Hühnchen süß-sauer ist ein typisches China-Gericht. Der Reiz besteht in den für uns ungewohnten geschmacklichen Gegensätzen. Sehr ähnlich ging es uns im Test mit dem Ora Funky Cat, einem brandneuen chinesischen Auto, das insgesamt einen zwiespältigen Eindruck hinterließ.
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Der Reihe nach: Ora gehört zu Great Wall Motor (GWM), das wiederum ist keines dieser aktuellen Start-ups wie Aiways oder Nio, sondern ein großer Autobauer. Privat, nicht staatlich – Jahresproduktion knapp über eine Million Fahrzeuge. Zum Konzern gehören Marken wie GWM, Wey, Tank und eben Ora. Ach ja, und GWM baut gemeinsam mit BMW die Elektro-Versionen des nächsten Mini in China. Technisch haben Mini und Funky Cat aber nichts miteinander zu tun.
Ora Funky Cat (63 kWh)
Hübsch gezeichnet: Im Funky Cat finden wir ein wenig Fiat 500, Mini und VW New Beetle. Das Design kaschiert die wahre Größe.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Funky Cat mit putzigem Design

Mit der "flippigen Katze" geht es jetzt bei uns los. Das Design ist eine lockere Mischung aus Elementen von Mini, Fiat 500 und New Beetle, rundlich und mit süßen Kulleraugen. Wobei das putzige Kleinwagen-Design die wahre Größe kaschiert, der Funky Cat hat mit 4,25 Meter Länge eher Kompaktauto-Format.

Materialauswahl und Verarbeitung überraschen

Das Platzangebot ist vorn noch okay, hinten geräumig. Doch die Sitze fallen viel zu klein aus, erweisen sich auch als zu hart gepolstert. Einmal mehr bei einem China-Auto überraschen die gute Verarbeitungsqualität und gelungene Materialauswahl. Die Grafiken der beiden 10,25-Zoll-Displays gehen in Ordnung, doch Schrift und Icons sind zu klein und die Menüs sehr verschachtelt.
Ora Funky Cat (63 kWh)
Überraschend gut: Im Ora Funky Cat stimmen Verarbeitung und Materialauswahl. Zumindest in der getesteten GT-Ausstattung.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Der Sprachbedienung kann man Namen geben, unsere hieß Charly. Sie reagiert bei Fahrzeugfunktionen zuverlässig, hat aber Probleme mit dem Navi. Etwa auf die konkrete Zieleingabe "Hamburg, Kaiser-Wilhelm-Straße 22" (dem Redaktionssitz) bekamen wir nicht die exakte Route vorgeschlagen, sondern Sonderziele in der Nähe, etwa "Wax in the City" und "Rechtsanwälte Klawitter". Da wollten wir nicht hin.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart 
Synchronelektromotor 
Einbaulage 
vorn 
Spitzenleistung 
126 kW (171 PS) 
Dauerleistung 
60 kW (82 PS) 
max. Drehmoment 
250 Nm 
Vmax
160 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
215/50 R 18 V 
Reifentyp 
Continental EcoContact 6 
Radgröße 
7 x 18" 
Reichweite* 
400 km 
Verbrauch* 
16,8 kWh/100 km 
Batterieart 
Ternäre Lithiumbatterie 
Batteriekapazität brutto/netto 
63,1/59,3 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
bis 11/67 kW 
Ladezeit (DC-Ladung) 
48 Minuten (15–80 %) 
Ladeanschluss 
vorn links (Kotflügel) 
Vorbeifahrgeräusch 
64 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
–/– 
Stützlast 
– 
Kofferraumvolumen 
228–858 l 
Länge/Breite/Höhe 
4254/1848–2020**/1603 mm 
Radstand 
2650 mm 
Grundpreis (vor Förderung)
44.490 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
49.490 Euro
Der GT ist die Topversion des Funky Cat, kommt mit 59,3 kWh (netto) großem Akku (Das müssen Sie über E-Auto-Batterien wissen) und einem E-Motor vorn mit 171 PS. Der Testwagen brachte für ein E-Auto schlanke 1,6 Tonnen auf die Waage, schaffte den Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,0 Sekunden, die Spitze liegt bei 160 km/h. Er beschleunigt zügig, aber wirklich nicht übertrieben hastig.

