Es ist so weit, die Serienversion des Mercedes-AMG One ist fertig! "Endlich", sagen nicht nur die Fans – sondern auch die Verantwortlichen, denn die Entwicklung des Hypercars war noch aufwendiger als gedacht und verzögerte sich mehrfach. 2017 wurde die Studie unter dem Namen Project One anlässlich des 50. Jubiläums von AMG gezeigt. Geplant war, die auf 275 Stück limitierte Serienversion 2019 auf den Markt zu bringen, doch daraus wurde nichts. Drei Jahre später ist der einzigartige One jetzt bereit für die Straße – pünktlich zum 55. AMG-Jubiläum!
Auto-ABO
AUTO ABO

E-Auto kennenlernen: VW ID.3 im flexiblen Abo – innerhalb von 2 Wochen verfügbar!

Das Abo-Angebot von VW Financial Services: ID.3 ab 539 Euro/Monat – mit Flatrate, kurzen Mindestlaufzeiten und monatlicher Kündbarkeit.

In Kooperation mit

AUTO ABO

"Die immensen technischen Herausforderungen, einen modernen Formel 1-Triebstrang tauglich zu machen für den alltäglichen Straßenbetrieb, haben uns zweifellos an unsere Grenzen gebracht", gibt Philipp Schiemer, Vorsitzender bei Mercedes-AMG, offen und ehrlich zu.
Mittlerweile ist der AMG One für den Straßenverkehr homologiert und zugelassen. Was bei den meisten Autos keine große Sache ist, war beim bislang stärksten Serien-AMG ein ungeheurer Aufwand.
Mercedes-AMG One
Mehr geht nicht: Schon ohne andere Fahrzeuge im Bild wirkt der Mercedes-AMG One wie von einem anderen Stern.

Präsentation beim Festival of Speed

Von Beginn an war es das ambitionierte Ziel, den Antriebsstrang aus dem Formel-1-Auto zu übernehmen und für die Straße zu adaptieren. Dabei gab es unzählige Hürden. Nur exemplarisch: Um einen Formel-1-Renner zu starten, braucht es ein gesamtes Team; beim One reicht der Druck auf den Startknopf.
Auch die Abgasnachbehandlung war eine Herausforderung. Dass jetzt alles passt, soll der AMG One bei seinem dynamischen Debüt während des prestigeträchtigen Goodwood Festival of Speed (23. bis 26. Juni 2022) unter Beweis stellen!

V6-Hybridbenziner mit 1,6 Liter Hubraum

Doch schauen wir uns den Antriebsstrang mal genauer an. Der Verbrennungsmotor stammt vom 2015er Formel-1­-Mercedes. Der 1,6 Liter große V6-Benziner mit Direkteinspritzung und elektrisch unterstützter Single-Turboaufladung hat vier obenliegende Nockenwellen, die über Stirnräder angetrieben werden.
E­-Verdichter, Trockensumpfschmierung, pneumatischer Ventiltrieb, Drehfreude bis 11.000 U/min. Allein dieses Wunderwerk leistet 574 PS; das macht eine Liter­leistung von 359 PS!
Mercedes-AMG Project ONE Concept !!! SPERRFRIST  11. September 2017   20:30 Uhr !!!
Hinten sitzt ein V6 mit zwei E-Motoren, vorne gibt es zwei weitere Elektromaschinen.

Doch das ist erst der Anfang, denn der V6 wird von vier Elektromaschinen unterstützt. Eine ist im Turbolader (MGU-H) integriert, eine weitere befindet sich direkt am Verbrenner und ist mit der Kurbelwelle verbunden. Die zwei restlichen E-Motoren treiben die Vorderräder an. Jeder leistet 120 kW (163 PS), nur der E­-Turbo muss sich mit 90 kW (122 PS) begnügen.
Die Systemleistung geben die Affalterbacher mit 1063 PS an – das sind noch mal 220 PS mehr als beim GT 63 S E-Performance, dem bis dato stärksten Serien-AMG! Die Kraftübertragung übernimmt ein speziell für das Hypercar entwickeltes Siebengang­getriebe mit hydraulisch gesteuerter Vier-Scheiben-Carbon-Kupplung.
Die gesamte Motor-Getriebe-Einheit ist strukturell in die Rohkarosse integriert. Die Übersetzung ist so ausgelegt, dass in Kombination mit den E­-Moto­ren kein Turboloch spürbar sein soll.

