15 Millionen US-Dollar: Wenn ein solcher Schätzpreis noch untertrieben scheint, dann muss es sich um ein ganz besonderes Auto handeln! Der McLaren F1, zwischen 1989 und 1992 von Mastermind Gordon Murray entwickelt, wird nicht nur als Urvater der heutigen Hypersportwagen gehandelt, er gehört auch zu den begehrenswertesten und wertstabilsten Autos weltweit. Im Rahmen der "Carweek 2021" versteigert das Aktionshaus Gooding & Company im August 2021 einen einmaligen McLaren F1!
Hinweis
McLaren-Modelle im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt
Chassis-Nummer 029 (VIN SA9AB5AC9S1048029) ist in mehrfacher Hinsicht einzigartig. Zum einen ist es der einzige F1, der in der Farbe "Creighton Brown" lackiert wurde – einem zwischen Braun und Flieder changierenden Ton, der nach dem ehemaligen McLaren-Anteilseigner und -Direktor († 2006) benannt wurde. Zum anderen ist Chassis 029 praktisch ein Neuwagen: Seit der Auslieferung im Jahr 1995 wurde der F1 gerade mal 387 Kilometer gefahren. Trotz der geringen Laufleistung präsentiert sich der F1 in perfektem Zustand. Das liegt daran, dass die Vorbesitzer das Sammlerstück regelmäßig haben warten lassen. Dass die Historie lückenlos belegbar ist, versteht sich fast von selbst. Laut offizieller Dokumentation verließ F1 029 die Werkshallen als 25. Fahrzeug und wurde 1995 an seinen Erstbesitzer nach Japan ausgeliefert, wo er viele Jahre Teil einer privaten Sammlung war. Von dort wurde er ohne große mediale Kenntnisnahme an seinen aktuellen Besitzer in die USA verkauft. Auch dort wurde der F1 in dem einzigartigen Braunton wenig gefahren, aber regelmäßig gewartet.
McLaren F1 1995  -  Pebble Beach Parc du Concours
Die mittige Sitzposition macht das Fahrerlebnis im F1 zu etwas ganz Besonderem. Der Innenraum befindet sich um Neuzustand.

Nur 106 McLaren F1 wurden gebaut

Es gibt viele Gründe, warum der McLaren F1 heute zu den gesuchtesten Autos der Welt gehört. Ein Punkt ist die Exklusivität: Ursprünglich hätten 350 McLaren F1 gebaut werden sollen, doch McLaren konnte zwischen 1993 und 1997 nur 106 Exemplare verkaufen. Von diesen 106 Fahrzeugen hatten lediglich 78 eine Straßenzulassung, die übrigen 28 Stück entfielen auf den reinrassigen Rennwagen F1 GTR. Heutzutage ist eine nicht unerhebliche Anzahl der F1 GTR übrigens für den Straßenverkehr umgerüstet und zugelassen. Hinzu kommt, dass der von Gordon Murray entwickelte F1 nicht nur der erste McLaren-Supersportwagen der Neuzeit war, sondern auch ohne Restriktionen entwickelt wurde.

McLaren F1 mit V12-Saugmotor von BMW

Murray, der gerade erst seine neueste Kreation T.50 präsentierte, hatte das Ziel, den ultimativen Sportwagen zu bauen. Dazu brach er mit vielen Konventionen: So ist der F1 ein Dreisitzer, bei dem der Fahrer in der Mitte und die Beifahrer rechts und links leicht nach hinten versetzt untergebracht sind. Außerdem besteht die Karosserie des F1 aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) – ein Novum Anfang der 90er-Jahre. Beim Motor griff McLaren auf einen von BMW gefertigten 6,1 Liter großen V12-Saugmotor (S70B61) zurück, der im F1 627 PS und 650 Nm leistete. Im nur sechs Mal gebauten F1 LM waren es sogar 680 PS. Die Kraft wird über eine Sechsgang-Handschaltung an die Hinterräder abgegeben, und aufgrund des geringen Gewichts von nur 1138 Kilo war der F1 schnell. Konkret war der F1 für viele Jahre sogar das schnellste Serienauto der Welt: 1998 erreichte der immer noch existierende Prototyp XP5 mit erhöhtem Drehzahlbegrenzer einen Topspeed von unglaublichen 391 km/h – bis heute ist der F1 damit das schnellste von einem Saugmotor angetriebene Auto der Welt.
McLaren F1 1995  -  Pebble Beach Parc du Concours
Wie es sich für ein Sammlerstück gehört, ist das gesamte Zubehör wie Gepäckset, Werkzeugwagen und Tag Heuer-Armbanduhr inklusive.

McLaren F1 erzielen regelmäßig Höchstpreise

Der Großteil des F1-Bestands ist seit vielen Jahren in Sammlerhand. So soll allein der Sultan von Brunei zehn McLaren F1 bestellt haben, von denen nachweislich nur ein Exemplar (Chassis-Nummer 014) "entkommen" konnte. Dass ein McLaren F1 offiziell angeboten wird, ist also die absolute Ausnahme. Kein Wunder also, dass verschiedene McLaren F1 in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder Rekordpreise bei Auktionen erreicht haben. Im August 2015 wurde Chassis-Nummer 073 (nachträglich mit LM-Kit ausgestattet) für 13,75 Millionen US-Dollar versteigert. Erst vor zwei Jahren konnte Chassis-Nummer 018 (ebenfalls nachträglich auf LM-Spezifikation umgerüstet) einen unglaublichen Preis von 18 Millionen US-Dollar erzielen. Inklusive Gebühren betrug das Höchstgebot 19,8 Millionen US-Dollar, also umgerechnet rund 16,6 Millionen Euro.

Der Schätzpreis liegt bei 12,6 Millionen Euro

Es ist also durchaus denkbar, dass der hier gezeigte McLaren F1 mit der Chassis-Nummer 029 den Schätzpreis von 15 Millionen US-Dollar (ca. 12,6 Millionen Euro) deutlich übertrifft. Schließlich handelt es sich praktisch um einen in dieser Farbe einmaligen Neuwagen, der sogar noch auf seinen originalen Goodyear-Reifen aus dem Jahr 1995 steht – und mitsamt allen originalen Dokumenten und Zubehör angeboten wird. Dazu zählen neben Serviceheft und Bedienungsanleitung das Titan-Werkzeugset, der Facom-Werkzeugwagen, das originale Koffer-/Taschenset, die "Tag Heuer"-Armbanduhr und ein entsprechendes Buch mit dem Titel "Driving Ambition". Versteigert wird der legendäre McLaren F1 auf der Pebble Beach-Auktion am 14./15. August 2021.