Herrje, was für ein Auftrag! Schnapp dir den Opel Corsa von Kollege Schrieber, und mach ihn irgendwie zu Geld. Danke, Chef! Die Kiste ist echt ’ne Zumutung, stand die letzten zwei Jahre in einer Tiefgarage – oder sollte ich lieber Tropfsteinhöhle sagen? Ergebnis: Der Lack sieht aus, als hätte man ihn mit Lindenkleister poliert, aber noch viel schlimmer: Im Innenraum wütet der Schimmel fast bis zum Dachhimmel hoch. Igitt, eklig! Immerhin: Nachdem die Batterie über Nacht geladen hat, springt der Motor rucki, zucki an. Nur fahren will der Corsa von Kollege Schrieber nicht mehr. Auf dem Weg zum ersten Händler macht die Kupplung schlapp, weiter geht es an der Abschleppstange. Denn ich will wissen: Wer kauft uns den Opel ab?

Opel Corsa
Ein Traum in Schimmel. Was auch immer in dem schrabbeligen Corsa passiert ist: Es hat Blüten getrieben.
Bild: Ralf Timm
1. Visitenkärtchen: Haufenweise klemmen sie an alten Autos, die Visitenkärtchen mit Versprechen auf Höchstpreise. Egal ob kaputt, mit oder ohne TÜV. Warum das so ist? In Hamburg gibt es viele Händler, die sich auf den Kauf von Billig-Gebrauchtwagen spezialisiert haben. Die Autos wandern auf große RoRo-Schiffe und reisen Richtung Afrika. RoRo steht für "Roll on, Roll off", das heißt, die Autos können über große Luken aufs Schiff gefahren werden. Die Karten habe ich im Dutzend, muss also nur noch anrufen, und der Deal läuft. Oder? Angebot der Visitenkartenhändler: 50 Euro will uns ein professioneller Ankäufer geben. Obwohl auf den Karten was von Höchstpreisen steht, wollen viele den Wagen nur kostenlos mitnehmen. Grund: Gesucht sind Klimaanlage, vier Türen, einfache Technik und viel Platz. Mein Corsa hat nur die einfache Technik, passt also nicht ins Beuteschema. Das Geschäft platzt!
Opel Corsa Bernd Volkens Rolf Utzt
Autoverwerter Rolf Utzt will uns den Opel Corsa für 100 Euro abkaufen.
Bild: Ralf Timm
2. Autoverwertung: War wohl nichts mit den Exporteuren! Also auf zum Schrottplatz. Schließlich sind die Stahlpreise hoch, und unser Opel ist komplett. Das heißt, der Schrotti kann noch ein paar Euro mit Anlasser, Lichtmaschine, Alu-Rädern und dem ganzen anderen Corsa-Zeugs machen. Angebot der Verwerter: Der erste will keinen müden Euro raustun. Originalton: "Wir haben den Hof dank Abwrackprämie immer noch voll mit Corsa. Du kannst die Kiste aber gern kostenlos abladen!" Nein danke! Da ist das Angebot von Schrotthändler Utzt aus Wilhelmsburg im Hamburger Süden deutlich besser, er bietet immerhin 100 Euro für den Opel.

Tipps zum Gebrauchtwagen-Verkauf

Kaufvertrag

Hand drauf, mehr verlangt der Gesetzgeber nicht im Autohandel. Ein schriftlicher Kaufver­trag ist keine Pflicht. Und trotzdem: Wechselt ein alter Wagen den Besitzer, sollten Sie zur eigenen Sicherheit immer einen schriftlichen Kaufvertrag ausfüllen. Und zwar egal, ob die alte Kiste für einen Euro, 100 oder wie in unserem Fall für 150 Euro verkauft wird. Grund: Es ist keine Seltenheit, dass Billigautos auf der Heimreise zum Verkäufer einen Schaden erleiden und vom neuen Besitzer einfach am Straßenrand zurückgelassen werden. Oder sich später ausgeschlachtete Reste im Wald finden. In so einem Fall ermittelt die Polizei über die Fahrgestellnummer den letzten Halter. Kann der keinen Kaufvertrag vorweisen, muss er für die entstandenen Kosten aufkommen und bekommt obendrauf noch ein Bußgeld für die illegale Entsorgung von Abfall aufgebrummt. Wichtig: Lassen Sie sich die Ausweispapiere des Käufers zeigen,  notieren Sie neben Anschrift und Name auch die Ausweisnummer. Und auf keinen Fall ein zugelassenes Fahrzeug weggeben, selbst wenn der Käufer Stein und Bein verspricht, den Wagen schnellstmöglich abzumelden. Meldet er das Auto doch nicht ab, und das kommt häufig vor, zahlt der letzte Be­sitzer weiter die Kfz-Steuer. Die Zulassungs­stelle verweigert erst einmal die Abmeldung ohne Fahrzeugkennzeichen und -papiere.

3. Vertragshändler: Ups, die Herren Händler sind eher am Verkauf eines Autos interessiert als am Ankauf unseres Opel. Na ja, überrascht mich nicht. Schließlich muss das Autohaus beim Weiterverkauf an privat auch auf einen Gebrauchtwagen mindestens ein Jahr Gewährleistung geben. Da ist den Händlern bei so einer alten Kiste das Schaden-Risiko viel zu groß. Das Angebot: Nur beim Kauf eines Neuwagens oder eines jungen Gebrauchten gibt es Geld für unseren Opel. Der Händler würde den Corsa dann verschrotten lassen oder mit anderen Wagen im Paket an einen Exporteur verkaufen.

4. Autobörse im Internet:
Ich fotografiere den Corsa und stelle ihn ins Internet. Die niedrigsten Angebote starten bei 150 Euro, ich will 250 Euro. Insgesamt bekomme ich fünf Anrufe, drei wollen mich am Telefon runterhandeln, zwei versetzen mich, erscheinen nicht zum Termin. Nach einer knappen Woche lösche ich die Anzeige. Angebot aus dem Internet: Zu zeitaufwendig und nervig. Der Corsa stand im Weg und musste schnell weg. Also Angebot abgebrochen.
Opel Corsa Bernd Volkens Rainer Krüger
Geht doch: Händler Rainer Krüger aus Hamburg kauft den Corsa für 150 Euro.
Bild: Ralf Timm
5. Gebrauchthändler nur für Billig-Autos: Ganz ehrlich, ich habe keinen Bock mehr, in Schriebers Schimmel-Corsa an der Abschleppstange durch Hamburg zu rumpeln. Und ich hab’ da noch einen Trumpf im Ärmel. Händler Rainer Krüger hat ein Herz für schmale Geldbeutel. Er kauft billig, repariert und verkauft mit frischem TÜV in der 1000-Euro-Liga. Angebot: 150 Euro, und weg damit!
Ein Auto lässt sich auf vielen Wegen verkaufen. Meine Erfah­rung: Am Telefon wird viel versprochen! Oft kommen poten­zielle Verkäufer nicht zum abge­machten Termin oder wollen trotz zugesagtem Festpreis bei der Be­sichtigung noch kräftig handeln. Aus diesem Grund: Niemals einschüchtern lassen, auf den abgemachten Kaufpreis bestehen und möglichst nicht allein einen Besichtigungstermin wahrnehmen.