Frühling 2026: Der Iran steht unter Feuer, er selbst bombardiert diverse Länder im Nahen Osten. Welche Konsequenzen hat das für Autofahrer in Deutschland, welche für die deutsche und welche für die iranische Autoindustrie? AUTO BILD gibt einen Überblick!

Wie könnte sich ein Krieg auf Deutschland auswirken?

Klar ist: Ein bewaffneter Konflikt im Nahen Osten lässt sehr oft die Rohölpreise in die Höhe schnellen. Nach den ersten Angriffen der USA am 28. Februar 2026 stiegen sie auch, allerdings erst mal nur von ca. 70 US-Dollar pro Barrel der Sorte Brent auf ca. 85 Dollar.
Chart, Diagramm mit der Entwicklung der Rohölpreise Ende Februar / Anfnag März 2026.
Die Kurve zeigt den Preissprung in US-Dollar für Rohöl der Sorte Brent rund um den US-Angriff, der am 28. Februar 2026 begann.
Bild: boerse.de

Warum steigen jetzt schon die Spritpreise so stark?

Der Barrelpreis allein würde einen großen Preisschock an der Zapfsäule nicht rechtfertigen. Dennoch fordern die ersten Tankstellen in Deutschland schon um die zwei Euro pro Liter Benzin (E5) und über zwei Euro für Diesel.
Die Tagesdurchschnitte am Montag (2. März 2026) von 1,839 Euro pro Liter Super E10 und 1,816 Euro pro Liter Diesel seien die höchsten Werte seit rund zwei Jahren, berichtet der ADAC. Super E10 war laut ADAC zuletzt im Mai 2024 teurer, Diesel zuletzt im Oktober 2023.
SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher kritisiert die Preiserhöhungen als verfrüht: Benzin und Diesel, die aktuell verkauft werden, seien "überwiegend zu deutlich niedrigeren Rohölpreisen eingekauft" worden, sagte er am Montag (2. März 2026) der "Rheinischen Post".
Tankszene, jemand mit tätowiertem Unterarm betankt seinen Ford Fiesta
Pack den Tiger in den Tank, solange er noch da ist: Dieser Ford Fiesta wird schnell noch mal vollgetankt.
Bild: dpa / picture-alliance
Mittelfristig gebe es – sofern sich die Lage am Golf wieder beruhigen sollte – Hoffnung auf gemäßigtere Preise, sagt der Kraftstoffmarktexperte des ADAC, Christian Laberer. Denn die Opec+ hat angekündigt, die Fördermengen zu erhöhen.
Vor diesem Hintergrund ist es Spekulation, ob man sein Auto so bald wie möglich volltanken oder damit noch warten sollte. Aber: Schnelle Besserung ist wohl nicht in Sicht. "Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger", sagt der ADAC-Experte.

Was, wenn Iran länger den Persischen Golf blockiert?

Wenn iranische oder pro-iranische Kräfte nun allerdings die Straße von Hormus länger blockieren würden, dürfte es heikel werden: Fast ein Fünftel der weltweiten Öltransporte werden normalerweise in Tankschiffen durch die Meerenge gebracht. Das meiste davon geht nach Asien und nicht zu uns; dennoch würde uns das betreffen, weil Öl zu Weltmarktpreisen gehandelt wird. Das Gleiche gilt für Gas.
Für diesen Fall rechnet Stephan Kemper von der französischen Bank BNP Paribas mit Barrel-Preisen von 100 bis 120 Dollar.
Karte der Straße von Hormus
Huthi-Rebellen unterstützen den Iran bei der Blockade der Meerenge.
Bild: dpa
Damit würden nicht nur Benzin und Diesel an der Tankstelle teurer werden, sondern viele andere Güter auch, die mit hohem Einsatz von Rohöl-Produkten hergestellt oder transportiert werden. Die Inflation könnte wieder einen Schub bekommen.
Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank EZB, Philip Lane, bestätigt das im Interview mit der "Financial Times". Er hält auch Ölpreise von 130 Dollar pro Barrel für möglich. Mehr noch: Ein dauerhafter Rückgang der Öl- und Gaslieferungen aus der Region könnte die Produktion in der Eurozone stark bremsen.
In so einem Fall könnte das Wachstum in der Eurozone um 0,6 Prozentpunkte zurückgehen, schätzt Lane, und die Inflation könnte um 0,8 Prozentpunkte steigen.

Was würde eine lange Blockade für den deutschen Automarkt bedeuten?

Drei Aspekte könnten die deutschen Autohersteller und Zulieferer treffen:
  • höhere Energiepreise
  • Kunden, die wegen der Inflation weniger Autos kaufen
  • im Extremfall: Engpässe, wenn der Nachschub an Teilen von der Seeblockade unterbrochen wird.

Wie abhängig ist die deutsche Autowirtschaft vom Iran?

