Platz da, jetzt kommt der Chef! Wenn Mercedes einen neuen E‑Van vom Stapel lässt, horcht die Flottenwelt auf. Mit dem VLE rollt ein echtes Raumwunder an, das – je nach Ausstattung – die Brücke zwischen Transporter und Cheflimousine schlägt. Aber reicht das, um im umkämpften Elektrovan-Segment anspruchsvolle und oftmals auch preissensible Firmenkunden zu überzeugen?
Für den VLE spricht seine Vielfalt. Denn die Stuttgarter schicken ihn mit diversen Batteriegrößen und Antriebsoptionen ins Rennen. Den Einstieg markiert der VLE 300 mit Frontantrieb. Er liefert alltagstaugliche Reichweite für den City-Shuttle-Dienst. Clever: Mit 3500 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht liegt er an einer entscheidenden Grenze. Alle Mitarbeiter, die den Pkw-Führerschein der Klasse B besitzen, dürfen ihn fahren.

Topmodell mit Haken

Wer mehr Dampf und souveränen Allrad-Grip benötigt greift zum Topmodell VLE 400 4Matic. Der verfügt über einen E-Motor an jeder Achse und einen XXL-Akku im Unterboden. Das hebt die Reichweite auf Langstrecken-Niveau, treibt das zulässige Gesamtgewicht aber auf 3,7 Tonnen. Hier schnappt die Führerscheinfalle zu: Ohne Klasse C1 (oder den alten "3er") läuft bei der Fahrerwahl für diese Allradversion rechtlich derzeit leider gar nichts.
Am Heck übernimmt die Lichtgestaltung in Form eines Bogens ("Arc"- Design) eine prägende Rolle beim VLE.
Bild: Mercedes
Bei der Ausstattung bleibt sich Mercedes treu. Von der pragmatischen Basis für Flughafentransfers über die edle "Avantgarde"-Linie bis zum AMG-Styling ist alles bestellbar. Feine Materialien und das smarte MBUX-Infotainment treiben den Komfort rasant nach oben.
Das hat seinen Preis: Wer den VLE für den Fuhrpark kaufen möchte, muss mit Netto-Preisen von rund 65.000 Euro für die Basis rechnen. Gut ausgestattete Allradler knacken beim Kauf schnell die 90.000 Euro (netto). Wer das Kapital schonen will, wählt das Leasing. Hier starten die Nettoraten bei etwa 750 Euro.

Alternativen wie etwa der VW ID.Buzz

Doch wo steht der VLE im Van-Quartett, und wer sind seine idealen Firmenkunden? Zur Standortbestimmung hilft ein kurzer Marktüberblick. Wer ein kreatives Aushängeschild sucht, nimmt den VW ID.Buzz – den Lifestyle-Van. Geht es um harte Kostenkontrolle bei maximalem Raum, übernehmen beispielsweise der Maxus Mifa 9 oder der Denza D9 den Job als "Business-/Shuttle-Van". Soll das Auto klar nutzfahrzeugnah bleiben, sind die E-Ableger von Ford Transit und Renault Trafic eine vernünftige Wahl. Als Allrounder präsentieren sich der Ford E‑Tourneo Custom sowie diverse Vans aus dem Hause Stellantis.
Der Mercedes VLE positioniert sich darüber: als Premium-Allrounder für Geschäftsführungen und VIP-Shuttles. Für jene, denen ein Buzz zu verspielt und ein Transit zu hemdsärmelig ist. Wer noch mehr Luxus und Dekadenz benötigt, muss auf den bereits angekündigten Mercedes VLS warten.

