Irankrieg samt Energiekrise: Spritpreise auf Rekordniveau
Kein Tankmonat war teurer als der April 2026

Zu Beginn des Ukrainekriegs markierten die Spritpreise ein Rekordhoch – der April 2026 toppte alles als teuerster Tankmonat der Geschichte. Doch eine weitere Erkenntnis zu den Spritkosten ist fast noch schlimmer, zeigen Analysen.
Bild: picture alliance
- Jasper Bitter
- Matthias Brügge
Im April 2026 erreichten die Benzinpreise in Deutschland einen neuen Höchststand: Ein Liter Super E10 kostete laut ADAC im Monatsdurchschnitt 2,11 Euro, Diesel lag bei 2,27 Euro. Damit übertrafen die Preise sogar die Spitzenwerte vom Beginn des Ukraine-Kriegs Anfang 2022. Zu den Ursachen der hohen Spritpreise im April zählen vor allem hohe Rohölpreise und geopolitische Spannungen – vor allem bedingt durch den Iran-Krieg.
Noch vor drei Monaten lag das Preisniveau an den Tankstellen deutlich niedriger. Laut ADAC waren noch im Januar im Monatsmittel für Benzin E10 rund 37 Cent pro Liter weniger zu bezahlen. Beim Diesel lagen die Literpreise im Schnitt sogar über 57 Cent unter den Preisen im April.
Spritpreis Tagespreisentwicklung
Benzinpreis E10
–01
Dieselpreis
–04
Durchschnittspreise in den 100 größten Städten Deutschlands. Diese Daten sind ohne Gewähr.
AKTUELLE PREISEWird der Tankrabatt tatsächlich weitergegeben?
Damit nicht genug: Laut verschiedenen Marktbeobachtern gaben die Mineralölkonzerne den Tankrabatt nicht zur Gänze an die Autofahrer weiter, stellten ADAC und das Münchner Ifo-Institut übereinstimmend fest. Bei Diesel gaben die Tankstellen in den ersten drei Tagen durchschnittlich lediglich vier Cent je Liter weiter an die Autofahrer, beim Superbenzin waren es durchschnittlich zwölf Cent, errechnete das ifo-Institut.
Der ADAC errechnete eine Differenz der aktuellen Spritpreise zum Preisniveau vor dem 1. Mai 2026. Ergebnis: Die Verkaufspreise lagen rund elf Cent niedriger – anstelle der möglichen 17 Cent nach der Senkung der Energiesteuer zum 1. Mai. Damit wurde der Tankrabatt anders als von der Regierung verlangt, nicht vollumfänglich an die Verbraucher weitergegeben, stellte der ADAC fest. Die ausbleibende Absenkung ließe sich auch durch die jüngste Entwicklung am Rohölmarkt nicht erklären.

Der Dieselpreis bewegt sich aktuell unter den bisherigen Rekordständen – aber nie war das Tanken teurer als im April 2026. Mittlerweile zeigen einige JET-Tankstellen – wie diese in Hamburg-Hammerbrook – auch den Preis für Ladestrom auf der Preistafel an.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Tatsächlich liegt der Preis für Rohöl aktuell niedriger als noch am 30. April. Daher hätten die Spritpreise stärker sinken sollen als die von der Energiesteuersenkung ausgehenden knapp 17 Cent. Doch der Preistrend zeigt nach oben. Verschärfend wirkt sich aus, dass die Spritpreise kurz vor dem Greifen des Tankrabatts teils noch stark erhöht wurden.
Diese Entwicklung nimmt das Bundeskartellamt nun ins Visier. Allerdings ist es traditionell überaus schwierig, den Ölkonzernen eine Marktmanipulation nachzuweisen – von insgeheimen Absprachen ganz zu schweigen. Die Einschätzung des ADAC: Die Spritpreise liegen weiterhin zu hoch.
Wird der Tankrabatt verlängert?
Ungeachtet der Kritik vieler Ökonomen schließt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nicht grundsätzlich aus, dass der Tankrabatts über die geplanten zwei Monate hinaus verlängert wird. "Wir schauen, was erforderlich ist, damit das Tanken für alle bezahlbar bleibt", sagte Schnieder dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Der Tankrabatt ist eine richtige Entscheidung", bekräftigte er.
Wann soll ich am besten tanken?
Seit Gelten der 12-Uhr-Regel gibt es neue Tipps zum Tankzeitpunkt. So rät Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken (Partner von AUTO BILD): "Am besten man tankt am Vormittag, theoretisch kurz vor 12 Uhr." Das gilt aber grundsätzlich nur für Zeiten tendenziell ansteigender Spritpreise. Denn: Wenn Kraftstoffe insgesamt billiger werden, dann kann Benzin am nächsten Nachmittag günstiger sein als am heutigen Vormittag. Die Empfehlung lautet daher, den Markt zu beobachten.
Kommentar
Die 12-Uhr-Regel kann die Spritpreise nicht zügeln, und die Mineralölkonzerne geben den Tankrabatt nicht weiter. Beides ist höchst bedauerlich und zeigt, was man vorher hätte wissen können: Die Politik sollte sich weder mit den Märkten anlegen noch den Ölkonzernen zu sehr vertrauen. Die Kosten für Autofahrer haben sich weiter erhöht, der Unmut dürfte steigen.
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