Leistung allein macht noch keinen Fahrspaß, sagt ein Sprichwort – das wir uns zugegebenermaßen selbst ausgedacht haben. Angekratzt haben unsere Euphorie in der Vergangenheit vor allem elektrische Fahrzeuge.
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Erstens, weil sie gar nicht wirklich die angegebene Leistung bieten – beziehungsweise nur in einem schmalen, nach oben hin arg begrenzten Geschwindigkeitsbereich. Oder zweitens, deren Fahrwerk und Gesamtabstimmung im Grunde genommen gar nicht zum Leistungsniveau des potenten Antriebs passen. Beides enttäuschend.

Fahrleistungen auf sehr hohem Niveau

Die gute Nachricht: Der MG4 XPower ist nicht so einer. Ganz im Gegenteil, die von uns gemessenen Stammtischwerte sprechen für sich. 0 auf 100 km/h absolviert er in gerade mal 3,7 Sekunden, Tempo 130 liegt nach 5,8, 160 nach 8,8 Sekunden an.
MG4 XPower
Da geht die Post ab: In schlanken 3,7 Sekunden erreicht der MG4 XPower aus dem Stand Tempo 100. Maximal sind 200 km/h drin.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Erst kurz vor Erreichen der angegebenen Höchstgeschwindigkeit von glatten 200 nimmt der Vortrieb deutlich ab – wir tippen, dass sich hier die vordere Synchron-E-Maschine abkoppelt. Spoiler: Wer länger dieses Tempo abfordert, sitzt im E-Auto wohl ohnehin verkehrt.

WLTP-Verbrauch wird nur knapp verpasst

Ansonsten tut es keineswegs weh, Autobahnetappen im MG4 zurückzulegen. Das Geräuschniveau ist in Ordnung, der Abrollkomfort fällt straff, aber nicht übertrieben hart aus. Die Lenkung bietet ein gesundes Handmoment und arbeitet direkt, ohne um die Mittellage zappelig zu reagieren. In flott gefahrenen Kurven gefallen die neutrale bis leicht hecklastige Kraftverteilung und die verwindungssteife Karosserie.
MG4 XPower
Mit 19,5 kWh/km fällt der Verbrauch des XPower verhältnismäßig sparsam aus. Und er liegt nur 4 Prozent über der WLTP-Angabe.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu hält sich der Stromverbrauch in sozialverträglichen Grenzen: 19,5 Kilowattstunden (gemessen bei 23 Grad) liegen nur knapp über dem WLTP-Verbrauch und ermöglichen 331 Kilometer Testreichweite. Wer nachladen will, ist mit bis zu 140 kW dabei und so in 26 Minuten wieder von 10 auf 80 Prozent.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
1,6 s 
0–100 km/h
3,7 s 
0–130 km/h 
5,8 s 
0–160 km/h 
8,8 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
1,8 s 
80–120 km/h 
2,3 s 
Leergewicht/Zuladung 
1850/411 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
51/49 % 
Wendekreis links/rechts 
12,0/12,1 m 
Sitzhöhe 
590 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,7 m 
aus 100 km/h warm 
35,5 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A) 
bei 100 km/h 
66 dB(A) 
bei 130 km/h 
69 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
13,1 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
19,5 kWh/100 km
(+4 %)
Sportverbrauch 
28,1 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
331 km 
Alles Werte, für die sich der XPower mit seinem 61,7 Kilowattstunden (netto) fassenden Lithium-Ionen-Akku nicht gleich schämen muss. Das ist okay. Negativ fällt der mit zwölf Metern recht große Wendekreis auf, der dem innerstädtisch ordentlich rekuperierenden Kompakten ein Stück Stadttauglichkeit klaut.
Die orangenen, auffällig gestalteten Bremssättel mit XPower-Schriftzug sind kleine Blender, weil sich hinter ihnen deutlich kleiner dimensionierte Beläge verstecken, als man vermuten würde. Die Bremswege könnten kürzer sein, bleiben mit 35,5 (warm) bis 35,7 Metern (kalt) aber unkritisch.

Innenraum-Verarbeitung ist ordentlich

Im Innenraum wartet derweil bekannte Kost auf die Insassen. Ein vernünftiges Platzangebot für vier Personen samt eher kleinem Kofferraum (363 bis 1177 Liter) trifft auf ordentliche Verarbeitung und eine gemischte Materialauswahl. Satt klickende Tasten unterhalb des mittigen 10-Zoll-Screens treffen wir auf welche mit etwas wabbligem Druckpunkt am Lenkrad. Der viele Klavierlack mag optisch etwas hermachen, die ersten Kratzer lassen erfahrungsgemäß aber nicht lange auf sich warten.
MG4 XPower
Übersichtliches Cockpit, dessen cleaner Optik manch praktische Taste geopfert wurde. Die Platzverhältnisse fallen ordentlich aus.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu gibt es Schwächen, die MG dem 4er qua Bedienkonzept mit eingebaut hat. Wer ins Klimamenü will, muss stets erst mal das Hauptmenü aufrufen. Es gibt zwar eine Schnellzugriffstaste, die dort hinführt, allerdings stellt die auch immer gleichzeitig die Klimaanlage an oder aus. Die zwei Joysticks am Lenkrad sind nicht klar beschriftet.

