Mercedes E 400 e 4Matic, Volvo S90 Recharge T8 AWD: Test
Das große Teilzeitstromern: Mercedes E 400 e und Volvo S90 T8 im Vergleich

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wer hätte gedacht, dass die Plug-in-Hybride noch mal für ein positives Aufsehen sorgen. Und dann auch noch, weil man im ausgerufenen Mutterland der E-Mobilität festgestellt hat, dass die Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor gar nicht so umcharmant ist.
Tatsächlich haben große chinesische Autobauer angekündigt, sich nicht nur mit dem Thema Plug-in-Hybrid auseinanderzusetzen, man will sogar derartige Fahrzeuge bauen. Und das nicht nur für den heimischen, sondern auch für den Weltmarkt.
Mindestens 75.500 Euro für den Volvo
Bis es so weit ist, freuen wir uns, zwei ausgereifte Fahrzeuge dieser Gattung zum Test bei AUTO BILD begrüßen zu dürfen. Zum einen den Mercedes E 400 e 4Matic und daneben den Volvo S90 Recharge T8 AWD Plug-in Hybrid. Wobei Letzterer schon lange nicht mehr im schwedischen Torslanda gebaut wird, sondern im chinesischen Werk in Daqing.

Der Volvo S90 Recharge T8 AWD ist optisch die klassische Limousine. Der Mercedes E 400e 4Matic bringt einen Hauch Coupé ins Spiel.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Allerdings macht dieser Umstand den S90 nicht preiswerter. Wer in den Schweden aus China steigen will, der muss mindestens 75.500 Euro in die Hand nehmen. Noch etwas mehr verlangt Mercedes beim E 400e. Da beträgt der Grundpreis 80.242 Euro. Aber das Ende der Fahnenstange dürfte hier noch noch lange nicht erreicht sein, sodass man beiden Autos mehr als nur einen Hang zum Luxuriösen attestieren müssen.
Fahrzeugdaten
Modell | Mercedes E 400 e 4Matic | Volvo S90 Recharge T8 AWD |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | R4, Turbo + E-Motor | R4, Turbo/Kompressor + E-Motor |
Leistung Verbrennungsmotor | 185 kW (252 PS) bei 5800/min | 228 kW (310 PS) bei 6000/min |
Einbaulage/Hubraum | vorn längs | vorn quer |
Hubraum | 1999 cm³ | 1969 cm³ |
Spitzenleistung Elektromotor | 95 kW (129 PS) | 107 kW (145 PS) |
Systemleistung | 280 kW (381 PS) | 335 kW (455 PS) |
Systemdrehmoment | 650 Nm | 400 + 309 Nm (Verbrenner + E) |
Vmax | 250 km/h | 180 km/h |
Getriebe | Neunstufenautomatik | Achtstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 245/40-175/35 R 20 Y | 245/40 R 20 W |
Reifentyp | Pirelli P Zero | Michelin Pilot Sport 4 S |
Radgröße | 8,5-9,5 x 20" | 8,5 x 20" |
Abgas CO2* | 18 g/km | 18 g/km |
Verbrauch* | 0,8 l SP/21 kWh | 0,8 l S g/17,2 kWh |
Tankinhalt/Batteriekapazität netto | 50 l/19,5 kWh | 60 l/14,7 kWh |
Tankdeckel/Ladeanschluss | hinten rechts/hinten links | hinten rechts/vorn links |
Kraftstoffsorte | Super/elektrischer Strom | Super/elektrischer Strom |
Ladeleistung AC/DC | bis 11/55 kW | bis 6,4/– kW |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2100/750 kg | 2100/750 kg |
Stützlast | 84 kg | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 370 l | 431 l |
Länge/Breite/Höhe | 4949/1880–2065**/1480 mm | 4969/1879–2019**/1436 mm |
Radstand | 2961 mm | 2941 mm |
Grundpreis | 80.242 Euro | 75.500 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 95.355 Euro | 86.190 Euro |
Dementsprechend ist natürlich auch das Leistungsspektrum ausgelegt. Der Daimler hat eine Systemleistung von 381 PS und ein maximales Drehmoment von 650 Newtonmetern, der Volvo bringt es gar auf 455 PS und 400 plus 309 Nm. Bei beiden Autos wird die Kraft an alle vier Räder weitergereicht. Das Automatikgetriebe des Benz nutzt dafür neun Stufen, beim Volvo sind es acht – die Schaltvorgänge verlaufen jeweils gut abgestimmt und dezent, so geht es flott voran.

