Mercedes S 450 d 4Matic: Test
Die Macht der Gelassenheit: S-Klasse geht auch mit Diesel

Zum ersten Test fährt die renovierte Mercedes S-Klasse in der Langversion vor. Mit Luftfederung, Allrad und Diesel. Passt das? AUTO BILD macht den Test.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Es gibt Autos, die wollen beeindrucken. Die S-Klasse gehört nicht dazu, die muss gar nichts mehr beweisen. Sie steht an der Spitze der automobilen Hierarchie, ist der Maßstab. Und allen Beteiligten ist das klar.
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Schon lange geht das so, genau genommen seit 1972 mit dem Start des W 116. Die aktuelle Baureihe W 223 wird seit 2020 produziert, jetzt hat Mercedes sie sehr gründlich renoviert. Mehr als 50 Prozent der Teile sind neu. Zum breit gefächerten Motorenangebot gehört auch ein 3,0-Liter-Diesel, zum Test fuhr der Benz als S 450 d mit 367 + 23 PS vor. Ist das inzwischen altmodisch – oder schon sehr clever?
- Für Geschäftskunden: Wer ein repräsentatives Fahrzeug für Geschäftsreisen und Kundentermine sucht, liegt mit der S-Klasse genau richtig.
- Für Vielfahrer: Die S-Klasse eignet sich besonders für Fahrer und Mitreisende, die höchsten Wert auf Komfort, Luxus und Langstreckentauglichkeit legen.
Exterieur mit zeitloser Optik
Der Auftritt ist von gepflegter Eleganz, finden wir jedenfalls. Mit ausgewogenen Proportionen – besonders als Langversion wunderbar gestreckt –, langer Motorhaube, flachem Aufbau und sanft fließender Dachlinie. Formvollendet und irgendwie zeitlos.

Macht richtig was her: Als Langversion streckt sich die S-Klasse auf üppige 5,30 Meter, die Erscheinung bleibt dennoch sehr elegant.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die getestete Langversion ist 5,30 Meter lang (normal 5,19 Meter), der Radstand liegt bei 3,22 Metern (3,11 Meter). Bedeutet: Die Platzverhältnisse sind äußerst großzügig, und zwar vorn und hinten. Das Testauto war ausgestattet mit dem Premium-Paket mit digitalen Extras für 14.645 Euro. Teuer, aber es steckt auch viel drin.
Luftig und komfortabel auf allen Plätzen
Die aktiven Multikontursitze gehören dazu, und die sind einfach nur verboten gut: vielfach verstellbar, üppig gepolstert, mit Massage, Heizung und Lüftung, hochbequem, perfekt. Auch die elektrisch verstellbaren Sitze im Fond (ebenfalls im Premium-Paket) sind herrlich gemütlich, Auflage und Lehnenneigung lassen sich verstellen, alles lässig und sehr entspannt.

Die aktiven Multikontursitze gehören zum Premium-Paket für 14.645 Euro. Sie sind üppig gepolstert, bieten Massage und Heizung – und sind sehr gemütlich.
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Sogar einen ordentlichen Kofferraum gibt es, 510 Liter groß, und selbst an eine (große) Durchreiche haben die Entwickler gedacht. Ganz praktisch. Die maximale Zuladung lag beim Testauto übrigens bei sehr großzügigen 643 kg.
Innenraum lässt keine Wünsche offen
Eingerichtet ist der Benz opulent, die Verarbeitung ist makellos. Der Materialmix – Holz, Hochglanz, Chrom, Leder, Kunststoffe – ist von ausgesuchter Qualität, Ambientelicht-Inszenierungen, abgestepptes Leder, aufwendig gearbeitete Lüftungsdüsen und die fetten Burmester-Lautsprecher (Burmester 3D-Surround-Soundsystem auch im Premium-Paket enthalten) – alles das reinste Fest für die Sinne.

