Neue Tankregel: Wann soll ich tanken?
ADAC meldet Rekord-Preisdifferenz nach Einführung der 12-Uhr-Regel

Die 12-Uhr-Regel führt laut ADAC zu Rekord-Preisdifferenzen im Tagesverlauf. Das erfordert neues Timing für Fahrten zur Tankstelle. Ein Sprit-Experte gibt Tipps zum richtigen Zeitpunkt – und weist auf eine Preisfalle hin!
Bild: picture alliance / Rene Traut Fotografie
Inhaltsverzeichnis
Die Mineralölkonzerne haben in den ersten Wochen seit Einführung der 12-Uhr-Regel mit Benzin einen höheren Profit erzielt. Die Regel, wonach Tankstellen die Preise nur noch einmal täglich (um 12 Uhr mittags) erhöhen dürfen, hat damit ihr Ziel verfehlt, die Spritpreise zu deckeln (hier ein Kommentar dazu). Außerdem müssen sich Verbrennerfahrer von erlernten Regeln verabschieden. Viele fragen sich: Wann soll ich nun tanken?
Auf diese Frage gibt es leider keine einfache Antwort. Eines ist aber klar: Der generelle Tipp, dass man am besten abends zur Tankstelle fahren sollte, um besonders günstig zu tanken, gilt nicht mehr. Es gibt aber ein wichtiges Aber! Immerhin wird der Markt durch die 12-Uhr-Regel berechenbarer: Mittags steht der Tageshöchstpreis fest, dadurch entfallen die häufigen Sprünge beim Spritpreis.
Spritpreis Tagespreisentwicklung
Benzinpreis E10
+04
Dieselpreis
+04
Durchschnittspreise in den 100 größten Städten Deutschlands. Diese Daten sind ohne Gewähr.
AKTUELLE PREISEAllerdings zeigt eine aktuelle Auswertung des ADAC: Nie zuvor waren die Preisunterschiede im Tagesverlauf so groß wie im Mai 2026. Die Preisdifferenz zwischen dem Höchststand und dem Tiefststand eines durchschnittlichen Mai-Tages lag bei 14,6 Cent je Liter bei Super E10 und sogar 18,4 Cent je Liter bei Diesel. Die bisherigen Rekord-Preisunterschiede lagen für Super E10 bei 12,5 Cent (Mai 2025), für Diesel bei 16,7 Cent (Mai 2022). Das zeigt: Nie zuvor war es wichtiger, den richtigen Zeitpunkt zum Tanken abzupassen.
Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer des Spritpreisportals Clever Tanken, gegenüber AUTO BILD (Clever Tanken ist Partner): "Es fehlen jetzt die für die Verbraucher günstigen Zeiten, wo der Preis früher häufiger ganz unten war." Sein Fazit zur 12-Uhr-Regel: "Lage beruhigt, aber für die Verbraucher teurer."
Der allgemeine Tipp von Steffen Bock: "Am besten man tankt am Vormittag, theoretisch kurz vor 12 Uhr." Aber wegen eines möglichen starken Andrangs gestaltet sich das praktisch manchmal schwierig.

Steffen Bock ist als Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken (Partner von AUTO BILD) in allen Fragen rund um den Spritpreis ein kompetenter Ansprechpartner.
Bild: Clever Tanken
Bock rät zur aufmerksamen Preisbeobachtung: "Der Tipp, vor 12 Uhr zu tanken, gilt immer im ansteigenden Markt, also wenn Sprit jeden Tag teurer wird. Wenn Kraftstoffe aber billiger werden, wie in der letzten Woche, dann kann Benzin morgen Nachmittag billiger sein als heute Vormittag." Seine Empfehlung: den Markt beobachten!
Das Problem: "Das grundsätzliche Preisniveau wird durch weltpolitische Faktoren vorgegeben – also durch den Dollarkurs, den Ölpreis, die Preise für zugekaufte Produkte, Termingeschäfte etc. Die 12-Uhr-Regel hat lediglich Einfluss darauf, wie stark die Tankstellenpreise um diesen Trend herum schwanken."

