So schnelllebig ist die Autowelt: Zwar ist der 3er Touring, in der aktuellen Form 2005 gestartet, weit davon entfernt, eine Antiquität zu sein. Dennoch hat der BMW den jugendlichen Charme bereits verloren, der Nachfolger läuft sich schon im Tarnkleid auf geheimen Teststrecken warm. Die C-Klasse von Mercedes dagegen steht erst in der Mitte ihres Lebenszyklus. Um sie weiter fit zu halten, haben ihr die Stuttgarter gerade eine Frischzellenkur spendiert. Sieht der BMW nun alt aus? Technisch auf den ersten Blick ja. Elektronische Heinzelmännchen, die das Fahren sicherer und komfortabler machen, bietet der aufgerüstete Mercedes in weit größerer Zahl.

Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes C-Klasse

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Video: C-Klasse vs. BMW 3er

Klassisches Kombi-Duell

Zwar wacht auch beim 3er auf Wunsch ein Radarauge über die Distanz zum Vordermann. Verkehrszeichen-Detektor, Totwinkelwarner oder Spurhaltehilfe sind jedoch nicht erhältlich.
 C-Klasse-Kunden werden in der Aufpreisliste fündig, müssen aber tapfer sein: Mit Ausnahme der kleinen Kaffeetasse im Tacho-Display, die bei nachlassender Konzentration zum Pausemachen mahnt, packen die Schwaben ihre Assistenzsysteme in ärgerlich teure Pakete. Auch BMW hat nicht gerade Spendierhosen an. Im Gegensatz zur C-Klasse muss beim 3er sogar die Klimaautomatik extra bezahlt werden. Überhaupt wirkt der BMW im Vergleich zum Mercedes ziemlich karg eingerichtet – was allerdings auch Vorteile hat. Schwierigkeiten, im Dämmerlicht die Instrumente abzulesen oder in der Klaviatur auf der Mittelkonsole die richtige Taste zu treffen, gibt es hier jedenfalls nicht. Auch bei Qualität und Materialgüte ist der 3er über jede Kritik erhaben. Die C-Klasse hatte hier Nachholbedarf, weshalb Mercedes das Cockpit mächtig aufgemöbelt hat. Früher trist und grau, verströmt der üppig mit Chrom verzierte Fahrerplatz nun die Noblesse der größeren Modelle E-Klasse und CLS.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 3er

BMW 3er
Hubraum statt Turbo: Der BMW 320i Touring verzichtet (noch) auf den Downsizing-Trend.
Die Sitze könnten allerdings bequemer sein – so wie im BMW, in dessen Sportgestühl (630 Euro) auch lange Strecken ihren Schrecken verlieren. Die Multikontursessel des Mercedes (512 Euro) verwöhnen zwar ebenfalls mit aufblasbaren Flanken, sind für stattliche Fahrer aber zu schmal geschnitten. Außerdem fehlt es ihnen an Abstützung im Schulterbereich, weil die Lehnen zu kurz sind. Unter der Haube ist dem BMW sein Alter anzumerken. Statt wie Mercedes der aktuellen Motoren-Mode "kleiner Hubraum plus Turbo" zu folgen, setzen die Münchner noch auf einen größeren Saugmotor. Beim Verbrauch handelt sich der 320i dadurch zwar keinen Nachteil ein. Im Gegenteil: Mit 7,1 Litern im Schnitt fuhr er im Test sogar 0,3 Liter sparsamer als die vermeintlich modernere C-Klasse. Auch sonst lässt sich dem 170 PS starken Zweiliter-Aggregat im Grunde wenig vorwerfen. Es hängt spontan am Gas, tourt willig hoch und gibt über das gesamte Drehzahlband harmonisch Leistung ab. Erst wer in den Mercedes umsteigt, merkt, was ihm im BMW gefehlt hat.
Obwohl auf dem Papier 14 PS schwächer, zeigt der C 180 seinem Münchener Rivalen die Rücklichter und zieht – Turbo sei Dank – trotz längerer Übersetzung vor allem in den hohen Gängen deutlich souveräner durch. Zwischen 1600 und 4000 Touren genügt ein Druck aufs Gaspedal, und die C-Klasse zischt ab. Ganz schön beeindruckend für einen Basismotor. Im Vergleich zum gleich starken Vorgänger mit Kompressor-Aufladung macht sich vor allem der vibrationsärmere Lauf bemerkbar; auch beim Verbrauch (Testwert des alten Modells: 8,8 Liter/100 km) sprangen stolze 1,4 Liter Einsparung heraus – obwohl der BMW nach wie vor sparsamer fährt. Ungeachtet der schlechteren Fahrwerte wirkt der 3er sportlicher. Das verdankt er vor allem seiner sorgsam austarierten Lenkung, mit der sich Kurven millimetergenau anpeilen lassen. Das Mercedes-Ruder zieht zwischen Straße und Fahrer eine (wenn auch dünne) Weichzeichnerfolie ein. Es lässt sich leichter drehen (gut beim Rangieren), wirkt aber beim Einlenken nervöser und zum Teil unnötig spitz.
Bei der Kurvenfestigkeit nehmen sich beide Kandidaten wenig, sie bleiben also auch bei höheren Geschwindigkeiten souverän in der Spur; die – ebenfalls recht straffe – C-Klasse verdaut aber vor allem kurze Stöße feinfühliger und rollt auch leiser ab. Nicht nur beim Komfort, auch bei den Kombi-Eigenschaften ist der Mercedes die größere Nummer. Dafür, dass sich in seinem Frachtraum mehr verstauen lässt, müssen dann allerdings die Hinterbänkler büßen. Eine praktische, ebene Ladefläche lässt sich in keinem der zwei Kandidaten schaffen; liegen die Rücksitzlehnen flach, steigt der Gepäckraumboden leicht nach vorn an. Ärgerlich bei der C-Klasse: Das breitere (linke) Lehnensegment lässt sich ohne Ausbau des Gepäckraumrollos nicht umlegen. Den Vergleich gewinnt der Mercedes trotzdem. Das Bad im Jungbrunnen hat sich gelohnt. Der BMW fährt auf Platz zwei – und das durchaus in alter Frische.
Die C-Klasse schlägt den 3er mit klarem Vorsprung, lässt ihn aber nur in zwei Disziplinen wirklich alt aussehen. Beim Trend-Thema Fahrerassistenz zum Beispiel: Der technisch hochgerüstete Mercedes ist hier das spürbar modernere Auto. Wie gehabt blieb er der Kombi mit dem höheren Nutzwert. Und noch etwas gilt weiterhin: Wer Komfort schätzt, wird in Stuttgart am besten bedient. Sport-Fans sind nach wie vor bei BMW gut aufgehoben.