Topmodell, Speerspitze, Fahnenträger – wie auch immer der Name, der Porsche 911 Turbo S ist traditionell Chef im Ring. Schnellster Elfer, stärkster 992, Ober-Prestigerenner – und wenn schon Fahne, dann bitte schwarz-weiß kariert.
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911 Turbo S

Porsche 911 Turbo S
Weil: Bei aller Tourentauglichkeit, ein Turbo S kann auch Rundkurs. Genau das hat uns der Neue ganz frisch und ganz eindrucksvoll bewiesen. Im ersten Test des 711 PS starken 992.2 mit T-Hybrid-Technik. T was? Erklären wir gleich.

Auf einen Blick: Zu wem passt der Porsche 911 Turbo S?

  • Für Sportfahrer: Das Spitzenmodell der Elfer-Baureihe ist ein echtes Tracktool – seine Rundenzeiten sprechen eine deutliche Sprache.
  • Für Genießer: So wild der Turbo S ist, man kann ihn auch ganz entspannt fahren. Der Federungskomfort ist erstaunlich gut, die hervorragenden Sitze taugen auch auf der Langstrecke.
  • Für Prestigebewusste: Ein Porsche 911 ist immer auch ein Statement, und das gilt in besonderem Maße für den Baureihenkönig.

Beim Preis gibt sich der 911 Turbo S unbescheiden

Zunächst zum F wie Finanzen: Ein Turbo S gehört traditionell zu den teuersten 911-Modellen – so auch unser Testwagen. Der Grundpreis liegt bei 271.000 Euro, mit Extras wie zum Beispiel Leichtbauverglasung oder Titanendrohren steigt der Testwagenpreis auf über 280.000 Euro. Dazu noch ein Beispiel aus der Reihe ”Braucht man das?”: Allein die Lackierung der Bremssättel in Hochglanzschwarz kostet 820 Euro. Respekt – für ein Schnapsglas voll Farbe. Na gut, am Ende erklärt diese elitäre Preispolitik auch die enorme Prestige-Wucht eines 911 Turbo.
Porsche 911 Turbo S
Teures Fahrvergnügen: Die Preisliste des Porsche 911 Turbo S beginnt bei sportlichen 271.000 Euro. Mit ein paar Extras lässt sich das locker auf über 280.000 Euro steigern.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Gibt's denn auch greifbaren Gegenwert? Unbedingt! Vor allem unter der Motorhaube klimpern Juwelen. Womit wir wieder beim Stichwort T-Hybrid sind. Damit meint Porsche das Herz, das den 3,6 Liter großen Biturbo-Organismus besonders kraftvoll beben lässt. Wo im Vorgänger zwei konventionelle Abgasturbolader zusätzliche Luft in die Brennräume pressten, helfen beim aktuellen Turbo S zwei Elektromotoren, die Verdichter auf Schub zu trimmen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
6-Zylinder-Boxer, Biturbo, Hybrid
Einbaulage
hinten längs
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb
Kette
Hubraum
3591 cm³
Leistung Elektromotor (im Getriebe)
60 kW (82 PS)
Systemleistung
523 kW (711 PS) bei 6500/min
maximales Drehmoment
800 Nm bei 2300-6000/min
Vmax
322 km/h
Getriebe
Achtgang-Doppelkupplung
Antrieb
Allradantrieb
Bremsenzangen vorn/hinten
10-Kolben-/4-Kolben-Festsattel
Bremsscheiben vorn/hinten
420 mm/410 mm (Keramik-Verbund)
Testwagenbereifung
v. 255/35 ZR 20/h. 325/30 ZR 21
Reifentyp
Pirelli P Zero R
Radgröße
v. 9,5 x 20"/h. 12 x 21"
Abgas CO2
262 g/km
Verbrauch*
11,6 l/100 km
Tankinhalt
63 l
Kraftstoffsorte
Super Plus
Partikelfilter
Serie
Vorbeifahrgeräusch
74 dB(A)
Kofferraumvolumen
v. 128 l/h. 373 l
Länge/Breite/Höhe
4551/1900–2033**/1305 mm
Radstand
2450 mm
Grundpreis
271.000 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
272.440 Euro
Gleichzeitig versorgt das 400-Volt-Bordnetz des Elfers eine 82 PS starke E-Maschine im Getriebe. Dazu addieren wir weitere typische 911-Zutaten wie den drehfreudigen Sechszylinder-Boxermotor, ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, variablen Allradantrieb und Torque Vectoring an der Hinterachse. Heißt: Die 800 Newtonmeter Drehmoment kommen nicht nur auf der Straße an, das Kraftpfund entwickelt sich auch sehr spontan und steht über einen breiten Drehzahlbereich hinweg zur Verfügung.
Zart sirrend pumpen die Turbos bei 2300 Touren voll entfaltet los, deftig fauchend rauscht die Prozessluft dann bis fast 6000 Touren mit höchster Dringlichkeit durch die Zylinderköpfe. Gleichzeitig drückt die E-Maschine im PDK schon ab Leerlaufdrehzahl mit reichlich Drehmoment (genauer: 188 Nm) auf die Schwungscheibe.

