Hühnchen süß-sauer ist ein typisches China-Gericht. Der Reiz besteht in den für uns ungewohnten geschmacklichen Gegensätzen. Sehr ähnlich ging es uns im Test mit dem Ora Funky Cat, einem brandneuen chinesischen Auto, das insgesamt einen zwiespältigen Eindruck hinterließ.
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* Die durchschnittliche Ersparnis berechnet sich im Vergleich zur unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers aus allen auf carwow errechneten Konfigurationen zwischen Juni und November 2023. Sie ist ein Durchschnittswert aller angebotenen Modelle und variiert je nach Hersteller, Modell und Händler.
Der Reihe nach: Ora gehört zu Great Wall Motor (GWM), das wiederum ist keines dieser aktuellen Start-ups wie Aiways oder Nio, sondern ein großer Autobauer. Privat, nicht staatlich – Jahresproduktion knapp über eine Million Fahrzeuge. Zum Konzern gehören Marken wie GWM, Wey, Tank und eben Ora. Ach ja, und GWM baut gemeinsam mit BMW die Elektro-Versionen des nächsten Mini in China. Technisch haben Mini und Funky Cat aber nichts miteinander zu tun.
Hübsch gezeichnet: Im Funky Cat finden wir ein wenig Fiat 500, Mini und VW New Beetle. Das Design kaschiert die wahre Größe.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Funky Cat mit putzigem Design
Mit der "flippigen Katze" geht es jetzt bei uns los. Das Design ist eine lockere Mischung aus Elementen von Mini, Fiat 500 und New Beetle, rundlich und mit süßen Kulleraugen. Wobei das putzige Kleinwagen-Design die wahre Größe kaschiert, der Funky Cat hat mit 4,25 Meter Länge eher Kompaktauto-Format.
Materialauswahl und Verarbeitung überraschen
Das Platzangebot ist vorn noch okay, hinten geräumig. Doch die Sitze fallen viel zu klein aus, erweisen sich auch als zu hart gepolstert. Einmal mehr bei einem China-Auto überraschen die gute Verarbeitungsqualität und gelungene Materialauswahl. Die Grafiken der beiden 10,25-Zoll-Displays gehen in Ordnung, doch Schrift und Icons sind zu klein und die Menüs sehr verschachtelt.
Überraschend gut: Im Ora Funky Cat stimmen Verarbeitung und Materialauswahl. Zumindest in der getesteten GT-Ausstattung.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Der Sprachbedienung kann man Namen geben, unsere hieß Charly. Sie reagiert bei Fahrzeugfunktionen zuverlässig, hat aber Probleme mit dem Navi. Etwa auf die konkrete Zieleingabe "Hamburg, Kaiser-Wilhelm-Straße 22" (dem Redaktionssitz) bekamen wir nicht die exakte Route vorgeschlagen, sondern Sonderziele in der Nähe, etwa "Wax in the City" und "Rechtsanwälte Klawitter". Da wollten wir nicht hin.
Fahrzeugdaten
Fahrzeugdaten
Modell
Ora Funky Cat GT (63 kWh)
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Einbaulage
vorn
Spitzenleistung
126 kW (171 PS)
Dauerleistung
60 kW (82 PS)
max. Drehmoment
250 Nm
Vmax
160 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
215/50 R 18 V
Reifentyp
Continental EcoContact 6
Radgröße
7 x 18"
Reichweite*
400 km
Verbrauch*
16,8 kWh/100 km
Batterieart
Ternäre Lithiumbatterie
Batteriekapazität brutto/netto
63,1/59,3 kWh
Ladeleistung AC/DC
bis 11/67 kW
Ladezeit (DC-Ladung)
48 Minuten (15–80 %)
Ladeanschluss
vorn links (Kotflügel)
Vorbeifahrgeräusch
64 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
–/–
Stützlast
–
Kofferraumvolumen
228–858 l
Länge/Breite/Höhe
4254/1848–2020**/1603 mm
Radstand
2650 mm
Grundpreis (vor Förderung)
44.490 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
49.490 Euro
Der GT ist die Topversion des Funky Cat, kommt mit 59,3 kWh (netto) großem Akku (Das müssen Sie über E-Auto-Batterien wissen) und einem E-Motor vorn mit 171 PS. Der Testwagen brachte für ein E-Auto schlanke 1,6 Tonnen auf die Waage, schaffte den Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,0 Sekunden, die Spitze liegt bei 160 km/h. Er beschleunigt zügig, aber wirklich nicht übertrieben hastig.
Fehlende Feinabstimmung: Die Fahrassistenten greifen grob und ruppig ins Geschehen ein, produzieren ständig irgendwelche Warntöne.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Die Dosierbarkeit geht in Ordnung, das One-Pedal-Drive muss im Menü eingestellt werden, funktioniert ganz gut. Doch Augen auf im Funky-Verkehr, beim Fahrmodus-Wechsel stellt es sich unaufgefordert wieder aus. Der Ora fährt sich sicher, mit seiner leichtgängigen, synthetischen Lenkung aber leicht verschlafen – eher Slow Cat. Er verfügt über einen ordentlichen Grundkomfort, bleibt auf langen Wellen gelassen, neigt aber etwa auf kurz nacheinander folgenden Fugen zum Trampeln.
Messwerte
Messwerte
Modell
Ora Funky Cat GT (63 kWh)
Beschleunigung
0–50 km/h
3,2 s
0–100 km/h
8,0 s
0–130 km/h
13,8 s
0–160 km/h
23,8 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,1 s
80–120 km/h
5,9 s
Leergewicht/Zuladung
1586/384 kg
Gewichtsverteilung v./h.
