Nichts. Sie sagen einfach nichts. Normalerweise geben meine Kinder Arwen (5) und Vincent (9) zu jedem Auto einen Kommentar ab. Und sei es nur: "Der ist hässlich." Doch als ich sie aus dem artigen Astra in den mutigen Meriva mit hinten angeschlagenen Fondtüren umsteigen lasse, bemerken sie tatsächlich: nichts. Für mich eine echte Überraschung. Und ein Grund mehr, auf Ursachenforschung zu gehen. Was bietet der Meriva gegenüber dem Astra eigentlich noch außer seinem ungewöhnlichen Türkonzept? Und vor allem, bringt ihm das tatsächlich Vorteile? Jeder für sich bietet eine eigenständige Optik. Der Meriva mit dem markanten Knick in der Seite, der Astra mit seinem betont dynamischen Profil – welchen Rüsselsheimer Sie zum Mr. Opel wählen, bleibt allein eine Frage Ihres Geschmacks.

Überblick: Alle News und Tests zum Opel Meriva

Opel Meriva
Welchen Ihre Familie besser nutzen kann, nicht. Da zählt auch das Raumangebot. Obwohl der Astra 13 Zentimeter länger ausfällt, muss der Meriva, der aus seiner Klasse schon fast herausgewachsen ist, sich nicht verstecken. Im Gegenteil. Zum einen steige ich fast vier Zentimeter höher hinauf in den Mini-Van. Klingt wenig, bringt aber viel. Meriva-Piloten steigen lässiger ein und aus. Und genießen den besseren Überblick. Andererseits verschenkt der Meriva ganz offensichtlich auch Platz. Außen sind beide Opel gleich breit, aber innen haben die Schultern im Meriva fünf Zentimeter weniger Luft als im Astra – ein echtes Rätsel. Im Fond, also quasi im Kinderzimmer, bietet der Meriva dafür mehr Luft und Variabilität. Allein die hinten angeschlagenen Fondtüren bringen Eltern ihren Kindern näher, weil niemand mehr um die geöffnete Tür herumlaufen muss. Und weil der Einbau von Kindersitzen leichter von der Hand geht – was Mami und Papi deutlich entspannter macht.

Überblick: Alle News und Tests zum Opel Astra

Opel Astra
Die nach hinten und (ein ganz klein wenig) auch nach innen verschiebbaren Sitze verwandeln den Meriva bei Bedarf in einen bequemen Viersitzer – der Mittelplatz klappt dabei nach vorn. Allerdings fallen die Polster dünner aus als im insgesamt besser verarbeiteten Astra. Der klassische Kompakte gönnt den Eltern in Reihe eins dank ellenlanger Sitzschienen zudem fast jede erdenkliche (Bein-)Freiheit – immer vorausgesetzt, dahinter muss niemand mehr Platz finden. Der Meriva verbucht für sich elf Zentimeter mehr Höhe und kann in den Kofferraum ein Täschchen mehr einladen. Wird die dreigeteilte Fondlehne nach vorn umgeklappt, wächst der Vorsprung gegenüber dem Astra sogar auf zwei große Koffer – als Umzugshelfer dürfte der Meriva bei Ihren Nachbarn also deutlich gefragter sein. Auch wegen seiner imposanten Zuladung von 531 Kilo. Da passt es nur ins Bild, dass der im Meriva serienmäßige doppelte Ladeboden im Astra 90 Euro Aufpreis kostet – nur wer zuzahlt, bekommt also auch eine ebene Ladefläche.
Holla, die Waldfee: 140 PS in zwei knuffigen Kompakten – da sollte doch was gehen. Und da geht auch was. Immer vorausgesetzt, das 1,4-Liter-Turbotierchen wird auch fleißig gedreht. Dann fliegen Astra und Meriva böse knurrend in kaum mehr als zehn Sekunden auf Tempo 100. Erst wenn die Tachonadel über die 200 wischt, schiebt sich der windschlüpfigere Astra vorbei. Allerdings darf diesen Triumph nur genießen, wer auch warten kann. Weil die oberen Gänge im Astra sehr lang übersetzt wurden, fährt der Meriva in der Elastizität bis 120 km/h erst mal vorneweg, daher gleicht das Überholmanöver eher einem Elefantenrennen. Von solcher Schwerfälligkeit will das Fahrwerk der beiden Rüsselsheimer nichts wissen. Der Meriva scheint sich seinen bekannt guten Bruder zum Vorbild genommen zu haben.

Beim Fahrwerk leistet sich der neue Opel Meriva keine Schwächen

Opel Astra Opel Meriva
Auch wenn es die elektronische Dämpferkontrolle für den Meriva nicht gibt, verrät sein Fahrwerk eine gute Kinderstube. Schnelle Kurven verpassen dem hohen Aufbau zwar einiges an Schlagseite und fordern von mitreisenden Kindern einen stabilen Magen, in Seenot gerät der Mini-Van aber nicht. Dafür sorgt schon allein das rigoros regelnde ESP (wie beim Astra Serie), das im Ausweichtest schon gebremst hat, bevor die Passagiere den Richtungswechsel richtig realisiert haben. Das nimmt gegenüber dem Astra zwar einiges an Schwung und – ehrlich gesagt – auch an Spaß, bürgt aber für kompromisslose Sicherheit. Nebenbei verwöhnt das Fahrwerk mit höchst anständigem Komfort. Lange Bodenwellen macht der Meriva souverän platt, nur fiese Frostaufbrüche erschüttern die Insassen stärker als im Astra und teilen sich über das Lenkrad deutlicher mit.
Weitere Details zu Astra und Meriva finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.

Fazit

Mit dem Meriva der zweiten Generation präsentieren die Rüsselsheimer einen schlüssigen und angenehmen Mini-Van. Variabel, souverän und agil macht er nicht nur Familien mobil. Dass er dennoch gegen den 1690 Euro teureren Astra verliert, spricht keinesfalls gegen sein Konzept. Es beweist nur, dass der Astra den nochmals besseren Allrounder gibt. Und dass er inzwischen ausgereift und in jeder Hinsicht austrainiert ist.