Opulentes Interieur, makellos verarbeitet: Die S-Klasse kommt mit vielen Bildschirmen und einem ausgesuchten Materialmix aus Holz, Chrom, Leder und Kunststoff.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zum Interieur gehören drei große Bildschirme – Fahrerdisplay, zentraler Touchscreen und Beifahrer-Display. Alle farbstark, mit großen Icons und logisch gegliederten Menüs. Die neueste MBUX-Generation läuft flüssig, KI ist in Mannschaftsstärke an Bord – ChatGPT, Microsoft Bing, Google Gemini –, die Sprachsteuerung reagiert treffsicher, das Navi arbeitet auf Basis von Google Maps, Over-the-Air-Updates sorgen für neueste Software.
Fahrzeugdaten
Modell | Mercedes S 450 d 4Matic |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | R6, Biturbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 2989 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 270 +17 (367 + 23)/4000 |
Nm bei 1/min | 750/1350 |
Vmax | 250 km/h |
Getriebe | Neunstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 255/45 R 19 Y |
Reifentyp | Pirelli P Zero |
Radgröße | 8,5 x 19" |
Abgas CO2 | 174 g/km |
Verbrauch* | 6,7 l/100 km |
Tankinhalt | 76 l |
Kraftstoffsorte | Diesel |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | Serie/25 l |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2100/750 kg |
Stützlast | 85 kg |
Kofferraumvolumen | 510 l |
Länge/Breite/Höhe | 5304/1986–2123**/1503 mm |
Radstand | 3216 mm |
Grundpreis | 133.494 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 155.732 Euro |
Verglichen mit dieser State-of-the-Art-Elektronik erscheint heutzutage ein Selbstzünder als Antrieb ja schon fast anachronistisch. Doch so kann man sich täuschen – und das vorweg: Dieser Diesel passt bestens.
Der 3,0-Liter mit 367 + 23 PS (48-Volt-Mildhybrid) erweist sich als ein Meisterwerk. Wenn man so will, alter Schule. Ein Reihensechszylinder mit feinsten Manieren, samtigem Druck, jeder Menge Kraft und fast schon fröhlicher Drehfreude. Dazu summt er sonor, mit rauchigem Wohlklang.

Sehr ordentlich: Der samtige Reihensechszylinder beschleunigt den S 450 d in 5,6 Sekunden auf Tempo 100. Maximal sind 250 km/h drin.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Neunstufenautomatik vervollkommnet die Spielfreude des Ensembles auf hohem Niveau. Sie schaltet wirklich nicht übertrieben hastig – aber jederzeit aufmerksam und schön sanft, im Sport-Modus aber gern durchaus energisch. Den Standardsprint von 0 auf 100 km/h erledigt der S 450 d so fast nebenbei in erstaunlichen 5,6 Sekunden (Werk 5,1 s).
Verbrauch ist erfreulich niedrig
Es kommt aber noch besser: Im Test erwies sich der Diesel als erfreulich effizient. Die 2,3-Tonnen-Limousine begnügte sich mit gerade mal 7,8 Litern Diesel/100 km. Bei zurückhaltender Fahrweise schafft man Verbräuche um die sechs Liter, ohne Krämpfe. Mit dem 76-Liter-Tank sind also Reichweiten um die 1200 Kilometer mühelos möglich. Aus Hamburg schnell mal zum Shopping nach Mailand? Kein Problem.

