Schon wieder so ein unbezahlbares Elektroauto im Test? Nun ja, träumen darf man ja noch. Und die Porsche-E-Autos taugen als rollendes Schaufenster dessen, was in Zukunft vielleicht auch in bürgerlichen Preisklassen möglich ist.
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Auch diese Shooting-Brake-artige Version des Taycan lässt keinen Sportwagen-Nachteil aus: tiefe Sitzposition mit wenig Übersicht, bei 1,97 Meter Karosseriebreite. Das Bordsteinkratz-Risiko fährt immer mit. Die 360-Grad-Kamera (1398 Euro) wäre das erste Extra, das wir ankreuzen würden.

Im Innenraum bleibt es klassisch Porsche

Was schon beim Platznehmen beeindruckt, ist der Ingenieursauto-Charakter dieses Sportstromers. Außen rundlich, innen sachlich – da wurde viel klassische Porsche-Ästhetik in die Elektroabteilung herübergerettet. Innen wirkt alles reduziert und gar nicht "overdone", alle Grafiken sind schlicht und schnell ablesbar, keine pompösen Lichtinszenierungen.
Porsche Taycan 4S Sport Turismo
Erfreulich: Porsche hat den Charakter eines Ingenieursautos auch ins Elektro-Zeitalter gerettet. Innen ist alles schön sachlich und reduziert.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Nichts wirkt hier überladen oder dekadent. Und am aufpreispflichtigen 18-Wege-Fahrersitz ist wirklich alles verstellbar: Wangen unten und oben, Sitzfläche, Lordosenstütze vierfach. Selten haben wir einen Sitz mit derart vielen Knöpfen gesehen. In den Laderaum hinter der Heckklappe passen zwar nicht gerade Doppel-Kinderwagen hinein, aber hinter der zweiten Sitzreihe, in Normalstellung also, findet ein zusammengeklapptes Faltrad Platz, auch zwei hätten hineingepasst.

Taycan zeigt sich perfekt austariert

Auch wenn die Porsche-Marketingabteilung jetzt vermutlich die Lust überkommen wird, uns zu lynchen: Letztlich ist das hier ein Oberklasse-Kombi – aber ein ungewöhnlich agiler. Das Fahrverhalten ist typisch Porsche: ultraschnell im Slalom, mit hilfreichem Lastwechsel. Das schwere E-Auto lässt das Heck ein Stück weit herauskommen und hilft dem Fahrer so um die Kurve.
Porsche Taycan 4S Sport Turismo
Bedingungslos agil: Trotz seiner knapp 2390 Kilogramm geht der Taycan dank vieler technischer Tricks sehr dynamisch ums Eck.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Und dieses Verhalten ist perfekt austariert. Das Resultat von all der Technik, vom Wankausgleich übers Torque Vectoring bis hin zur Allradlenkung, ist eine bedingungslose Agilität. Schon irre: Dieses Trumm ist 2,4 Tonnen schwer, aber dank der elaborierten Fahrwerkstechnik mit minimalen Karosseriebewegungen!

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart vorn/hinten 
Synchronelektromotoren 
Einbaulage 
je ein Motor vorn und hinten 
Spitzenleistung (bei Launch Control) 
440 kW (598 PS) 
Dauerleistung 
175 kW (238 PS) 
maximales Drehmoment 
710 Nm 
Vmax
250 km/h 
Getriebe 
Zweiganggetriebe 
Antrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben, innenbelüftet 
Testwagenbereifung 
265/35–305/30 R 21 Y 
Reifentyp 
Pirelli P Zero NF1 Elect 
Radgröße 
9,5–11,5 x 21" 
Reichweite* 
565 km 
Verbrauch* 
20,3 kWh 
Batteriekapazität brutto/netto 
105/97 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
11/320 kW
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) 
18 Minuten 
Ladeanschluss 
vorn links und rechts 
Fach unter Frontklappe 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
70 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
–/– 
Stützlast 
– 
Kofferraumvolumen 
446–1212 l + 84 l vorn 
Länge/Breite/Höhe 
4963/1966–2144**/1390 mm 
Radstand 
2900 mm 
Grundpreis
121.800 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
150.011 Euro
Vor allem: Das seltsam Leere, das Passive vieler Elektroautos fehlt hier völlig – echte Fahrerautos wie dieses sind noch immer eine Rarität in der elektrischen Autowelt. Wenn wir ganz penibel unterwegs sind, könnten wir höchstens die Lenkung monieren, die einen Hauch zu leichtgängig ist, ergo nicht ganz Supersportler-like.

