Spektakuläre Motorsport-Unfälle

NASCAR: Rekord beim Daytona 500

Wilde Rentner in Amerikas Stockcar-Serie

Während Austin Dillon das Daytona 500 gewann, schrieb ein anderer Geschichte: Mark Thompson debütierte mit 66 Jahren. Und Morgan Shepherd fährt seine 51. Saison.
Der NASCAR-Saisonauftakt war wieder ein Kracher: 15 demolierte Autos, Sieg für Austin Dillon mit seinem Chevrolet Camaro für das Team seines Opas Richard Childress. Aber nur weil er kurz vor Rennende seinen Gegner Aric Amirola in die Mauer schickte.
Stenhouse und Patrick: Amerikas Crashpärchen
Doch für die größten Schlagzeilen sorgte Mark Thompson, der gerade mal sechs Jahre jünger als Dillons Opa ist. Mit 66 Jahren debütierte er beim Daytona 500 – und ist damit der älteste Starter aller Zeiten bei diesem Klassiker. Er löst Dave Marcis ab, der bei seinem letzten Rennen 2002 auf 60 Jahre kam.
1992 und 1993 hatte er es schon mal in Daytona versucht, ist aber im Qualifying gescheitert. Seither hat er mehr als 100 Rennen in der ARCA-Stockcar-Serie absolviert und zwei davon gewonnen. Doch Rennfahrer ist Thompson erst im „zweiten Leben“ geworden – davor war er Helikopter-Pilot im Vietnam-Krieg. „Ich bin ein guter Pilot, weil es das ist, was ich mache. Die NASCAR-Fahrer sind gute Rennfahrer, weil es das ist, was sie machen. Ich versuch also, ihnen nicht im Weg zu stehen“, formulierte er demütig seine Ziele für das Daytona 500. Es gelang ihm: Er kam als 22. ins Ziel. Und tritt damit vom Rennsport zurück.

Morgan Shepherd kann es auch mit 76 Jahren noch nicht lassen

Doch Mark Thompson wirkt neben dem zweiten Oldie, Morgan Shepherd, wie ein Kleinkind. September 1967: Deutschland hat in Kurt Kiesinger seinen dritten Bundeskanzler, in der Formel 1 dauert es noch vier Jahre, bis Niki Lauda einsteigt, Michael Schumacher ist noch nicht einmal geboren. Aber in der NASCAR gibt Morgan Shepherd sein Debüt. 51 Jahre später fährt er immer noch – mit 76! Zwar nur noch in der zweiten NASCAR-Liga, der Xfinity-Serie, dafür aber mit seinem eigenen Team.
„Jeder Mensch hat eine Leidenschaft. Dabei spielt das Alter keine Rolle“, sagt er über sein Speed-Fieber. Für das Daytona-Rennen 2018 konnte er sich zwar nicht qualifizieren. Dass er es aber noch kann, zeigte er 2016, als er seine bisher letzten Führungsrunden drehte. Shepherds Problem ist das Geld. Seinen rund 700 PS starken Chevrolet Camaro setzt er selbst ein. „Als ich 1967 angefangen habe, konnte ich einen Chevrolet-Motor für 735 Dollar kaufen und damit bis zu 70 Rennen fahren. Heute leasen die Topteams Motoren für 80.000 Dollar – für ein Wochenende! Wo soll das noch hinführen?“, zeigt er sich besorgt über die Entwicklung seines Sports. Shepherd fuhr nicht immer nur für Chevrolet, sondern auch für diverse andere US-Marken wie Buick, Pontiac, Mercury, Ford, Chrysler, Oldsmobile und Dodge.
Seine Erfolgsbilanz: vier Siege in 517 Rennen der ersten NASCAR-Liga, dem Cup. Er fuhr schon gegen alle drei NASCAR-Rekordmeister (mit je sieben Titeln): Richard Petty, Dale Earnhardt und Jimmie Johnson. Aber auch schon gegen den Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen, in Charlotte 2011. Shepherd kam drei Ränge vor Räikkönen ins Ziel.
Besonders stolz ist Shepherd aber darauf, dass er sich in einem Sport, in der größere Unfälle zur Tagesordnung zählen und die Sicherheit nicht immer so gut war wie heute, noch nie einen Knochen gebrochen hat. Und dass er in den 70er Jahren den Absprung vom Alkohol schaffte. Dank seines Glaubens. Seither fährt er mit der Botschaft „Victory in Jesus“ auf dem Auto und sammelt Geld für gute Zwecke.
Auch medial ist Shepherd jung geblieben: Er hat nicht nur eine eigene Homepage, sondern auch einen eigenen Twitter-Kanal. Und er fährt mit Rollerskates durchs Fahrerlager. Rücktritt? Kein Thema!

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.