Reifenschäden: Vorsicht, Lebensgefahr!
Diese Warnzeichen sollten Autofahrer ernst nehmen

Einmal zu schnell über den Bordstein, mit zu wenig Luft gefahren oder eine Schraube eingefangen: Reifen stecken viel weg, vergessen aber nichts. Das Tückische: Manche Schäden bleiben lange unsichtbar und zeigen sich erst, wenn es gefährlich wird. AUTO BILD zeigt die häufigsten Reifenschäden, woran Sie sie erkennen und wann der Reifen unbedingt runtermuss.
Bild: AUTO BILD - Heimbach
Inhaltsverzeichnis
- Fremdkörper in der Lauffläche
- Schleichernder Druckverlust
- Schäden durch zu niedrigen Reifendruck
- Zu viel Luft im Reifen
- Stoßbruch nach Bordstein oder Schlagloch
- Schäden an Felge und Fahrwerk
- Abgescheuerte oder eingeschnittene Reifenflanke
- Einseitig abgefahrenes Profil
- Zu wenig Profil
- Überalterte und poröse Reifen
- Schäden durch falsche Lagerung
- Fazit
Reifen müssen Schwerstarbeit leisten. Nur vier vergleichsweise kleine Aufstandsflächen halten das Auto auf der Straße, übertragen Antriebs-, Brems- und Seitenführungskräfte. Entsprechend wichtig ist ihr Zustand. AUTO BILD zeigt die häufigsten Schadensbilder, erklärt ihre Ursachen und sagt, wann ein Reifen noch zu retten ist und wann er unbedingt gewechselt werden muss.
Schrauben und Nägel gehören zu den Klassikern unter den Reifenschäden. Dringt ein Fremdkörper durch die Lauffläche, muss der Reifen nicht schlagartig platt sein. Häufig bleibt Nagel oder Schraube zunächst im Gummi stecken und verschließt das entstandene Loch teilweise. Die Luft entweicht dann langsam und der Schaden fällt vielleicht erst durch die Warnung des Reifendruckkontrollsystems oder bei der nächsten Reifendruckkontrolle auf.
Wichtig: Den Fremdkörper nicht einfach herausziehen. Dadurch kann aus dem schleichenden Luftverlust innerhalb von Sekunden ein platter Reifen werden. Ob eine Reparatur möglich ist, muss ein Fachbetrieb entscheiden. Entscheidend sind unter anderem Lage und Größe der Beschädigung sowie der Zustand des Reifens.

Ein Nagel in der Lauffläche: Solche Schäden lassen sich meist reparieren.
Bild: AUTO BILD-Mau
AUTO BILD-Tipp: Steckt eine Schraube oder ein Nagel im Reifen, Fremdkörper zunächst nicht herausziehen. Reifendruck kontrollieren und den Reifen vom Fachbetrieb prüfen lassen. Viele Beschädigungen lassen sich reparieren.
Nicht immer ist ein Loch auf Anhieb zu erkennen. Ein Reifen kann auch durch ein beschädigtes Ventil, Undichtigkeiten zwischen Reifen und Felge oder einen kleinen Fremdkörper langsam Druck verlieren. Wer ständig Luft nachfüllen muss, sollte deshalb nicht einfach weiterpumpen.

