Mercedes EQE 500 4Matic SUV, Porsche Macan 4: Test
Elektrische Edel-SUV im Duell: Porsche Macan trifft auf Mercedes EQE

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Schwaben? Fleißig, ehrgeizig, strebsam. Und sagenhaft erfolgreich, Weltmarktführer. Ein Klischee, klar, aber Mercedes EQE und Porsche Macan kommen nun mal beide aus Baden-Württemberg und verkörpern schwäbische Tugenden fast idealtypisch.
Sie gehören, das vorweg, zu den besten E-Autos, die man derzeit für Geld kaufen kann. Allerdings für viel Geld. Wer gewinnt die schwäbische Meisterschaft?
Macan-Design kaschiert seine Größe
Selbstbewusst stehen beide auf den Rädern. Die Kunst des Porsche-Designs besteht dabei darin, die wahre Größe des Autos zu verschleiern – der Macan ist größer, als er aussieht. Mit 4,78 Meter Länge und 1,94 Meter Breite ganz schön stattlich.

Schwäbische Edel-SUV: Porsche Macan und Mercedes EQE zeigen unterschiedlich Designs – der mit dem Stern wirkt deutlicher wuchtiger.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der mit 4,86 Metern noch mal acht Zentimeter längere und ebenfalls 1,94 Meter breite EQE wirkt mit seinem betont glattflächigen, etwas rundlichen Design massiger und wuchtiger als der Macan. Mehr Platz als der Macan bietet er vorn allerdings nicht – hier ist es zwar einen Hauch breiter, doch im Porsche bleibt vor allem mehr Luft über dem Scheitel. Aber natürlich ist es im EQE angenehm luftig.
MBUX-Sprachbedienung ist eine echte Hilfe
Auffälligstes Element im Cockpit ist der insgesamt 1,41 Meter breite Hyperscreen (Serie bei AMG Line Premium Plus), in dem drei Bildschirme zusammengefasst sind: Fahrerdisplay, Touchscreen in der Mitte und Beifahrerdisplay. Alle in brillanter Optik. Der Funktionsumfang des Multimedia ist gewaltig, doch die Menüs sind ordentlich strukturiert, und die schlaue MBUX-Sprachbedienung ist eine Hilfe.

Ganz großes Kino: Dominierendes Element im EQE ist der Hyperscreen, der sich fast über das gesamte Armaturenbrett erstreckt.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Trotz der sehr teuren Ausstattung kosten die Multikontursitze noch mal 2737 Euro Aufpreis. Empfehlen können wir sie trotzdem: zigfach verstellbar, schön ausgeformt, sehr bequem. Im Fond verfügt der Benz dann über deutlich mehr Platz als der Porsche – er ist breiter, bietet die größere Kopffreiheit und spürbar mehr Raum für lange Beine. Auf der gemütlichen Rückbank sind selbst große Leute bequem untergebracht, auch wenn die Auflage gern etwas länger sein könnte.
Fahrzeugdaten
Modell | Mercedes EQE 500 4Matic SUV | Porsche Macan 4 |
|---|---|---|
Motor Bauart vorn/hinten | Synchronelektromotoren | Synchronelektromotoren |
Einbaulage | je ein Motor vorn und hinten | je ein Motor vorn und hinten |
Spitzenleistung gesamt | 300 kW (408 PS) | 300 kW (408 PS) |
Dauerleistung | 135 kW (184 PS) | 145 kW (197 PS) |
maximales Drehmoment | 858 Nm | 650 Nm |
Vmax | 210 km/h | 220 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 265/40 R 21 H | 255/40–295/35 R 22 Y |
Reifentyp | Goodyear Eagle F1 Asymmetric | Goodyear Eagle F1 |
Radgröße | 9,5 x 21" | 9–11 x 22" |
Reichweite* | 521 km | 562 km |
Verbrauch* | 21,2 kWh/100 km | 19,5 kWh/100 km |
Batteriekapazität nutzbar | 96 kWh | 95 kWh |
Ladeleistung AC/DC | bis 22/170 kW | 11/270 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | 32 Minuten | 21 Minuten |
Ladeanschluss | hinten rechts | hinten rechts und links |
Fach unter Frontklappe | – | Serie/84 l |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) | 70 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1800/750 kg | 2000/750 kg |
Stützlast | 100 kg | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 520–1675 l | 540–1348 l + 84 l vorn |
Länge/Breite/Höhe | 4863/1940–2141**/1685 mm | 4784/1938–2152**/1622 |
Grundpreis | 99.841 Euro | 84.100 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 125.099 Euro | 100.457 Euro |
Der Macan ist klar und technisch eingerichtet, zurückhaltender und weniger opulent als Mercedes. Der Starterknopf liegt links vom Lenkrad, so soll es sein. Für den Fahrer gibt es ein 12,6 Zoll großes Kombiinstrument, der zentrale Touchscreen ist ebenso 10,9 Zoll groß wie das Beifahrerdisplay (1428 Euro extra).
Im Macan geht es technischer zu
Das Infotainment arbeitet mit Android Auto. Die Instrumente sind – in Maßen – konfigurierbar und gut ablesbar, die Menüs fürs Multimedia umfangreich, aber ordentlich sortiert, die Grafik ist detailreich. Auf der Mittelkonsole gibt es eine große Extra-Bedieneinheit fürs Klima. Und einen schönen Drehregler für die Lautstärke. Die Sprachsteuerung reagiert schnell und flüssig und weiß vieles aus der großen Google-Welt, beherrscht die Fahrzeugfunktionen aber nicht ganz so gut.