Auch auf der Langstrecke überzeugend

Trotz einer straffen Grundnote und der niedrigen Sportwagen Sitzposition im Zentrum der g-Kräfte (50 Zentimeter über dem Asphalt, maximal 15 Zentimeter über dem Wagenboden) gibt der Taycan einen durchaus bequemen Langstreckler ab. Das Active-Ride-Luftfederfahrwerk (8086 Euro) bietet einen faszinierenden Komfort, bügelt Nick- und Wankbewegungen fast vollständig weg, hält die Karosserie also immer horizontal ausgerichtet.
Porsche Taycan 4S Sport Turismo
Sehr komfortabel: Das Active-Ride-Luftfederfahrwerk für 8086 Euro bügelt Nick- und Wankbewegungen fast vollständig weg
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Stabis zur Unterdrückung von Wankbewegungen gibt es bei diesem Fahrwerk nicht, stattdessen verfügt jeder Stoßdämpfer über eine eigene elektrisch gesteuerte Hydraulikpumpe. Und es hebt den Wagen beim Türöffnen um 55 Millimeter an, um den Ausstieg zu erleichtern. Was ihn ein bisschen entzaubert, ist allenfalls wild gewelltes Kopfsteinpflaster. Hier ist er nicht ganz geräuschfrei. Abseits solcher Extrempisten wirkt die Karosserie aber steif.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
1,6 s 
0–100 km/h 
3,6 s 
0–130 km/h 
5,3 s 
0–160 km/h 
7,7 s 
0–200 km/h 
11,8 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
1,7 s 
80–120 km/h 
2,1 s 
Leergewicht/Zuladung 
2390/485 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
50/50 % 
Wendekreis links/rechts 
11,2/11,1 m 
Sitzhöhe 
500 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,1 m 
aus 100 km/h warm 
35,1 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A) 
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
bei 130 km/h
68 dB(A)
bei 160 km/h
70 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
18,3 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
26,3 kWh/100 km
(+30 %)
Sportverbrauch 
33,5 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
Reichweite 
409 km 
Erwartungsgemäß erlaubt die Leistung von fast 600 PS Überholmanöver im Zeitraffer. Wer das oft wiederholt, muss eben oft zur Ladestation. Und dann lädt er mit maximal 320 kW – eine Peak-Leistung, die auch der neue Macan nicht bietet. Auf der Autobahn genehmigt sich der Taycan im Test üppige 33,5 kWh/100 Kilometer.

Aufladen dauert ungewöhnlich kurz

Praktisch sind die Ladebuchsen sowohl links als auch rechts. Die Klappen fahren elektrisch in die Kotflügel hinein, nach Antippen einer kleinen Flosse an der Karosserieseite – leider funktioniert es nicht immer auf Anhieb. Weiterfahrt nach ungewöhnlich kurzen 18 Minuten Ladezeit von 10 bis 80 Prozent am Schnelllader, zurück auf die Autobahn.
Porsche Taycan 4S Sport Turismo
Stark am Strom: Der Taycan füllt seinen Akku mit maximal 320 kW am Schnelllader in schlanken 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Zeit, beide Sport-Modi auszuprobieren: Ob dieses schabend-klagende Geräusch (Electric Sportsound, 499 Euro) in diesen Modi wirklich sein muss? Windgeräusche aber sind erst ab 220 km/h überhaupt hörbar, dank der Geräuschschutzverglasung (1749 Euro extra).
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Im Sport-plus-Modus legt der 2,4-Tonner los wie ein Sportmotorrad: von 0 auf 100 km/h in gemessenen 3,6 Sekunden, auf 200 km/h in 11,8 Sekunden. Selbst die Beschleunigung von 0 auf 230 km/h ist noch problemlos messbar: 16 Sekunden.

