Mehrdeutiges Blitzerfoto führt zu irrer Bußgeldpanne
Superknöllchen für minimalen Tempoverstoß: 960 Euro!

Ein irres Blitzerfoto beschäftigt die Justiz: Ein Autofahrer wird offensichtlich im Kleinwagen geblitzt. Doch die Bußgeldstelle ist überzeugt: Er fuhr einen Lkw. Die Story einer schrägen Verwechslung!
Bild: geblitzt.de
- Thomas Reichel
Kaum zu glauben, aber wahr: Ein Autofahrer wird im Pkw geblitzt, gerade einmal sieben Kilometer pro Stunde zu schnell. Die unschöne Überraschung: dafür setzt es 960 Euro Bußgeld, einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Was wie ein Behördenwitz klingt, ist einem Autofahrer in Rheinland-Pfalz jetzt passiert.
Der Mann war im September 2025 mit seinem Ford-Kleinwagen auf der Autobahn A3 bei Windhagen Richtung Frankfurt unterwegs. Der Blitzer dokumentierte eine Geschwindigkeit von 131 km/h. Erlaubt für Pkw: Tempo 120. Nach Abzug der Toleranz blieb eine Überschreitung von 7 km/h.
Bußgeldbescheid geht von "schwerem Tempoverstoß" aus
Eigentlich ist in solchen Fällen mit einem geringen Verwarnungsgeld zu rechnen. Doch Wochen später folgt der Schock: Der Bußgeldbescheid geht von einem "schweren Tempoverstoß" aus – samt Fahrverbot und empfindlicher Strafe. Der Grund für das Drama: Die Behörde stufte das Fahrzeug nicht als Pkw, sondern als Lkw ein! Und für Lkw gilt auf Autobahnen maximal Tempo 80. Nach Abzug der Toleranz ergibt sich so rechnerisch eine Überschreitung von 47 km/h.

Neben der Strafe soll der Fahrer auch noch eine Gebühr für die fehlerhafte Bearbeitung zahlen.
Bild: geblitzt.de
Falsche Fahrzeugklasse führt zu anderen Grenzwerten
Besonders kurios: Auf dem Blitzerfoto ist eindeutig ein Kleinwagen zu sehen. Auffällig ist allerdings ein Bus im Gegenverkehr, der sich zeitgleich im Erfassungsbereich der Messanlage befindet. Es ist zumindest denkbar, dass die Technik beide Fahrzeuge gemeinsam erfasste – und aus Pkw und Bus einen Lkw machte.
"Die falsche Fahrzeugklasse führt sofort zu völlig anderen Grenzwerten und Strafen", erklärt Tom Louven, Verkehrsrechtsanwalt im Auftrag von Geblitzt.de. Statt eines Bagatelldelikts drohen dann Punkte, Fahrverbot und ein hohes Bußgeld. "Zumal auch noch Vorsatz unterstellt wird."
Fahrer legt Einspruch ein
Klar: Der Fahrer legte deshalb Einspruch ein. Denn tatsächlich blieb nach Toleranzabzug nur eine Überschreitung von 7 km/h übrig – ohne Punkte, ohne Fahrverbot. "Da in Bußgeldbescheiden regelmäßig Fehler passieren, sollten Betroffene sie immer sorgfältig auf Plausibilität prüfen und im Zweifel einen Anwalt hinzuziehen", rät Louven. Wichtig dabei: Für den Einspruch ist die Frist von zwei Wochen nach Zustellung des Bescheids einzuhalten.
Wie geht es weiter?
Das Verfahren läuft aktuell noch. Doch es ist nicht davon auszugehen, dass die Bußgeldstelle ihren Fehler korrigieren wird, da sie das Verfahren nach angeblicher "Zwischenprüfung" bereits an die Staatsanwaltschaft abgegeben hat. Danach erfolgt regelmäßig die Abgabe an das örtliche Amtsgericht, erklärt Louven.
Die Chancen für den Fahrer stehen gut. Entscheidend ist das Beweisfoto – und das zeigt keinen Lkw. Der Fall zeigt: Ein kleiner Fehler kann große Folgen haben. Und 7 km/h zu viel ziehen plötzlich 960 Euro Strafe nach sich!
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