Ferry Porsche war es, der bereits 1989, also 13 Jahre vor dem Start der ersten Cayenne-Generation, sagte: "Wenn wir ein Geländefahrzeug nach unseren Qualitätsvorstellungen bauten, und vorne steht Porsche drauf, würde es auch verkauft."
33 Jahre später wissen wir: Er hatte recht. Die SUV Cayenne und Macan sind heute die meistverkauften Modelle des Sportwagenherstellers. Und das große Sport-SUV kam gerade zur rechten Zeit. Denn in den Neunzigerjahren stand Porsche vor einer wirtschaftlichen Krise, das Unternehmen schrieb rote Zahlen. Zwar schaffte man es, sich mit dem 1996 eingeführten Boxster über Wasser zu halten, doch für eine rosige Zukunft brauchte es ein weiteres Standbein.
In Zuffenhausen begannen die Planungen für ein weiteres Porsche-Modell, unter anderem war sogar ein Van im Gespräch. Am Ende war es aber der Blick in die USA, der bereits den anrollenden SUV-Boom verriet.
Porsche Cayenne
Einigen Modellen der ersten Cayenne-Generation hat Porsche Middle East neues Leben eingehaucht. Diese wurden individuell gestaltet und sorgfältig restauriert.

Die Entscheidung fiel auf einen Geländewagen. Dass der sportlich sein musste, war Markenräson, er sollte aber auch offroad einiges draufhaben. Das Gemeinschaftsprojekt mit Volkswagen unter der internen Bezeichnung "Colorado" war geboren.

Cayenne und Touareg teilen sich eine Plattform

1998 verkündeten die beiden Hersteller, dass sich Porsche Cayenne und VW Touareg eine Plattform teilen sollen. Die Stuttgarter entwickelten am Standort Hemmingen die Plattform, VW steuerte das Produktions-Know-how bei.
Anders als beim Touareg, der von Beginn an im VW-Werk im slowakischen Bratislava produziert wurde, setzte man bei den ersten beiden Cayenne-Generationen auf "Made in Germany". Dafür entstand eine neue Produktionsstätte in Leipzig. Erst mit dem Start der dritten Generation (2017) wurde auch die Cayenne-Montage nach Bratislava verlegt.
Porsche Cayenne
Steigungen und Rüttelpisten meisterte schon Generation eins des Cayenne mit viel Gelassenheit.

Mit dem Cayenne sprach Porsche auf einmal eine ganz neue Zielgruppe an: Familien mit Abenteuerlust, die nicht auf eine gute Portion Sportlichkeit verzichten wollen. Und Helikopter-Eltern, die jetzt auch drei Kinder auf einmal im Porsche zur Schule befördern können.
Fahrzeugdaten
Porsche Cayenne E1 (2002-2010)
Porsche Cayenne E3 (seit 2017)
Abzweigung
Motoren
Abzweigung
Abzweigung
Hubraum
Abzweigung
Abzweigung
Leistung
Abzweigung
Abzweigung
maximales Drehmoment
Abzweigung
Abzweigung
L/B/H
Abzweigung
Abzweigung
Ladevolumen
Abzweigung
Abzweigung
Leergewicht/zulässiges Gesamtgewicht
Abzweigung
Abzweigung
Anhängelast gebr./ungebr.
Abzweigung
Abzweigung
Beschleunigung 0–100 km/h
Abzweigung
Abzweigung
Spitze
Abzweigung
Abzweigung
Normverbrauch
Abzweigung
Abzweigung
Preis
Abzweigung
VR6-Benziner; V8-Benziner; V6-Diesel
2967– 4806 cm3
176-404 kW (240-550 PS)
310-750 Nm
4782/1928/1699 mm
540-1770 l
2245/3080 kg
3500/750 kg
4,8-9,1 s
214-280 km/h
9,3-15,7 l/100 km
49.017 - 133.971 Euro
V6-Benziner; V8-Benziner; V6-Benziner + Elektromotor; V8-Benziner + Elektromotor 
2894-3996 cm3
250-500 kW (340-680 PS) 
450- 900 Nm 
4918-4929/1983/ 1673-1696 mm 
645-1708 l 
2060-1696/2830 kg 
3500/750 kg 
3,8- 5,9 s 
245-295 km/h 
2,4-11,9 l/100 km 
82.909 - 205.003 Euro

