Sie hat 140 Ausfahrten, wird von 1074 Brücken gekreuzt und misst exakt 962,2 Kilometer: Die A7 von Füssen nach Flensburg ist die längste Autobahn im Land. Und damit für die meisten neuen Autos eine schwere Prüfung. Denn seit der Diesel geächtet ist, schafft man diese Strecke kaum mehr in einem Rutsch.

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Weder rein elektrisch noch mit einem Benziner. Nicht umsonst gibt es auf der A7 neben 148 unbewirteten Parkplätzen auch 47 Raststätten. Von den vielen Autohöfen entlang der Strecke ganz zu schweigen
Aber die wollen wir hier und heute mal links und rechts liegen lassen und kurz bevor alle in die Sommerferien starten ausprobieren, ob man es nicht vielleicht doch ohne Boxenstopp durch die Bundesrepublik schafft. Und zwar nicht mit irgendeinem überteuerten Hightech-Auto oder einem angeblich so fortschrittlichen Chinesen. Sondern mit dem frisch vorgestellten Grandland Plug-in-Hybrid, mit dem Opel derzeit seine Modellpalette krönt.

Opel Grandland Plug-in-Hybrid für 40.150 Euro

Denn während die E-Version für immerhin 46.750 Euro aktuell auf maximal 582 Kilometer kommt, verspricht für den 40.150 Euro teuren Teilzeitstromer schon der Normzyklus eine Reichweite von 900 Kilometern. Da sollten doch die 961 Kilometer von Füssen nach Flensburg irgendwie zu schaffen sein.
Opel Grandland PHEV
1020 Kilometer liegen vor dem neuen Opel Grandland PHEV.
Bild: Stellantis, Opel Automobile GmbH, Gudrun Muschalla
Und damit es noch ein bisschen spannender wird, damit am Ende vier Stellen auf dem Tageskilometer stehen und weil es einfach besser klingt, fangen wir sogar in Garmisch an.
Als der Grandland morgens um fünf mit einem Tank voll bis zum Stehkragen, nach einer Nacht am 11-kW-Lader mit 100 Prozent State of Charge und bis zum empfohlenen Maximaldruck aufgepumpten Leichtlaufreifen aus der Tiefgarage rollt, zeigt das Navi über Füssen nach Flensburg 1020 Kilometer. Erwartete Fahrzeit: 9 Stunden, 32 Minuten.
Das könnte knapp werden. Denn erstens liegt die berechnete Reichweite nach der flotten Hinfahrt noch bei deutlich unter 900 Kilometern, und bis mittags um halb drei werden wir es wohl auch nicht schaffen. Und selbst wenn Batterie und Benzintank groß genug sein sollten, könnte es zumindest für die Blase knapp werden bei so einem Marathon.
Natürlich verbietet sich bei diesem Experiment die übliche Raserei von selbst. Und dass der PHEV mit seinen zusammen 195 PS in 7,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt, werden wir genauso wenig genießen können wie die 220 km/h Spitzengeschwindigkeit, die ihn für eilige Zeitgenossen so viel attraktiver macht als die auf Tempo 170 limitierte E-Version.

Immer brav unterm Tempolimit

Aber es soll auch keine verkniffene Sparfahrt werden, bei der wir uns im Allgäu hinter einen Laster hängen und erst kurz vor dem Elbtunnel wieder ausscheren. Sondern auf dem kurzen Stück Landstraße natürlich immer brav unter dem Limit und danach – genau, wie wir es vom E-Auto gewohnt sind – lässig auf der mittleren Spur rollt der Grandland mit 110, 120 und bisweilen auch mal 130 Sachen gen Norden.
Opel Grandland PHEV
Lässig rollt der Grandland mit 110, 120 und bisweilen auch mal 130 Sachen gen Norden.
Bild: Stellantis, Opel Automobile GmbH, Gudrun Muschalla
Zwar fasst der Pufferakku 17,9 kWh und reicht laut Norm für 87 Kilometer. Aber so ganz große Sprünge sind damit nicht drin. Sondern schon deutlich vor Ulm ist die elektrische Reichweite aufgezehrt, der Bordcomputer zeigt eine grüne Null, und bis Flensburg fehlen uns rechnerisch noch 80 Kilometer.