Blasen im Seifenwasser verraten, hier ist das Ventil undicht.
Bild: AUTO BILD-Mau
Als erste Hilfe bei der Fehlersuche kann Seifenwasser dienen. Bilden sich an Ventil, Lauffläche oder Felgenrand Blasen, entweicht dort Luft.
AUTO BILD-Tipp: Muss ein Reifen regelmäßig nachgepumpt werden, steckt immer eine Ursache dahinter. Nicht monatelang Luft nachfüllen, sondern Reifen, Ventil und Felge auf Undichtigkeiten prüfen lassen.
Zu wenig Luft gehört zu den besonders heimtückischen Reifenkillern. Sinkt der Druck deutlich ab, werden die Seitenwände bei jeder Radumdrehung stärker verformt. Der Reifen wird regelrecht durchgewalkt und erwärmt sich dabei stark.
Auf Dauer kann diese Überbeanspruchung den inneren Aufbau des Reifens schädigen. Gefährlich daran: Von außen muss zunächst überhaupt nichts zu sehen sein. Ein Reifen, der längere Zeit mit deutlich zu niedrigem Druck gefahren wurde, kann innen bereits beschädigt sein.
Dazu kommen weitere Nachteile: Zu niedriger Reifendruck erhöht den Rollwiderstand und damit meist auch den Verbrauch. Fahrverhalten und Lenkpräzision können leiden, außerdem kann sich das Profil verstärkt an den äußeren Bereichen abnutzen.
AUTO BILD-Tipp: Reifendruck regelmäßig kontrollieren, besonders vor längeren Autobahnfahrten und mit hoher Beladung. Maßgeblich sind die Herstellerangaben am Fahrzeug, häufig etwa an der B-Säule, im Tankdeckel oder in der Betriebsanleitung.
Viel hilft viel? Beim Reifendruck stimmt das nicht. Auch deutlich zu hoher Druck kann das Fahrverhalten und den Verschleiß negativ beeinflussen. Die Aufstandsfläche verändert sich, bei dauerhaft zu hohem Druck kann sich die Mitte der Lauffläche stärker abnutzen. Außerdem nimmt der Fahrkomfort ab.
Deshalb sollte der Reifendruck nicht nach Gefühl eingestellt werden, sondern passend zu Fahrzeug und Beladung.
AUTO BILD-Tipp: Den Reifendruck möglichst bei kalten Reifen kontrollieren und nach den Vorgaben des Autoherstellers einstellen. Wer Kraftstoff sparen möchte, kann den Druck um rund 0,5 Bar erhöhen.
Ein klassischer Fall des sogenannten Reifengedächtnisses: Das Rad kracht in ein tiefes Schlagloch oder wird mit Schwung über einen hohen Bordstein gefahren. Hinterher sieht alles unauffällig aus, also wird weitergefahren.
Genau das kann gefährlich werden. Beim starken Zusammendrücken des Reifens können Bestandteile der Karkasse beschädigt werden. Der Schaden liegt im Inneren und ist zunächst möglicherweise nicht erkennbar. Mit zunehmender Belastung kann sich später eine Beule an der Seitenwand bilden. Sie ist ein ernstes Warnsignal für einen Strukturdefekt.
Bei höherem Tempo wirken große Kräfte auf den vorgeschädigten Reifen. Deshalb sollte ein harter Bordstein- oder Schlaglochkontakt niemals als bloßer Schönheitsfehler abgetan werden.
AUTO BILD-Tipp: Nach einem heftigen Schlagloch- oder Bordsteintreffer Reifen kontrollieren lassen, auch wenn außen zunächst nichts zu sehen ist. Bildet sich eine Beule an der Flanke, Reifen nicht weiterfahren, sondern ersetzen lassen.
Ein kräftiger Bordsteinkontakt kann mehr beschädigen als nur den Reifen. Auch die Felge kann sich verformen oder reißen. Während oberflächliche Kratzer meist nur ein optisches Problem sind, können strukturelle Schäden zu Brüchen führen und einen Austausch erforderlich machen.
Bei einem heftigen Treffer können außerdem Spurstangen, Gelenke oder andere Fahrwerksteile Schaden nehmen und sich die Achsgeometrie verstellen. Typische Warnzeichen sind ein schief stehendes Lenkrad, schlechter Geradeauslauf oder einseitig abgefahrene Reifen. Wird die Ursache nicht behoben, kann auch ein neuer Reifensatz schnell wieder ungleichmäßig verschleißen.
AUTO BILD-Tipp: Nach einem heftigen Bordstein- oder Schlaglochkontakt auch die Felge auf Schäden kontrollieren. Steht das Lenkrad anschließend schief oder zieht das Auto zur Seite, Fahrwerk und Achsgeometrie in der Werkstatt prüfen lassen.
Beim Einparken einmal zu dicht am Bordstein entlanggeschrammt, schon fehlt etwas Gummi an der Seitenwand. Oberflächliche Spuren sind nicht automatisch ein Todesurteil für den Reifen. Entscheidend ist, wie tief die Verletzung reicht.
Die Flanke ist besonders sensibel, weil sie bei jeder Radumdrehung arbeitet. Sind tiefere Schichten oder sogar Bestandteile des tragenden Unterbaus zu sehen, ist die Betriebssicherheit nicht mehr gewährleistet. Hier hilft nur noch der Austausch!
AUTO BILD-Tipp: Bei tiefen Schnitten, herausgerissenen Gummistücken, sichtbarem Gewebe oder einer Beule nicht auf gut Glück weiterfahren. Den Reifen fachmännisch beurteilen lassen. Bei Schäden am tragenden Aufbau muss er ersetzt werden.
Ist das Profil außen oder innen deutlich stärker abgefahren als auf dem Rest der Lauffläche, liegt das Problem häufig nicht allein beim Reifen. Eine verstellte Spur oder andere Probleme an Fahrwerk und Achsgeometrie können die Ursache sein. Auch heftige Kontakte mit Bordsteinen oder Schlaglöchern können die Einstellung der Achse verändern oder Fahrwerksteile beschädigen.
Warnzeichen sind neben dem ungleichmäßigen Reifenverschleiß ein schief stehendes Lenkrad oder ein Auto, das nicht mehr sauber geradeaus läuft. Einfach neue Reifen zu montieren, reicht dann nicht. Bleibt die Ursache bestehen, kann sich auch der neue Satz schnell wieder ungleichmäßig abfahren.