Die Beschleunigung ist brachial

Wie fühlt sich das nun alles an? Als würden mehrere Fahrzeuge auf einen einzigen Gaspedalbefehl reagieren. Aus dem Stand heraus setzt sich der Turbo S satt und mühelos wie eine Magnetschwebebahn in Bewegung, kommt dann unter Ladedruck so unerbittlich in Fahrt wie eine SpaceX-Rakete und beißt auch oberhalb von 6000 Umdrehungen noch giftig zu, wie es sonst nur reinrassige Supersportwagen schaffen. Eine solche Motor-Bandbreite, gepaart mit aufregend-authentischem Boxer-Klangbild und herausragender Laufkultur haben wir in 40 Jahren AUTO BILD noch nicht erlebt. Chapeau nach Zuffenhausen!
Porsche 911 Turbo S
Allrad-Rakete: Traktionsstark stürmt der 911 Turbo S in 2,4 Sekunden auf Tempo 100. 200 k/h liegen bereits nach sensationellen 7,9 Sekunden an.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Unsere Messzahlen belegen dann auch die Potenz des Sechszylinders in Verbindung mit dem traktionsstark eingestellten Allradantrieb. In 2,4 Sekunden stürmt das Auto auf Tempo 100. Die doppelte Geschwindigkeit ist nach sensationellen 7,9 Sekunden erreicht, und erst bei Tacho 336 hat es sich kurze Zeit später ausgestürmt. Das geht so rasend schnell – wo normale Autos km/h um km/h im Display ausweisen, hopst der Wert im digitalen Tacho des Turbo S beispielsweise von 200 auf 207 auf 212 auf 218 auf 223, und zwar so schnell, wie Sie das hier lesen.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50/80 km/h
1,1/1,8 s
0–100/130 km/h
2,4/3,7 s
0–160-200 km/h
5,3/7,9 s
0–230/250 km/h
10,7/13,0 s
Viertelmeile
0–402 m
10,09 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
1,1 s
80–120 km/h
1,4 s
Rundenzeit
Contidrom
1:25,96 min
Leergewicht/Zuladung
1749/366 kg
Gewichtsverteilung v./h.
37/63 %
Wendekreis links/rechts
10,8/10,8 m
Sitzhöhe
405 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt/warm
29,6/28,8 m
aus 200 km/h warm
115,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
63 dB(A)
bei 100 km/h
69 dB(A)
bei 130 km/h
74 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
11,2 l SP/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
13,4 l SP/100 km 
(+15 %)
Sportverbrauch
16,2 l SP/100 km
CO2 (Testverbrauch)
318 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
470 km
So souverän, wie der Turbo S seine Leistung in Vorwärtsschub transferiert, so unerbittlich und fehlerfrei verleibt er sich Kurven, Richtungswechsel oder auch Ausweichmanöver ein. Frei von Seitenneigung (dafür sorgen elektrohydraulisch auf Habacht getrimmte Stabilisatoren), unerbittlich geführt (dafür sorgen Adaptivdämpfer, perfekt mitfühlende Elastokinematik und stramme Aggregatelagerung) und sauber Kurs ändernd (dafür sorgen Hinterachslenkung und variable Übersetzung vorn) folgt der Elfer den Fahrerbefehlen.

