Porsche Cayenne S E-Hybrid: Langzeittest über 30.000 Kilometer
So gehen Effizienz und Fahrspaß

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Wie die Zeit vergeht. Knapp sechs Monate begleitete uns der Cayenne in unserem stressigen Redaktionsalltag. Und es war wirklich eine schöne Zeit mit ihm. Klar, Sie werden sagen, das ist doch logisch. Über 500 PS, alle Annehmlichkeiten, jede Menge Platz und ab und zu rein elektrisch, was gibt es Besseres. So dachten wir anfangs auch. Ob das am Ende wirklich so war, das lesen Sie nun im Abschlusszeugnis.
Und noch etwas vorweg, 30.000 Kilometer sind natürlich keine Distanz, auf der ein modernes Auto anfängt zu zerbröseln, für solche Erkenntnisse braucht es schon 200.000 Kilometer. Aber da wir die Testwagen oft nur 14 Tage in der Redaktion haben, können wir nicht alle Pro und Kontras entdecken. Dafür ist unser Format "Langzeittest 30.000 Kilometer" perfekt.

"Der V6 bietet nicht die Noblesse und den Sound eines V8, aber die Leistung ist völlig ausreichend", urteilt
Redakteur Guido Naumann.
Redakteur Guido Naumann.
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Spulen wir noch mal kurz zurück. Januar 2024, "S-GO 517E" trat den Vergleich gegen den BMW X5 M60i an. Und gewann – hauptsächlich über seinen geringen Verbrauch. Dabei war der Cayenne überhaupt nicht langweilig oder kompliziert. Am Ende standen wir da, fragten uns, wie wohl so ein Hybrid bei uns im Redaktionsstress aussehen würde. Rein elektrisch durch den Stau, wenn's mal sein muss ins Gelände oder mit 250 über die Autobahn.
170.000 Euro mit allen Extras
Wir fragten Porsche nach einem Cayenne S E-Hybrid als Langzeit-Testwagen, man schlug uns direkt den uns vom Vergleichstest bekannten Wagen vor. Ab Ende Mai war das SUV unser ständiger Begleiter. Sagen wir es so, der Sechszylinder wurde nie richtig kalt, wurde von den Kollegen gern genutzt.
Ausführlich vorstellen brauchen wir Ihnen den Cayenne sicher nicht mehr. Kurz zusammengefasst: Dreiliter-V6-Biturbo plus E-Motor im Getriebe, dazu das neue Zweikammer-Luftfahrwerk, Keramikbremsen, Sportauspuffanlage und solche Annehmlichkeiten wie Wankausgleich, Hinterachslenkung und Beifahrer-Display. Mit allen Extras kommt das SUV auf etwas über 170.000 Euro.

Beim Trip nach Italien am Berg in Österreich eingeschneit. Kein Problem, Schnee liebt der Cayenne.
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Mit dem Facelift der aktuellen dritten Cayenne-Generation hat Porsche die Batteriekapazität von 17,5 auf 25,9 kWh vergrößert, was für eine rein elektrische Reichweite von bis zu 90 Kilometern gut sein soll – und zudem die leicht praxisfremden Verbrauchswerte von (ausstattungsabhängigen) 1,4 bis 1,7 Litern auf 100 Kilometern plus Strom erklärt.
Praxisfremd? Na ja, im damaligen Vergleichstest kamen wir auf 6,3 Liter Durchschnittsverbrauch auf unserer 100-Kilometer-Testrunde. Für ein großes SUV ist das zwar ein sehr beachtliches Resultat, aber weit weg von den Werksangaben. Nach 30.000 Kilometern sah es nicht besser aus. Am Ende unserer Langzeit-Hatz kamen wir auf einen Schnitt von 10,7 Litern. In Anbetracht dessen, dass wir selten nachgeladen haben und immer flott unterwegs waren, ist das trotzdem ein anständiger Wert.
Fahrzeugdaten | Porsche Cayenne S E-Hybrid |
|---|---|
Motor | V6, Turbo, vorn längs |
Hubraum | 2995 cm3 |
Systemleistung | 382 kW (519 PS) bei 5000-6500/min |
max. Drehmoment | 750 Nm bei 1000-4750/min |
L/B/H | 4930/2194/1678 mm |
Leergewicht | 2410 kg |
Kofferraum | 627–1563 l |
0–100/200 km/h | 4,7/16,8 s |
Spitze | 263 km/h |
Verbrauch | 1,7 l SP/ 100 km |
Preis | ab 124.600 Euro |
Jammern wir mal nicht auf dem Verbrauch herum, Fahrspaß und SUV schluckten schon immer viel Benzin. Übrigens, der Cayenne lief auch mit 95 Oktan, bei flotten Fahrten um die 200 km/h merkte man dann aber minimalen Leistungsverlust. Im E-Modus fährt der Cayenne immer elektrisch – bis 135 km/h und solange die Batterie nicht leer ist. Soll deren Ladestand aufgespart oder sogar mithilfe des V6 nachgeladen werden, lässt sich beides über das Menü einfordern.
Im Sport-Modus ist das Fahrzeug in jedem Fall hybrid unterwegs, die Lastverteilung zwischen den beiden Motoren wird den jeweiligen Bedürfnissen angepasst. So können bei Bedarf die gesamten 519 PS Systemleistung mobilisiert werden, 353 PS leistet der Verbrenner, weitere 176 PS steuert der Elektromotor bei. Wir haben gemessen, 4,7 Sekunden auf 100, nicht so übel für 2,4 Tonnen.

Nach sechs Monaten wieder zurück in Zuffenhausen.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Kommen wir zum Wesentlichen, dem Fahren. Ein Traum, Punkt! Das Luftfahrwerk ist einfach nur sensationell, die Dämpfung weit gespreizt von sofaweich bis sportlich hart. Im normalen Modus langstreckentauglich, trieben uns die Sport-Modi auf Landstraßen Freudentränen in die Augen. Das Gewicht ist logischerweise nicht wegzureden, aber durch die tiefe Sitzposition fühlt sich das alles sehr nach Elfer an. An die zu Beginn etwas schlecht fühlbare Keramikbremse haben wir uns mit der Zeit gewöhnt, sind öfters im Sport-Mode gefahren, da war das Pedalgefühl ehrlicher.
Platz ohne Ende im Porsche
Was steht noch im Zeugnis? Perfektes Auto für die Fotografen, weich und viel Platz im Kofferraum. Daumen hoch auch für die vielen Ablagemöglichkeiten, USB-Ladeanschlüsse und die gekühlte induktive Handyladeschale. An den neuen Kippschalter fürs Getriebe haben wir uns bis zum Schluss nicht gewöhnt. Zumal er ab und zu nicht perfekt rastet und den Fahrmodus trifft. Ein paar Fehler wurden gemeldet, die aber Fehlalarme waren.
Die 22-Zöller blieben kratzerfrei, die Frontscheibe ohne Steinschlag. Die Heckstoßstange dagegen erlitt einen Kratzer, weil beim Rückwärtsfahren ein Autoanhänger im Weg stand. Der war so ungünstig von der Höhe, dass die Sensoren ihn nicht erkannten.
Und: Schnee kann er auch. Kurz vor Schluss enterten wir noch die österreichischen Berge, wurden bei einer Fahrt zu Lamborghini eingeschneit. Kein Problem, das Fahrwerk auf Offroad hochgedreht und im Schritttempo den teilweise 20 Prozent steilen Abhang hinunter.
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