Das legendäre 24h-Rennen auf dem Nürburgring ist als eines der härtesten Autorennen der Welt bekannt. Es gilt als Belastungsprobe für Fahrer und Maschine. Aber auch für die Mechaniker. Ich, AUTO BILD MOTORSPORT-Reporter Sönke Brederlow, war in diesem Jahr als Mechaniker dabei. Das Besondere: Der Ford Focus von RLE International wird ausschließlich von Studenten entwickelt und eingesetzt. In den letzten Tagen vor dem Rennen wurde fast Tag und Nacht gearbeitet. Voller Motivation und Ehrgeiz für ein gutes Ergebnis.
Der Job am Schlagschrauber
Die Boxencrew ist bereit für das Rennen
Wenige Wochen vor dem Rennen fiel die Entscheidung, dass der Rennwagen mit E20-Kraftstoff, also einem Treibstoff mit 20 Prozent Bio-Ethanol, starten wird. Weil alle Fahrzeuge mit einem alternativen Antrieb in eine Gruppe – die Klasse AT – geworfen werden, ist die Konkurrenz groß. Neben dem Ford Focus waren unter anderem auch die Dodge Viper von Skater-Papst Titus Dittmann (69) sowie der Porsche 911 GT3 Cup von Rapper Smudo (50) vertreten.

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Anreise am Dienstag

Am Dienstag vor dem Rennen ging es los. Während ein Team in der Werkstatt in Köln die letzten Hangriffe am Ford Focus vornahm, war die restliche Crew bereits in der Eifel, um das Teamzelt einzurichten und die Box einzuräumen. Das Zuhause für die nächsten fünf Tage.
Der Job am Schlagschrauber
Zahlreiche Fans empfingen uns in Adenau
Mit den Adenauer Racing Days, bei denen die Rennwagen über die Nordschleife bis nach Adenau gefahren werden, wurde am Mittwoch das Rennwochenende eingeläutet. Über 3.000 begeisterte Fans hatten sich bei strahlendem Sonnenschein entlang der Hauptstraße, die über den Marktplatz führt, versammelt, um die Rennfahrzeuge unterschiedlicher Klassen zu empfangen und die anschließende Fahrervorstellung auf der großen Show-Bühne mitzuerleben.
Ab Donnerstag wurde es schließlich ernst. Obwohl das Freie Training sowie die beiden Qualifyings nahezu problemlos ablaufen, gab es viel zu tun. Nach jeder Session wird das Rennauto kontrolliert, auf Schäden untersucht und für den nächsten Einsatz vorbereitet. Auf Wunsch der Fahrer werden Änderungen am Setup vorgenommen und das Fahrwerk neu vermessen.

Guter Start ins Rennen

Der Job am Schlagschrauber
Vier planmäßige Boxenstopps wurden absolviert
Der Start in das Rennen am Samstag verlief zufriedenstellend. Vier planmäßige Boxenstopps mit Fahrerwechsel konnten absolviert werden. Meine Aufgabe war der Wechsel des linken Hinterrads. Dafür blieben, bedingt durch den Tankvorgang, rund eine Minute Zeit. Im Gegensatz zu den Top-Teams, die ihre Räder mit einem Zentralverschluss wechseln könnten, müssen wir fünf Radmuttern lösen. Zusätzlich wird ein kurzer Blick ins Radhaus geworfen und das Radlager auf Spiel überprüft. Damit können mögliche Defekte frühzeitig erkannt werden.
Nach einer guten Anfangsphase kam der Rennwagen plötzlich ohne Leistung in die Box: Der Turboschlauch war abgerissen. Als Mechaniker gibt es während des Rennens kaum eine Pause. Das Fahrzeug kann jederzeit zu einem unplanmäßigen Halt in die Box kommen. Rund 50 Minuten arbeiteten wir daran, den Schaden zu beheben. Dann ging der Ford unter dem Jubel der Umherstehenden wieder auf die Strecke.

Frühzeitiges Ende

Der Job am Schlagschrauber
Tolle Erfahrung: Mechaniker beim 24h-Rennen
Beim nächsten Fahrerwechsel folgte wieder ein Schreck. Das 24h-Rennen auf dem Nürburgring ist kein Zuckerschlecken. Die Antriebswelle war beschädigt. Erneut mussten wir ran. Weil das Ersatzteil schon im Qualifying gebraucht wurde, wird die Antriebswelle aus einem Straßenauto ausgebaut und für den Einsatz im Rennwagen vorbereitet. Das gibt's nur beim 24h-Rennen! Die Zeit tickt kontinuierlich weiter, kostbare Minuten gehen verloren. Ständig unter Druck, aber dennoch konzentriert. Teamwork ist gefragt.
Kurz bevor der Ford wieder repariert war, bekamen wir von der Rennleitung die schwarze Flagge. Einer unserer Fahrer war am frühen Abend mit überhöhter Geschwindigkeit durch eine Gelbphase gefahren. Das Rennen war für uns nach neun Stunden beendet. Die Enttäuschung groß, sogar Tränen flossen. Motorsport ist eben doch ein Teamsport.