Innen abgefahren: Ein neuer Reifen allein reicht nicht. Auch die Ursache für den Verschleiß muss behoben werden.
Bild: Hersteller
AUTO BILD-Tipp: Bei auffällig einseitigem Verschleiß zuerst die Ursache suchen lassen. Spur, Achsgeometrie und Fahrwerk prüfen und gegebenenfalls eine Achsvermessung durchführen lassen. Erst danach neue Reifen montieren.
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe von Pkw-Reifen beträgt in Deutschland 1,6 Millimeter. Technisch sinnvoll ist es allerdings, nicht bis zum letzten Zehntelmillimeter zu fahren. Mit abnehmendem Profil verschlechtern sich vor allem die Reserven bei Nässe, weil der Reifen immer weniger Wasser verdrängen kann. Damit steigt das Aquaplaning-Risiko.
Bei Winterreifen ist ausreichendes Profil zusätzlich wichtig, damit Schnee aufgenommen und wieder ausgeworfen werden kann.
AUTO BILD-Tipp: Reifen nicht erst bei exakt 1,6 Millimetern ersetzen. AUTO BILD empfiehlt als praxisgerechte Wechselgrenze etwa drei Millimeter bei Sommerreifen und vier Millimeter bei Winterreifen. Die Profiltiefe regelmäßig an mehreren Stellen kontrollieren.
Reifen haben kein allgemeines Verfallsdatum, trotzdem altert ihr Gummi. Wärme, UV-Strahlung, Ozon und ungünstige Lagerbedingungen können den Alterungsprozess beschleunigen. Das Material kann härter werden, feine Risse bekommen und der Reifen an Leistungsfähigkeit verlieren.
Das Alter verrät die DOT-Kennzeichnung auf der Reifenflanke. Die letzten vier Ziffern geben Produktionswoche und Produktionsjahr an. "3414" bedeutet beispielsweise: hergestellt in der 34. Kalenderwoche 2014.

Die DOT-Nummer verrät das Reifenalter: "1616" steht für die 16. Kalenderwoche 2016.
Bild: Ralf Timm / Auto Bild
Das Alter allein entscheidet jedoch nicht darüber, ob ein Reifen noch sicher ist. Zustand, Nutzung und Lagerung spielen ebenfalls eine Rolle. Spätestens bei sichtbaren Rissen, Verformungen oder anderen Alterserscheinungen ist eine fachliche Kontrolle angesagt.
AUTO BILD-Tipp: Grundsätzlich gibt es keine Vorschrift, ab welchem Alter ein Reifen gewechselt werden muss. Mit zunehmendem Alter kann die Gummimischung jedoch verhärten und der Reifen an Leistungsfähigkeit verlieren. Spätestens nach acht bis zehn Jahren sollte deshalb auch bei ausreichendem Restprofil über einen Austausch nachgedacht werden.
Auch in der Winterpause können Reifen Schaden nehmen. Hitze, direktes Sonnenlicht und Chemikalien sind keine geeignete Umgebung für Gummi. Problematisch kann insbesondere der Kontakt mit Kraftstoffen, Ölen und anderen aggressiven Stoffen sein.
Ideal ist ein kühler, trockener und dunkler Lagerplatz. Kompletträder und Reifen ohne Felgen werden dabei unterschiedlich aufbewahrt: Reifen ohne Felgen werden am besten stehend gelagert und gelegentlich gedreht. Kompletträder können liegend gestapelt oder an geeigneten Halterungen aufgehängt werden.
AUTO BILD-Tipp: Reifen trocken, dunkel und möglichst kühl lagern. Kontakt mit Öl, Kraftstoff und Chemikalien vermeiden. Reifen ohne Felge stehend, Kompletträder liegend oder aufgehängt lagern.
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Fazit
Ein Reifen vergisst nichts: Nagel eingefahren, Bordstein erwischt, wochenlang mit zu wenig Luft unterwegs. Vieles steckt ein Reifen scheinbar problemlos weg. Doch genau darin liegt die Gefahr. Schäden am inneren Aufbau bleiben unter Umständen lange unsichtbar und zeigen sich erst später.
Deshalb gilt: Reifendruck und Reifen regelmäßig kontrollieren und bei jedem Check auch einen Blick auf Lauffläche und Flanken werfen. Nach einem heftigen Schlagloch- oder Bordsteintreffer lieber einmal zu viel zum Fachmann fahren. Das kann im entscheidenden Moment verhindern, dass aus einem kleinen Reifenschaden ein großes Problem wird.
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