Langsamer als angekündigt

0-100 km/h in 2,9 Sekunden, 0-200 km/h in 7,0 Sekunden und 0-300 km/h in 15,6 Sekunden, dazu ein elektronisch begrenzter Topspeed von 352 km/h. Der Mercedes-AMG One ist schnell, richtig schnell. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die 2017 versprochenen Werte nicht ganz eingehalten werden konnten.
Damals hieß es, dass der One in unter sechs Sekunden auf 200 km/h beschleunigen soll – schneller als ein Bugatti Chiron Super Sport (5,8 Sekunden). Auch für den Sprint auf Landstraßentempo standen einst 2,5 Sekunden im Raum.
Mercedes-AMG One
Was den Showfaktor des One betrifft, können nur wenige Hypercars mithalten. Bei den Fahrleistungen sieht das schon anders aus.
Nicht falsch verstehen, natürlich sind 2,9 und 7,0 Sekunden immer noch Fabelwerte; aber ein Porsche 918 Spyder bot bereits Ende 2013 fast identische Fahrleistungen. Der Ferrari SF90 Stradale, der mit rund 500.000 Euro einen Bruchteil des One kostet, beschleunigt sogar schneller auf 200 km/h (6,7 Sekunden).
Natürlich geht die Faszination des One vom einmaligen Antriebskonzept aus. Aber gerade im Bereich der Hypercars geht es am Ende eben doch auch um Fahrleistungen und reine Zahlen.

AMG One schafft 352 km/h Höchstgeschwindigkeit

Antrieb Hinterachse: 1,6-Liter-V6 mit Direkteinspritzung, vier Ventilen pro Zylinder, vier obenliegenden Nockenwellen und elektrisch unterstützter Single-Turboaufladung sowie einem mit der Kurbelwelle verbundenem E-Motor
Hubraum: 1599 ccm
Leistung Verbrennungsmotor: 422 kW (574 PS)
Kombinierte Leistung E-Motoren: 450 kW (611 PS)
Systemleistung: 782 kW (1063 PS)
Elektrische Reichweite: 18,1 km
Getriebe: Variabler Allradantrieb AMG Performance 4MATIC+ mit hybridangetriebener Hinterachse, elektrisch angetriebener Vorderachse und Torque Vectoring. Automatisiertes AMG Speedshift Siebengang-Schaltgetriebe
0-100 km/h: 2,9 Sekunden
0-200 km/h: 7,0 Sekunden
0-300 km/h: 15,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 352 km/h (elektronisch abgeregelt)
Leergewicht: 1695 Kilo
Verbrauch: 8,7 l/100 km

Der One kann auch rein elektrisch fahren

Der AMG One startet immer elektrisch und damit lautlos. Der Verbrenner springt erst an, wenn die korrekte Kat-Temperatur erreicht ist. Im EV-Modus soll die 8,4 kWh große Batterie genügend Saft für maximal 18,1 Kilometer Reichweite bieten.
Darüber hinaus stehen fünf weitere Fahrmodi zur Verfügung. Die Kunden können zwischen "Race Safe", "Race", "Individual", "Race Plus" und "Strat 2" wählen, wobei die letzten beiden nur auf der Rennstrecke erlaubt sind. Die "Race Start" genannte Launch Control ist in den Fahrmodi "Race", "Race Plus" und "Strat 2" verfügbar.

Motorüberholung bei 50.000 Kilometern

Eine Besonderheit gibt es bei der Wartung. Der Formel-1-Motor ist für gewöhnlich auf eine Laufleistung von 4000 Kilometern ausgelegt. Weil der Motor im One auf 11.000 U/min begrenzt ist und ein anderes Getriebe zum Einsatz kommt, müssen spezielle Komponenten des Antriebsstrangs neben den üblichen Wartungsintervallen alle 50.000 km überholt werden.