Ora Funky Cat (63 kWh)
Fehlende Feinabstimmung: Die Fahrassistenten greifen grob und ruppig ins Geschehen ein, produzieren ständig irgendwelche Warntöne.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Die Dosierbarkeit geht in Ordnung, das One-Pedal-Drive muss im Menü eingestellt werden, funktioniert ganz gut. Doch Augen auf im Funky-Verkehr, beim Fahrmodus-Wechsel stellt es sich unaufgefordert wieder aus. Der Ora fährt sich sicher, mit seiner leichtgängigen, synthetischen Lenkung aber leicht verschlafen – eher Slow Cat. Er verfügt über einen ordentlichen Grundkomfort, bleibt auf langen Wellen gelassen, neigt aber etwa auf kurz nacheinander folgenden Fugen zum Trampeln.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,2 s 
0–100 km/h 
8,0 s 
0–130 km/h 
13,8 s 
0–160 km/h 
23,8 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,1 s 
80–120 km/h 
5,9 s 
Leergewicht/Zuladung 
1586/384 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
56/44 % 
Wendekreis links/rechts 
11,7/11,5 m 
Sitzhöhe 
595 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
37,6 m 
aus 100 km/h warm 
38,2 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A)
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
bei 130 km/h
67 d(A)
bei 160 km/h
72 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
14,1 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
22,5 kWh/100 km
(+34 %)
Sportverbrauch 
29,5 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
Reichweite 
304 km 
Was wirklich nervt, ist die fehlende Feinabstimmung der Fahr-Assis. Egal ob Spurhalteassistent oder Tempomat: Die Systeme produzieren ständig irgendwelche Warntöne, regeln grob und ruppig. Und dann ist da ja noch die Kamera-Überwachung, die den Fahrer mit ständigen Anweisungen belästigt: "Sie überschreiten das Tempolimit", "Seien Sie nicht geistesabwesend". Wie bitte?

Grundpreis liegt bei fast 50.000 Euro

Der Verbrauch liegt relativ hoch, im Test kam der Funky Cat 304 Kilometer weit (Die E-Autos mit der größten Reichweite) – nicht so toll für ein nagelneues Auto. Genau wie der Preis. Der Ora Funky Cat GT steht ab 49.490 Euro in der Liste. Das ist, gerade im Umfeld, viel zu viel. So bleibt am Ende tatsächlich ein zwiespältiger Eindruck, süß-sauer eben.

Wertung

Wertung
Karosserie
Platz vorn geht so, im Fond ordentlich. Gute Verarbeitung. Kofferraum mit sehr hoher Ladekante.
3/5 Punkten
Antrieb
Fahrleistungen okay, gute Dosierbarkeit. Verbrauch relativ hoch, nur 67 kW DC-Ladeleistung.
3/5 Punkten
Fahrdynamik
Fährt sicher, stabiler Geradeauslauf. Leichtgängige, synthetische Lenkung. Schwache Bremsen.
3/5 Punkten
Connected Car
Kein Apple CarPlay, kein Android Auto. Sprachsteuerung der Fahrzeugfunktionen gut, Navi kaum.
2,5/5 Punkten
Umwelt
Für ein E-Auto noch niedriges Gewicht, kompakte Maße. Rekuperationin drei Stufen einstellbar.
4/5 Punkten
Komfort
Kleine, harte Sitze. Federung ordentlich, leise. Komplette Ausstattung. Bedienung mit Schwächen.
3,5/5 Punkten
Kosten
Sehr hoher Preis für GT-Ausstattung. Ungewisser Wiederverkauf. Wartung alle zwei Jahre.
1,5/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
3

Fazit

Gar nicht unsympathisch, der Ora: flottes Design, gute Qualität, anständiger Antrieb. Doch die nervigen Sicherheits-Assis, der recht hohe Verbrauch, die geringe Ladeleistung und der hohe Preis trüben das Bild. AUTO BILD-Testnote: 3