Viele Extras für ganz viel Geld

Die Preise sind erwartungsgemäß elitär: Zu den 121.800 Euro Grundpreis gesellen sich optional dazu: Performance-Batterie plus zu 5522 Euro, Active-Ride-Fahrwerk 8086 Euro, Hinterachslenkung 2047 Euro, Torque Vectoring 1488 Euro, Wärmeschutzglas 1250 Euro, 18-Wege-Sitze 2035 Euro, Head-up-Display 1595 Euro, Fans werden auch 21-Zoll-Räder (4236 Euro) und Sport-Chrono-Paket (1476 Euro) ordern.
Porsche Taycan 4S Sport Turismo
Krass an der Kasse: Der Taycan 4S Sport Turismo kostet mindestens 121.800 Euro. Der gewertete Testwagenpreis: 150.011 Euro.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Gewertet haben wir einen Preis von 150.011 Euro – eine volle Hütte wie unser Testwagen liegt noch mal rund 30.000 Euro darüber. Wir wollen nicht nur über Preise reden; angesichts dieser hochverdichteten Fahrmaschine wäre das verfehlt. Und die Kundschaft zahlt ja gern.

Wertung Porsche Taycan 4S Sport Turismo

Wertung Porsche Taycan 4S Sport Turismo
Karosserie
Platzangebot besser als erwartet. Steife, gut verarbeitete Karosserie. Unübersichtlich.
3,5 / 5
Antrieb
Tolle Fahrleistungen, satter Durchzug, auch oberhalb 200 km/h mühelos. Lädt mit bis zu 320 kW.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Agil (Hinterachslenkung!), fahrsicher, kaschiert sein Gewicht perfekt. Bremswege um 35 m, aber stabil.
4 / 5
Connected Car
Online-Echtzeitverkehrsnachrichten sind Serie. Sonderzielsuche via Sprachsteuerung tadellos.
4 / 5
Umwelt
Lokal emissionsfrei, aber breit, schwer und hoher Materialeinsatz. Außengeräusch nicht gerade leise.
3,5 / 5
Komfort
Einstieg beengt. 18-Wege-Sitze. Fahrwerk hochkomfortabel, mit Ausstiegsanhebung und Lift.
4 / 5
Kosten
Ausstattungslücken trotz hohem Grundpreis. Hoher Wertverlust, teure Kasko, nur zwei Jahre Garantie.
1 / 5
AUTO BILD-Testnote
2-
Schon eine nächtliche Regenfahrt mit dem Taycan ist ein Erlebnis: Innen fällt der Blick auf die drei virtuellen, aber klassisch-sachlichen Rundinstrumente, der Blick nach draußen streift diese Motorhaubenlandschaft mit ihren exponierten Rundungen – trotz fehlendem Sound fühlt sich der Fahrer ein wenig wie ein Pilot aus Steve McQueens 1971er Filmklassiker "Le Mans" beim Nachtrennen. Und – sind wir nicht alle ein bisschen McQueen?

Bildergalerie

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Porsche Taycan Sport Turismo im Test

Fazit

Wie so oft bei Porsche: gut und abgehoben teuer. Ein Ingenieursauto, innen angenehm sachlich gestaltet und fast ohne Nonsens. Bemerkenswert, wie viel Porsche-Feeling ein vollelektrischer Luxuskombi noch verströmt. AUTO BILD-Testnote: 2-