Radschrauben/Radmuttern nachziehen
Lebensgefahr durch lose Schrauben nach Reifenwechsel

Eine wichtige Sicherheitsmaßnahme nach jedem Reifen- bzw. Radwechsel: Warum das Nachziehen der Radbolzen so wichtig ist!
Bild: Ralf Timm / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
- Radmuttern vs. Radbolzen – was ist der Unterschied?
- Unterschiedliche Felgentypen: Stahl- oder Aluräder?
- Schraubenbund und Sitz
- Gewinde schmieren oder besser nicht?
- So kontrollieren Sie den festen Sitz
- Radschrauben richtig anziehen
- Schrauben anziehen ohne Drehmomentschlüssel
- So funktioniert der Drehmomentschlüssel
- Fazit
Viele Autofahrer verlassen sich nach dem Räderwechsel blind auf die Werkstatt. Verständlich, schließlich sind dort Profis am Werk. Doch genau hier liegt ein gefährlicher Irrtum: Auch nach einem Werkstattbesuch ist das Nachziehen der Radbolzen Pflicht. Wer darauf verzichtet, riskiert im schlimmsten Fall den Verlust eines Rads während der Fahrt.
Gerade in der Hochsaison, also im Frühjahr und Herbst, arbeiten viele Werkstätten unter enormem Zeitdruck. Räder werden im Akkord gewechselt, oft mit dem Schlagschrauber vormontiert und anschließend mit dem Drehmomentschlüssel nachgezogen. Doch selbst bei routinierten Abläufen kann es passieren, dass eine Schraube nicht exakt sitzt, das Drehmoment nicht perfekt passt oder eine Radschraube übersehen wird.

Wurden die Schrauben einmal fachgerecht festgezogen, lösen sie sich im Normalfall nicht. Das Nachziehen ist eher eine Sicherheitsmaßnahme.
Bild: Ralf Timm / Auto Bild
Ein typischer Fall aus dem Werkstattalltag: Nach dem Räderwechsel fährt ein Kunde ganz normal weiter. Nach rund 50 bis 100 Kilometern machen sich plötzlich Vibrationen bemerkbar, kurz darauf ein Klackern. Ursache: Mehrere Radschrauben haben sich gelöst, weil sie nicht korrekt angezogen waren oder sich durch Setzvorgänge gelockert haben. Im schlimmsten Fall fliegt das Rad vom Auto. Deshalb gilt immer: Nach 50 bis 100 Kilometern Radschrauben nachziehen, egal ob selbst gewechselt oder in der Werkstatt montiert!
Technisch korrekt handelt es sich bei den meisten Pkw in Deutschland um Radschrauben, oft auch Radbolzen genannt, die direkt in die Radnabe geschraubt werden. Im Gegensatz dazu stehen Radmuttern, die auf fest verbaute Stehbolzen geschraubt werden, wie es bei manchen Fahrzeugen, etwa aus den USA üblich ist. Für die Praxis entscheidend: Beide Systeme erfüllen denselben Zweck.
Ein häufiger Fehler ist die Verwendung von falschen Radschrauben bei unterschiedlichen Felgentypen. Denn: Stahlräder benötigen meist kürzere Schrauben, Aluräder brauchen in der Regel längere Schrauben, da das Material dicker ist. Wer hier falsch kombiniert, riskiert ernsthafte Schäden. Zu kurze Schrauben greifen nicht ausreichend, können aus dem Gewinde reißen, zu lange Bauteile wie Bremsen oder Radaufhängung beschädigen. Beides ein großes Risiko für die Verkehrssicherheit.