Viel Fahrtalent auf dem Rundkurs

Gleichzeitig klebt der Porsche über seine Mischbereifung wie verzahnt am Boden, liegt stabil, kennt keine Lastwechsel-Zicken, bleibt beherrschbar, verprasst in Stellung Sport+ der Fahrdynamikregelung keine unnötige Radumdrehung in Richtung Schlupf und bleibt bei vollem Bremsdruck stehen wie beim Klick auf eine Pausetaste (dafür sorgen Zehnkolbensättel an 420-mm-Kohlefaser-Keramik-Bremsscheiben).
Porsche 911 Turbo S
Rundenzeit auf höchstem Niveau: Auf dem Contidrom brennt der 911 Turbo S eine beeindruckende 1:25,96 in den Asphalt.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auch für dieses grandiose wie effektive Zusammenspiel von Fahrwerk und Bremsanlage haben wir eine Zahl parat: 1:25,96! So schnell (in Minuten) tobt der 911 über den Trockenhandlingkurs am Contidrom. Zum Vergleich: Ein Mercedes-AMG GT benötigt 1:32 Minuten, die aerodynamisch brutalere und kompromisslose Semislick-Rennmaschine 911 GT3 RS nur eine Handvoll Zehntelsekunden weniger.
Porsche 911 Turbo S
Dauerläufer: Der 911 Turbo S spult seine Runden mühelos ab – mit stabiler Bremswirkung, akzeptablem Reifenverschleiß und Temperaturen im grünen Bereich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Gleichzeitig hat uns erstaunt, wie mühelos der Turbo S seine Runden abspult und wie dauerhaft belastbar dieser Über-Elfer solche Prozeduren erträgt. Bremswirkung stabil, Reifenverschleiß akzeptabel, Temperaturhaushalt im grünen Bereich, Leistungsabgabe konstant, Fahrverhalten berechenbar. Hier ist ein Profi am Werk, von Profis entwickelt, von Profis gefertigt – Porsche in Reinkultur halt.

Sportwertung

Sportwertung
Karosserie
(max. Punkte: 15)
8
Qualität
(max. Punkte: 20)
19
Sitze/Sitzposition
(max. Punkte: 30)
26
Ausstattung
(max. Punkte: 15)
14
Motoreigenschaften
(max. Punkte: 30)
27
Fahrleistungen
(max. Punkte: 50)
48
Leistungsgewicht
(max. Punkte: 30)
25
Getriebe/Schaltung
(max. Punkte: 20)
18
Sound
(max. Punkte: 20)
16
Fahrkomfort
(max. Punkte: 20)
16
Fahrsicherheit
(max. Punkte: 20)
18
Handling
(max. Punkte: 50)
45
Rundenzeiten
(max. Punkte: 50)
48
Lenkung
(max. Punkte: 30)
27
Bremsen
(max. Punkte: 40)
40
Verbrauch
(max. Punkte: 20)
10
Faszination
(max. Punkte: 10)
8
Preis
(max. Punkte: 30)
1
Gesamtwertung
(max. Punkte: 500)
414
AUTO BILD-Testnote
1,8
Nur der Vollständigkeit halber: Der Turbo S kann auch gemütlich schnüren, mit erstaunlichem Federungskomfort aufwarten, dabei geräuscharm Kilometer auf der Autobahn wegmampfen, dank hervorragender Sitze auch auf Langstrecke stützen, von üblicher Assistenz begleitet Fahrspuren halten und am Zielort sogar per Remote-Steuerung in Parklücken bugsieren. T ist eben wirklich ein echter Traumtyp, dieser Turbo S.

Die wichtigsten Fragen zum Porsche 911 Turbo S

Wie funktioniert das T-Hybrid-System?

Im Gegensatz zum Vorgänger, bei dem zwei konventionelle Abgasturbolader zusätzliche Luft in die Brennräume pressten, helfen beim aktuellen Turbo S zwei Elektromotoren, die Verdichter auf Schub zu trimmen. Zusätzlich ist im Getriebe ein 82 PS starker Elektromotor verbaut, der vom 400-Volt-Bordnetz mit Strom versorgt wird.

Wie hoch ist die Leistung?

Seine volle Systemleistung von 711 PS erreicht der Porsche 911 Turbo S bei 6500 Touren. Ebenso beeindruckend ist das Drehmoment von 800 Nm, das zwischen 2300 und 6000 1/min anliegt.

Wo liegt die Höchstgeschwindigkeit?

Der Porsche 911 Turbo S erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 322 km/h.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Die Preisliste des Porsche 911 Turbo S beginnt bei 271.000 Euro, mit ein paar Extras stehen schnell über 280.000 Euro auf der Rechnung. Jährlich fallen zudem 600 Euro Steuern an, und auch der gemessene Verbrauch von 13,4 Litern Super Plus auf 100 Kilometern geht ordentlich ins Geld. Alle zwei Jahre oder nach jeweils 30.000 Kilometern muss der Turbo S zur Inspektion, in der Versicherung ist der Porsche in den Typklassen 11 (Haftpflicht), 31 (Vollkasko) und 30 (Vollkasko) gelistet.

Bildergalerie

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Porsche 911 Turbo S im ersten Test

Fazit

von AUTO BILD
Faszinierend, extrem schnell, jederzeit fahraktiv und eine echte Technik-Ikone – der neue Porsche 911 Turbo S hält, was er verspricht, und bleibt dabei seiner beeindruckenden Bandbreite zwischen Alltagstauglichkeit und Rennsport-Genetik treu. Das Konzept der sportlichen Elektrifizierung geht im T-Hybrid voll auf. AUTO BILD-Testnote: 1,8