Mazda2, Renault Clio, VW Polo: Kleinwagen im Test
Kleine Schalt-Freuden: Der frische Mazda2 tritt gegen Clio und Polo an

Drei handgeschaltetete Kleinwagen mit Vernunft-Benziner im Test: Wie schlägt sich der frisch geliftete Mazda2 gegen Renault Clio und VW Polo?
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Schon frech, wie der geliftete Mazda2 optisch auf Elektroauto macht. Dabei bietet der in Mexiko gebaute Japaner ebenso wie Renault Clio und VW Polo Autofahren, wie wir es seit jeher kennen – mit manueller Schaltung, im Falle des Mazda sogar mit Saugbenziner und ohne dominierenden Großbildschirm. Weitere gemeinsame Klammer: Alle drei haben noch einen Ölmessstab.
Das zweite Facelift des seit 2014 gebauten Mazda2 bietet wenig mehr als die neue Front und zwei neue Farben. Er ist das Angebot für alle, die wirklich nur einen Kleinwagen suchen: die Sitze kurz und klein, einengende Mittelkonsole, geringste Ellbogenfreiheit im Vergleich. In Richtung Kleinstwagen deutet der Laderaum: ein tiefes Loch hinter hoher Ladekante, der Ladeboden aus sehr einfachem Material, und statt fester Ösen gibt's nur kleine Verzurrgurte. Nur an der Verkleidung befestigt, ergo wenig belastbar. Er ist hier auch der Einzige mit störender Stufe im Laderaum.

Wirklich nur ein Kleinwagen: Der Mazda2 ist hier am engsten geschnitten. Als einziger im Test bietet er aber einen Vierzylinder.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Mazda2 mit kleinem Innenraum und großem Motor
Allerdings auch der Einzige mit vier Zylindern. Ein hochverdichteter Saugbenziner (15:1), mild hybridisiert per riemengetriebenem Starter-Generator und – Mazda-typischer Sonderweg – Kondensator statt Akku als Stromspeicher.
Mittig angeordneter Drehzahlmesser à la Porsche 911, rauchiger Klang ab 3000 Touren und die knackige Schaltung mit kurzen Wegen täuschen nur anfangs darüber hinweg, dass der Sauger seine Leistung zwar linear abgibt, aber naturgemäß kein Durchzugswunder ist. Zudem sind hier die Gänge fünf und sechs arg lang übersetzt: Bei 130 km/h macht er im Sechsten nur 2200 Umdrehungen. Was heißt, dass wir auf der Autobahn oft den Vierten reindreschen müssen.
Fahrzeugdaten
Modell | Mazda 2 e-Skyactiv G 90 M Hybrid | Renault Clio TCe 90 | VW Polo 1.0 TSI |
|---|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Mildhybrid | Dreizylinder, Turbo | Dreizylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette | Zahnriemen |
Hubraum | 1496 cm³ | 999 cm³ | 999 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 66 (90)/6000 | 67 (91)/5000 | 70 (95)/5000 |
Nm bei 1/min | 151/3500 | 160/2000 | 175/1600 |
Vmax | 183 km/h | 180 km/h | 187 km/h |
Getriebe | Sechsgang manuell | Sechsgang manuell | Fünfgang manuell |
Antrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Trommel | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Trommel |
Testwagenbereifung | 185/60 R 16 H | 195/55 R 16 H | 215/45 R 17 W |
Reifentyp | Toyo Proxes R 55 A | Continental Premium Contact 5 | Nexen Blue HD Plus |
Radgröße | 5,5 x 16" | 6,5 x 16" | 7 x 17" |
Abgas CO2 | 107 g/km | 120 g/km | 124 g/km |
Verbrauch* | 4,7 l/100 km | 5,3 l/100 km | 5,5 l/100 km |
Tankinhalt | 44 l | 42 l | 40 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super | Super |
Ottopartikelfilter | – | Serie | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 64 dB(A) | 68 dB(A) | 69 dB(A) |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 900/550 kg | 900/575 kg | 1000/580 kg |
Stützlast | 50 kg | 63 kg | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 280–950 l | 340–1069 l | 351–1125 l |
Länge/Breite/Höhe | 4080/1695–2028**/1515 mm | 4050/1798–1988**/1440 mm | 4074/1751–1964**/1451 mm |
Radstand | 2570 mm | 2583 mm | 2552 mm |
Grundpreis | 19.390 Euro | 19.450 Euro | 22.740 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 24.590 Euro | 23.000 Euro | 26.670 Euro |
Auch seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er im Vierten! Wenigstens ist es mit dieser Schaltung keine Strafe, den laufruhigen Vierzylinder bei Laune zu halten. Die Zwischenspurt-Werte fallen klar ab gegenüber den andern. Die reduzierte Komplexität durch den weggelassenen Turbo lässt dafür auf ein langes Autoleben hoffen. Auch das ist Nachhaltigkeit.
Große Unterschiede bei den Fahrwerken
Das Fahrwerk hinterlässt einen unruhigeren Eindruck als bei den Konkurrenten. Der Japaner rollt zwar passabel ab, auf heftigeren und wiederholten Unebenheiten aber hüpft er flummiartig auf und ab; oft sind die Dämpfer in der Zugstufe am Anschlag.

