Moia Shuttle-Dienst: erste Fahrt

Moia Ridesharing: Test, Hamburg, Gebiet, Preise, Fahrzeug

Moia darf 500 Sammeltaxis einsetzen

Die VW-Tochter Moia darf in Hamburg ihre Shuttle-Flotte auf 500 Fahrzeuge aufstocken. AUTO BILD ist mitgefahren: So funktioniert Moia!
(dpa/brü) Der Volkswagen-Mobilitätsdienstleister Moia darf in Hamburg seine Fahrzeugflotte bis zum Jahresende 2019 auf 500 Fahrzeuge aufstocken. Im Eilverfahren korrigierte das Oberverwaltungsgericht (OVG) eine Entscheidung der ersten Instanz, die dem VW-Sammeltaxi-Dienst im April 2019 eine Begrenzung auf 200 Fahrzeuge auferlegt hatte. Das teilte das Gericht am 3. Juli in der Hansestadt mit. Der Beschluss ist zwar unanfechtbar, allerdings läuft noch ein weiteres Verfahren. Ein Taxiunternehmer hatte gegen die Genehmigung des Angebots mit zunächst 500, nach 2021 eventuell bis zu 1000 Moia-Kleinbussen Klage eingereicht. Er sah seine Rechte und Interessen verletzt. Das Tochterunternehmen des VW-Konzerns will mit hohem Investitionsaufwand eine neue Form der Mobilität in der Stadt erproben.  

Moia seit April 2019 in Hamburg am Start

Der Sammeltaxi-Dienst Moia hatte im April 2019 in Hamburg seinen Fahrdienst gestartet. Rund 100 Elektro-Kleinbusse nehmen bis zu sechs Fahrgäste mit ähnlichen Routen an festgelegten Haltepunkten auf und bringen sie in einem Kerngebiet der Hansestadt (zwischen Blankenese im Westen, Rothenburgsort im Osten, der Elbe im Süden und dem Flughafen im Norden) ans Ziel. Die eigens konstruieren Fahrzeuge sind im Fahrpreis zwischen Taxis und öffentlichem Nahverkehr angesiedelt. Bis Ende 2019 soll die Hamburger Moia-Flotte auf 500 Fahrzeuge vergrößert und das Gebiet auf weitere Stadtteile ausgedehnt werden.

Moias erste Zwischenbilanz

Zwischenbilanz im Juni 2019: Moia sah sich nach mehr als sechswöchigem Betrieb in Hamburg mit 100 Fahrzeugen gut unterwegs. Es gebe deutlich mehr Anfragen, als das Angebot bedienen könne, sagte ein Unternehmenssprecher Ende Mai. Nach fast einem Monat seien 60.000 Fahrten registriert worden, mittlerweile seien es deutlich mehr als 100.000. "Wir könnten die 500 genehmigten Fahrzeuge gut auslasten", sagte der Sprecher. Es seien mehr als 500 Fahrer eingestellt worden. In den kommenden Wochen und Monaten solle der Fuhrpark auf 200 Fahrzeuge verdoppelt werden, ergänzte der Sprecher.

Moia: "Algorithmus funktioniert"

Nach offiziellen Angaben von Moia gebe es trotz der Einschränkungen eine gute Sharing-Quote. Bei mehr als 60 Prozent der Fahrten säßen zwei oder mehr Gäste in dem Kleinbus. "Das Konzept geht auf, der Algorithmus funktioniert", sagte der Sprecher. Auch wenn noch keine Daten hierzu vorlägen, gebe es werktags eine Tendenz zu Pendlerfahrten.

Fahrpreis: sechs bis sieben Euro im Schnitt

Gebucht werden die Fahrzeuge über eine App. Sie teilt dem Kunden den Fahrpreis, ein Zeitfenster und den nächstgelegenen von insgesamt rund 10.000 Haltepunkten mit, die nie weiter als 250 Meter vom Fahrgast entfernt sein sollen. Auf dem Weg zum Ziel ermitteln Algorithmen, welche weiteren Fahrgäste auf der Route eingesammelt werden können. Moia will an Werktagen von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts fahren, an Wochenenden oder Feiertagen durchgehend. Der Fahrpreis soll im Durchschnitt bei sechs bis sieben Euro je Fahrt liegen.

So ist die Fahrt mit Moia

Auch wenn Moia zum Start des Angebots etwas überlastet war, konnte die erste Fahrt dennoch überzeugen.

