Mercedes G 350 Professional: Test, Motor, Preis, 4x4, offroad
So gut ist die Mercedes G-Klasse für den harten Gelände-Einsatz
Die G-Klasse ist längst mehr Luxusliner als Landarbeiter. Doch als "Professional" soll sie zu ihren Wurzeln zurückfinden. AUTO BILD macht den Test.
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Patinierte Nissan Patrol und Land Rover Defender, die vor Dreck starren, ein paar Pinzgauer und Haflinger in allen Erhaltungsgraden, jede Menge bis zur Unkenntlichkeit verbaute Jeep Wrangler – und mittendrin die neueste Generation der Mercedes G-Klasse. In "manufaktur kupferorange magno". Selten haben die Dreckskerle in der Hellsklamm so gelacht.
Denn wo sich sonst eine Stunde westlich von Wien die Hardcore-Fraktion der Allradler zu ihren Spielen trifft, hat der hochkarätige Vierkant aus Graz eigentlich nichts mehr verloren. Klar, den militärischen G, mit dem vor über 40 Jahren alles begann, und wahrscheinlich auch noch einen in Würde gealterten W 461 in Dunkelgrün lassen sie hier durchgehen.
Bescheiden ist beim G 350 d höchstens der Motor
Doch über den neuen Protzpanzer rümpfen sie hier alle die Nase. Zu Unrecht. Schließlich fahren wir keinen 500er oder gar einen AMG, sondern ganz bescheiden einen 350 d mit 286 PS.

Geländegänger mit Stern: Der 350 d ist die Basis-Motorisierung der G-Klasse – und kostet schlappe 109.296 Euro.
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Wobei zwei Anmerkungen zu machen sind. Erstens: Auch der Basis-G kostet mal eben 109.296 Euro – Bescheidenheit geht irgendwie anders. Und zweitens: Zum Jahresende fällt der 350er aus der Produktion. Dann muss der um 44 PS stärkere und 4700 Euro teurere 400 d ran.
Das Professional-Paket ist erstaunlich günstig
Doch nicht nur die Wahl eines Dieselmotors zeugt davon, dass sich diese G-Klasse als Arbeiter sieht und nicht als Angeber. Sondern es ist vor allem die Ausstattung, die den Unterschied macht: Denn für fast schon lächerliche 1785 Euro trägt dieser G das Professional-Paket und bittet mit grobstolligen AT-Reifen, Schutzgittern vor den Scheinwerfern und einem massiven Unterfahrschutz um Aufnahme in den erlauchten Kreis der echten Dreckskerle.

G-Modell und Urahn: Zwischen den beiden Offroadern liegen kaum mehr als 25 Jahre – gefühlt sind es deutlich mehr.
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Im Schlepptau hat die G-Klasse dabei einen Puch 230 GE aus dem Jahr 1996, der zeigt, wo die Reise für den G mal begonnen hat – als rustikaler Geländegänger für Profis mit und ohne Uniform. Ohne Lack und Leder und ohne Firlefanz, dafür aber mit Technik, die auch Jahrzehnte schadlos überdauert.
Kein Wunder, dass der rüstige Rentner mit dem augenzwinkernden Freifahrsticker für den "Forst-Betrieb" den Rost auf der Tür nur als Designerfolie trägt und sich hier für keine Moorpackung zu schade ist.
25 Jahre Autofortschritt sind verblüffend
Klar ist das gemeinsame Design unverkennbar, selbst wenn der neue G aussieht, als hätten sie ihm in Stuttgart Steroide gespritzt. Doch wer einmal von der digitalen Spielbude im neuen G in die karge Blechwüste um das spindeldürre Lenkrad des alten gewechselt hat, der mag kaum glauben, dass zwischen den beiden Autos kaum mehr als 25 Jahre liegen.
Fahrzeugdaten
Modell | Mercedes G 350 d Professional |
|---|---|
Motor | Sechszylinder-Turbodiesel, vorn längs |
Hubraum | 2925 cm³ |
Leistung | 210 kW (286 PS) bei 3400/min |
max. Drehmoment | 600 Nm bei 1200/min |
Antrieb | Allrad, Neunstufenautomatik |
Länge/Breite/Höhe | 4817/1931-2187*/ 1969 mm |
Leergewicht | 2490 kg |
Kofferraum | 454–1941 l |
0–100 km/h | 7,4 s |
Vamx | 199 km/h |
Verbrauch | 10,9 l/100 km |
Abgas CO2 | 286 g/km |
Preis | ab 111.081 Euro |
Genauso wenig wie beim Motor. Denn den olivgrünen Reservisten mit dem typischen Planenverdeck bewegt der 2,3-Liter-Vierzylinder, den Mercedes damals in fast jedes Auto eingebaut hat – nur dass er statt der üblichen 126 hier nur 116 PS leistet, weil er niedriger verdichtet ist, damit er im V-Fall auch noch den schlechtesten Sprit schlucken kann.
Der alte Puch wirkt untermotorisiert
Und dann auch noch die Drehmomentfressende Vierstufen-Automatik, an deren achsseitigem Ende von den maximal ohnehin nur 190 Nm gefühlt nicht mal mehr die Hälfte übrig bleibt. Kein Wunder, dass sich die Tachonadel erst nach über 15 Sekunden gen 100er-Marke zittert und dass es für das mickrige Spitzentempo von 145 km/h viel Anlauf braucht, sehr viel!

