1199 cm³
Leistung/Systemleistung
85 kW (116 PS) (Systemleistung)
74 kW (100 PS) bei 5500/min.
max. Drehmoment
120/141 Nm (Verbrenner/E-Motor)
205/55 Nm (Verbrenner/E-Motor)
Vmax
175 km/h
188 km/h
Getriebe
stufenloses Getriebe
Sechsgang-Doppelkupplung
Antrieb
Vorderrad
Vorderrad
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
205/45 R 17 W
225/45 R 17 Y
Reifentyp
Bridgestone Ecopia EP 150
Michelin Pilot Sport 4
Radgröße
6,5 x 17"
7 x 17"
Abgas CO2*
97 g/km
104 g/km
Verbrauch*
4,2 l
4,6 l
Tankinhalt
36 l
44 l
Kraftstoffsorte
Super
Super
Ottopartikelfilter
Serie
Serie
Vorbeifahrgeräusch
70 dB(A)
65 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
450/450 kg
1200/610 kg
Stützlast
50 kg
55 kg
Kofferraumvolumen
286–935 l
309–1081 l
Länge/Breite/Höhe
3940/1745–2020**/1505 mm
4061/1765–1960**/1435 mm
Radstand
2560 mm
2538 mm
Grundpreis
24.990 Euro
26.100 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
32.890 Euro
31.300 Euro
Der Mazda2 Hybrid benimmt sich, wie man es von Toyota-Technik kennt. Sein 92 PS starker 1,5-Liter-Dreizylinder arbeitet mit robuster Saugrohreinspritzung, wird unterstützt von einem 80-PS-Elektromotor. Zusammen sorgen beide für flotte Fahrleistungen und beschleunigen den 2er in 10,5 Sekunden (Werksangabe: 9,7 Sekunden) auf Tempo 100. Die Systemleistung beträgt 116 PS.

Mazda ist noch sparsamer als Opel

Wer die Leistungsreserven ausnutzt, ruft allerdings überproportional deutlich den Benziner auf den Plan. Der Kontrast zwischen gemütlichem Betrieb, den das Doppelherz oft und mittlerweile dank modernem Lithium-Ionen-Akku über einige Kilometer (wenn das Streckenprofil passt) realisieren kann, und dem dröhnenden Dreizylinder unter Volllast lässt den Japaner sehr laut erscheinen.
Mazda2 Hybrid
Genügsam: Wer es langsam angehen lässt, schafft im Mazda2 Hybrid einen Verbrauch von 4,4 l/100 km. Der Opel braucht 0,2 Liter mehr.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Auch auf der Autobahn zählt der Mazda2 Hybrid nicht zu den Leisetretern, dort mischen sich früh vernehmbare Windgeräusche in den Geräuschmix. Das geringe Fahrzeuggewicht von 1170 Kilogramm und das Antriebskonzept sorgen aber am Ende tatsächlich für einen geringen Sparverbrauch von 4,4 Litern, den auch der Corsa (4,6 Liter) nicht unterbieten kann.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,6 s
3,7 s 
0–100 km/h
10,5 s
10,5 s 
0–130 km/h
17,8 s
17,5 s 
0–160 km/h
30,9 s
31,1 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
5,9 s
5,8 s 
80–120 km/h
7,8 s
7,5 s
Leergewicht/Zuladung
1170/445 kg
1200/490 kg
Gewichtsverteilung v./h.
62/38 %
65/35 %
Wendekreis links/rechts
10,9/11,1 m
10,8/10,8 m
Sitzhöhe
575 mm
550 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,3 m
34,4 m 
aus 100 km/h warm
35,4 m
34,3 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
60 dB(A)
60 dB(A) 
bei 100 km/h
67 dB(A)
67 dB(A) 
bei 130 km/h
71 dB(A)
70 dB(A)
bei 160 km/h
75 dB(A)
74 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
4,4 l S/100 km
4,6 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
5,4 l S/100 km
(+29 %)
5,5 l S/100 km
(+20 %)
Sportverbrauch
7,1 l S/100 km
7,4 l S/100 km
CO2 (Testverbrauch)
128 g/km
131 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
660 km
790 km
Der 30 Kilogramm schwerere Rüsselsheimer macht es im Grunde überall dort besser, wo der Mazda patzt: Das Geräuschniveau allgemein fällt subjektiv niedriger aus. Auf den ersten Blick ist der Corsa zwar konventioneller gebaut, aber Opel hat im Gegensatz zum normalen 100-PS-Benziner auch an einer Menge Stellschrauben gedreht.