56/44 %
Wendekreis links/rechts
11,7/11,5 m
Sitzhöhe
595 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
37,6 m
aus 100 km/h warm
38,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A)
bei 100 km/h
64 dB(A)
bei 130 km/h
67 d(A)
bei 160 km/h
72 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
14,1 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe)
22,5 kWh/100 km (+34 %)
Sportverbrauch
29,5 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite
304 km
Was wirklich nervt, ist die fehlende Feinabstimmung der Fahr-Assis. Egal ob Spurhalteassistent oder Tempomat: Die Systeme produzieren ständig irgendwelche Warntöne, regeln grob und ruppig. Und dann ist da ja noch die Kamera-Überwachung, die den Fahrer mit ständigen Anweisungen belästigt: "Sie überschreiten das Tempolimit", "Seien Sie nicht geistesabwesend". Wie bitte?
Grundpreis liegt bei fast 50.000 Euro
Der Verbrauch liegt relativ hoch, im Test kam der Funky Cat 304 Kilometer weit (Die E-Autos mit der größten Reichweite) – nicht so toll für ein nagelneues Auto. Genau wie der Preis. Der Ora Funky Cat GT steht ab 49.490 Euro in der Liste. Das ist, gerade im Umfeld, viel zu viel. So bleibt am Ende tatsächlich ein zwiespältiger Eindruck, süß-sauer eben.
Wertung
Wertung
Modell
Ora Funky Cat GT (63 kWh)
Karosserie
Platz vorn geht so, im Fond ordentlich. Gute Verarbeitung. Kofferraum mit sehr hoher Ladekante.
3/5 Punkten
Antrieb
Fahrleistungen okay, gute Dosierbarkeit. Verbrauch relativ hoch, nur 67 kW DC-Ladeleistung.
Gar nicht unsympathisch, der Ora: flottes Design, gute Qualität, anständiger Antrieb. Doch die nervigen Sicherheits-Assis, der recht hohe Verbrauch, die geringe Ladeleistung und der hohe Preis trüben das Bild. AUTO BILD-Testnote: 3
Ora Funky Cat im ersten Test
1/15
Frisches aus der Spezialitäten-Küche: Der Ora Funky Cat GT ist ein neues E-Auto aus China. AUTO BILD bittet den Elektro-Kleinwagen zum ersten Test.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
2/15
Das Design ist eine lockere Mischung aus Elementen von Mini, Fiat 500 und New Beetle, rundlich und mit süßen Kulleraugen. Wobei das putzige Kleinwagen-Design ...
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
3/15
... die wahre Größe kaschiert, der Funky Cat hat mit 4,25 Meter Länge eher Kompaktauto-Format.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
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Das Platzangebot ist hinten geräumig, ...
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
5/15
... vorn noch okay. Doch die Sitze fallen viel zu klein aus, erweisen sich auch als zu hart gepolstert. Zudem bieten sie kaum Seitenhalt, die Neigung ist nicht einstellbar.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
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Einmal mehr bei einem China-Auto überraschen die gute Verarbeitungsqualität und gelungene Materialauswahl. Die Grafiken der beiden 10,25-Zoll-Displays gehen in Ordnung, ...
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
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... doch Schrift und Icons sind zu klein und die Menüs sehr verschachtelt. Der Sprachbedienung kann man Namen geben, unsere hieß Charly. Sie reagiert bei Fahrzeugfunktionen zuverlässig, hat aber Probleme mit dem Navi.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
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Der GT ist die Topversion des Funky Cat, kommt mit 59,3 kWh (netto) großem Akku und einem E-Motor vorn mit 171 PS. Der Testwagen brachte für ein E-Auto schlanke 1,6 Tonnen auf die Waage, ...
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
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... schaffte den Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,0 Sekunden, die Spitze liegt bei 160 km/h. Er beschleunigt zügig, aber wirklich nicht übertrieben hastig.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
10/15
Die Dosierbarkeit geht in Ordnung, das One-Pedal-Drive muss im Menü eingestellt werden, funktioniert ganz gut. Doch Augen auf im Funky-Verkehr, beim Fahrmodus-Wechsel stellt es sich unaufgefordert wieder aus.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
11/15
Der Ora fährt sich sicher, mit seiner leichtgängigen, synthetischen Lenkung aber leicht verschlafen – eher Slow Cat. Er verfügt über einen ordentlichen Grundkomfort, bleibt auf langen Wellen gelassen, neigt aber etwa auf kurz nacheinander folgenden Fugen zum Trampeln.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
12/15
Was wirklich nervt, ist die fehlende Feinabstimmung der Fahr-Assis. Egal ob Spurhalteassistent oder Tempomat: Die Systeme produzieren ständig irgendwelche Warntöne, regeln grob und ruppig. Und dann ist da noch die Kamera-Überwachung, die den Fahrer mit ständigen Anweisungen belästigt.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
13/15
Der Akku fasst 59,3 kWh (netto). Geladen werden kann mit maximal 11 kW Wechselstrom und 67 kW Gleichstrom. Der Verbrauch liegt relativ hoch, im Test kam der Funky Cat 304 Kilometer weit – nicht so toll für ein nagelneues Auto.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
14/15
Genau wie der Preis. Der Ora Funky Cat GT steht ab 49.490 Euro in der Liste. Das ist, gerade im Umfeld, viel zu viel.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
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Das Fazit: Gar nicht unsympathisch, der Ora: flottes Design, gute Qualität, anständiger Antrieb. Doch die nervigen Sicherheits-Assis, der recht hohe Verbrauch, die geringe Ladeleistung und der hohe Preis trüben das Bild. AUTO BILD-Testnote: 3