Schumacher gegen Alonso: In den Jahren 2005 und 2006 war es das Mega-Duell der Formel 1 – mit zwei WM-Titeln für den Spanier. Doch die Vergangenheit trifft derzeit auf die Gegenwart. Beim GP der Emilia Romagna am Wochenende in Imola kämpfte wieder ein Schumacher gegen einen Alonso. Im Cockpit des Haas-Ferrari: Michael Schumachers Sohn Mick (22), im Alpine-Renault: Fernando Alonso, der mit 40 Jahren 2021 sein Comeback gibt in der Königsklasse.
Für Mick Schumacher war es eine emotionale Begegnung, die kurz nach dem Start unter nassen Bedingungen die Geschichte lebendig werden ließ. "Wir haben mit einigen fighten können", berichtet Mick. "Wie mit Fernando, das war ein bisschen lustig, weil ich da ein bisschen Flashbacks hatte zu 2005 und 2006." Hintergrund: In beiden Jahren duellierten sich Alonso (damals Renault) und Michael Schumacher (Ferrari) um den Sieg. 2005 behielt Alonso die Oberhand, 2006 Schumacher senior. 
2021 konnte Mick Schumacher wegen des besseren Grips seiner Regenreifen nach dem Start an Alonso vorbeiziehen. Der Spanier hatte auf Intermediates zunächst keine Chance. Doch dann crashte Schumacher während einer Safetycar-Phase und musste sich an der Box einen neuen Frontflügel abholen. Am Ende sprang Platz 16 raus. Schumi junior ärgerte sich zwar über seinen Fehler, resümierte aber: "Wichtig war, die Zielflagge zu sehen. Wir haben gesehen, dass wir um Platz 15 mitfahren können, das macht Mut."
Er ist schneller als jeder Gegner: der berühmte Nachname, in dessen Windschatten er sich immer wieder ansaugt, doch überholen kann er ihn nicht. S-C-H-U-M-A-C-H-E-R. Oder wie ihn die Briten mit extremem Respekt, ja sogar mit mehr Furcht als Liebe aussprechen: S-H-O-E-M-A-K-E-R.
Irgendwann hat Mick Schumacher beschlossen, es aufzugeben, der Legende davonzufahren. Sein berühmter Vater hat es ihm geraten, sich nicht damit zu beschäftigen. Sondern einfach das zu tun, was ihm Spaß macht. Das sieht Mutter Corinna genauso: "Mick liebt seinen Vater, er bewundert ihn. Aber es ist keine Last für ihn. Er hat so viel Spaß an dem, was er tut, dass er sich nicht mit Michael vergleicht."

Mick feiert sein Formel-1-Debüt 30 Jahre nach Michael Schumacher

Allein: War es bisher pure Freude, die Mick Schumacher ausstrahlte, wird es jetzt ernst. Die Historie ist ein Schlawiner, hat sie sich bei seinem Debüt in der Formel 1 im Jahr 2021 doch ein ganz besonderes Datum ausgedacht. Genau 30 Jahre her, dass sein Über-Vater in Spa seine eigene Premiere in der Königsklasse feierte. Allein: Michael war da schon ein Jahr älter als der Sohnemann heute. In dieser Beziehung hat Mick Big Daddy also schon mal geschlagen.
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Klar, er wird nicht daran denken. Dafür ist Mick Schumacher zu gefestigt in sich selbst, zu professionell. Er will schließlich nicht mit einer Zeitmaschine Erfolg haben, sondern mit einem aktuellen Rennwagen des Teams Haas-Ferrari. Er wird auch nicht groß daran gedacht haben, dass er schon als kleiner Bub von der kleinen Holztribüne aus seinen Vater auf der Ferrari-Teststrecke in Fiorano beobachtet hatte, wenn der in unzähligen Testfahrten den sehr guten Ferrari noch besser machte. Mick Schumacher konzentrierte sich ganz auf sich selbst, als er zu Jahresbeginn zur Vorbereitung auf sein Formel-1-Debüt einen Ferrari von 2018 auf eben jener Haus- und Hofstrecke der Scuderia ans Limit jagte.
Mick Schumacher
Mick Schumacher fuhr als Vorbereitung Tests im 2018er Ferrari
Fest steht: Die Erblast ist groß, die Mick Schumacher auf seinen Schultern trägt. Die Erwartungshaltung einer ganzen Nation, die sich wieder einen Schumacher wünscht in der Formel 1. "Gewiss, dieser Name öffnet bestimmte Türen", sagt Formel-1-Sportchef Ross Brawn, mit dem Rekordchampion Michael als Technikchef alle sieben WM-Titel holte. "Aber gleichzeitig stehst du mehr unter Beobachtung."

