NASCAR in Europa startet

NASCAR in Europa startet

DTM-Rennsiegerin Lohr erstmals dabei

Am Wochenende startet die europäische NASCAR-Meisterschaft in Spanien. Ellen Lohr erklärt, warum die Serie so spektakulär ist, dass sie jetzt sogar ein Renncomeback gibt.
Ellen Lohr (53), vor 26 Jahren in Hockenheim die bis heute einzige Frau, die ein DTM-Rennen gewinnen konnte, ist voller Euphorie über ihr Comeback: „Das ist genau die richtige Rennserie für ein Comeback in meinem Alter“, sagt sie zu AUTO BILD MOTORSPORT. „Hier gibt es noch richtig Old-Fashion-Motorsport.“
Hier, das ist in der NASCAR Whelen Euro Series, also der europäischen NASCAR. Sie wird erst seit 2009 ausgetragen, erlebt derzeit aber einen Boom. Über 30 Fahrer stehen pro Rennen am Start, darunter neben Lohr auch der ehemalige Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve.
Lohr: „Das ist eine offizielle Meisterschaft der NASCAR. Gefahren wird mit richtigen NASCAR-Autos, allerdings auf dem Stand von vor X Jahren. Was aber gar nicht so schlecht ist, denn das drückt die Kosten.“ Die Autos haben V8-Motoren mit 5,7 Liter Hubraum, alle von Chevrolet gebaut.
Lohr fährt einen Chevrolet Camaro für das österreichische DF1-Team. Mit dem Toyota Camry und dem Ford Mustang starten zwei weitere Modelle in der Serie. Die basieren aber alle auf dem Einheitschassis und dem Motor von Chevy. Toyota und Ford setzen nur eine eigene Silhouette drauf.

DTM-Rennsiegerin Ellen Lohr

Das Gewicht der Boliden beträgt 1210 Kilogramm. „Die Autos sind eine Mischung aus Tourenwagen und Truck. Du hast eine hintere Starrachse, eine manuelle Viergang-H-Schaltung, es gibt nur eine Getriebeübersetzung für alle, damit musst du klarkommen. Das ist also genau das Gegenteil von dem, was man heute auf der Rennstrecke so sieht“, weiß die Mönchengladbacherin, die inzwischen in Monaco lebt. „Heute sind alle Fahrer fast gleich schnell. Weil du nur noch auf dem Stempel draufbleiben musst, die Aerodynamik trägt dich dann schon. Hier kann man nicht sagen, dass das Auto ein gutes Fahrverhalten zeigt. Du rutschst herum, es ist viel Bewegung drin. So eine Art Racing ist das. Oldschool eben.“
Bisher hat Lohr erst rund 20 Testrunden absolviert – zum Schnuppern. Sie muss viel lernen. Gefahren wird nämlich auch auf einem Oval im niederländischen Venray. Während die US-NASCAR 33 ihrer 36 Saisonrennen auf solchen Ovalkursen ausfährt, ist Venray in Europa inzwischen die einzige Steilkursstrecke. Die Ovale am Lausitzring und in Rockingham (England) verwaisen. Lohr: „Es ist schön, dass ich auch nach über 30 Jahren Motorsport, trotz all meiner Erfahrung, weitere neue Aspekte unseres Sports kennenlernen kann. Das hat mir schon immer gefallen. Ich freue mich auf das Ovalrennen.“
Zwar hat sie in den 90er-Jahren schon einmal einen Indy-Lights-Rennwagen getestet, aber auf einer Rundstrecke. Mit der US-Rennszene kam sie ansonsten noch nicht in Berührung. „Das kenne ich nur aus dem Fernsehen. Aber mir ist aufgefallen, dass wir auch hier in Europa eine unglaublich starke NASCAR-Fanszene haben. Die wissen alles über NASCAR und interessieren sich vor allem für diese Art von Sport“, erklärt sie. „Es ist schön, eine neue Szene kennenzulernen. Das Fahrerlager ist wie in der Truck-Europameisterschaft – sehr offen und fanfreundlich.“
Das Comeback ist auf zwei Jahre angelegt. Seit 2010 ist sie bei keinem Autorennen mehr auf Rundstrecken unterwegs gewesen. Bis 2016 fuhr Lohr noch Offroad- und Truckrennen. Im ersten Jahr in der europäischen NASCAR-Serie will sie Erfahrung sammeln, im zweiten aber voll angreifen. Die Konkurrenz ist groß: Ihr Teamkollege Christophe Bouchut (52) hat 1993 mit Peugeot die 24 Stunden von Le Mans gewonnen. Vorjahresmeister Alon Doy (27) hat in Amerika inzwischen zwei NASCAR-Cup-Rennen bestritten. Nur Max Verstappens Onkel Anthony Kumpen (40) ist nicht mehr dabei: Er wurde bis 2022 wegen Dopings gesperrt.
Mehr zu den Doping-Vorwürfen gegen Verstappen-Onkel: Hier klicken

Fotos: T. Rengelshausen

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