Wer auf digitale Welten steht, der ist im Mercedes E 400e deutlich besser aufgehoben. Kühl und klassisch das Interieur des Volvo S90 Recharge T8.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die vielen Pferde auf der Koppel scheinen hier geradezu nach einem sportlichen Ausritt zu wiehern. Doch während der Mercedes-Fahrer auf kurzem Weg über einen Tastendruck in das entsprechende Fahrprogramm wechseln kann, muss sich der Volvo Fahrer mühsam durch das Menü auf dem hochkant stehenden Zentralmonitor tasten. Hat er die Fahreinstellung Power gefunden, ist das Ergebnis eher unmerklich.
Mercedes deutlich fahrdynamischer
Der Mercedes hingegen strafft Fahrwerk und Lenkung, passt die Gaskennlinie und Schaltzeiten an und visualisiert das alles sogar in dem optional zu erwerbenden Hyperscreen. Hinzu kommen Schaltwippen am Lenkrad, die den Fahrer auffordern, die Gangfolgen in Eigenregie mit den Fingern zu bestimmen.

In beiden Autos finden wir ausgezeichnete Sitze. Die Rautensteppung im Mercedes muss man aber ebenso wollen, wie die empfindlichen Wollbezüge im Volvo.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
So versteht es der Stuttgarter Teilzeitstromer, seinen Fahrer deutlich mehr zu emotionalisieren, als der Schwede aus China. Seinen nordischen Wurzeln entsprechend bleibt er etwas unterkühlt, was sich nach wie vor auch im Innendesign niederschlägt. Wer gerne ohne großes Brimborium unterwegs ist, der wird sich im S90 T8 Recharge deutlich wohler fühlen als im E 400 e.
Messwerte
Modell | Mercedes E 400 e 4Matic | Volvo S90 Recharge T8 AWD |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,0 s | 2,1 s |
0–100 km/h | 5,3 s | 5,0 s |
0–130 km/h | 8,2 s | 7,7 s |
0–160 km/h | 12,1 s | 11,2 s |
0–180 km/h | 15,5 s | 14,7 s |
0–200 km/h | 19,6 s | – |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 2,7 s | 2,5 s |
80–120 km/h | 3,4 s | 3,1 s |
Leergewicht/Zuladung | 2275/585 kg | 2130/440 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 45/55 % | 52/48 % |
Wendekreis links/rechts | 11,0/11,1 m | 12,3/12,2 m |
Sitzhöhe | 525 mm | 535 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 33,5 m | 34,6 m |
aus 100 km/h warm | 31,8 m | 33,4 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 55 dB(A) | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 65 dB(A) | 67 dB(A) |
bei 160 km/h | 69 B(A) | 71 dB(A) |
Verbrauch | ||
Stromverbrauch (hochgerechnet) | 28,7 kWh/100 km | 25,6 kWh/100 km |
Testverbrauch (60 % Hybrid-, 40 % E-Anteil) | 4,3 l S + 11,5 kWh/100 km | 4,4 l S + 10,2 kWh/100 km |
Verbrauch mit leerer Batterie | 7,2 l S/100 km | 7,3 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 102 g/km | 104 g/km |
Reichweite | 694 km + 77 km elektrisch | 821 km + 68 km elektrisch |
Gemessen an den Innenraum-Materialien und der Verarbeitung liefern sich beide Kontrahenten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wer natürlich auf digitale Erlebniswelten steht, wird sich eher im Daimler zu Hause fühlen. Allerdings schlägt der MBUX Super Screen mit deftigen 1773 Euro zu Buche. Dafür gibt es mit dem System nicht nur flächenfüllenden TFT-Displays, sondern sogar einen eigenen Bildschirm für den Beifahrer, der es dem Passagier erlaubt, sich während der Fahrt mit Videos oder Filmen unterhalten zu lassen. Der Fahrer wird von alldem nicht abgelenkt, für ihn schwärzt sich der Screen.
Google System im Volvo weit von MBUX entfernt
Bei Volvo setzt man auf das von Google entwickeltes Android Automotive Infotainmentsystem, das sich zwar einfach und intuitiv bedienen lässt und einen schnellen Zugriff auf Funktionen wie Google Maps ermöglicht, aber weit von den Bedienmöglichkeiten entfernt ist, die das hauseigene System MBUX im Mercedes ermöglicht.

In der zweiten Reihe bieten E 400e (links) und S90 T8 genug Platz. Einen Hauch besser untergebracht fühlt man sich im Fond des Mercedes.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Hier gibt es nicht nur eine sehr verständige Sprachassistentin, die auch Fahrzeugbedienungen realisiert, sondern auch ein Navigationssystem, das basierend auf den Daten der vollelektrischen Fahrzeuge Schnellladestationen in die Routenführung einbinden kann. Das macht natürlich nur Sinn, wenn der optional zu ordernde DC-Lader verbaut ist. Der ermöglicht es, den 19,5 kWh leistenden Akku mit bis zu 55 kW bei völliger Entladung in 30 Minuten wieder aufzuladen.
Der Akku des Schweden fasst 14,7 kwh (netto) und lässt sich zweiphasig mit bis zu 6,4 kW laden. Folglich muss der Volvo mindestens drei Stunden an der Dose hängen, bis die Batterie wieder vollständig geladen ist. Was uns an dieser Stelle gleich zur rein elektrischen Reichweite bringt: Für den T8 Recharge werden nach WLTP 90 Kilometer versprochen, Mercedes gibt für den E 400 e nach gleichen Messvorgaben sogar 115 Kilometer an.
Knapp 70 Kilometer elektrisch müssen reichen
Auf der AUTO-BILD-Testrunde reduzierte sich die elektrische Reichweite dann aber deutlich. Der Volvo brachte es noch auf vertretbare 68, der Mercedes auf 77 Kilometer. Mit der reinen Kraft des Verbrennungsmotors kommt der Schwede mit 60 Litern Super auf 889 Kilometer, der Benz schafft mit 50-Liter-Tank 694 Kilometer.