Infotainmentsystem mit Schwächen

Und, um noch kurz bei den Hardware-Problemen zu verweilen: Die beiden angenehm straff gepolsterten Vordersitze halten zwar ordentlich in Position. Allerdings steht dem vollelektrischen Gestühl für den Fahrer ein Beifahrersitz gegenüber, der nicht einmal über eine Höhenverstellung verfügt. Lendenwirbelstützen fehlen beidseitig. In dieser Leistungsklasse ist das schon etwas schade.
MG4 XPower
Nach Ausblenden der Kamera bleibt der Carplay-Bildschirm schon mal schwarz, die Spracheingabe kennt München und Berlin nicht.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auch die Software im XPower fiel immer wieder mit Problemen auf. Dazu zählt ein Infotainmentsystem, das zwar stets leidenschaftlich auf Schulen in der Nähe hinweist, mit Städten wie München oder Berlin per Spracheingabe allerdings nichts anfangen kann. Weiterhin sind manche Angaben im Kombiinstrument unverständlich klein abgebildet, obwohl eigentlich genügend Platz vorhanden wäre.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart 
Synchron-Elektromotoren 
Einbaulage 
je ein Motor vorn und hinten 
Spitzenleistung gesamt 
320 kW (435 PS) 
Dauerleistung 
v. 68 kW (92 PS), h. 84 kW (125 PS) 
maximales Drehmoment 
600 Nm 
Vmax
200 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
235/45 R 18 W 
Reifentyp 
Bridgestone Turanza T005 EV 
Radgröße 
7,5 x 18" 
Reichweite* 
385 km 
Verbrauch* 
18,7 kWh/100 km 
Batteriekapazität nutzbar 
61,7 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
11/140 kW 
Ladezeit (10-80%, DC-Laden) 
26 Minuten 
Ladeanschluss 
vorn links 
Fach unter Frontklappe 
Vorbeifahrgeräusch 
68 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
500/500 kg 
Stützlast 
50 kg 
Kofferraumvolumen 
363–1177 l 
Länge/Breite/Höhe 
4287/1836–2060**/1516 mm 
Radstand 
2705 mm 
Grundpreis
46.990 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
46.990 Euro
Dazu wartet auf den Fahrer gelegentlich ein schwarzer CarPlay-Screen, wenn die im Rückwärtsgang eingeblendete Rückfahrkamera wieder vom Bildschirm weicht. Auch die Türsensoren für das schlüssellose Zugangssystem funktionierten manches Mal nicht richtig. Dazu gesellen sich teilweise nervöse Assistenten, wobei es hier wohl nach unserem Test bereits ein Update gab.
MG4 XPower
Nicht ganz günstig: Für den stärksten MG4 werden 46.990 Euro fällig. Das ist trotz umfangreicher Ausstattung eine ganze Menge.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auch MG weiß: Wie sehr man am Ende bereit ist, dem 4er kleinere Schwächen zu verzeihen, hängt maßgeblich von den aufgerufenen Preisen ab. Faktisch subventionieren die Chinesen besonders die zivilen MG4 mit weniger Leistung stark. Deutsche Tageszulassungen mit kleinem Akku sind derzeit bereits für um die 20.000 (!) Euro zu finden. Für den XPower (Listenpreis: 46.990 Euro) konnten wir hingegen noch keine derartigen Angebote aufspüren. Mal eben das Doppelte für ihn zu bezahlen? Erscheint unattraktiv.

Wertung MG4 XPower

Wertung MG4 XPower
Karosserie
Platzangebot vorne und hinten ordentlich, der Kofferraum ist aber nicht der größte. Kein Frunk.
3,5 / 5
Antrieb
Irre druckvoll, dazu noch verhältnismäßig sparsam. Eine Wärmepumpe zählt zum Serienumfang.
4,5 / 5
Fahrdynamik
Federung und Lenkung ordentlich, die Bremswege könnten kürzer, der Wendekreis kleiner sein.
3,5 / 5
Connected Car
CarPlay und Android Auto nur über Kabel, App-Auswahl gering, eine Remote-App ist verfügbar.
3 / 5
Umwelt
Fährt lokal emissionsfrei, die Rekuperation lässt sich auf die eigenen Bedürfnisse einstellen.
4 / 5
Komfort
Nicht unkomfortabel, aber doch recht straff gefedert. Bedienung an vielen Stellen umständlich.
3 / 5
Kosten
Der gewertete Listenpreis ist nicht klein, Stromverbrauch und Versicherung bleiben bezahlbar.
3 / 5
AUTO BILD-Testnote
3+
Zum anderen ist – geht man von den Listenpreisen aus – ein VW ID.3 GTX Performance mit 340 PS kaum teurer (ab 48.275 Euro). Letztlich kommt es also erheblich auf die Angebote in der Praxis an, ob der XPower Sinn ergibt. Oder, um es anders zu sagen: Nur Leistung und Preis machen diesen Kompakten am Ende richtig heiß.

Bildergalerie

MG4 XPower
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MG4 XPower im Test

Fazit

Mit all seiner Kraft fährt sich der XPower wie erwartet: enorm sprintstark, wobei Fahrwerk und Verbrauch dem Ganzen keinen Strich durch die Rechnung machen. Ebenfalls Erwähnung finden müssen aber die vielen Schwächen im Detail – von der Bedienung bis hin zu kleinen Software-Bugs. Sie stammen vom normalen MG4. Anders als jener ist der XPower nicht unbedingt ein Schnäppchen. AUTO BILD-Testnote: 3+