Spritknauser: Im Testdurchschnitt genehmigte sich der S 450 d 7,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Ohne Probleme schafft man auch Vebräuche um die sechs Liter.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Als besondere Domäne des S 450 d erweist sich der Komfort. Höchst aufwendige Geräuschdämmung, ausgesprochen steife Karosserie, eine sensible, sanft ansprechende Federung und ein kultivierter Antrieb ergeben ein insgesamt hochkomfortables Fahrerlebnis, das es in der Autowelt so ohne Weiteres nicht noch einmal gibt.
Messwerte
Modell | Mercedes S 450 d 4Matic |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,4 s |
0–100 km/h | 5,6 s |
0–130 km/h | 8,5 s |
0–160 km/h | 12,5 s |
0–200 km/h | 20,1 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,6 s |
80–120 km/h | 3,3 s |
Leergewicht/Zuladung | 2267/643 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 55/45 % |
Wendekreis links/rechts | 10,8/10,9 m |
Sitzhöhe | 550 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 33,3 m |
aus 100 km/h warm | 32,4 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 52 dB(A) |
bei 100 km/h | 60 dB(A) |
bei 130 km/h | 63 dB(A) |
bei 160 km/h | 68 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 6,4 l D/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 7,8 l D/100 km (+16 %) |
Sportverbrauch | 10,4 l D/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 207 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 974 km |
Das ganze Auto vermittelt mit seinem Wesen stets Ruhe und Gelassenheit. An Bord bleibt es zum Beispiel bemerkenswert geräuscharm. Die im Test gemessenen 63 dB(A) bei Tempo 130 sind sehr, sehr leise. Herausragend.
Mehr Agilität gegen Aufpreis
Die Luftfederung ist Serie, ebenso 19-Zoll-Bereifung und Allradantrieb. Nur die 10-Grad-Hinterachslenkung des Testautos kostet extra (714 Euro, 4,5 Grad sind Serie). Der Benz läuft perfekt geradeaus, die 4Matic sorgt unspektakulär für hervorragende Traktion, die feinfühlige Lenkung arbeitet präzise, sehr vertrauenerweckend.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Und sorgt nebenbei für einen geradezu Kompaktklasse-mäßig kleinen Wendekreis von unter elf Metern. Der S 450 d fährt insgesamt überraschend handlich, fast unverschämt leichtfüßig. Und er verfügt, das überrascht uns jetzt auch nicht mehr, über hervorragende Bremsen. Fein dosierbar, fest zupackend, standfest. Im Test stand der S 450 d beim Stopp aus Tempo 100 mit warmen Bremsen schon nach 32,4 Metern.
Wertung Mercedes S 450 d 4Matic
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Großzügige Platzverhältnisse, hohe Zuladung. Feines Material, makellose Verarbeitung. | 4,5 / 5 |
Antrieb | Kultivierter, kraftvoller Diesel. Sanfte Automatik. Souveräne Fahrleistungen, sehr hohe Reichweite. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Erstaunlich handliches Fahrverhalten, feinfühlige Hinterachslenkung. Erstklassige Bremsen. | 4,5 / 5 |
Connected Car | Brillante Displays, flüssige Software, logische Menüs. Kluge Sprachsteuerung. Tolles Soundsystem. | 5 / 5 |
Umwelt | Sehr groß und auch schwer. 48-Volt-Mildhybrid, Verbrauch absolut im Rahmen. | 2,5 / 5 |
Komfort | Herausragend hoher Fahrkomfort, bemerkenswert leise. Hervorragende Assistenzsysteme. | 5 / 5 |
Kosten | Sehr hohes Preisniveau, teure Pakete. Sehr wertstabil. Wartung jährlich, nur zwei Jahre Garantie. | 1,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,8 |
Der S 450 d in der Langversion startet bei 133.494 Euro, in der bewerteten Testwagen-Ausstattung summiert sich das auf 155.732 Euro. Das wiederum ist doch ziemlich beeindruckend.
Die wichtigsten Fragen zur Mercedes S-Klasse?
Wo liegen die Stärken der S-Klasse?
Mit ihrer exzellenten Geräuschdämmung, den komfortablen Sitzen, der Luftfederung und einer Reichweite von bis zu rund 1200 Kilometern eignet sich die S-Klasse besonders für lange Autobahnfahrten.
Wie groß ist das Platzangebot?
Vor allem die Langversion überzeugt mit sehr großzügigen Platzverhältnissen im Fond. Auch der Kofferraum mit 510 Litern Volumen macht die Luxuslimousine alltagstauglich.
Wie gut passt der Dieselmotor?
Der Reihensechszylinder-Diesel kombiniert hohe Fahrleistungen mit bemerkenswerter Effizienz. Im Test lag der Verbrauch bei lediglich 7,8 Litern pro 100 Kilometer, den Sprint auf Tempo 100 erledigt der S 450 d in 5,6 Sekunden.
Welche Technologien sind an Bord?
Die S-Klasse bietet das aktuelle MBUX-Infotainmentsystem mit KI-Unterstützung, Sprachsteuerung, Google-basierter Navigation, Over-the-Air-Updates sowie zahlreiche moderne Assistenz- und Komfortfunktionen.
Fazit
In dieser Form ist die S-Klasse eine Referenz – durchentwickelt und bis ins Detail verfeinert. Mit überragendem Komfort, opulenter Einrichtung, erstaunlich handlichem Fahrverhalten und hochmoderner Elektronik. Und mit dem feinen Sechszylinder-Diesel souverän motorisiert. AUTO BILD-Testnote: 1,8
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