Pushrod-Dämpfer für das Hypercar

Der Mercedes-AMG One verfügt über ein Pushrod­-Fahrwerk. Die Dämpfer der Hinterachsaufhängung liegen in die Horizontale. Einer komplett waagerecht, der andere leicht diagonal darunter.
Vorn wie hinten eine Fünflenkerkonstruk­tion mit einstellbaren Federbei­nen, die sich für die Rennstrecken­-Modi hydraulisch um 37 Millimeter vorn und 30 Millimeter hinten absenken lässt.
Mercedes-AMG One
Kurz nachdem die ersten Kundenfahrzeuge des Aston Martin Valkyrie ausgeliefert wurden, soll es jetzt nicht mehr lange dauern, bis der Mercedes-AMG One bei den Kunden steht.
Um Tiefgaragen-Einfahrten den Schrecken zu nehmen, hat der AMG One einen Liftmodus an der Bord, der die Vorderachse bei Bedarf anheben kann.

Endrohr wie in der Formel 1

Große Lufteinlässe, die von U-förmigen Flaps eingerahmt sind, sowie flache LED-Scheinwerfer dominieren die Front des AMG One. Übers Heck spannt sich eine Haifinne. Der zweigeteilte Diffusor wird vom mittigen Endrohr unterbrochen.
Das Design des Endrohrs mit einem großen, runden Auslass und zwei weiteren kleinen, runden Öffnungen wurde direkt von den Formel-1-Fahrzeugen übernommen.
Die Rückleuchten nehmen die Form der Frontscheinwerfer auf und erinnern mit jeweils drei rautenförmigen Lichtelementen an das AMG-Logo. Den Hybridantrieb des AMG One erkennt man an den zwei Tankklappen – hinten rechts für Benzin und hinten links die Ladebuchse für die Plug-in-Hybrid-Batterie.

Abmessungen

Länge: 4756 mm
Breite: 2010 mm
Höhe: 1261 mm
Radstand: 2720 mm

Aktive Aerodynamik

Durch die schwarzen Luftauslässe in der Fronthaube wird der Luftstrom seitlich um die Fahrerkabine herumgeleitet. So gelangt die Luft in den Ansaugtrakt auf dem Dach. An den Flanken leiten schwarze Luftleitflächen aus Carbon den Luftstrom um die Karosserie. Hinten führen zwei große sogenannte NACA-Lufteinlässe die Luftströme zum im Heck platzierten Motor- und Getriebeölkühler.
Im "Normal"-Mo­dus sind die aktiven Elemente ein­gefahren. Im Modus "Track" senkt sich die Karos­serie ab, an der Front fahren Flaps aus, die vorderen Louvers öffnen sich für mehr Anpressdruck an der Vorderachse und mehr Unterdruck im Radhaus; Heckflügel sowie Flaps gehen in Habachtstellung. So generiert der One den fünffachen Abtrieb in der Normalkonfiguration.
Ebenfalls nur auf der Rennstrecke ist das "Race DRS"-Setting verfüg­bar. Hier schließen sich auf Knopf­druck am Lenkrad die Louvers, und der Flap fährt ein. Das kostet wie in der Formel 1 zwar Abtrieb (hier 20 Prozent), aber erhöht den Topspeed. Apropos: Die Höchstgeschwindigkeit gibt AMG mit 352 km/h an, elektronisch abgeregelt.

