Die Preise für Neuwagen in Deutschland steigen schon seit Jahrzehnten kräftig an. Nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich. Der erste VW Golf kostete 1974 als Basis knapp 8000 Mark – nach aktueller Kaufkraft rund 11.000 Euro. Dafür gibt's heute nicht mal einen neuen Polo oder gar den noch kleineren VW Up. Aber warum nur?
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Zunächst einmal ein etwas weiterer Blick aufs Feld: Die Analysten von JATO Dynamics haben sich die Entwicklung der vergangenen knapp 20 Jahre anhand von zwei Segmenten angesehen. Die durchschnittlichen Listenpreise von Kleinwagen stiegen zwischen 2002 und 2020 um üppige 59 Prozent – von gut 13.000 auf knapp 21.000 Euro. Noch deutlicher legten im gleichen Zeitraum die Anschaffungskosten bei den Kompakten zu: von im Schnitt 18.400 Euro auf knapp 30.000 – eine Steigerung um etwa 63 Prozent. Dazu trugen auch die (teureren) Modelle mit alternativen Antrieben bei (zum Kostenvergleich E-Auto/Verbrenner).

VW Polo 53 Prozent teurer, Golf sogar 59 Prozent

VW POLO 1.0 TSI
Der VW Polo als Neuwagegn wurde in fast 20 Jahren um mehr als die Hälfte teurer.
Stellvertretend für die beiden Segmente stehen zwei prominente Volkswagen: Zwischen 2002 und 2010 nahm der Durchschnittspreis des VW Polo um 18 Prozent zu, bis 2020 ging es um weitere 35 Prozent nach oben. Interessanterweise ignorierten die Kunden überwiegend die günstigen Varianten und entschieden sich besonders 2020 eher für die teureren Modelle. Ein Grund dafür könnte das inzwischen weit verbreitete Privatleasing sein. Eine höhere monatliche Rate für einen Polo für 20.000 statt 15.000 Euro ist womöglich weniger abschreckend als die Differenz beim Gesamtpreis. Beim Golf kletterte das durchschnittliche Preisniveau von 2002 bis 2010 um 22 Prozent, danach sogar um weitere 37 Prozent. Neben den bereits genannten Gründen kamen beim kompakten Wolfsburger Bestseller noch die Batterie- und Plug-in-Variante hinzu, die zwar deutlich teurer sind, aber trotzdem gut verkauft wurden. 

Bessere Ausstattung, mehr Sicherheit

VW Golf 1.0 eTSI
Mehr Komfort, mehr Sicherheit: So sah 2020 das Cockpit eines simplen VW Golf VIII 1.0 TFSI aus.
Immerhin bekommen die Kunden auch mehr Auto für ihr Geld: Der Polo Jahrgang 2020 ist um gut zehn Zentimeter in die Breite gegangen und damit breiter als ein 2002er Golf. In der Länge hat der Polo im gleichen Zeitraum sogar 16,5 cm zugelegt. Und auch der Golf ist ordentlich gewachsen. Doch es gibt nicht nur längeres Blech und höhere Leistung: Vor allem ist die Ausstattung der Autos deutlich teurer geworden, die Kosten für Entwicklung stiegen gigantisch. Sicherheits- und Assistenzsysteme, Technik für den Komfort – viele Selbstverständlichkeiten bei heutigen Kleinwagen waren vor einigen Jahren bestenfalls in der Luxusklasse zu haben. Die Autos sind wesentlich haltbarer, sparsamer und sicherer geworden. Unfälle, die noch in den 1970er Jahren tödlich endeten, gehen nun meist glimpflich aus.

Auch Gebrauchtwagen wurden teurer

Nicht nur Neuwagen wurden im Laufe der Jahre exorbitant teurer. Der Durchschnittspreis für Gebrauchtwagen in Deutschland hat nach Angaben des Portalbetreibers Autoscout24 im August mit 23.196 Euro die 23.000-Euro-Marke geknackt. Ein Jahr zuvor lag er noch bei durchschnittlich 19.920 Euro. Eine Entwicklung, die alters- und segmentübergreifend sichtbar ist. Eine Ausnahme bilden lediglich Oberklasse, Vans und SUVs.

Knappes Angebot und Elektrifizierung treiben die Preise hoch

Stefan Schneck, Vertriebschef Deutschland bei AutoScout24, erklärt die Teuerung bei den Gebrauchten so: "Der Rückgang der Neuwagenproduktion ist ein maßgeblicher Treiber für den aktuellen Gebrauchtwagenpreisanstieg. Hinzu kommt auch die zurzeit stattfindende Elektrifizierung von Verbrenner-Modellen. Da die entsprechenden Nachfolge-Modelle teilweise erst verspätet produziert werden können, wird das Angebot auch dadurch noch knapper." Große Hoffnung auf Besserung bestehe derzeit nicht: "Die Nachfrage nach Gebrauchten ist natürlich auch immer noch hoch. Momentan sieht es nicht danach aus, als könnten wir mit einer zeitnahen Preisentspannung rechnen."

Von

Patrick Solberg