Seit dem Sturz des Schah-Regimes durch die Ayatollahs 1979 arbeitet der Westen mit Sanktionen gegen den Iran. Deutschland importiert aus dem Iran heute kaum mehr als Pistazien, andere Lebensmittel, pharmazeutische Produkte und Teppiche. Der Vorteil in der jetzigen Situation für Deutschland: Von Öl und Gas abgesehen ist die deutsche Autoindustrie nicht von Produkten aus dem Iran abhängig.
Umgekehrt exportiert Deutschland zwar Güter im Wert von mehr als einer Milliarde Euro in den Iran – Fahrzeuge machten 2024 aber nicht mal sechs Millionen Euro aus, berichtet Trading Economics aus der Comtrade-Datenbank der Vereinten Nationen.
Mercedes-Benz Trucks und Volkswagen wollten noch 2016 bzw. 2017 auf den iranischen Markt zurückkehren. VW hatte schon einen Vertrag mit der iranischen Firma Mammut Khodro unterzeichnet – 2018 zogen sich beide deutsche Konzerne wegen US-Sanktionen aus den Deals zurück.
Die gute Nachricht ist also: Außer Öl und Gas braucht unsere Autoindustrie nichts aus dem Iran.

Wie viele Autos werden im Iran gebaut?

Das Klischee sagt: Aus dem Iran kommen Öl, Gas, Pistazien und Teppiche. Stimmt auch. Aber was bei uns kaum jemand weiß: Im Iran werden jede Menge Autos gebaut – fast so viele wie in Frankreich!
Zuletzt waren es rund 1,3 Millionen Kraftfahrzeuge in einem Jahr, davon rund 1,1 Millionen Pkw, berichtet die Autoherstellervereinigung OICA. (Der Zeitraum war 21. März 2024 bis 20. März 2025, denn im Iran gilt der persische Kalender.)
Fließbank in iranischer Autofabrik mit Peugeot 206
Endkontrolle im iranischen Autowerk Khodro Industrial Group. Hier wurde der Peugeot 206 in Lizenz hergestellt.
Bild: dpa / picture-alliance
Damit ist der Iran knapp hinter der Türkei die zweitgrößte Autohersteller-Nation im Nahen Osten – und im weltweiten Vergleich etwa auf Platz 15, deutlich vor Großbritannien. 2025 hat Deutschland 4,15 Millionen Pkw hergestellt.

Treffen westliche Bomben auch iranische Autowerke?

Dass eine Bombe zufällig oder irrtümlich auf eine Autofabrik fällt, ist nicht auszuschließen – aber bis auf die Standorte Teheran, Täbris und Shiraz liegen die meisten Werkshallen der beiden großen Autohersteller Iran Khodro und Saipa in Industriegebieten anderer Städte als die Anlagen der Rüstungsindustrie.
Allerdings arbeitet Iran Khodro mit dem iranischen Verteidigungsministerium zusammen; und das US-Finanzministerium hat 2024 drei Tochtergesellschaften des kleinen Autoherstellers Bahman Group sanktioniert, weil sie die iranischen Revolutionsgarden materiell unterstützt haben.
Im iranischen Verteidigungsministerium MODAFL gibt es die Organisation für Verteidigungsindustrie DIO, die rund 300 Unternehmen als Partner führt; nicht alle sind reine Rüstungsbetriebe.
Grundsätzlich stellen Autozulieferer viele mechanische und elektronische Teile her, die auch militärisch genutzt werden können – sie wären in einem verlängerten Krieg also potenziell in Gefahr. Und: Fast jedes Militär kauft Fahrzeuge zum Teil auch von zivilen Anbietern, vor allem Lkw, Geländewagen und Busse. Da gilt im Grundsatz das Gleiche.
Iranian protesters participate in a pro-Government rally in Tehran, Iran, on January 12, 2026. The rally takes place in Tehran against the recent anti-government unrest, opposition to the U.S. and Israel in Iran, and in support of Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei.
Pro-Regierungs-Demonstranten in Teheran zeigten sich im Januar 2026 auf einem Militärfahrzeug der iranischen Anti-Terror-Einheit NOPO. Diese Einheit ist 2026 laut Opposition teils gegen regierungskritische Demonstranten vorgegangen.
Bild: dpa / picture-alliance
Die DIO führt Fahrzeughersteller in der Vehicle and Equipment Industries Group. Auch ein Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Fahrzeuge steht auf der DIO-Partnerliste; das berichtet Iran Watch, eine Website des Wisconsin Project on Nuclear Arms Control.
Aber: Im aktuellen Konflikt Anfang März 2026 spielen Fahrzeuge nur eine sehr untergeordnete Rolle. Das US-Kriegsministerium oder andere Angreifer dürften also kaum ein Interesse haben, Auto-Standorte zu beschädigen. So etwas geschieht eher in langen Kriegen mit Bodentruppen.
Schon allein aus wirtschaftlichen Gründen wünschen sich nicht nur Autofahrer und Menschen in der Autobranche schnelle Erfolge der westlichen Angreifer.
Die Menschen im Iran, die gegen das Mullah-Regime sind, wünschen sich das Gleiche. Nur dass es ihnen nicht bloß um Geld und Wohlstand geht wie uns, sondern um Freiheit und ein Ende des Terrors.