Mercedes S 600 L T-Modell (1996)
Einzigartiges Mercedes S 600 L T-Modell wird versteigert

Bild: carhuna.com/auctions
ie Rede ist vom Sultan von Brunei, der zusammen mit seinem Bruder Prinz Jefri die größte Autosammlung der Welt besitzen soll. Der Fuhrpark der königlichen Familie von Brunei soll zu Höchstzeiten unglaubliche 3000 bis 7000 Autos und Motorräder umfasst haben – zusammengetragen zwischen 1980 und den frühen 2000er-Jahren. Eine Sammlung, zu der es viele Mythen und nur wenig Fakten gibt. Mutmaßlich befindet sich ein Großteil der Fahrzeuge bis heute in Brunei.
Mittlerweile wurde der Kaufrausch deutlich eingedämmt. Hin und wieder werden zwar noch moderne Sportwagen und Luxusautos in Brunei gesichtet – zuletzt ein Ferrari Purosangue –, doch den Höhepunkt erreichte die Sammlung in den 90er-Jahren.
Exklusive Autos nur für den Sultan
Gerüchte besagen, dass die Massenbestellungen aus Brunei einigen Herstellern sogar das Überleben sicherte. Dabei konzentrierten sich der Sultan und sein Bruder nur auf die exklusivsten Autos der Welt, die in der Regel gleich mehrfach geordert wurden. Doch damit gaben sich die beiden Autofans nicht immer zufrieden, und so wurden auch eigens für den Sultan angefertigte Fahrzeuge in die Sammlung aufgenommen – darunter die Bentley-Modelle Silverstone und Grand Prix Dominator sowie der Ferrari FX.
Auch bei Mercedes gehörte die königliche Familie zu den besten Kunden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Sultan gleich mehrere Spezialprojekte in Auftrag gab. Eines davon war das S-Klasse T-Modell – eine Kombiversion der S-Klasse, Baureihe W 140.

Diese Mercedes S-Klasse ist sicher nichts für Originalitäts-Fanatiker. Auffällig aber ist sie allemal.
Bild: carhuna.com/auctions
Auf Basis der Langversion machte man sich bei Mercedes ans Werk. Ganz still und heimlich wurde das Spezialprojekt vorangetrieben. Bis heute gibt es viele Gerüchte, aber kaum belegbare Informationen – und noch weniger Fotos von den Autos.
Kleinserie des S-Klasse-Kombis
Angeblich sollen die Karosseriebauer Binz und Cadform einen Prototyp mit Teilen des S 124 gebaut haben, der im letzten Moment gecancelt worden sein soll. Anschließend soll AMG den Auftrag übernommen haben. In Affalterbach soll die Dachlinie mit Teilen der damals neuen E-Klasse (S 210) verlängert worden sein, was auch die rundliche Heckklappe erklären könnte. Mutmaßlich sollen 18 S-Klasse-Kombis mit der Bezeichnung 600 SEL entstanden sein, 15 davon für Brunei. Die anderen drei Exemplare gingen nach Malaysia und Japan.

Nichts für schwache Nerven: Der gesamte Innenraum wurde mit grünem Leder, Alcantara und Zierleisten ausgekleidet.
Bild: carhuna.com/auctions
Die Informationen zu den Autos sind allerdings sehr vage. Laut Fahrgestellnummer handelt es sich um "normale" S 600, denn für das Spezialprojekt kam natürlich ausschließlich die V12-Topmotorisierung infrage. Die meisten der nach Brunei ausgelieferten S-Klasse-Kombis sollen dabei sogar mit aufgebohrten 7,0- oder auch 7,3-Liter-Motoren ausgerüstet gewesen sein. Auch wenn es seit Jahren keine neuen Informationen zu diesen Autos gibt, gilt es als höchstwahrscheinlich, dass sich der Großteil immer noch in Brunei befindet. Gut möglich, dass die Autos das Land niemals verlassen.
Das Einzelstück wird versteigert
Umso einzigartiger ist die Chance, die sich bald bietet. Auf der britischen Auktionsplattform carhuna.com bietet der renommierte Luxusautohändler "DK Engineering" einen Mercedes S 600 L als Kombi an.

Nur zur Klarstellung: Der Umbau dieses W 140 erfolgte nicht bei AMG, sondern wurde erst kürzlich von der in der Türkei ansässigen Firma Falcon Design durchgeführt.
Bild: carhuna.com/auctions
Wie das möglich sein kann, wenn die originalen Autos in Brunei verstauben? Ganz einfach, es handelt sich um einen sehr aufwendigen Nachbau und das weltweit vermutlich einzige S-Klasse T-Modell als Linkslenker, denn die 18 originalen Kombis sind allesamt rechtsgelenkt.
Ein Umbau der Firma Falcon Design
Verantwortlich für das beeindruckende Projekt ist die Firma "Falcon Design", die das Auto in der Türkei umbauen ließ. Auf Basis eines aus Japan importierten S 600 L W 140 entstand das hier gezeigte Einzelstück. Genau wie bei den von AMG gefertigten Autos wurde das Heck aufwendig mit Teilen der S-210-S-Klasse zum Kombi umgebaut.
Ein Unterschied zu den Brunei-Autos: Die Fondsitze lassen sich nicht umklappen, was gleich mehrere Vorteile bietet. Zum einen bleibt die elektrische Sitzverstellung für die hintere Reihe (plus Beifahrersitz, der vom Fond aus bedient werden kann) erhalten, zum anderen muss der Benzintank nicht versetzt werden.

Da passt ordentlich was rein: Der Kofferraum des T-Modells ist üppig dimensioniert. Auch hier darf der grüne Teppich natürlich nicht fehlen.
Bild: carhuna.com/auctions
Als ob das Auto an sich nicht schon spektakulär genug wäre, wurde das weiße Exterieur ("Polarweiß 149") mit einer Designo-Innenausstattung in grünem Leder (X08) und grünem Dekor (W07) kombiniert. Auffälliger geht es kaum.

Der Kilometerstand in der Auktionsbeschreibung wird mit 1000 Meilen angegeben, auf dem Bild des Tachos ist ein Kilometerstand von 107.875 zu erkennen.
Bild: carhuna.com/auctions
Der Antrieb ist standesgemäß: Unter der Haube steckt der 6,0-Liter-V12-Sauger (M 120), der auch in den frühen Modellen des Pagani Zonda (C12) zum Einsatz kam.
Schätzpreis für den S-Klasse-Kombi: bis zu 300.000 Euro
Mercedes-Sammlern bietet sich hier eine vermutlich einzigartige Gelegenheit – dass eines der originalen Exemplare (zeitnah) auf den Markt kommt, gilt als sehr unwahrscheinlich. Die Auktion auf carhuna.com startet am 31. Juli 2024 und endet am 7. August. Der Schätzpreis ist mit umgerechnet 270.000 bis 300.000 Euro angegeben. Ein Preis, der angesichts der Seltenheit des Autos fast noch zu niedrig erscheint.
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