Moia Shuttle-Dienst: erste Fahrt

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Moias E-Shuttle in Hamburg ausgebremst

Die VW-Tochter Moia hat in Hamburg ihren Shuttledienst gestartet – und wurde gleich gerichtlich gebremst. AUTO BILD ist schon mitgefahren und hat alle Infos!

Vorstellung: Moia startet in Hamburg

Der Volkswagen-Mobilitätsdienstleister Moia hat am 15. April 2019 in Hamburg seinen Fahrdienst gestartet. Ursprünglich war der Auftakt schon einige Monate früher geplant. Rund 100 Elektro-Kleinbusse mit sechs Sitzplätzen bringen nun in einem Kerngebiet der Hansestadt Fahrgäste mit ähnlichen Routen ans Ziel. Bis Ende 2019 soll die Hamburger Moia-Flotte auf 500 Fahrzeuge vergrößert und das Gebiet auf weitere Stadtteile ausgedehnt werden – eigentlich.

Gericht erlaubt vorerst nur 200 Fahrzeuge

Nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Hamburg kann Moia seine Flotte zunächst nicht wie geplant ausbauen. Bis zur rechtlichen Klärung eines Widerspruchs gegen die Betriebsgenehmigung durch ein Taxiunternehmen dürfen nur 200 Fahrzeuge eingesetzt werden. Sollte die nächsthöhere Instanz den Beschluss bestätigen, würden sich die Planungen von Moia mindestens um mehrere Monate verzögern. Die Verwaltungsrichter erklärten, sie könnten im Eilverfahren nicht abschließend bewerten, ob die Rechte des Taxiunternehmers verletzt werden. Es sei aber zumutbar, wenn bei 3000 Taxis in Hamburg 200 Moia-Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Umgekehrt sei es für Moia zumutbar, mit dem Aufbau der Flotte bis zur Klärung der Sach- und Rechtslage im Hauptsacheverfahren zu warten. Moia kündigte ebenso wie die Verkehrsbehörde Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht (OVG) an.

Erste Bilanz nach dem Start

"Allein in den ersten zehn Tagen hatten wir 15.000 Buchungen", sagte Moia-Sprecher Christoph Ziegenmeyer. "Die Zahl der Anfragen lag bei einem Vielfachen, sodass wir heute schon die von der Behörde genehmigten 500 Fahrzeuge mit mehreren Fahrgästen pro Fahrt auslasten könnten."

Fahrpreis: sechs bis sieben Euro im Schnitt

Gebucht werden die Fahrzeuge über eine App. Sie teilt dem Kunden den Fahrpreis, ein Zeitfenster und den nächstgelegenen von insgesamt rund 10.000 Haltepunkten mit, die nie weiter als 250 Meter vom Fahrgast entfernt sein sollen. Auf dem Weg zum Ziel ermitteln Algorithmen, welche weiteren Fahrgäste auf der Route eingesammelt werden können. Moia will an Werktagen von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts fahren, an Wochenenden oder Feiertagen durchgehend. Der Fahrpreis soll im Durchschnitt bei sechs bis sieben Euro je Fahrt liegen.

Erste Fahrt mit Moia (Update!)

Auch wenn Moia zum Start des Angebots etwas überlastet war, konnte die erste Fahrt dennoch überzeugen.

AUTO BILD hat sich ein Moia gerufen und ist mitgefahren: Kurz in die Tasche greifen und das Handy zücken, schon kann es losgehen. Nach Öffnen der Moia-App können wir unseren Startpunkt bestimmen. Das geschieht, je nach Vorliebe, auf zwei Weisen: Entweder man zieht die Stecknadel auf dem Display auf seine eigene Position, oder man nutzt das Eingabefeld und gibt seine Adresse an. Anschließend wird das Ziel eingegeben, was ebenfalls über die beiden unterschiedlichen Wege möglich ist. Bestätigt man die Daten, sucht die App nach dem nächsten freien Moia. In der Startphase des Ridesharing-Dienstes braucht es einige Anläufe, bis ein freies Fahrzeug verfügbar ist – offenbar ist der Ansturm zu Beginn so groß, dass die Shuttles zu manchen Uhrzeiten ausgelastet sind. Beim fünften Versuch klappt es endlich. Bevor man die Fahrt bucht, wird auf dem Telefon die Ankunftszeit des Moia, die Fahrtdauer, die voraussichtliche Ziel-Ankunftszeit und der Fahrpreis angezeigt. Bucht man die Fahrt, muss man sich zu einem von der App vorgegebenen Haltepunkt begeben. Im ersten Test liegt dieser gerade mal zwei Hausnummern von uns entfernt, inmitten eines Hamburger Wohngebiets. Das ist sehr praktisch.
Nach knapp zehn Minuten fährt der gold-schwarze Bus vor. Der Fahrer öffnet die elektrische Tür, wir steigen ein. Unser Moia ist leer, wir sind die einzigen Fahrgäste. Freie Platzwahl also. Das Platzangebot ist sehr großzügig, die Sitze bequem. Unter der Decke des umgebauten Crafter befindet sich ein Bildschirm, der die nächsten Haltestellen anzeigt. Daneben wird die Zeitdauer bis zum Eintreffen des jeweiligen Punktes eingeblendet. Wir nehmen auf dem Weg noch einen weiteren Fahrgast auf und setzen unsere Reise fort. Trotz Hamburger Berufsverkehr erreichen wir das Ziel mit nur drei Minuten Verspätung und steigen wieder an einem Moia-Haltepunkt aus. Und was kostet der Spaß? In der Startphase macht das Unternehmen Interessenten ein Angebot: maximal fünf Euro für eine einfache Fahrt. Wie sich die Preise künftig entwickeln werden, lässt sich aktuell noch nicht sagen.
Fazit von Andreas Huber: Die erste Fahrt überzeugt. Klar, Moia ist kein Taxi – etwas Zeit muss man schon einplanen, bis der Bus vor einem hält. Dann reist man aber entspannt durch die Stadt. Der Fahrer war freundlich, der Fahrstil sehr angenehm. Wer Lust hat, kann sich mit seinen Mitfahrern unterhalten. Moia könnte für viele eine ernsthafte Alternative zum Carsharing, zum ÖPNV oder zur Taxifahrt werden.

