Jetzt bloß nicht den Überblick verlieren. Zur Orientierung: Der rote Testwagen auf den Bildern ist ein Mercedes CLA, der silberne eine A-Klasse Limousine. Die Unterschiede sind in der Realität zunächst genauso klein wie auf den Bildern. Eine flachere Dachform und rahmenlose Türen beim CLA, ein etwas konventionelleres Format mit herkömmlichen Türen bei der A-Klasse – so viel lässt sich mit bloßem Auge auf den ersten Blick erkennen. Der zweite Blick offenbart, dass tatsächlich bis auf Außenspiegel und Türgriffe kein einziges Karosserieteil der beiden Geschwister übereinstimmt. Hier ein Knick im Scheinwerfer, dort eine glattere Flanke, verschiedene Frontschürzen ... Je länger Sie hinsehen, desto mehr Unterschiede finden Sie. Damit nicht genug, der flachere CLA ist auch ein gutes Stück länger als die A-Limo. Das resultiert zwar in einer etwas geringeren Kopffreiheit, aber auch in einem größeren Kofferraum. Aerodynamisch betrachtet hat wiederum die A-Limo mit einem cW-Wert von 0,22 die Nase ganz knapp vor dem CLA (cW 0,23). Bemerkenswert sind die Werte jedoch bei beiden Modellen. Es handelt sich um die derzeitigen Rekordhalter für den geringsten Luftwiderstand bei Serien-Pkw.

Die A-Klasse versteht sich als perfektioniertes Pendlerauto

Mercedes A-Klasse, Mercedes CLA Coupé
Die gestreckte Silhouette des CLA geht nicht allein auf flache Formen und lange Linien zurück. Er ist auch länger als die A-Limo.
Ein weiterer Unterschied liegt in den Radträgern. Der CLA hat eine gut vier Zentimeter breitere Spur als die A-Klasse. Das dient hauptsächlich dem stattlichen optischen Eindruck. Fahrerisch lässt sich dieser Zuwachs höchstens auf allerletzter Rille feststellen. Zu guter Letzt besteht der größte Unterschied in der Preisliste. Gut 2800 Euro liegen immer zwischen A und dem teureren CLA, wobei Letzterer stets 17-Zoll-Leichtmetallräder und eine Grundausstattung auf Höhe der Linie Style der A-Klasse mitbringt. So nivelliert sich der Preisunterschied bei günstigen Versionen, was bereits zu Beginn unserer Kaufberatung zeigt, dass der CLA für Fans optischer Spielereien und eines dynamischen Auftritts stets die erste Wahl sein dürfte. Was zunächst selbstverständlich klingt, findet sich konsequent in den Preislisten wieder. So sind die 160- und 160d-Basismotoren der günstigeren A-Klasse vorbehalten, zudem ist diese – für ganz besondere Sparfüchse – mit aerodynamisch optimierten Radsätzen, beginnend bei der serienmäßigen Radkappe, zu haben. Hier ist Mercedes ganz konsequent und bietet die Möglichkeit, das hohe Sparpotenzial voll auszunutzen. Somit – Zwischenfazit Nummer zwei – findet sich hier das Hauptargument für die A-Klasse Limousine. Sie versteht sich als perfektioniertes Pendlerauto. Fahreigenschaften, Verarbeitungsqualität und Image liegen auf hohem Mercedes-Niveau, die Verbräuche können sich, bei entsprechender Fahrweise, jedoch mit denen der günstigsten Kleinstwagen messen.