Fährt etwas hinterher: Der Mazda2 ist unruhiger als seine Konkurrenten, der Clio und vor allem der Polo liegen besser auf der Straße.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Etwas getan hat Mazda wohl an der Verarbeitung: Vom Knarzen und Knistern älterer Testexemplare ist wenig übrig. Dennoch wirkt er dünnblechiger als Clio und Polo; Abroll- und Achsgeräusche kommen stärker durch. Windgeräusche sind bei ihm ab Tempo 115 zu hören, bei den beiden anderen erst ab etwa 140 km/h.
Dass Apple CarPlay nun kabellos geht, hilft wenig: Der iPhone-Akku leert sich dann schnell, also muss doch ein Ladekabel her. Der Mazda nutzt noch ein SD-Navi, keine Festplatte wie heute üblich. Hier merkt man das Alter. Der 2er erweist sich als echter Charakterkopf mit Schwächen, aber auch ausgeprägten Stärken. Mit 5,0 l/100 km verbraucht er am wenigsten, und Schwacke sagt ihm einen geringen Wertverlust voraus.
Im Clio sind Vibrationen spürbar
Die Sitze des Clio sind zu weich, schmaler als die des Mazda, bieten aber mehr Beinauflage. Im Fond wird es ab 1,80 Meter Körpergröße eng. Wenigstens fällt die Fondlehne nicht so steil aus wie im Mazda. Im Laderaum überzeugt der Clio mit soliden Verzurrösen, am Blech befestigt, und einem recht ebenen Laderaum ohne Stufe.