Kritiker fürchten mehr Verkehr

Mit einer Akkuladung kommt ein Moia-Stromer laut Hersteller 300 Kilometer weit.

Moia will mit seinem Mobilitätskonzept das Verkehrsaufkommen in Ballungszentren reduzieren und zudem einen weiteren Schritt in Richtung autonomes Fahren machen. Das Unternehmen behauptet, in Großstädten würden mit diesem Konzept weltweit bis zu eine Million Autos überflüssig. Das Pooling-Prinzip soll Leerfahrten wie beim herkömmlichen Carsharing vermeiden und den Verkehr "perspektivisch" entlasten. Doch Moia ist nicht unumstritten. Kritiker fürchten, dass der neue Service sogar mehr Verkehr erzeugen könnte, wenn Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs auf die kleineren Sammelbusse umsteigen. Zudem gab es in der Taxi-Szene aus Angst vor Jobverlusten offenen Protest gegen die mächtige Konkurrenz. Die Daimler-Tochter mytaxi bietet als Reaktion schon seit Längerem Sammelfahrten und nun auch einen Festpreis vor Fahrtantritt an.

Mobilitätsdienste der großen Autobauer

Teil eines großen Mobilitätsnetzwerks

VW lässt sich das Experiment mehrere 100 Millionen Euro kosten. Moia hat bereits 400 Fahrer fest angestellt und will bis zum Ende 2019 in Hamburg insgesamt rund 1000 Mitarbeiter beschäftigen. Das Unternehmen versteht sich nach Angaben von Geschäftsführer Ole Harms als Teil eines Netzwerks, das zukünftig urbane Mobilität sicherstellen werde. Moia werde daher auch über die nächste Auflage der Switchh-App buchbar sein. In dem Projekt Switchh bündelt Hamburg diverse Mobilitätsangebote mit der Hochbahn, von U- und S-Bahnen über Leih-Fahrräder, Mietwagen, Car-Sharing bis hin zu Sammeltaxis. VW-Tochter Moia bietet ihre Dienstleistungen bereits in Hannover an – allerdings mit benzingetriebenen modifizierten VW-Transportern, die mittelfristig durch E-Fahrzeuge ersetzt werden sollen. Dort zahlen Nutzer derzeit zwischen fünf und zehn Euro pro Fahrt.

Innenraum im Test: WLAN und Komfortsitze

Video: VW MOIA (Genf 2018)

Elektrisches Shuttle

Die in Hamburg eingesetzten Elektroautos wurden innerhalb von nur zehn Monaten auf Basis des eCrafter entwickelt und erstmals auf dem Autosalon 2018 in Genf präsentiert. Mit einer Akkuladung kommt ein Stromer laut Hersteller 300 Kilometer weit, die Energiespeicher sollen nach 30 Minuten Ladezeit wieder zu 80 Prozent gefüllt sein. Die AUTO BILD-Sitzprobe zeigte schon vor einem Jahr: Beim Einstieg hilft eine gut positionierte Haltestange, um unfallfrei in den Innenraum zu kommen. Größeres Gepäck kann der Fahrgast neben dem Fahrerbereich abstellen. Die Sitze sind äußerst bequem und schützen dank einer verlängerten Kopfstütze vor Blicken der anderen Passagiere. Dadurch soll laut Moia mehr Privatsphäre entstehen. Apropos Privatsphäre: Im hinteren Teil des Fahrgastraums gibt es einen "Lounge-Seat", der Platz für zwei bietet. Zudem an Bord: kostenloses WLAN und USB-Steckdosen.

Moia Shuttle-Dienst: erste Fahrt

Autoren: , Elias Holdenried, Andreas Huber,

Stichworte:

Autonomes Fahren

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