Tapfer: Trotz nur 116 PS und 190 Nm Drehmoment aus einem 2,3-Liter-Vierzylinder schlägt sich der Puch ganz ordentlich.
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Im Ringen mit den anderen Rabauken hier in der Hellsklamm schlägt sich der 230er zwar nicht schlecht. Doch der Generationswechsel fühlt sich an wie ein Rennen zwischen Actros und AMG. Nur dass es hier kein Rennen gibt. Denn viel mehr als Schritttempo ist auf den Schlammpisten im Wienerwald nicht drin.
Selbst wenn der G 350 d das Zeug zu mehr hätte. Viel mehr. Auch der kleinste Motor in der aktuellen G-Klasse kommt nämlich schon auf 286 PS und gibt mit seinen 600 Nm den Souveränen, der im Wald so selbstbewusst knurrt wie der König der Keiler bei der Brunft.
Kein Gelände ist dem Profi-G zu schwer
Deshalb schnell noch die Luft aus den Reifen raus, die Sperren und die Untersetzung rein und ab in den Dreck. Gierig verbeißen sich die plötzlich ziemlich platten AT-Stollen auf den für eine G-Klasse fast schon bescheidenen 18-Zöllern in Matsch und Modder, wütend stürmt er die Steilstücke hinauf, bricht ohne Rücksicht auf Verluste durch das Unterholz, rumpelt und rutscht auf den Metallplatten am Unterboden skrupellos über Steine und Baumstümpfe, suhlt sich beinah sinnlich in den knietiefen Pfützen wie die Bache mit ihren Frischlingen.

Typisch G: Der Mercedes kennt im Gelände kaum Grenzen. Mit dem Professional-Paket wühlt er sich jetzt noch etwas besser durch.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Und dass der Dreck so dick auf dem Lack pappt wie die Panade auf einem Schnitzel, das ist hier eher Auszeichnung als Anklage. Mit jedem Kilometer steigt der neue G deshalb im Ansehen der Dreckskerle in Puch & Co., immer seltener schickt uns der Guide auf den Chicken Run, wie die Umfahrung der gefährlichsten Stellen gerne genannt wird.
Mercedes hängt die anderen ab
Im Gegenteil: Dort, wo die Spurrillen für den HiLux zu tief sind und die Steigungen für den Defender zu steil, dort wird der Professional zum Pacemaker und führt die Truppe auf den Berg. Und wenn doch einer hängen bleiben sollte? Kein Problem, zumindest der Puch aus dem Windschatten hat ja eine Winde und schleppt die anderen zur Not durch dick und dünn – dafür hat man doch Familie. Und ja, Familiensinn haben sie hier in der Hellsklamm, an der Zugehörigkeit des neuen G zweifelt längst keiner mehr.

G-Klasse matschig, Autor glücklich: Der edle Benz hat offroad ordentlich abgeliefert, und er kann auch Luxus und Autobahn.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Als der Abschied naht, kommt dann doch noch ein bisschen Neid auf. Denn Luft aufpumpen, Profil putzen, den Dreck von den Scheinwerfern kratzen und ganz gemütlich in allem Luxus über die Autobahn nach Hause gleiten – das erlaubt in diesem Kreis nur die neue G-Klasse.
Als Dank an den tapferen Puch und seine ganz und gar nicht benötigte Winde zieht das G-Modell ihn dann noch locker und lässig auf dem Trailer Richtung Heimat. Immer nach dem Motto: Thank you very Matsch, liebe Freunde und Familie.
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