Neue Tankregel: Wann soll ich tanken?
Tankregel enttäuscht – Experte erklärt, wann Tanken günstiger ist

Wann soll man tanken? Die 12-Uhr-Regel erfordert neues Timing für Fahrten zur Tankstelle. Ein Sprit-Experte gibt Tipps zum richtigen Zeitpunkt – und weist auf eine Preisfalle hin.
Bild: picture alliance / Rene Traut Fotografie
Inhaltsverzeichnis
Die Mineralölkonzerne haben in den ersten Wochen seit Einführung der 12-Uhr-Regel mit Benzin einen höheren Profit erzielt. Die Regel, wonach Tankstellen die Preise nur noch einmal täglich (um 12 Uhr mittags) erhöhen dürfen, hat damit ihr Ziel verfehlt, die Spritpreise zu deckeln. Hier ein Kommentar dazu. Außerdem müssen sich Verbrennerfahrer von erlernten Regeln verabschieden. Viele fragen sich: Wann soll ich nun tanken?
Auf diese Frage gibt es leider keine einfache Antwort. Eines ist aber klar: Der generelle Tipp, dass man am besten abends zur Tankstelle fahren sollte, um besonders günstig zu tanken, gilt nicht mehr. Es gibt aber ein wichtiges Aber! Immerhin wird der Markt durch die 12-Uhr-Regel berechenbarer: Mittags steht der Tageshöchstpreis fest, dadurch entfallen die häufigen Sprünge beim Spritpreis.
Spritpreis Tagespreisentwicklung
Benzinpreis E10
+08
Dieselpreis
+07
Durchschnittspreise in den 100 größten Städten Deutschlands. Diese Daten sind ohne Gewähr.
AKTUELLE PREISESteffen Bock, Gründer und Geschäftsführer des Spritpreisportals Clever Tanken, gegenüber AUTO BILD (Clever Tanken ist Partner): "Die Volatilität bei der Preissetzung ist weitgehend eingedämmt." Es gebe aber auch ein großes Manko: "Es fehlen jetzt die für die Verbraucher günstigen Zeiten, wo der Preis früher häufiger ganz unten war." Sein Fazit der neuen 12-Uhr-Regel: "Lage beruhigt, aber für die Verbraucher teurer."
Der allgemeine Tipp von Steffen Bock: "Am besten man tankt am Vormittag, theoretisch kurz vor 12 Uhr." Aber wegen eines möglichen starken Andrangs gestaltet sich das praktisch manchmal schwierig.

Steffen Bock ist als Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken (Partner von AUTO BILD) in allen Fragen rund um den Spritpreis ein kompetenter Ansprechpartner.
Bild: Clever Tanken
Bock rät zur aufmerksamen Preisbeobachtung: "Der Tipp, vor 12 Uhr zu tanken, gilt immer im ansteigenden Markt, also wenn Sprit jeden Tag teurer wird. Wenn Kraftstoffe aber billiger werden, wie in der letzten Woche, dann kann Benzin morgen Nachmittag billiger sein als heute Vormittag." Seine Empfehlung: den Markt beobachten!
Das Problem: "Das grundsätzliche Preisniveau wird durch weltpolitische Faktoren vorgegeben – also durch den Dollarkurs, den Ölpreis, die Preise für zugekaufte Produkte, Termingeschäfte etc. Die 12-Uhr-Regel hat lediglich Einfluss darauf, wie stark die Tankstellenpreise um diesen Trend herum schwanken."

