Pagani Huayra Roadster BC: Fahrbericht

Pagani Huayra Roadster BC: Fahrbericht

Pagani Huayra Roadster BC (2020): Test, Preis, Motor

Testfahrt im über 3,2 Millionen Euro teuren Pagani Huayra Roadster BC

Der Pagani Huayra Roadster BC ist ein automobiles Kunstwerk mit über 800 PS und 1100 Nm Drehmoment. AUTO BILD durfte ihn als weltweit erstes Medium fahren!
Das Warten hat ein Ende! Im Juni 2019 hatte Pagani mir den Huayra Roadster BC vor der offiziellen Präsentation in Pebble Beach gezeigt. Genau 432 Tage, nachdem ich das Auto zum ersten Mal gesehen habe, darf ich den auf 40 Exemplare limitierten Huayra Roadster BC als erster Journalist weltweit fahren!
• letzte Ausbaustufe des Pagani Huayra
• auf 40 Exemplare limitiert
• 6,0-Liter-V12-Biturbo von AMG (Pagani V12)
• Leistung: über 800 PS und 1100 Nm
• Topspeed: 350 km/h
• 1250 Kilo Leergewicht
• Preis: 3,2 Millionen Euro netto 
• ausverkauft
Doch von vorne: Der Huayra ist, nach dem jetzt schon legendären Zonda, das zweite Modell des italienischen Kleinserienherstellers, der seine Autos im Örtchen San Cesario Sul Panaro in liebevoller Handarbeit fertigt. Nach 100 Huayra Coupé, 20 Huayra BC, weiteren 100 Huayra Roadster und nur fünf Huayra Imola ist der neue Roadster BC das letzte Hurra für den seit 2011 gebauten Huayra. Ende 2022 kommt das neue Modell!
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Schon bei meinem letzten Besuch verriet mir Firmengründer Horacio Pagani, dass ursprünglich kein Huayra Roadster BC geplant war, da sich das Team schon voll in der Entwicklung des intern C10 genannten Nachfolgers befand. Dass dieses Sondermodell nun doch existiert, ist einigen hartnäckigen Kunden zu verdanken, die kurzerhand Blanko-Überweisungen mit dem Betreff "Roadster BC" tätigten. So läuft das im Hypercar-Business!

Über vier Jahre Entwicklungszeit

Auf dem Bild nicht zu erkennen: Der Roadster BC hat sechs Auspuffrohre. Zwei verstecken sich im Diffusor. 

Also machte sich das inzwischen 170-köpfige Team an die Arbeit. Die Entwicklung des Roadster BC begann 2015 und dauerte volle vier Jahre, was zeigt, wie viel Feinschliff in diesem Fahrzeug steckt. Horacio Pagani erklärt, dass rund die Hälfte der Entwicklungszeit in Design und Technik investiert wurde und die andere Hälfte in Detailarbeit floss. Seine Lieblingsthemen sind Aerodynamik und Gewichtsersparnis. Spricht man ihn darauf an, kommt der immer fein gekleidete Argentinier mit der rahmenlosen Brille in Redefluss und erzählt ausführlich und detailverliebt von jeder einzelnen Maßnahme. Auf Italienisch wohlgemerkt, das Übersetzen übernehmen wahlweise Sohn Christopher oder Pressesprecherin Giulia. Mit jedem Wort merke ich, wie viel Herzblut in diesem Fahrzeug steckt, und dass der Roadster BC viel mehr ist als ein Huayra BC ohne Dach. Motor, Fahrwerk, Aerodynamik, Reifen, Design – alles ist neu!
Nach so vielen Informationen geht es endlich los: Ich darf hinters Steuer des Pagani Huayra Roadster BC und bin mächtig aufgeregt. Bei dem Fahrzeug handelt es sich um exakt das Auto, das ich im Juni 2019 bestaunt habe und das seitdem einmal um die Welt geflogen wurde, um es den Kunden auf verschiedenen Veranstaltungen zu präsentieren. Einsteigen ist kein Problem: Anders als das Coupé hat der Roadster BC konventionelle Türen. Das leichte Carbondach brauchen wir bei über 30 Grad natürlich nicht. Es ist mit wenigen Handgriffen demontiert. Einziges Problem: Es lässt sich nirgendwo im Auto verstauen.