Der Dieselpreise ist wieder unter die bisherigen Rekordstände gefallen. Mittlerweile zeigen einige JET-Tankstellen – wie diese in Hamburg-Hammerbrook – auch den Preis für Ladestrom auf der Preistafel an.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Immerhin ist das Preisniveau seit den Höchstständen wieder gesunken. Zuletzt lag der bundesweite Durchschnittspreis für Benzin E10 bei 1,91 Euro, der für Diesel bei durchschnittlich 1,89 Euro, das sind rund 56 Cent unter dem Allzeithoch Anfang April. Damit liegt Diesel aber immer noch über dem Niveau vor dem Irankrieg.
Regierung verteidigt Preismaßnahmen
Den Vorwurf der Unwirksamkeit der bisherigen Maßnahmen zur Dämpfung der Spritpreise wies die Bundesregierung zuletzt zurück. Gegenüber BILD bestätigten die Kartellbehörden zudem erste Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verstöße gegen die neuen Regeln. Verlängert wird der Tankrabatt über den Juni hinaus nicht.
Wirtschaftsexperten warnen generell vor teuren Markteingriffen, die die Nachfrage nach Sprit weiter anheizen könnten. Sie widersprechen Forderungen des ADAC nach punktuellen Entlastungen für Autofahrer und mahnen generell, grundlegende Markttendenzen nicht zu verzerren.
Mittlerweile fällt immerhin die Schwankungsbreite der Spritpreise geringer aus, erläutert Steffen Bock. Aber: "Es ist davon auszugehen, dass die Preisbildung eher am oberen Ende des möglichen Spektrums angesiedelt ist und dass der Markt zwar ruhiger erscheint, die Verbraucherinnen und Verbraucher aber unter dem Strich mehr bezahlen."
Zur Preisbildung gehört auch, dass Preissteigerungen am Ölmarkt meist sofort wirksam werden, mögliche Preissenkungen aber nur allmählich: "Wir sprechen vom Rakete-Feder-Prinzip", erklärt Steffen Bock. Anstiege sind schnell und steil, Preissenkungen langsam und gemächlich. Eine Prognose, ob sich der aktuell gesunkene Ölpreis in niedrigeren Tankstellenpreisen niederschlägt, wagt er nicht. Seine Einschätzung: "Wir werden vorerst mit dem Risikoaufschlag leben müssen."

Seit dem 1. April 2026 gilt die neue Tankregel: Spritpreise dürfen nur noch einmal täglich steigen – um 12 Uhr.
Bild: picture alliance
Der Ölpreis ist auch politisch geprägt, und der nicht endende Krieg am Golf treibt ihn zusätzlich. Aktuell liegt der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent bei rund 87 US-Dollar. Es ist davon auszugehen, dass die Spritpreise derzeit einen Risikoaufschlag enthalten. So bewertet es Steffen Bock: "Risikoaufschläge sind insofern wahrscheinlich, wenn auch nicht offensichtlich beweisbar, weil sich die Anbieter ja auch irgendwie absichern müssen, dass sie nicht über den Tag hinweg unter dem Preis verkaufen."
Der ADAC empfiehlt:
- Idealerweise kurz vor 12 Uhr tanken
- Möglichst nicht direkt nach 12 Uhr tanken
- Alternativ Preise am Nachmittag beobachten
- Preis-Apps wie Clever Tanken (Partner von AUTO BILD) konsequent nutzen
Kommentar
Die Spritpreise hält die 12-Regel nicht im Zaum, so viel ist klar. Damit Sprit nie zu günstig aus dem Zapfhahn fließt, ist er im Mittel zu teuer – ein ebenfalls unerwünschter Nebeneffekt. Und den Markt zu beobachten, das bekommt sicher nicht jeder hin. Unterm Strich hat sich die Lage für Autofahrer kaum verbessert. Mit den Rekord-Preissprüngen jetzt noch wichtiger: der richtige Tank-Zeitpunkt!
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