AUTO BILD hatte sich gleich zu Beginn ein Moia gerufen und ist mitgefahren! Kurz in die Tasche greifen und das Handy zücken, schon kann es losgehen. Nach Öffnen der Moia-App können wir unseren Startpunkt bestimmen. Das geschieht, je nach Vorliebe, auf zwei Weisen: Entweder man zieht die Stecknadel auf dem Display auf seine eigene Position, oder man nutzt das Eingabefeld und gibt seine Adresse an. Anschließend wird das Ziel eingegeben, was ebenfalls auf die zwei Arten möglich ist. Bestätigt man die Daten, sucht die App nach dem nächsten freien Moia. In der Startphase des Ridesharing-Dienstes brauchte es einige Anläufe, bis ein freies Fahrzeug verfügbar war – offenbar wegen des großen Ansturm zu Beginn. Beim fünften Versuch klappte es endlich. Bevor man die Fahrt bucht, wird auf dem Telefon die Ankunftszeit des Moia, die Fahrtdauer, die voraussichtliche Ziel-Ankunftszeit und der Fahrpreis angezeigt. Bucht man die Fahrt, muss man sich zu einem von der App vorgegebenen Haltepunkt begeben. Im ersten Test liegt dieser gerade mal zwei Hausnummern von uns entfernt, inmitten eines Hamburger Wohngebiets. Das ist sehr praktisch.
Nach knapp zehn Minuten fährt der gold-schwarze Bus vor. Der Fahrer öffnet die elektrische Tür, wir steigen ein. Unser Moia ist leer, wir sind die einzigen Fahrgäste. Freie Platzwahl! Das Platzangebot ist sehr großzügig, die Sitze bequem. Unter der Decke des umgebauten Crafter befindet sich ein Bildschirm, der die nächsten Haltestellen anzeigt. Daneben wird die Zeitdauer bis zum Eintreffen des jeweiligen Punktes eingeblendet. Wir nehmen auf dem Weg noch einen weiteren Fahrgast auf und setzen unsere Reise fort. Trotz Hamburger Berufsverkehr erreichen wir das Ziel mit nur drei Minuten Verspätung und steigen wieder an einem Moia-Haltepunkt aus.
Fazit von Andreas Huber: Die erste Fahrt überzeugt. Klar, Moia ist kein Taxi – etwas Zeit muss man schon einplanen, bis der Bus vor einem hält. Dann reist man aber entspannt durch die Stadt. Der Fahrer war freundlich, der Fahrstil sehr angenehm. Wer Lust hat, kann sich mit seinen Mitfahrern unterhalten. Moia könnte für viele eine ernsthafte Alternative zum Carsharing, zum ÖPNV oder zur Taxifahrt werden.

Kritiker fürchten mehr Verkehr

Mit einer Akkuladung kommt ein Moia-Stromer laut Hersteller 300 Kilometer weit.

Moia will mit seinem Mobilitätskonzept das Verkehrsaufkommen in Ballungszentren reduzieren und zudem einen weiteren Schritt in Richtung autonomes Fahren machen. Das Unternehmen behauptet, in Großstädten würden mit diesem Konzept weltweit bis zu eine Million Autos überflüssig. Das Pooling-Prinzip soll Leerfahrten wie beim herkömmlichen Carsharing vermeiden und den Verkehr "perspektivisch" entlasten. Doch Moia ist nicht unumstritten. Kritiker fürchten, dass der neue Service sogar mehr Verkehr erzeugen könnte, wenn Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs auf die kleineren Sammelbusse umsteigen. Zudem gab es in der Taxi-Szene aus Angst vor Jobverlusten offenen Protest gegen die mächtige Konkurrenz. Die Daimler-Tochter mytaxi bietet als Reaktion schon seit Längerem Sammelfahrten und nun auch einen Festpreis vor Fahrtantritt an.

Mobilitätsdienste der großen Autobauer

Teil eines großen Mobilitätsnetzwerks

VW lässt sich das Experiment mehrere 100 Millionen Euro kosten. Moia hat bereits 400 Fahrer fest angestellt und will bis Ende 2019 in Hamburg insgesamt rund 1000 Mitarbeiter beschäftigen. Das Unternehmen versteht sich nach Angaben von Geschäftsführer Ole Harms als Teil eines Netzwerks, das zukünftig urbane Mobilität sicherstellen werde. Moia werde daher auch über die nächste Auflage der Switchh-App buchbar sein. In dem Projekt Switchh bündelt Hamburg diverse Mobilitätsangebote mit der Hochbahn, von U- und S-Bahnen über Leih-Fahrräder, Mietwagen, Car-Sharing bis hin zu Sammeltaxis. VW-Tochter Moia bietet ihre Dienstleistungen bereits in Hannover an – allerdings mit benzingetriebenen modifizierten VW-Transportern, die mittelfristig durch E-Fahrzeuge ersetzt werden sollen. Dort zahlen Nutzer derzeit zwischen fünf und zehn Euro pro Fahrt.

Innenraum im Test: WLAN und Komfortsitze

Video: VW MOIA (Genf 2018)

Elektrisches Shuttle

Die in Hamburg eingesetzten Elektroautos wurden innerhalb von nur zehn Monaten auf Basis des eCrafter entwickelt und erstmals auf dem Autosalon 2018 in Genf präsentiert. Mit einer Akkuladung kommt ein Stromer laut Hersteller 300 Kilometer weit, die Energiespeicher sollen nach 30 Minuten Ladezeit wieder zu 80 Prozent gefüllt sein. Die AUTO BILD-Sitzprobe zeigte schon ein Jahr vor dem offiziellen Start: Beim Einstieg hilft eine gut positionierte Haltestange, um unfallfrei in den Innenraum zu kommen. Größeres Gepäck kann der Fahrgast neben dem Fahrerbereich abstellen. Die Sitze sind äußerst bequem und schützen dank einer verlängerten Kopfstütze vor Blicken der anderen Passagiere. Dadurch soll laut Moia mehr Privatsphäre entstehen. Apropos Privatsphäre: Im hinteren Teil des Fahrgastraums gibt es einen "Lounge-Seat", der Platz für zwei bietet. Zudem an Bord: kostenloses WLAN und USB-Steckdosen.

Moia Shuttle-Dienst: erste Fahrt

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Autonomes Fahren

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