Inflation und steigende Energiekosten sorgen schon für schlechte Stimmung und Zukunftsängste, nun folgt der nächste Teuer-Schock: Auch die Preise für Neuwagen sind massiv angestiegen, das belegt eine Anfang September 2022 veröffentlichte Studie des ADAC.
Kostete ein neues Auto (Ratgeber Autokauf) im Jahr 2017 noch durchschnittlich 44.908 Euro, lag der mittlere Preis im Juli 2022 bei 53.525 Euro – das ist fast ein Fünftel mehr. Am härtesten trifft es auch noch Autokäufer mit geringerem Einkommen: In der niedrigsten Fahrzeugklasse, bei den Kleinstwagen (VW Up, Fiat 500 u.a.), kletterten die Preise um 44 Prozent nach oben!
Preissteigerungen bei ausgewählten Neuwagensegmenten

Bei Kleinwagen waren es immerhin noch 30 Prozent Preissteigerung, in der unteren Mittelklasse wurden die Autos während der vergangenen fünf Jahre 21 Prozent teurer.

Assistenzsysteme-Pflicht treibt die Preise hoch

Die Gründe sind vielfältig. Der ADAC nennt unter anderem die Einführung neuer Pflicht-Assistenzsysteme. In Fahrzeugen der höheren Klassen gehörten diese Assistenzsysteme schon vor der EU-Maßnahme zur Grundausstattung, bei den kleineren Autos musste nachgerüstet werden – auf Kosten der Kunden.
Durchschnittliche Fahrzeugpreise und Inflation im Vergleich
Die Kurven zeigen: Die Verteuerung von Neuwagen war sogar noch gravierender als die ohnehin schon hohe Inflationsrate.

Dazu nennt der Autoclub die Lieferschwierigkeiten der Hersteller, den Halbleitermangel in der Autoindustrie und gestiegene Einkaufspreise als mögliche Preistreiber. Und natürlich die Inflation.

Basismodelle mit satten Preiserhöhungen

Es kommt aber noch dicker: Es scheint, als verabschieden sich einige Autobauer von günstigen Basismodellen. Besonders heftiges Beispiel ist der VW Golf: Kostete das Einstiegsmodell mit 90 PS vor einem Jahr noch 20.700 Euro, liegt der Startpreis für den Kompakt-Bestseller mittlerweile bei 29.560 Euro – allerdings jetzt mit 130 PS.
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Einen Fiat Tipo mit 100 PS bekam man im Mai 2021 noch ab 17.490 Euro, mittlerweile ist er nur noch als 130-PS-Hybridversion erhältlich – zum Grundpreis von 28.490 Euro. 11.000 Euro mehr, auch wenn der Kunde mit der höheren Leistung vielleicht überhaupt nichts anfangen kann.

Stromer kosten viel Geld

Ein weiterer Preistreiber ist laut ADAC die Elektromobilität (zum Kostenvergleich E-Auto/Verbrenner). Die Experten des Autoclubs stellten "auch bei Elektrofahrzeugen eine Preissteigerung oder eine extrem hohe Einpreisung bei Modellstart fest, seit mit der Innovationsprämie der staatliche Anteil der Förderung verdoppelt wurde".

Kleinwagen: 21.000 statt 13.000 Euro

Schon ein Jahr zuvor hatten sich die Analysten von JATO Dynamics die Entwicklung der vergangenen knapp 20 Jahre anhand von zwei Segmenten angesehen. Das Ergebnis war ähnlich schockierend: Die durchschnittlichen Listenpreise von Kleinwagen stiegen zwischen 2002 und 2020 um üppige 59 Prozent – von gut 13.000 auf knapp 21.000 Euro.
VW POLO 1.0 TSI
Der VW Polo als Neuwagen wurde in fast 20 Jahren um mehr als die Hälfte teurer.
Noch deutlicher legten im gleichen Zeitraum die Anschaffungskosten bei den Kompakten zu: von im Schnitt 18.400 Euro auf knapp 30.000 – eine Steigerung um etwa 63 Prozent. Dazu trugen auch die (teureren) Modelle mit alternativen Antrieben bei.

Bessere Ausstattung, mehr Sicherheit

Immerhin bekommen die Kunden auch mehr Auto für ihr Geld: Der Polo Jahrgang 2020 ist um gut zehn Zentimeter in die Breite gegangen und damit breiter als ein 2002er Golf. In der Länge hat der Polo im gleichen Zeitraum sogar 16,5 cm zugelegt. Und auch der Golf ist ordentlich gewachsen.
VW Golf 1.0 eTSI
Mehr Komfort, mehr Sicherheit: So sah 2020 das Cockpit eines simplen VW Golf VIII 1.0 TFSI aus.
Doch es gibt nicht nur längeres Blech und höhere Leistung: Vor allem ist die Ausstattung der Autos deutlich teurer geworden, die Kosten für Entwicklung stiegen gigantisch. Sicherheits- und Assistenzsysteme, Technik für den Komfort – viele Selbstverständlichkeiten bei heutigen Kleinwagen waren vor einigen Jahren bestenfalls in der Luxusklasse zu haben.
Die Autos sind wesentlich haltbarer, sparsamer und sicherer geworden. Unfälle, die noch in den 1970er-Jahren tödlich endeten, gehen nun meist glimpflich aus.

Von

Raphael Schuderer
Patrick Solberg