Der größere Kofferraum des Volvo S90 (unten) bietet eine plane Ladefläche. Dafür ist die Rückbanklehne des Benz dreigeteilt.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Damit sind die beiden Luxuslimousinen durchaus langstreckentauglich. Und auch der Verbrauch mit leerer Batterie hält sich nach unseren Messungen in Grenzen – jedenfalls für Fahrzeuge mit einem Leergewicht zwischen 2,2 und 2,3 Tonnen. Der Volvo konsumiert über 100 Kilometer 7,3 Liter, beim Mercedes sind es 7,2 Liter Super – ohne E-Hilfe.
Apropos Langstrecke: Vor allem in der zweiten Reihe sitzen die Reisenden im Benz einen Hauch besser als im Volvo. Der wiederum bietet aber mit 431 Litern (E-Klasse: 370 Liter) den größeren Kofferraum. Zudem punktet der S90 mit einer nahezu planen Ladefläche, wenn die Rückbanklehne umgelegt wurde. Vorteil im E 400e ist, dass die sich im Verhältnis 40/20/40 teilen lässt. Im Volvo gibt es lediglich eine schmale Durchreiche in der Mitte. Insgesamt zeigt sich der Volvo dann aber dank eines größeren Kofferraumausschnitts beim Beladen variabler als der Mercedes.
Luftfahrwerk und Hinterachslenkung
Der E 400 e spielt dafür seine Vorteile während der Fahrt aus. Nicht nur das der Benz mit einem Unebenheiten fressenden Luftfahrwerk unterwegs ist, er erfreut auch bei Kurvenfahrten und beim Rangieren mit seiner Hinterachslenkung, die den Wendekreis beim 4Matic um bis zu 90 Zentimeter auf 11,1 Meter verringert. Dieser Vorteil kosstet dann aber auch 3320 Euro extra. Der Volvo besitzt die Luftfederung nur an der Hinterachse. An der Front kommt eine herkömmliche Doppelquerlenker-Aufhängung zum Einsatz, die die ungefederten Massen bei Unebenheiten nicht ganz so gut abkoppeln kann. Dennoch müssen für diese Kombination auch hier 2190 Euro zusätzlich berappt werden.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Den entscheidenden Unterschied gibt es bei der Lenkung. Im Mercedes reagiert sie angenehm direkt und mit ausgezeichneter Rückmeldung, im Volvo fehlt Letzteres. Und noch etwas dürfte sportlich orientierte Doppelherzfreunde beim S90 abschrecken: Die mit üppigen 455 PS Systemleistung motorisierte Limousine bietet zwar klar die die besseren Beschleunigungswerte im Vergleich zum Mercedes, darf am Ende aber nur abgeregelte 180 km/h schnell werden, während der Stuttgarter problemlos bis Tempo 250 beschleunigt.
Platzierung
Modell | Platz | Punkte* | Fazit |
|---|---|---|---|
Mercedes E 400 e 4Matic | 1 | 599 | Trotz des üppigen Preises ist der Sieg durch mehr Komfort und bessere Fahrdynamik am Ende verdient. |
Volvo S90 Recharge T8 AWD | 2 | 582 | Sein Auftritt ist zeitlos, der Punkteabstand gering. Dennoch täten Innovationen an einigen Stellen gut. |
Im Unterhalt gewinnt der Volvo
Und wer hat beim Preis und Unterhalt die Nase vorn? Für den von uns gefahrenen Volvo S90 Recharge T8 AWD Plug-in Hybrid müssen "nur" 86.190 Euro bezahlt werden. Beim Mercedes E 400 e 4Matic als AMG Line Premium werden hingegen 95.355 Euro fällig. Hinzu kommen noch höhere Versicherungs- und Wartungskosten für das Stuttgarter Steckermodell.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dennoch gewinnt der Mercedes am Ende nach Punkten. Vor allem bei Fahrdynamik und Komfort kann er den Volvo hinter sich lassen. Auch die Option des Schnellladens macht den E 400e ein bisschen attraktiver, wenn man denn die Plug-in-Hybride so bewegt, wie es das Konzept eigentlich vorsieht: auf der Kurzstrecke rein elektrisch und über die Distanz im Wechselspiel von E- und Verbrennungsmotor.
Service-Links



























