Pagani Huayra Roadster BC: Fahrbericht

Die ersten Meter im Huayra Roadster BC

Das Raumgefühl ist im ersten Moment etwas beengter als im Zonda, doch ich finde schnell eine passende Sitzposition. Mit 1,83 Metern laufe ich zudem keine Gefahr, dass mir der Fahrtwind eine neue Fönfrisur verpasst. Ab 1,90 Metern Körperlänge dürfte es aber schon eng werden im Cockpit. Jetzt kommt der Moment der Wahrheit: Ich starte den Sechsliter-V12-Biturbo ehrfürchtig. So sehr ich mich auf diesen Moment gefreut habe, so aufgeregt bin ich. Immerhin hat der nur 1250 Kilo leichte Huayra Roadster BC über 800 PS und 1100 Nm Drehmoment, die ausschließlich über die Hinterräder herfallen. Den Stückpreis von 3,2 Millionen Euro netto versuche ich auszublenden. Hinzu kommt, dass es sich auch bei diesem Vorserienfahrzeug um ein bereits verkauftes Kundenauto handelt. Der Druck könnte also nicht größer sein! Doch Testfahrer Matteo auf dem Beifahrersitz beruhigt mich: In perfektem Englisch/Italienisch-Mix erklärt er, dass ein Großteil der Pagani-Kunden eher Gentlemen Driver und keine Rennfahrer sind, und dass der Huayra Roadster BC in erster Linie auf ein sicheres Fahrverhalten abgestimmt wurde. Das Auto ist wirklich leicht zu fahren, gibt er mir zu verstehen. 

Topspeed: 350 km/h

Die filigranen Analog-Instrumente sind nur schwer ablesbar. Der Tacho reicht bis 415 km/h.

Vor der Abfahrt fällt mein Blick auf die digitale Anzeige zwischen analogem Drehzahlmesser und Tacho. Dort steht: "Vmax 320 km/h". Das ist allerdings nicht die maximal mögliche Geschwindigkeit (die beträgt nämlich abgeregelte 350 km/h), sondern der Höchstwert von der letzten Testfahrt. Ganz so schnell wird es heute nicht. Nur ein paar Kilometer später passiert etwas Unerwartetes: Auf der Landstraße kommt mir plötzlich das Einzelstück Pagani Zonda Absolute entgegen, und das, während ich selbst in einem Pagani sitze! Der Testfahrer macht Lichthupe und winkt, ich grüße äußerlich entspannt zurück – während innerlich der Carspotter in mir durchkommt und ich am liebsten direkt umdrehen würde, um ein paar Bilder vom Zonda Absolute zu machen. Definitiv ein Moment, den ich nie vergessen werde!
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Mit jedem gefahrenen Kilometer wächst mein Vertrauen in das Auto, und ich bin weniger angespannt. Matteo scheint recht zu haben: Der Huayra Roadster BC ist tatsächlich sehr sicher abgestimmt. Oder zumindest so sicher abgestimmt, wie ein Auto mit über 800 PS und Hinterradantrieb eben sein kann. Mit ein wenig Übermut kann das schnell böse enden, weshalb ich ich den Fahrmodus "ESC off" heute lieber unangetastet lasse. Stattdessen konzentriere ich mich auf die ersten Eindrücke: Der Fußraum mit den stehenden Pedalen ist durch das Carbon-Monocoque sehr eng, und die Lenkung wirkt bei niedrigem Tempo schwergängig. Im ersten Moment könnte man denken, dass der Huayra Roadster BC keine Servo-Unterstützung hat, doch die funktioniert im Gegensatz zu den meisten modernen Autos hydraulisch und nicht elektrisch. 

Das niedrige Gewicht macht den Unterschied

Das Einlenkverhalten des nur 1250 Kilo leichten Pagani Huayra Roadster BC ist punktgenau.

Ortswechsel: Von der Autostrada geht es auf den nicht nur bei Motorradfahrern beliebten Passo della Raticosa. Im "Sport"-Modus besticht der 4,61 Meter lange Roadster BC mit punktgenauem Einlenkverhalten und grandiosem Grip. Bei steigender Geschwindigkeit beginnt die hydraulische Lenkung zu glänzen und lässt mich den 3,2 Millionen Euro teuren Pagani perfekt platzieren – trotz nicht annähernd auf Temperatur gebrachter Pirelli Semislicks. Neben dem Einlenkverhalten überzeugt mich vor allem das neu entwickelte Fahrwerk. Erstmals setzt Pagani auf adaptive Dämpfer, die sich an den jeweils gewählten Fahrmodus anpassen. Zudem haben die Ingenieure viel Feinarbeit in das Bremsverhalten investiert: Um starkes Eintauchen zu verhindern, wird die Front über die elektronisch gesteuerten Dämpfer während des Bremsvorgangs leicht angehoben, um Gewicht von der Vorderachse zu nehmen. 

Komplett neuer Motor von Mercedes-AMG

Fünf Fahrmodi stehen zur Wahl. Im "Race"-Modus ist der Huayra noch lauter!