E-Maschine sammelt Reichweite beim Rollen

Doch ist die E-Maschine eben nicht nur ein Motor für gewissen Stunden, äh: Strecken, sondern ein dauerhafter Appetitzügler. Denn jedes Mal, wenn man den Grandland rollen lässt oder wenn es irgendwo bergab geht, rekuperiert die E-Maschine, wird zum Generator, gewinnt die Bremsenergie zurück und sammelt so immer wieder ein paar Kilometer Reichweite ein.
Schon beim Kreuz Ellwangen haben wir deshalb über 100 Kilometer ohne CO2-Ausstoß geschafft, und so langsam nähern sich Entfernung und Reichweite an. Kurz vor Würzburg ist der Grandland sogar im Plus, und der Puls des Fahrers geht zum ersten Mal merklich nach unten.
Wenn da nur nicht die Röhn wären, das Fuldatal und die Kasseler Berge. Denn im ewigen Auf und Ab der deutschen Mitte zehrt der Grandland die Reserve schnell wieder auf. Das Reisetempo ist zwar knapp dreistellig und damit für so eine Sparfahrt völlig in Ordnung, doch kurz vor Göttingen sind wir wieder im Minus. Vielleicht war der Reservekanister im Kofferraum doch keine ganz so schlechte Idee?
Opel Grandland PHEV
Die E-Maschine ist nicht nur ein Motor für gewissen Strecken, sondern ein dauerhafter Appetitzügler.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Aber so viel Reichweite die Hügel auch gekostet haben mögen: Deutschland ist nach Norden hin ja dankenswerterweise ziemlich flach. Weil der Harz rechts liegen bleibt, sind es eigentlich nur noch die Ausfahrt aus dem Elbtunnel und die Hochbrücke von Rendsburg, auf denen der Opel ein paar Höhenmeter macht. Und auch wenn die Statistik gegen uns spricht, gibt es außer einer kleinen Knubbelei vor dem Tunnel auch keinen Stau.
Deshalb ist der Grandland seit Hannover wieder leicht im Plus. Als zum ersten Mal ein Flensburg-Schild auftaucht und der Saldo stimmt, keimt die Idee eines kleinen Abstechers auf: Wenn wir im Süden schon einen Schlenker durch Österreich gefahren sind, könnte es doch vielleicht auch noch für einen kurzen Umweg durch Dänemark reichen, damit wir Deutschlands längste Autobahn auch wirklich von Grenze zu Grenze bis auf den letzten Zentimeter ausgefahren haben.

Die Tank-Warnleuchte wird ignoriert

Und wie das so ist mit solchen Schnapsideen, manifestiert sich dieser Gedanke immer stärker und lässt sich auch nicht von der Tank-Warnleuchte vertreiben, die kurz hinter Schleswig die Endlichkeit dieses Trips in Erinnerung ruft. Ausfahrt "Tarp" – wird ignoriert. "Flensburg" – fahren wir vorbei. "Flensburg/Harrislee" – vergesst es. Jetzt wollen wir es wissen, bleiben auf der A7 und sagen schnell noch "God Dag" zum dänischen Zöllner, bevor wir in Padborg drehen und immer noch mit dem Sprit aus Garmisch zum Fotofinish im Sonnenuntergang an die Förde fahren.
Opel Grandland PHEV
Mit Autos wie dem Grandland PHEV beweist Opel, dass es für Marathon-Distanzen keine teure Hightech braucht.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Als der Grandland dort nach 11 Stunden, 12 Minuten und 1034 Kilometern mit einer vom Feierabendverkehr in Flensburg auf 85 km/h gedrückten Durchschnittsgeschwindigkeit, einem Mittel von 4,7 Litern und 202 "grünen" Kilometern am Kai ausrollt, zeigt der Bordcomputer noch immer eine Restreichweite von 30 Kilometern. Es würde sogar noch für ein kleines Stück des Rückwegs reichen. Doch irgendwann ist auch mal gut – und die Blase fordert ihren Tribut.
Na also, es geht doch. Natürlich müssen sich die Ingenieure genau wie der Fahrer ein bisschen mehr anstrengen, seitdem der Diesel geächtet ist. Aber mit Autos wie dem Grandland PHEV beweist Opel, dass es für Marathon-Distanzen keine teure Hightech braucht und keinen China-Import. So kann die Fahrt in die großen Ferien kommen. Und vorher gehen bitte noch mal alle aufs Klo!