Carbon-Monocoque mit Smartphone-Ablage

Wie im Rennsport üblich, öffnen die Türen des Mercedes-AMG One gleichzeitig nach vorn und nach oben. Über die großen Einstiege gelangt man ins Carbon-Monocoque. Es gibt keine Verkleidung, dafür viel Carbon, alles ist auf Funktionalität getrimmt.
Zwei schwarze Schalensitze mit verstellbaren Rückenlehnen sind ins Monocoque integriert. Die Sitze sind mit rutschfestem Mikrofaservlies und Nappaleder bezogen.
Eine Höhenverstellung der Sitze gibt es nicht. Für die richtige Sitzposition lässt sich das Lenkrad elektrisch einstellen, außerdem ist die Pedalbox 11-fach mechanisch verstellbar.
Die zwei freistehenden 10-Zoll-Displays sind in Echtmetall eingefasst – eines leicht erhöht vor dem Fahrer, das andere rechts auf der Mittelkonsole dem Fahrer zugeneigt.
Mercedes-AMG One
Komfort muss sein: Immerhin gibt es Klimaanlage, Fensterheber und Handyablage im Cockpit. Das Lenkrad ist spektakulär.
Unter dem Mittelbildschirm sind zwei rechteckige Lüftungsdüsen. Dann kommt die Mittelkonsole mit dem Start-Stopp-Knopf. Davor befindet sich ein Ablagefach mit transparentem Deckel – an eine Handyablage hat Mercedes-AMG also auch gedacht.

Spektakuläres Lenkrad im Hypercar

Das oben und unten abgeflachte Lenkrad mit integriertem Airbag erinnert ebenfalls an die Formel 1. Über die beiden integrierten Touchpads lassen sich die Fahrprogramme, Fahrwerkseinstellungen oder die LED-Schaltanzeige im oberen Lenkradbereich einstellen.
Die Kraftübertragung erfolgt mittels eines komplett neu für den Mercedes-AMG One entwickelten Siebengang-Getriebes. Es wird hydraulisch aktiviert und kann manuell per Schaltpaddles am Lenkrad oder automatisiert geschaltet werden.
In der Carbon-Türverkleidung stecken vor den Türgriffschlaufen die Fensterheberschalter. Elektrische Fensterheber reduzieren sicherlich nicht das Gewicht, erhöhen aber den Komfort. Sie sind ebenso serienmäßig an Bord wie die Klimaanlage.
Weitere Komfort-Features sind die Ablagefächer links und rechts hinter den Sitzen. Der Innenspiegel wurde durch einen Bildschirm ersetzt, der Echtzeitbilder zeigt. Das Aluminum-Bildschirmgehäuse ist ins Dach integriert und beherbergt weitere Bedienelemente.

Keramikbremse und neu entwickelte Pilot Sport Cup 2 R

Eine Neuentwicklung ist auch das Zehnspeichen-Aluminium-Schmiederad mit Zentralverschluss, das dem Mercedes-AMG One vorbehalten ist. Es verfügt über eine Teilabdeckung aus Carbon, die die Aerodynamik und den cw-Wert des Fahrzeugs verbessern soll.
Für die Verzögerung sorgt eine Keramik-Verbundbremsanlage. Je drei flache Belüftungsschlitze pro Speichenabschnitt sollen die Wärmeableitung der Bremsen optimieren.
Die Reifen-Dimensionen des AMG One: vorne 10,0 J x 19 mit 285/35 ZR 19 mit Bereifung vom Typ Michelin Pilot Sport Cup 2 R (nur für den One entwickelt), hinten 12,0 J x 20-Räder mit Michelin Pilot Sport Cup 2 in der Größe 335/30 ZR 20.

Preis: 2,75 Millionen Euro plus Steuern

Mercedes-AMG hat verraten, dass insgesamt nicht mehr als 275 One gebaut werden und die Bestellbücher gut gefüllt sind. Nach aktueller Auftragslage ist der Mercedes-AMG One schon ausverkauft – trotz eines Preises von rund 2,75 Millionen Euro plus Steuern.
In Deutschland liegt der Basispreis somit bei 3,27 Millionen Euro brutto. Bis die ersten Kundenfahrzeuge ausgeliefert werden, kann es jetzt nicht mehr lange dauern!

Fazit

In nahezu jedem Detail des AMG One steckt ein neues Superlativ. Irre, wie viel Aufwand die Entwickler in dieses Prestigeprojekt gesteckt haben. Jetzt würde uns nur interessieren, wie so was fährt.