Radbolzen ist nicht gleich Radbolzen: Aluräder brauchen in der Regel längere Schrauben.
Bild: Frank Stange
Neben der Länge spielt auch die Form der Auflagefläche, der sogenannte Schraubenbund, eine entscheidende Rolle. Gängig sind: Kegel-, Kugel- und Flachbund. Bei einigen Fahrzeugmodellen kann der Bund auch beweglich sein. Wichtig, der Bund muss exakt zur Felge passen. Ist das nicht der Fall, sitzt die Schraube nicht richtig, das Rad wird eventuell nicht sauber zentriert und kann sich im Betrieb lockern.
Auch wenn es im Internet oft anders dargestellt wird: Radschrauben sollten grundsätzlich trocken montiert werden. Der Grund: Schmierstoffe verändern die Reibung und damit die Vorspannkraft. Im schlimmsten Fall werden Schrauben überdehnt oder lösen sich. Nur wenn der Fahrzeughersteller es ausdrücklich fordert, etwa bei bestimmten Spezialbeschichtungen, darf minimal geschmiert werden. Ein Blick in die Betriebsanleitung schafft Klarheit.
Nach dem Räderwechsel und insbesondere nach den ersten Kilometern sollte der Sitz der Radschrauben überprüft werden. Mit dem Bordwerkzeug, meist ein Knebel, ist das nur bedingt möglich, da das nötige Gefühl für die richtige Kraft schwer einzuschätzen ist. Besser funktioniert es mit einem Radkreuz, das durch längere Hebel mehr Kontrolle bietet. Die beste Lösung ist ein Drehmomentschlüssel. Damit lässt sich das vom Hersteller vorgegebene Anzugsdrehmoment exakt einstellen, bei vielen Pkw liegt es zwischen 110 und 130 Newtonmetern.
Beim Anziehen der Radschrauben kommt es auf die richtige Reihenfolge und Technik an. Wichtig ist, die Schrauben über Kreuz festzuziehen, damit sich die Felge gleichmäßig an die Nabe anlegt. Zunächst werden alle Schrauben handfest angezogen, anschließend erfolgt das finale Anziehen mit dem Drehmomentschlüssel. Nach kurzer Fahrt sollte möglichst die erste Kontrolle erfolgen.

Schrauben zuerst über Kreuz handfest ziehen. Danach kommt der Drehmomentschlüssel zum Einsatz.
Bild: Ralf Timm
Wer keinen Drehmomentschlüssel zur Hand hat, kann sich behelfen, allerdings mit Einschränkungen. Die Schrauben sollten mit normaler, gleichmäßiger Kraft angezogen werden, ohne zusätzliche Verlängerungen oder übermäßigen Krafteinsatz. Die Faustregel lautet: ordentlich fest, aber mit Gefühl. Zu locker ist gefährlich, zu fest kann Gewinde und Material beschädigen. Eine exakte Kontrolle ersetzt das jedoch nicht.
Mit einem Drehmomentschlüssel lässt sich das Anzugmoment einer Schraube exakt einstellen: Der erforderliche Wert für einen Radbolzen, meist 110 bis 130 Nm, findet sich im Bordbuch des Autos. Beim Erreichen des Drehmoments gibt das Werkzeug ein deutliches "Klick"-Signal. Wichtig ist, danach nicht weiterzudrehen. Außerdem sollte der Schlüssel nach Gebrauch wieder auf den niedrigsten Wert zurückgestellt werden, um die Mechanik zu schonen.

Wichtig beim Einsatz des Drehmomentschlüssels: Das Drehmoment muss am Schlüssel entsprechend der Herstellervorgaben (Handbuch!) eingestellt werden.
Bild: Ralf Timm / Auto Bild
Weitere Tipps für mehr Sicherheit
Saubere Gewinde, unbeschädigte Schrauben und korrekt eingesetzte Zentrierringe bei Alufelgen sind entscheidend für einen sicheren Sitz. Eine kurze Probefahrt nach dem Radwechsel hilft, mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen.
Fazit
Ob selbst gewechselt oder frisch aus der Werkstatt: Das Nachziehen der Radschrauben nach 50 bis 100 Kilometern ist kein optionaler Extra-Service, sondern ein entscheidender Sicherheitsfaktor. Wer hier nachlässig ist, riskiert im schlimmsten Fall einen schweren Unfall. Mit wenigen Handgriffen und dem richtigen Werkzeug lässt sich dieses Risiko jedoch zuverlässig vermeiden.
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