Kein Leisetreter: Schon beim Start schüttelt sich der Dreizylinder des Clio. In Fahrt sind dann Vibrationen spürbar.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Beim Start schüttelt sich der TCe-Dreizylinder. Stets sind mehr Vibrationen spürbar als im VW, was an einer weicheren Motoraufhängung liegen dürfte. Die Sechsgangschaltung mit ihrem dicken Alu-Knauf ist unpräzise geführt, und die Gänge rasten erst ganz am Ende des Schaltwegs ein.
Renault-Lenkung ohne Rückmeldung
Fast alles an diesem Auto wirkt wie vom Weichzeichner übernebelt – kann man mögen, nur sollte das Fahrwerk dann auch kurze Anregungen wie Fugen und Kanten nicht so präzise scannen. Waschbrettmuster quittiert der Clio mit Dauerzittern. Insgesamt bietet die Federung aber größere Reserven als die des Mazda.
Die teigige, synthetische Lenkung will uns eigentlich gar nichts mitteilen, was irgendwie nicht zum sportiven Klang passt. Auch widersprüchlich: Beim Durchzug liegt der Clio vorn, wegen des nicht schnell schaltbaren Getriebes und oft verzögerter Leistungsabgabe beschleunigt er aber am langsamsten. Bremsen kann er bestens – er ist der Einzige hier mit Scheiben ringsum.
Messwerte
Modell | Mazda 2 e-Skyactiv G 90 M Hybrid | Renault Clio TCe 90 | VW Polo 1.0 TSI |
|---|---|---|---|
Beschleunigung | |||
0–50 km/h | 3,5 s | 3,8 s | 3,7 s |
0–100 km/h | 10,9 s | 12,3 s | 11,3 s |
0–130 km/h | 19,4 s | 21,5 s | 18,9 s |
Elastizität | |||
60–100 km/h | 14,4/22,8 s (4./5. Gang) | 8,3/12,8 s (4./5. Gang) | 10,2/15,8 s (4./5. Gang) |
80–120 km/h | 27,4/46,0 s (5./6. Gang) | 13,1/20,4 s (5./6. Gang) | 17,4 s (5. Gang) |
Leergewicht/Zuladung | 1100/440 kg | 1130/479 kg | 1165/455 kg |
Gewichtsverteilung vorn/hinten | 63/37 % | 61/39 % | 61/39 % |
Wendekreis links/rechts | 10,6/10,7 m | 10,7/10,8 m | 11,0/11,0 m |
Sitzhöhe | 550 mm | 540 mm | 580 mm |
Bremsweg | |||
aus 100 km/h kalt | 36,9 m | 35,2 m | 34,2 m |
aus 100 km/h warm | 37,8 m | 34,4 m | 33,4 m |
Innengeräusch | |||
bei 50 km/h | 58 dB(A) | 58 dB(A) | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) | 66 dB(A) | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 71 dB(A) | 70 dB(A) | 69 dB(A) |
Verbrauch | |||
Sparverbrauch | 4,2 l S/100 km | 4,9 l S/100 km | 5,1 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 5,0 l S/100 km (+6,4 %) | 6,2 l S/100 km (+17 %) | 5,9 l S/100 km (+7,3 %) |
Sportverbrauch | 7,0 l S/100 km | 7,8 l S/100 km | 6,9 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 119 g/km | 147 g/km | 139 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 870 km | 670 km | 680 km |
Trotz des Stuckerns auf kurzen Wellen liegt der Clio ruhiger auf unserer Rumpelstrecke als der Mazda. Allerdings ist hier kaum auszumachen, welche Teile die Knistergeräusche verursachen – sie kommen aus allen Richtungen. Das Google-Infotainment jüngerer Renault-Modelle bietet der Clio nicht. Nur Android Auto ist kabellos, Apple CarPlay nicht. Die Sprachbedienung gibt sich ähnlich schwerhörig wie die des Mazda. Gut gemacht hingegen ist die Stau-Übersicht auf der Navi-Karte.
Polo muss mit fünf Gängen auskommen
Über dem VW Polo liegt, obwohl in Spanien gebaut, eine teutonische Strenge: sachlich, nach altem Ingenieurs-Reinheitsgebot um die Insassen herum gedacht. Er bietet als Einziger serienmäßig einen doppelten Ladeboden, Verzurrösen wie im Clio aus solidem Metall, verankert im Blech. Angesichts des Preises verwundert die Beschränkung auf fünf Gänge – mit langen Schaltwegen, zumindest präzise geführt. Da der Turbo aber viel Drehmoment liefert, gibt's wenig zu schalten. Und der fünfte Gang ist lang: bei 130 km/h dreht der 1.0er nur 3000-mal in der Minute.

Ein wenig verwunderlich: In Sachen Getriebe bietet der Polo nur fünf Gänge an. Beim Preis ist der VW deutlich unbescheidener.
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Apple CarPlay und Android Auto kann der Polo kabellos, perfekt ist aber auch er nicht: Besondere Spritspartechnik fehlt, hinten verfügt er nur über Trommelbremsen wie Mazda, die Motorhauben-Unterseite ist nur grundiert, die Sitzflächen fallen stark nach hinten ab.
Auf üblen Straßen klappert die Mittelkonsole, es gibt keine Griffe im Dachhimmel, die Fußmatten sind nur am Teppich befestigt wie bei allen hier. Die Fondlehne steht zu steil, aber die Passagiere sitzen zumindest auf tadellosen Polstern. Nur VW verlangt Aufpreis für Klimaautomatik (375 Euro) und Freischaltung der Sprachbedienung (269 Euro).
Dafür fährt der Polo vom souverän durchziehenden, vergleichsweise leisen Dreizylinder über die sanfte, aber zielgenaue Lenkung bis hin zur ausgewogen-straffen Federung eine Klasse höher.
Fazit
Diese drei bieten Autofahren wie früher, und so mancher Käufer will ja gar nichts anderes. Die jüngsten Facelifts von Mazda 2 und Renault Clio bieten wenig mehr als aktualisierte Optik – die Hersteller dürften gern mehr investieren in diese nützlichen kleinen Alltagskumpel. Sonst verschwinden sie irgendwann – wie der Ford Fiesta.
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