Deutlich nüchterner: Wie der Mercedes ist auch der Porsche hochwertig verarbeitet – er verzichtet allerdings auf dessen Opulenz.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die adaptiven Sportsitze sind teuer (1464 Euro), aber gut: passend geformt, griffig und mit viel Seitenhalt. Hinten geht es nicht ganz so großartig zu, der Fond ist eher knapp geschnitten – das fällt dann im Vergleich mit dem EQE umso mehr auf. Man sitzt leicht beengt auf einer straffen Rückbank mit ebenso kurzer Auflage wie beim Benz, aber flacher über dem Boden. Immerhin gibt es selbst für große Leute noch etwas Luft über dem Scheitel.
Erst bei Tempo 220 ist im Porsche Schluss
Das E-System im Macan arbeitet mit 800-Volt-Technik, die Motoren sind permanenterregte Synchron-Elektromaschinen (PSM). Der Macan 4 kommt mit einer Systemleistung von 408 PS, raste im Test von null auf 100 km/h in 5,2 Sekunden, schafft Tempo 220. Er beschleunigt schnell, mühelos und zügig. Und zieht auch oberhalb von 160 km/h noch kräftig durch – das können nicht viele, manchmal noch so starke E-Autos.

Auch elektrisch ein echter Porsche: Der Macan braucht 5,2 Sekunden bis 100 km/h und zieht auch danach noch kräftig durch.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das E-System ist fein dosierbar, reagiert unmittelbar. Die Rekuperation ist praktisch nur einmal verstellbar – die winzige Taste findet sich im Menü – und arbeitet auch dann nur sehr sanft. Porsche verzichtet also auf Schaltpaddles oder etwas in der Art – und auch auf einen One-Pedal-Modus bis zum Stand.
Messwerte
Modell | Mercedes EQE 500 4Matic SUV | Porsche Macan 4 |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 1,9 s | 2,3 s |
0–100 km/h | 5,0 s | 5,2 s |
0–130 km/h | 8,0 s | 8,0 s |
0–160 km/h | 12,2 s | 11,9 s |
0–200 km/h | 20,6 s | 19,7 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 2,7 s | 2,4 s |
80–120 km/h | 3,4 s | 3,2 s |
Leergewicht/Zuladung | 2671/444 kg | 2445/475 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 49/51 % | 50/50 % |
Wendekreis links/rechts | 10,3/10,4 m | 11,2/11,2 m |
Sitzhöhe | 715 mm | 680 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 34,8 m | 33,3 m |
aus 100 km/h warm | 34,0 m | 33,3 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 54 dB(A) | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) | 63 dB(A) |
bei 130/160 km/h | 65 dB(A) | 68 dB(A) |
bei 160 km/h | 70 dB(A) | 71 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 21,2 kWh/100 km | 19,3 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 29,2 kWh/100 km (+38 %) | 28,2 kWh/100 km (+45 %) |
Sportverbrauch | 38,3 kWh/100 km | 42,4 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km | 0 g/km |
Reichweite | 354 km | 366 km |
Der Testwagen war ausgestattet mit Luftfederung samt elektronischer Dämpferregelung (2654 Euro) und Hinterachslenkung (maximal fünf Grad, 1856 Euro). Er bringt 2,4 Tonnen auf die Waage, immerhin mit perfekter Achslastverteilung von 50:50. Er fährt sich, das kann man ruhig so sagen, sehr porschig: präzise, energisch und scharf.
Die Allradlenkung reagiert direkt und feinnervig, aber nie nervös. Die Traktion ist, auch so etwas ist eben Porsche-typisch, einfach nur hervorragend, grundsätzlich hecklastig ausgelegt. Die Luftfederung setzt eher auf Agilität als auf Komfort, arbeitet durchweg sportlich-herb und nimmt etwa Querfugen mit den 22-Zoll-Rädern ziemlich trocken, einen Komfort-Modus gibt es erst gar nicht.
Der Sprintsieger heißt EQE
Der EQE 500 arbeitet mit 400-Volt-Technik, vorn und hinten wie der Porsche mit PSM-Motoren. Die Systemleistung liegt bei 408 PS – das kann ja kein Zufall sein. Er stürmt in glatten fünf Sekunden auf 100 km/h und schafft maximal 210 km/h, auch sehr souverän.