Mick entschied sich bewusst für die Renn-Karriere

Wer aber wie Mick so locker leicht umgeht mit der Bürde des großen Namens, der findet auch auf der Rennstrecke die Ideallinie. "Mein Papa ist mein Idol", sagt er stolz und verrät: "Ich war elf Jahre alt und saß mit meinem Vater in einem Renntruck an der Kartbahn in Kerpen. Er hat mir in die Augen geguckt und mich gefragt: ‚Willst du das ernsthaft?‘ Ich habe nur genickt. Seitdem ordne ich dem Wunsch, in die Formel 1 zu kommen, alles unter."
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Lange tat die Familie alles, damit sich der Schumacher-Sohn fernab der Öffentlichkeit seine Sporen im Kartsport verdienen kann. Auf Mick Betsch wurden nur Insider aufmerksam, die wussten: Betsch lautet der Mädchenname von Corinna Schumacher. Später fuhr der junge Schumacher unter dem Pseudonym Mick Junior. Doch mit dem Aufstieg in den Formelsport outet sich der Nachwuchs – und muss fortan mit den Vergleichen leben.
Denn wer genau hinschaut, sieht: Stimme, Körperhaltung, Mimik und Bewegungsabläufe; der kleine Schumacher ist ein Abbild des großen. "Sein Gang, seine Art, seine Arbeitsweise, er ähnelt Michael sehr", stellt Ex-Ferrari-Star und DTM-Boss Gerhard Berger fest und bestätigt jene, die sogar die Kopfhaltung im Cockpit mit der des Vaters vergleichen. Eine Illusion, die angesichts des roten Helms mit den sieben Sternen, den Schumi junior bei seinen letzten Demo-Fahrten im F2004 des Vaters trug, nicht nur unvermeidlich sondern sogar erwünscht scheint. Berger: "Natürlich sind die Fußstapfen extrem groß. Mich freut es aber sehr, wenn Mick Erfolge einfährt und den Weg in die Formel 1 finden wird."

Erfolge in den Juniorklassen

Die bisherigen Erfolge lassen auf nichts anderes schließen: Vizemeister der deutschen Kart-Junioren, Vize in der deutschen Formel 4, Formel-3-Europameister und zuletzt Champion Tabellenführer in der Formel-1-Vorschule Formel 2. Mick Schumacher wusste nach dem obligatorischen Lernjahr bisher in jeder Kategorie zu überzeugen. "Man merkt, dass er in sich ruht und ein Lerner ist", analysiert Ex-Mercedes-Sportchef Norbert Haug und sieht Parallelen zum Herrn Papa. "Er zeigt unheimlich tolle Aktionen, ist ein ganz überfallartiger Überholer. Wenn man schon nicht mehr damit rechnet, kommt er und schnappt dich. Es wird jetzt drauf ankommen, dass er behutsam an die Formel 1 herangeführt wird."
Dafür sorgt Sabine Kehm. Sie betreute als Pressesprecherin und Managerin schon Michael Schumacher. Jetzt ist sie neben Mutter Corinna die starke Frau im Schatten des jungen Deutschen. Sie will den Druck von ihm fernhalten, mit dem er doch längst gelernt hat zu leben. Allein: Geduld brauchen die Fans auch weiterhin. "Er wird seine Lernphase brauchen", warnt Toro Rosso-Teamchef Franz Tost. "Bis ein neuer Fahrer weiß, wo es in der Formel 1 langgeht, braucht er zwei, drei Jahre. Mick ist ein sehr gewissenhafter Fahrer, der alles intensiv studiert und sich mit den technischen Themen auseinandersetzt. Deshalb ist der Erfolg programmiert."

Wie Sie 2021 die Formel 1 live im TV und Stream verfolgen, erklären wir hier
Zur Person: Mick Schumacher
Geboren: 22. März 1999, Schweiz
Vater: Michael Schumacher
Mutter: Corinna Schumacher
Wohnort: Gland, Schweiz

Mick Schumachers Karriere im Überblick
2008: Karrierebeginn im Kart
2011/2012 Neunter und Siebter in der KF3-Klasse des ADAC Kart Masters, jeweils Dritter im Euro Wintercup der KF3-Klasse
2012 Platz drei in der KF3-Wertung der DMV-Kartmeisterschaft
2013 Platz drei in der deutschen Junioren-Kartmeisterschaft und beim CIK-FIA-Super-Cup der KF-Junioren
2014 Platz zwei in der Welt- und Europameisterschaft sowie der deutschen Junioren-Kartmeisterschaft
2015 Wechsel in den Formelsport, Platz zehn in der deutschen Formel 4 beim Team Van Amersfoort Racing (ein Sieg)
2016 Deutscher und Italienischer Formel-4-Vizemeister mit dem Prema Powerteam 
2017 Europäische Formel 3 mit Prema
2018 Formel-3-Europameister mit acht Siegen 
2019 FIA Formel-2-Meisterschaft
2020 Meister in der FIA Formel 2 
2021 Formel 1 mit Haas
Ergebnisse 2021:
GP Bahrain: Platz 16
GP Emilia Romagna: Platz 16
Aktueller WM-Platz: 18

Von

Ralf Bach