Sébastien Ogier hat wieder der Ehrgeiz gepackt. Nach acht Weltmeisterschaften wollte der inzwischen 41 Jahre alte Franzose eigentlich kürzertreten. Drei Jahre lang bestritt er nur ein Teilzeitprogramm. Jetzt ist der mit der deutschen TV-Moderatorin Andrea Kaiser verheiratete Toyota-Werksfahrer zurück. "Ich will den neunten Titel“, verkündete er überraschend zur Jahresmitte. Damit würde Ogier mit seinem Landsmann und Rekordhalter Sébastien Loeb gleichziehen.
Mit dem Sieg bei der Rallye Chile Mitte September übernahm Ogier die Tabellenführung. Obwohl er drei der bisher elf WM-Läufe schwänzte. Fünf Siege bei nur acht Starts – eine Ohrfeige auch für die Teamkollegen Kalle Rovanperä aus Finnland, immerhin selbst zweimal Weltmeister, und Elfyn Evans aus Wales.
Sébastien Ogier
Ogier hat in der WM einen knappen Vorsprung von zwei Punkten auf Elfyn Evans
Bild: Red Bull Content Pool
Zur Rallye Zentraleuropa, die vom 16. bis 19. Oktober durch Deutschland, Tschechien und Österreich führt, kommt Ogier mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur zwei Punkten auf Evans (zwei Siege). Rovanperä (zwei Siege) liegt bereits 21 Zähler zurück. Dem Hyundai-Duo Thierry Neuville aus Belgien und Ott Tänak aus Estland (ein Sieg) fehlen bereits mehr als 40 Punkte.

Rallye Zentraleuropa ist eine von nur drei Asphalt-Rallyes

Die Rallye Zentraleuropa ist eine von nur drei reinen Asphalt-Rallyes der Saison. Der zentrale Servicepark ist im bayerischen Passau. Zum Auftakt gibt es einen Shakedown in Bad Griesbach (Donnerstag, 16. Oktober, ab 8.01 Uhr). Nach dem Start in Passau und 18 Wertungsprüfungen im Dreiländereck erreichen die Teams am Sonntag (19. Oktober) das Ziel wiederum in Passau (mehr unter centraleuropeanrally.eu).
Für die Fahrer sind die ständig wechselnden Straßenbedingungen. Griffiger, glatter Asphalt auf breiten Straßen wechselt sich mit holprigen, schmalen und kurvenreichen Prüfungen ab. Auch das Wetter spielt eine wichtige Rolle. "Die Rallye Zentraleuropa ist die anspruchsvollste der drei Asphaltveranstaltungen im WM-Kalender“, beschreibt Sébastien Ogier.
Fabio Schwarz
Fabio Schwarz sammelt weiter Rallye-Erfahrung im WRC2-Team seines Vaters
Bild: Sascha Doerrenbaecher
Die diesjährige Auflage ist die letzte Chance für den Franzosen, den Siegerpokal aus Passau seiner Sammlung aus 66 WM-Siegen hinzuzufügen. Danach ist die Rallye Zentraleuropa Geschichte. Sie macht Platz für die Rallye Kroatien.

Deutsche Hoffnungsträger

Wenn die Rallye-Weltmeisterschaft nach Deutschland, Österreich und Tschechien kommt, stehen die deutschen Starter besonders im Fokus. Vom Nachwuchs bis zum erfahrenen Routinier ist das Feld so bunt wie spannend.
Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Fabio Schwarz (20). Der Sohn von Rallye-Legende Armin Schwarz, dem letzten Sieger einer WM-Rallye, fährt in seiner Rookie-Saison in der WRC2-Klasse einen Toyota GR Yaris Rally2. Im Team seines Vaters sammelt er derzeit Erfahrung auf dem Weg in die WRC.
Claire Schönborn
Claire Schönborn pilotiert einen Ford Fiesta Rally3
Bild: ADAC
In der Junior-WM steht aus deutscher Sicht Claire Schönborn im Fokus. Die Hessin startet 2025 erstmals in einer vollen Rallyesaison und pilotiert einen Ford Fiesta Rally3. Auf Schotter hatte sie es gegen die Spitzenleute schwer. In Mitteleuropa könnte sie nun auf Asphalt ihr wahres Potenzial zeigen. "Als Bergrennfahrerin und Fahrinstruktorin auf der Nürburgring-Nordschleife taugen mir Asphaltpisten, da komme ich her, und das kommt mir hoffentlich auch entgegen“, betont die Ingenieurin. Für deutsche Rallyefans ist sie eine echte Hoffnungsträgerin.
Gleich doppelt im Einsatz sind Hermann Gassner senior und junior, die mit zwei Renault Clio Rally3 antreten. Zusammen bringen sie fünf DRM-Titel mit. Auch Philip Geipel, Deutscher Rallyemeister von 2022, will im Toyota GR Yaris Rally2 ein Ausrufezeichen setzen. Mit dabei sind zudem Timo Weigert (Renault Clio Rally3) sowie eine starke Peugeot-Fraktion mit Johann Retzer, Florian Auer und Johannes Schmid (alle Peugeot 208 Rally4) sowie Thomas Pahlitzsch (Peugeot 208 T16). Ford-Pilot Guido Hudelmaier (Fiesta Rally3) komplettiert das deutsche Aufgebot.