Nissan Juke Nismo: Fahrbericht
Bolide ohne Biss

Nissan gönnt dem Juke mit Hilfe von Haustuner Nismo zehn PS mehr. Dass der Japaner dadurch nicht zum echten Sportler wird, das zeigt der erste Fahrbericht.
Was ist denn nur in die Nissan-Ingenieure gefahren? Über ein Jahr lang trommeln sie nun schon für den Europa-Start ihrer Tuningtochter Nismo, bauen den faszinierenden Rennwagen Deltawing, zwängen den GTR-Motor in den Juke, machen den Leaf zum Rundstreckenrenner und zeigen aller Welt, wie viel Lust sie an der Leistung haben. Und dann so etwas! Denn wenn die Japaner Mitte Februar mit der Nismo-Version des Juke jetzt endlich ernst machen, werden sich Kunden und Konkurrenz ein Lachen nicht verkneifen können: Gerade einmal zehn PS mehr Leistung und ein bisschen Schminke sollen reichen, um gegen die John Cooper Works-Modelle von Mini oder den Citroën DS3 Racing anzutreten. Zwar liegt der Nismo-Aufschlag dafür auch nur bei rund 2300 Euro, so dass es den vermeintlich scharfen Japaner schon ab 26.400 Euro gibt. Doch ist er in dieser Konfiguration mehr Sondermodell als Sportwagen und verwässert damit gleich zum Start eine Marke, die bei den wenigen Fans in Europa für viel mehr Feuer steht.
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Das Heck ziert ein größerer Spoiler und ein dickes Endrohr.
Bild: Werk
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Innen wird der Fahrer in engen Schalensitzen aus Alcantara festgezurrt.
Bild: Werk
Die nächste Variante kommt
Dieser vergleichsweise lauwarme und koffeinfreie Juke Nismo ist umso unverständlicher, weil sich die nächste Evolutionsstufe bereits abzeichnet. Denn zur Presse-Premiere des neuen Modells haben die Japaner nicht nur das erste Exemplar des 370Z Nismo mit sagenhaften 344 statt 328 PS, sondern auch zwei Prototypen einer weiteren Juke-Variante mitgebracht, die wie die RS-Varianten von Audi zum Herbst nochmal einen drauf setzen sollen. Dann kommt der 1,6-Liter-Turbo plötzlich auf 218 PS, macht ordentlich Radau und geht mit seinem seinem deutlich strammeren Fahrwerk so behände zur Sache, dass man den Leistungssprung auch spüren kann. Auf Augenhöhe mit den John-Cooper-Works-Modellen von Mini und weit genug weg von der eigenen Serienvariante, wäre dieses Auto für den Start der Tuning-Tochter die bessere Wahl gewesen. Und nachdem Nissan sich mit dem Nismo-Export jetzt fast 50 Jahre Zeit gelassen hat, hätte es auf die paar Monate nun auch nicht mehr ankommen dürfen. Dass sie mit dem kleinen Kraftmeier in der aktuellen Version nicht den ganzen großen Wurf gelandet haben, wissen die Verantwortlichen aber offenbar schon selbst. Nicht umsonst kommen in ihrer Vertriebsplanung für 2013 auf fast 13.000 Juke für Deutschland gerade einmal 210 Nismo-Modelle.
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