Doppelkuppler ersetzt Wandlerautomatik

Die Achtstufen-Wandlerautomatik des normalen Modells haben die Rüsselsheimer durch ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe ersetzt, das nicht zu den schnellsten zählt, bei der Gangwahl aber meist richtig liegt. Im gemischten Betrieb ist das zusätzliche Drehmoment des Elektromotors (55 Newtonmeter) spürbar. Das Extrapfund ergänzt die 205 Newtonmeter des Verbrenners, der im Corsa Hybrid für besseres Ansprechverhalten über einen Turbolader mit variabler Turbinengeometrie verfügt.
Opel Corsa 1.2 Turbo Hybrid 48V
Schön verschliffen: Im Hybrid-Corsa steckt statt des Wandlergetriebes ein Doppelkuppler – der gefällt durch meist richtige Gangwahl.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
So verharrt der Antrieb selbst bei Beschleunigung oft in eher hohen Gängen, was beim Fahrer für Entspannung sorgt. Ins Getriebegehäuse integriert ist der 29 PS starke E-Motor. Er ermöglicht bei niedrigeren Geschwindigkeiten – Opel spricht von bis zu 30 km/h – vollelektrisches Fahren. In Einzelfällen, wenn nicht beschleunigt wird, sondern nur das Tempo gehalten werden muss, geht es aber auch mal mit 70 Sachen rein elektrisch zur Sache.

Corsa ist schneller und bremst besser

Hier lauert dennoch ein spürbarer Unterschied: Der E-Motor des Mazda2 ist fast dreimal so stark – so laufen auch Beschleunigungsvorgänge über 80 km/h rein elektrisch ab, solange das rechte Pedal nicht voll durchgetreten wird. Beim Topspeed führt der Corsa mit 188 km/h vor Mazda (175 km/h).
Mazda2 Hybrid Opel Corsa 1.2 Turbo Hybrid 48V
Nase vorn: Der Corsa schlägt den Mazda nicht nur in Sachen Vmax um 13 km/h, er kommt auch rund einen Meter früher zum Stehen.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Wird's kurvig, hat der Corsa die Nase vorn, wenn auch nur leicht. Kleine Unebenheiten werden etwas souveräner weggefedert, der Bremsweg fällt mit gut 34 Metern einen Meter kürzer aus. Beide bieten passend direkt abgestimmte Lenkungen, die Landstraßentouren nicht zu Strafmärschen machen.

Preisunterschied von rund 1500 Euro

Mazda bietet den 2 Hybrid in fünf Ausstattungslinien an, die sich nicht weiter anpassen lassen. Die günstigste Variante kostet ab 24.990 Euro – zum Test vorbeigeschickt haben die Japaner ihren kleinen Hybriden jedoch als Top-Version Homura Plus, was ihn teuer macht. Panoramadach, Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, induktive Ladeschale und noch viel mehr haben ihren Preis: Mindestens 32.890 Euro werden fällig.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
503
496
Platz
1
2
Fazit
Letztendlich bringen Details wie der größere Kofferraum, mehr Anhängelast und bessere Bremsen den Corsa nach vorn.
Der Mazda fährt annähernd auf Augenhöhe, kann als sparsamer Knirps durchaus überzeugen. Definitiv kein Verlierer.
Der Corsa liegt selbst in Top-Linie GS zuzüglich Navi-Paket und Komfortsitzen um 1500 Euro günstiger. Im Unterhalt bleiben beide erfreulich günstig, sind in allen Versicherungsklassen fair eingestuft und auch bei der Steuer (Mazda 42 Euro, Opel 34 Euro im Jahr) echte Schnäppchen. Krass dagegen der Unterschied bei der Garantie: Mazda bietet zwar nicht 15 Jahre wie das Toyota-Original, aber immerhin sechs, Opel nur zwei.

Bildergalerie

Mazda2 Hybrid Opel Corsa 1.2 Turbo Hybrid 48V
Mazda2 Hybrid
Opel Corsa 1.2 Turbo Hybrid 48V
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Zwei Kleinwagen mit Hybrid im Test

Fazit

Ein enges Rennen, das der Opel für sich entscheidet. Der Corsa ist fahraktiver, komfortabler gefedert und praktischer im Alltag. Der Mazda ist eigentlich überall dran, lässt aber hier und da ein paar Punkte liegen. Wer sich in den Japaner verliebt hat, liegt trotzdem nicht daneben.