Der Markt im Überblick

Maxus Mifa 9
Ein Geheimtipp aus China für preissensible Shuttle-Dienste. Er lockt mit einer opulenten Serienausstattung inklusive Massagesitzen und großen Displays, die bei europäischen Konkurrenten viel Aufpreis kosten. Sein extrovertiertes Design fällt auf, doch das größte Plus ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Minuspunkt: mäßige Schnellladeleistung. Dafür bis zu 440 Kilometer Reichweite. Preis: ab ca. 57.900 Euro (netto).
Luxus auf S‑Klasse‑Niveau: Der Denza D9 verwöhnt Fondpassagiere mit edlem Ambiente und großer Reichweite.
Bild: Denza
Denza D9
Richtet sich gezielt an VIP-Shuttles und Business-Kunden, die First-Class-Komfort im Fond erwarten. In dem Luxusvan lebt die BYD-Mercedes-Kooperation in Europa. Mit feinstem Leder, integrierten Bildschirmen und flüsterleisem Antrieb auf S-Klasse-Niveau fordert er die etablierte V-Klasse heraus. Eine große Batterie für bis zu 520 Kilometer und Top-Ladezeiten runden das Top-Paket ab. Preis: ab 60.000 Euro (netto).
VW ID.Buzz
Charmanter Sympathieträger und der Lifestyle-Van schlechthin. Mit seinem Retro-Design, das den Bulli zitiert, stiehlt er jedem schnöden Transporter die Show. Er fährt sich agil, bietet moderne Software und lädt fix wieder auf, was für Touren von bis zu 460 Kilometern ausreicht.
Mittlerweile ist eine Variante mit langem Radstand erhältlich, die Platz für bis zu sieben Personen bietet. Damit wird der kultige Stromer auch für größere Fahrgemeinschaften oder geräumige Event-Shuttles deutlich attraktiver. Für hippe Firmen, die ein echtes Aushängeschild suchen, ist er die ideale Wahl. Preis: ab 50.400 Euro (netto).
Ford E-Transit
Ein waschechtes Nutzfahrzeug ohne elitäre Pkw-Allüren. Als riesiger Kastenwagen schluckt der kräftige Lastenesel klaglos bis zu 15,1 Kubikmeter Ladung und verfügt über 1,6 Tonnen Nutzlast. Im harten Handwerker-Alltag punktet er mit Robustheit. Dank der neuesten Batterie-Option bewältigt der Kölner Stromer nun sogar Strecken von bis zu 402 Kilometern am Stück. Preis: ab 64.590 Euro (netto).
Der Trafic E‑Tech punktet mit Alltagstauglichkeit, ist aber bei Reichweite und Tempo eher zurückhaltend.
Bild: Renault
Renault Trafic E-Tech
Bewährter Klassiker mit neuem E-Antrieb. Mit ihm runden die Franzosen ihr Angebot ab. Der Trafic ist ein wendiges, hochgradig pragmatisches Arbeitsgerät, das sich vor allem für Kurierdienste oder städtische Handwerker empfiehlt. Bei den Fahrleistungen reißt er zwar keine Bäume aus, meistert aber zuverlässig Reichweiten von bis zu 294 Kilometern im Praxisbetrieb. Preis: ab 38.000 Euro (netto).
Citroën ë-SpaceTourer
Der gemütliche Cruiser im Stellantis-Trio. Er punktet mit extrem hohem Federungskomfort und bietet viel Platz für bis zu neun Personen. Die Reichweite ist mit der 75-kWh-Batterie okay, aber kein Wunder: circa 346 bis 352 Kilometer sind maximal möglich. Seine wahre Stärke liegt in der hochflexiblen Innenraumgestaltung – ein echtes Plus für Flottenmanager. Als Shuttle für entspannte Flughafentransfers ist der komfortable Franzose eine sichere Bank. Preis: ab ca. 42.000 Euro (netto).
Peugeot e-Traveller
Zielt stark auf die stilbewusste Business-Kundschaft. Er teilt sich seine technische Basis mit Citroën und Opel, wirkt dank des markanten Kühlergrills und des eleganten Innenraums aber durchaus eine Spur edler. Das kleine Lenkrad und das i-Cockpit sind Geschmackssache, vermitteln aber immerhin das von anderen Modellen der Marke bekannte Pkw-Flair. Als flüsterleises VIP-Shuttle macht er eine gute Figur. Maximal 351 Kilometer Reichweite taugen primär städtisch. Preis: ab 43.800 Euro (netto).
Viel Platz, bis zu neun Sitze und zuverlässige Technik machen den Zafira‑e Life zum flexiblen Shuttle für den Alltag.
Bild: Opel
Opel Zafira-e Life
Präsentiert sich als pragmatischer Blitz für den deutschen Flottenmarkt. Technisch ist er baugleich mit seinen französischen Konzernbrüdern, setzt aber auf eine etwas straffere Fahrwerksabstimmung und das moderne, nüchternere Opel-Design. Er ist ein solider Arbeiter, der als Business-Shuttle oder Vereinsbus brilliert und Strecken von bis zu 350 Kilometern meistert. Mit drei verschiedenen Längen und bis zu neun Sitzen bietet er Flexibilität im Geschäftsalltag. Preis: ab ca. 45.000 Euro (netto).
Ford E-Tourneo Custom
Ein flexibler Allrounder, der gekonnt die Brücke zwischen Transporter und Shuttle schlägt. Dank modernem Cockpit, Pkw-ähnlichem Fahrverhalten und cleverem Schienensystem im Fond glänzt er als VIP-Taxi genauso wie als Vereinsbus. Zudem lassen sich die Fondsitze für Konferenzen problemlos vis-à-vis anordnen oder für Materialtransporte komplett ausbauen. Die WLTP-Reichweite von bis zu 312 Kilometern reicht im Alltag oftmals aus. Preis: ab ca. 58.600 Euro (netto).

Fazit

Der Mercedes VLE ist der König der elektrischen Business-Shuttles: Er bietet absoluten Luxus und Stern-Prestige für Flotten, fordert dafür aber hohe Kauf- und Leasingpreise. Obacht: Beim Allrad-Topmodell schnappt die Führerscheinfalle zu! Für VIPs ist er dennoch fast alternativlos.