Der Dieselpreise ist wieder unter die bisherigen Rekordstände gefallen. Mittlerweile zeigen einige JET-Tankstellen – wie diese in Hamburg-Hammerbrook – auch den Preis für Ladestrom auf der Preistafel an.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Immerhin ist das Preisniveau seit den Höchstständen wieder gesunken. Zuletzt lag der bundesweite Durchschnittspreis für Benzin E10 bei 2,059 Euro, der für Diesel bei durchschnittlich 2,129 Euro, das sind rund 32 Cent unter dem Allzeithoch Anfang April. Damit liegt Diesel aber immer noch rund 40 Cent über dem Niveau vor dem Irankrieg.
Regierung verteidigt Preismaßnahmen
Den Vorwurf der Unwirksamkeit der bisherigen Maßnahmen zur Dämpfung der Spritpreise wies die Bundesregierung zuletzt zurück. Schließlich sei das Spritpreispaket erst kürzlich in Kraft getreten, sagte Regierungssprecher Sebastian Hille: "Dieser Untersuchungszeitraum ist nicht wirklich tauglich für ein erstes Urteil." Gegenüber BILD bestätigten die Kartellbehörden zudem erste Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verstöße gegen die neuen Regeln.
Mittlerweile fällt immerhin die Schwankungsbreite der Spritpreise geringer aus, erläutert Steffen Bock. Aber: "Es ist davon auszugehen, dass die Preisbildung eher am oberen Ende des möglichen Spektrums angesiedelt ist und dass der Markt zwar ruhiger erscheint, die Verbraucherinnen und Verbraucher aber unter dem Strich mehr bezahlen."
Zur Preisbildung gehört auch, dass Preissteigerungen am Ölmarkt meist sofort wirksam werden, mögliche Preissenkungen aber nur allmählich: "Wir sprechen vom Rakete-Feder-Prinzip", erklärt Steffen Bock. Anstiege sind schnell und steil, Preissenkungen langsam und gemächlich. Eine Prognose, ob sich der aktuell gesunkene Ölpreis in niedrigeren Tankstellenpreisen niederschlägt, wagt er nicht. Seine Einschätzung: "Wir werden vorerst mit dem Risikoaufschlag leben müssen."
Aktuell kann man den hohen Spritpreisen kaum entgehen: Zwar greift am 1. Mai der angekündigte Tankrabatt von 17 Cent pro Liter. Noch ist aber offen, ob die Mineralölkonzerne die Vergünstigung eins zu eins an die Verbraucher weitergeben. Was wäre der Basispreis dafür: ein günstiger Morgenpreis oder ein teurerer Nachmittagspreis?

Seit dem 1. April 2026 gilt die neue Tankregel: Spritpreise dürfen nur noch einmal täglich steigen – um 12 Uhr.
Bild: picture alliance
Wirtschaftsexperten warnen generell vor teuren Markteingriffen, die die Nachfrage nach Sprit weiter anheizen könnten. Sie widersprechen Forderungen des ADAC nach punktuellen Entlastungen für Autofahrer und mahnen generell, grundlegende Markttendenzen nicht zu verzerren.
Der Ölpreis ist auch politisch geprägt, und der Konflikt am Golf treibt ihn zusätzlich. Aktuell liegt der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent nach dem jüngsten Krisenhoch wieder bei rund 99 US-Dollar. Es ist davon auszugehen, dass die Spritpreise derzeit einen Risikoaufschlag enthalten. So bewertet es Steffen Bock: "Risikoaufschläge sind insofern wahrscheinlich, wenn auch nicht offensichtlich beweisbar, weil sich die Anbieter ja auch irgendwie absichern müssen, dass sie nicht über den Tag hinweg unter dem Preis verkaufen."
Der ADAC empfiehlt:
- Idealerweise kurz vor 12 Uhr tanken
- Möglichst nicht direkt nach 12 Uhr tanken
- Alternativ Preise am Nachmittag beobachten
- Preis-Apps wie Clever Tanken (Partner von AUTO BILD) konsequent nutzen
Kommentar
Die Spritpreise hält die 12-Regel nicht im Zaum, so viel ist klar. Damit Sprit nie zu günstig aus dem Zapfhahn fließt, ist er im Mittel zu teuer – ein ebenfalls unerwünschter Nebeneffekt. Und den Markt zu beobachten, das bekommt sicher nicht jeder hin. Unterm Strich hat sich die Lage für Autofahrer kaum verbessert.
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