Modell- und Herstellerflut aus China: Kommentar
Blicken Sie noch durch den Dschungel chinesischer Autobauer?

Denza, Zeekr, Xpeng, Jaecoo und viele mehr – innerhalb kürzester Zeit fluten chinesische Autohersteller den europäischen Markt mit neuen Modellen. Da fällt es schwer, noch einen Überblick zu behalten, oder?
Bild: AUTO BILD Montage
Sicher kennen Sie diese Situation auch: Sie fahren mit Ihrem Auto durch die Gegend, schauen nach links, rechts, vorne und hinten und beobachten, welche Fahrzeuge sich um Sie herum befinden. Plötzlich bleibt Ihr Blick an einem Modell hängen, und Sie fragen sich: Was ist das denn für ein Modell? Das habe ich ja noch nie gesehen.
Mir geht es mittlerweile regelmäßig so, obwohl ich behaupten würde, dass ich mich in der Branche recht gut auskenne. Schließlich berichte ich über die Neuheiten der Automobilindustrie und sollte daher eigentlich immer auf dem neuesten Stand sein. Doch selbst mir fällt es schwer, noch den Überblick über die chinesischen Marken und Modelle zu behalten, die in den vergangenen Monaten auf den europäischen Markt gekommen sind.

Sogar Techkonzerne wie Xiaomi oder Huawei sind mittlerweile ins Business der Autohersteller eingestiegen.
Bild: Thomas Geiger
Chinesische Hersteller drücken aufs Tempo
Ein Artikel, der mich letztlich zu diesem Kommentar bewegt hat, stützt diese Wahrnehmung. Laut einem Bericht eines asiatischen Mediums haben chinesische Hersteller innerhalb von nur fünf Monaten mehr als 500 Modelle präsentiert. Ein Tempo, das man sich kaum vorstellen kann.
Die Gründe dafür sind jedoch simpel: Viele der vor allem vollelektrischen Fahrzeuge basieren auf skalierbaren Plattformen. Steht die technische Basis einmal, lassen sich innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Modelle darauf aufbauen, ohne jedes Mal einen völlig neuen Antriebsstrang oder ein neues Batteriepaket entwickeln zu müssen.
Auch europäische und insbesondere deutsche Hersteller arbeiten nach diesem Prinzip. Dennoch kommen sie mit dem Entwicklungstempo ihrer chinesischen Konkurrenten kaum mit. Daraus lässt sich allerdings auch etwas Positives ableiten: Europäische Modelle bleiben häufig länger aktuell und präsent. Denn während in China häufig kurzlebige Modellzyklen vorherrschen, behalten viele europäische Modelle über einen längeren Zeitraum ihren Neuheitswert.
Mehr als jede zweite Neuheit kommt aus China
Ebenfalls interessant ist eine Auswertung von Motor1: Von Januar bis Juli wurden 102 neue Serienmodelle vorgestellt. Mehr als die Hälfte dieser Neuheiten kam aus China. Laut Motor1 entspricht das rund 56 Prozent aller neuen Modelle in diesem Zeitraum. Die chinesischen Hersteller etablieren sich damit immer stärker als prägende Kraft der Automobilindustrie.

Eine Auswertung von Motor1 zeigt, dass 57 der 102 neuen Autos, die von Januar bis Juli 2026 vorgestellt wurden, aus China kamen.
Bild: Motor1
Erfolg ist längst nicht garantiert
Doch so sehr die Konkurrenz aus Fernost auch vorpreschen mag: Beispiele wie Aiways oder Borgward zeigen, dass nicht jede Marke langfristig Bestand hat und sich auf dem europäischen Markt etablieren kann. Auch Marken wie Wey, Ora (beide gehören zu GWM) oder Nio stehen in Deutschland unter erheblichem Druck. Ihre Verkaufszahlen sind gering, auch sie könnten womöglich bald wieder vom Markt verschwinden.

Eine Marke, die sich nicht etablieren konnte, ist Aiways.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Autoindustrie derzeit in einer Krise steckt. Dass sich unser Straßenbild jedoch so schnell verändern würde, hätte ich vor wenigen Jahren nicht erwartet. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich zum ersten Mal von BYD hörte und bei meinen Recherchen feststellte, dass das Unternehmen bereits seit 1995 existiert und schon seit 2022 auf dem deutschen Markt aktiv ist. Mittlerweile gehört der Hersteller zu den festen Größen unter den erfolgreichen chinesischen Autobauern.
Ich für meinen Teil bin gespannt, wie sich die Lage in den kommenden Jahren entwickelt und ob den Chinesen irgendwann etwas die Luft ausgeht. Eines ist jedoch klar: Ich werde zukünftig vermutlich noch häufiger ein Auto sehen und mich fragen: Was ist das denn für ein Modell?
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