Bei über 800 PS und 1100 Nm muss ich mich am Gas etwas zügeln, denn das maximale Drehmoment des von Mercedes-AMG gefertigten M 158 Evo liegt schon bei niedrigen 2000 U/min an. Der Motor ist eine komplette Neuentwicklung und darf erstmals den Pagani-Schriftzug tragen. Der V12-Biturbo mit sechs Litern Hubraum hat im Roadster BC vier Ladeluftkühler, zwei Drosselklappen und größere Turbos. Zudem hat mir Horacio Pagani verraten, dass der neue Motor in anderer Form auch im intern C10 getauften Nachfolger zu finden sein wird. Für die italienischen Passstraßen ist der Huayra Roadster BC fast schon zu schnell. Das Drehmoment ist gewaltig, das Ansprechverhalten nicht unbedingt turbo-typisch – denn der Schub bleibt von 2000 bis etwa 5600 Touren konstant brutal. Da ist es nicht verkehrt, dass die Skalierung im Analog-Tacho bis 415 km/h so klein ist, dass ich sie schon im Stand nur schwer lesen kann.

1000 PS wären machbar

Ich erinnere mich, dass Horacio Pagani mir wenige Stunden zuvor erklärt hat, dass auch ein Auto mit 1000 PS kein Problem wäre, die Fahrbarkeit jedoch darunter leiden würde. Jetzt verstehe ich ganz genau, was er meint. Nachdem ich den Roadster BC in Aktion erlebt habe, kann ich ruhigen Gewissens sagen: Dieses Auto braucht definitiv nicht noch mehr Leistung! Trotz reinem Hinterradantrieb beschleunigt der nur 1250 Kilo schwere Huayra Roadster BC wie von einem anderen Stern. Der Vortrieb wird dabei nur von den knallharten Schaltvorgängen unterbrochen. Entgegen dem Trend zum perfekten Doppelkupplungsgetriebe setzt Pagani weiterhin auf ein sequenzielles Getriebe vom Zulieferer Xtrac. Der Grund: Gewichtsersparnis! 

Bewusste Entscheidung gegen ein Doppelkupplungsgetriebe

Horacio Pagani ist geradezu besessen davon, jedes überflüssige Kilo einzusparen. Im Vergleich zum Huayra BC wurde die Kupplung komplett neu entwickelt und wiegt statt ehemals zehn jetzt nur noch sechs Kilo. Gleichzeitig konnten die Schaltzeiten um 30 Prozent verbessert werden. Oder anders ausgedrückt: Der Huayra Roadster BC schaltet mit einer Vehemenz, die am ehesten noch an das SMG III aus dem BMW M5/M6 erinnert. Natürlich wäre ein Doppelkupplungsgetriebe noch schneller und würde deutlich geschliffener schalten, doch es würde auch mehr wiegen. Dass das sequenzielle Getriebe durch massive Nackenschläge bei jedem Gangwechsel zum Gesamtspektakel beiträgt, ist zudem ein willkommener Nebeneffekt. Langeweile kommt im Huayra Roadster BC definitiv nicht auf!
Auch nicht beim Sound. Als ausgewiesener Saugmotoren-Fan bin ich einiges gewohnt, und kein Huayra wird jemals an den göttlichen Sound eines Zonda rankommen. Doch der Roadster BC gibt sein Bestes: Während der V12-Biturbo Passanten hauptsächlich durch laute Fehlzündungen bei der Gaswegnahme begeistert, ist im Innenraum deutlich mehr los. Das Turbogeräusch der zwei Lader ist ein ständiger Begleiter, der nur bei Gaswegnahme von den Wastegates und den gewitterartigen Fehlzündungen übertönt wird. Soundvideos werden den meisten Autos nicht gerecht, und so muss man auch den Huayra Roadster BC live hören!

Huayra Roadster BC knackt Rundenrekord

Unvergessliches Erlebnis: 500 Kilometer hinter dem Steuer des Pagani Huayra Roadster BC!

Nach eineinhalb Tagen und rund 500 Kilometern begeistert mich der Huayra Roadster BC komplett. Am meisten überrascht mich die Erkenntnis, dass sich ein Hypercar mit über 800 PS und Hinterradantrieb vergleichsweise einfach fahren lässt – ohne nur ansatzweise langweilig zu sein. Hier ist jeder einzelne Kilometer ein Erlebnis! Dass der Roadster BC dabei alles andere als langsam ist, dürfte jedem klar sein. Trotzdem wollten die Italiener in der Endphase der Homologation beweisen, wie schnell das Auto wirklich ist. Mit Erfolg: 2:23.08 Minuten braucht der Roadster BC in Spa Francorchamps, das ist der Rundenrekord für weltweit homologierte Straßenfahrzeuge. Jetzt ist die Homologation abgeschlossen, die ersten der 40 Kundenfahrzeuge sind produziert und werden noch in diesem Jahr ausgeliefert.
Fazit von Jan Götze: Insgesamt hat Pagani den Roadster BC über 350.000 Kilometer getestet, davon mehr als 40.000 Kilometer auf der Rennstrecke. Ich durfte in eineinhalb Tagen 500 Kilometer mit dem Huayra Roadster BC verbringen und bin immer noch geflasht. Eine Fahrt, auf die ich gerne 432 Tage gewartet habe – und ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde!

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