Inzwischen gibt es den Hochbein-Sportler schon 20 Jahre. Zeit, noch einmal dahin zu reisen, wo sich der Porsche Cayenne damals zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt hat – in sandige Gefilde in der Nähe der Wüstenstadt Dubai. Am Morgen starten wir unsere Ausfahrt in der ersten Cayenne-Generation. Das Thermometer zeigt bereits jetzt 30 Grad Celsius.

Mehr Bauchfreiheit dank Luftfahrwerk

Ohne Klimaanlage kämen wir hier ordentlich ins Schwitzen – und ohne technische Helfer ebenfalls. Es geht ins Gebirge, ausgestattet mit permanentem Allradantrieb und Untersetzungsgetriebe kraxelt die erste Generation munter über die Schotterpisten und sieht jeder Steigung gelassen entgegen.
Porsche Cayenne
Dank viel Bodenfreiheit können auch hügelige Passagen erkundet werden.

Mindestens 21,7 Zentimeter Platz hatte der Ur-Cayenne unter dem Bauch. Dank Luftfahrwerk konnte das Niveau auf 27,3 Zentimeter angehoben werden. Und: Schon damals sorgte das Porsche Active Suspension Management dafür, dass die Dämpfer unter Berücksichtigung der Fahrbahn und des Fahrstils permanent neu abgestimmt werden – funktioniert selbst nach zwei Jahrzehnten noch tadellos.
Auch der Innenraum überzeugt heute noch. Zwar wirkt alles ein bisschen altväterlich, doch irgendwie auch cool. Vor allem sieht alles noch sauber und ordentlich verarbeitet aus.

Offroad wird zum Kinderspiel

Wir machen einen Zeitsprung, ins Heute: Mit der aktuellen Generation geht es zunächst über perfekt asphaltierte Straßen Richtung Wüste. Gelassen gleitet der Cayenne dahin, auch nach ein paar Hundert Kilometern drückt hier nichts. Um den großen Sandkasten zu erreichen, müssen wir wieder durch steiniges, enges Gelände.
Porsche Cayenne
Wer durch die Wüste fährt, sollte nicht stehen bleiben. Bei Drifts durch die Dünen wird viel Pulversand aufgewirbelt.

Die Assistenten hat Porsche in 20 Jahren immer weiter verfeinert, offroad fahren wird auch für Ungeübte endgültig zum Kinderspiel. Ohne Probleme erreichen wir unser Ziel: einen riesigen Sandhügel, der das Kind im Mann erwachen lässt. (So brutal fühlen sich 700 PS im Techart Porsche Cayenne Turbo GT an)
Wir lassen etwas Luft aus den Reifen, damit wir mehr Auflagefläche haben, nehmen Anlauf – und rein ins Vergnügen. Wichtig: gleichmäßige Beschleunigung, nicht zu schnell, nicht zu langsam, nicht stehen bleiben, und wenn, dann nur im Gefälle – sonst würde sich das Fahrzeug im feinen Wüstensand eingraben.

Cayenne Abenteuerlustig wie vor 20 Jahren

Nach jedem Sandhaufen werden wir mutiger, driften um die Kurven, schleudern den feinen Pudersand in die Luft. Die Wüste bebt! Der Cayenne wühlt sich durch die Düne, als wäre er nur dafür gemacht. Und ein bisschen stimmt das ja auch.
Denn: So wie jeder 911-Kunde ein wenig Motorsport erwirbt, auch wenn er nie selbst auf eine Rennstrecke geht, kauft jeder Cayenne-Kunde ein bisschen Abenteuer. Heute wie vor 20 Jahren.

Von

Jan-Menno Gebhardt