Raser: Grüner Umweltminister in der Kritik
Grüner Umweltminister Untersteller als Raser in der Schusslinie

Baden-Württembergs grüner Umweltminister Untersteller – ein Tempolimit-Verfechter – ist auf der A8 mit 177 km/h geblitzt worden. Jetzt diskutierte der Landtag über ihn.
Bild: DPA
Er ist seit 2012 Umweltminister in Baden-Württemberg und gilt wie seine Partei als Befürworter eines generellen Tempolimits auf Autobahnen: Franz Untersteller von den Grünen. Jetzt ist der 63-Jährige wegen eines heftigen Verstoßes gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung in die Kritik geraten (alle Infos zum Thema zu schnelles Fahren). Ende November 2020 war er auf der A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe in seinem Privatwagen mit 177 statt 120 Kilometern pro Stunde erwischt worden, nun diskutierte sogar der Landtag in Stuttgart über das Thema.Während FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke in einer Aktuellen Stunde von "einem klassischen Fall grüner Doppelmoral" sprach, erhielt Untersteller Rückendeckung vom grünen Koalitionspartner. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Reinhart zitierte die Bibel: "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein." Untersteller beende sowieso seine Karriere nach der Landtagswahl im März. "Lassen wir Milde walten", sagte Reinhart. "Gewähren wir ihm einen ehrenvollen Zieleinlauf." Rülke hatte dem Grünen-Politiker zuvor den Rücktritt nahegelegt, was Untersteller zurückwies. Und auch Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) hatte seinen Minister gerügt. "Persönliches Fehlverhalten ist natürlich nicht hilfreich." Allerdings warnte er auch davor, es mit der Kritik zu übertreiben: "Das ist ja kein Fehlverhalten im Amt." Untersteller sei kein Raser, "er ist mal gerast" (so wehren Sie sich gegen ein Blitzerurteil).
Vier Wochen Fahrverbot, 240 Euro Bußgeld
Untersteller selbst, der nach eigener Aussage am betreffenden Tag auf dem Weg nach Frankfurt zur Familie seines Sohnes war, zeigte sich immerhin einsichtig: "Das ist natürlich kein Kavaliersdelikt, wenn man so deutlich über der vorgeschriebenen Geschwindigkeit unterwegs ist, wie ich es war. Das ist mir klar, und ich weiß, dass die Eile, zu den Enkeln und der Familie zu kommen das in keinster Weise rechtfertigt. Es hätte mir einfach nicht passieren dürfen. Die Konsequenzen, die das hat, werden mir eine deutliche Lehre sein", sagte er BILD. Diese werden aus vier Wochen Fahrverbot, zwei Punkten in Flensburg und einem Bußgeld von 240 Euro bestehen.
Mit Material von dpa.
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