Schwerer und schneller: Im Sprint auf 100 km/h schlägt der Mercedes den Porsche um zwei Zehntelsekunden – trotz 226 kg Mehrgewicht.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der EQE beschleunigt kräftig und ansatzlos, sein E-System reagiert sensibel. Die Rekuperation ist, anders als beim Porsche, in drei Stufen in kleinen Nuancen mit den Paddles am Lenkrad verstellbar. Die Automatikfunktion arbeitet ausgesprochen aufmerksam, und auch der One-Pedal-Modus funktioniert bestens bis zum Stillstand.
Der Test-EQE war ausgestattet mit dem sündteuren Paket AMG Line Premium Plus für 19.278 Euro, unter anderem mit Hinterachslenkung. Die Luftfederung (2083 Euro) und die 21-Zoll-LM-Räder (803 Euro) kosten allerdings trotzdem noch extra.
Mercedes liegt satt und wuchtig
Mit seinen 2671 Kilogramm ist der EQE noch mal 226 kg schwerer als der Macan – und genau so fährt er sich dann auch. Also satt und wuchtig, und nein, nicht langsam, die E-Motoren liefern praktisch genauso viel Punch wie im Macan – siehe Messwerte. Die Vierradlenkung spricht erstaunlich zackig an – ungewohnt für ein Auto dieses Zuschnitts. Hat man sich daran gewöhnt, verleiht sie dem Schwergewicht eine erstaunliche Handlichkeit.
Platzierung
Modell | Porsche Macan 4 | Mercedes EQE 500 4Matic SUV |
|---|---|---|
Punkte* | 579 | 573 |
Platz | 1 | 2 |
Testnote | 1,9 | 1,9 |
Fazit | Fährt präzise und energisch. Schöne Lenkung und tolle Bremsen. Modernes 800-Volt-E-System. Hoher Preis. | Komfortabel, sehr leise und auch schnell. Geräumiger Fond. E-System fein abstimmbar. Preis abgehoben. |
Der EQE federt sanft und souverän, im Comfort-Modus für unseren Geschmack sogar fast zu schaukelig, wir empfehlen Sport. Also jedenfalls das, was Mercedes im EQE darunter versteht.
Macan kommt ein paar Kilometer weiter
Der Akku im EQE 500 4Matic SUV ist 96 kWh (netto) groß. Im Test schaffte der Benz eine Reichweite von 354 Kilometern – bei moderaten 8 Grad Celsius. Geladen werden kann mit 22 kW Wechsel- und maximal 170 kW Gleichstrom.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Batterie im Macan ist 95 kWh (netto) groß, er kam im Test 366 Kilometer weit. Geladen werden kann mit 11 kW Wechsel- und maximal 270 kW Gleichstrom.
Mercedes-Preis ist abgehoben
Den Macan 4 liefert Porsche ab 84.100 Euro, den Testwagen – u. a. mit Luftfederung und Allradlenkung – ab 100.457 Euro. Viel Geld? Denkste! Den Mercedes EQE 500 4Matic SUV gibt es erst ab 99.841 Euro, der bewertete Testwagenpreis liegt bei sagenhaften 125.099 Euro. Erde an Mercedes: Habt ihr den Kontakt zur Realität verloren? Dabei achten die Schwaben bekanntlich doch sehr aufs Geld.
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