Bei den Infotainment-Optionen unbedingt in die Vollen gehen

Mercedes A-Klasse, Mercedes CLA Coupé
Von den kompakten Maßen mal abgesehen, erfüllt das Interieur auch Premiumansprüche. Wie immer bei Mercedes gibt's kaum Grenzen für Sondermaterialien.
Nachdem wir nun die Unterschiede dargelegt haben, wird es Zeit zum Einsteigen. Die Tür fällt bei beiden Modellen satt hinter uns zu, und auch die Cockpits sind zunächst identisch. Ganz gleich, ob ein Dachhimmel nun schwarz oder weiß ist, die Seitenscheiben rahmenlos oder nicht – der haptische Eindruck vermittelt schon in den Basismodellen Premiumniveau. Bedienelemente und Infotainment gleichen den anderen Modellen der Daimler'schen Kompakt-Plattform. Ein Hinweis gilt der Sitzauswahl. Meiden Sie die Sportsitze der AMG Line im CLA und den Sportmodellen. Ihre Kopfstützen sind in die Sitzlehne integriert und drücken kleinen Fahrern den Kopf nach vorn, größeren sitzen sie unangenehm im Genick. In unserer Redaktion konnte sich keiner so recht mit ihnen anfreunden. Die komfortablen Standardsitze mit herkömmlichen Kopfstützen sind dagegen durchweg empfehlenswert und glänzen auch auf langen Strecken. Bei der Wahl der Infotainment-Optionen empfehlen wir indes, in die Vollen zu gehen. Serienmäßig nutzen Kombiinstrument und Navi/Radio zwar stets hochauflösende Displays, doch wirken die kleinen Siebenzoll-Anzeigen auf ihrer schwarzen Unterlage etwas verloren. Die Funktionalität schränkt das zwar kaum ein, aber der Wiederverkaufswert leidet dann doch. Das Navigations-Premiumpaket für 1660 Euro vergrößert beide Schirme auf 10,25 Zoll, sodass beinahe eine optische Einheit entsteht. Ferner zählen die Navigationsfunktionen des MBUX-Systems zum Besten, was die Autowelt derzeit zu bieten hat. Auch zu Head-up-Display (1178 Euro) und Augmented-Reality-Anzeige (297 Euro) können wir nur raten. Letztere zeigt ein Echtzeit-Kamerabild und blendet die Fahrhinweise in das reale Kamerabild ein – eine geniale Idee, die man schnell nicht mehr missen möchte. Auch fürs Interieur bietet Mercedes ellenlange Optionslisten. Zwar sind Edelhölzer und üppige Lederumfänge eine feine Sache, als echte Kauftipps sind sie jedoch zu vernachlässigen. Der ohnehin sehr moderne Innenraum der Kompaktbrüder macht immer einen guten Eindruck.
Überblick: Alles zu Mercedes A-Klasse und CLA

Das Fahrwerk gefällt: sportlich-straff, aber dennoch komfortabel

Mercedes A-Klasse, Mercedes CLA Coupé
Die Lenkung bietet die nötige Agilität eines Kompakten, zeigt auf der Autobahn aber auch die bekannte Mercedes-Schwere.
Der Motorstart erfolgt serienmäßig per Startknopf – dessen Bedruckung sich peinlicherweise schnell abnutzt. Schlüssellose Türöffnung muss in allen Linien für 476 Euro hinzugekauft werden. Unterwegs gefällt uns zunächst die herrlich präzise Lenkung, die einerseits die nötige Agilität eines Kompakten vermittelt, andererseits auf der Autobahn die bekannte Mercedes-Schwere aufweist. Einen ähnlichen Bogen spannt das Fahrwerk. Sportlich-straff, dabei nicht unkomfortabel. Sensible Naturen sind mit kleineren Radsätzen am besten beraten, da große Felgen mit flacher Reifenflanke spürbar mehr Stöße durchlassen. Etwas Vorsicht ist zudem auf Feldwegen oder steilen Zufahrten geboten. Apropos sensibel: In puncto Geräuschdämmung zeigen beide Viertürer Bemerkenswertes. Überdurchschnittlich leise geht es hier zu – auch bei hohen Geschwindigkeiten. Interessant in diesem Zusammenhang: Erst kürzlich patzte auf diesem Gebiet die technisch eng verwandte B-Klasse in unserer Kaufberatung.

Viele Fahrassistenten sind zu passiv ausgelegt

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Das ist der neue CLA

Ein Punkt – genau wie beim B und den meisten anderen Mercedes-Modellen aus jüngster Zeit – missfällt uns zum Schluss doch: die Abstimmung der Fahrassistenz. Zwar ist Mercedes auf sehr hohem Niveau unterwegs, was Umfänge und Fähigkeiten anbelangt, doch sind viele der Helferlein arg passiv ausgelegt. Ein Spurwechselassistent ist eine feine Sache und rückt das Auto noch näher an autonomes Fahren, jedoch dauert der Vorgang eine gefühlte Ewigkeit. Flinkes Fahren im Berufsverkehr will selbst erledigt werden. Das gilt auch für den Sicherheitsabstand des Adaptivtempomaten. Um auf der Autobahn flüssig einen Lkw zu überholen, muss weit vorher ausgeschert werden, damit das Auto nicht voreilig abbremst. Ganz übel ist der Spurhalteassistent – zum Glück abschaltbar. Statt sanft in die Spur zurückzulenken, leitet die Elektronik ein abruptes Bremsmanöver an den Rädern gegenüber der überfahrenen Begrenzungslinie ein. Das irritiert nicht nur die Insassen, sondern auch den rückwärtigen Verkehr.

Bildergalerie

Kaufberatung Mercedes A-Klasse Limousine / CLA Coupé
Kaufberatung Mercedes A-Klasse Limousine / CLA Coupé
Kaufberatung Mercedes A-Klasse Limousine / CLA Coupé
Kamera
Kaufberatung A-Klasse Limousine / CLA Coupé

Von

Andreas Jüngling