Sieben-Grad-Lüge: Räderwechsel auf Sommerreifen
Wann soll man wirklich auf Sommerreifen wechseln?

Bei plus 7 Grad ist Sommerreifen-Zeit, behaupten Reifenhersteller. AUTO BILD enthüllt: Das kann zu spät sein! So finden Sie den richtigen Zeitpunkt.
Bild: Ralf Timm
Das Wichtigste zusammengefasst:
- Eine alte Faustformel lautet: von O bis O – von Ostern bis Oktober Sommerreifen, von Oktober bis Ostern Winterreifen. Die Formel ist ganz okay, aber sehr grob.
- Genauer ist es, sich nach der Temperatur zu richten – aber Vorsicht: Dass plus sieben Grad Celsius immer der richtige Zeitpunkt ist, ist eine hartnäckige Lüge mancher Reifenhersteller!
- Bei Temperaturen knapp über null lautet die Frage: Ist die Fahrbahn beim Losfahren noch feucht, zum Beispiel wegen Tau? Dann sind Winterreifen tendenziell besser. Auf trockener Straße: lieber Sommerreifen.
- Im Zweifel fährt man in den Übergangszeiten sicherer mit Winterreifen – es sei denn, man ist auf das Auto nicht unbedingt angewiesen und kann es bei Glätte einfach stehen lassen. Keinesfalls aber sollte man Winterreifen in Deutschland über das ganze Jahr fahren.
Welchen Einfluss hat die Temperatur auf die Reifen?
Glatt werden Straßen nicht erst unter null Grad Celsius. Je nachdem, wie stark die Straßen bereits ausgekühlt sind, kann Straßenglätte auch schon ab Lufttemperaturen unter etwa vier Grad auftreten, zum Beispiel an feuchten Stellen und auf Brücken.
Manche Reifenhersteller erzählen uns seit Jahrzehnten, Winterreifen wären ab Temperaturen unter plus sieben Grad immer die bessere Wahl. Dass ihre weichere Gummimischung auch bei niedrigen Temperaturen flexibel bleibt, stimmt ja; warum die starre Sieben-Grad-Grenze für Reifen nicht stimmt, erklären wir in diesem Artikel.
Was bedeutet die Faustformel "von O bis O"?
Die bekannte Faustformel für den saisonalen Reifenwechsel lautet: von O bis O – das bedeutet, von Ostern bis Oktober Sommerreifen. Umgekehrt bedeutet diese Formel auch, dass von Oktober bis Ostern die richtige Zeit für Winterreifen ist. Und tatsächlich liegt man gar nicht so verkehrt, wenn man sich an diese Faustformel für den Rad- bzw. Reifenwechsel hält.
Doch was ist der Hintergrund dieser Faustformel? Während Winterreifen bei Glätte und Schnee den Sommerreifen überlegen sind, bieten Sommerreifen bei Plus-Temperaturen grundsätzlich mehr Sicherheit, vor allem auf trockener Strecke.
Wo zwischen Oktober und Ostern immer mit Schnee, Schneeregen oder Reifglätte zu rechnen ist, fährt man in diesem Zeitraum sicherer mit Winterreifen (und entspricht damit auch der situativen Winterreifenpflicht in Deutschland).

Sofern es nicht schneit oder glatt ist, sind Sommerreifen sicherer als Winterreifen – auch bei Nässe. Allerdings spielt auch die Temperatur eine Rolle: Je weiter sie Richtung null Grad fällt, desto mehr verlieren Sommerreifen ihre Stärken.
Bild: Anuscha Sonntag / AUTO BILD
Damit ist aber auch schon erklärt, warum "von O bis O" nur eine Faustformel sein kann: Schnee und Eis zu Ostern sind in Oberwiesenthal keine Seltenheit, in Düsseldorf wäre das eine kleine Sensation.
Und, klar: Ostern kann sowohl noch im März liegen als auch in die zweite April-Hälfte fallen (Osterdatum ist immer der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling). Je nachdem wie früh der Termin liegt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es auch nach Ostern noch zu Glätte kommt.
Im Zweifel sollte man etwas länger auf Winterreifen setzen, wenn man auf das Auto angewiesen ist und es bei Glätte nicht auch einmal stehen lassen kann.
Kann man nicht einfach das ganze Jahr auf Winterreifen fahren?
Das sollte man nicht. Bei stabilen Plus-Temperaturen sind Sommerreifen den Winterreifen deutlich überlegen, ermöglichen kürzere Bremswege und mehr Sicherheit auf Nässe. Daher ist dringend davon abzuraten, Winterreifen über das ganze Jahr zu fahren.
Wann sollte ich also auf Sommerreifen wechseln?
Wenn Sie nicht mehr mit einer späten Rückkehr des Winters rechnen: Fahren Sie an einem trockenen Tag morgens zu Ihrer üblichen Zeit los und halten Sie auf Ihrer üblichen Strecke an einer schattigen Stelle an (Vorsicht, ganz von der Straße runterfahren und niemanden gefährden). Steigen Sie aus und legen Sie, wenn kein Auto kommt, Ihre Finger kurz auf den Asphalt auf dem Parkplatz oder neben der Fahrbahn. Ist die Oberfläche trocken? Dann ist Zeit, die Winterreifen einzumotten und Sommerreifen aufzuziehen.
Ganzjahresreifen sind eine gute Alternative
Wer sich den saisonalen Reifenwechsel sparen möchte, kann stattdessen zu Ganzjahresreifen greifen. Auch wenn Ganzjahresreifen bei den unterschiedlichen Witterungen nicht an die Leistungen guter Spezialisten herankommen, bieten sie vor allem für kleinere, leichte Autos doch ausreichend Sicherheit.
Und wenn nach dem Radwechsel zu Hause der Sommerreifen fast platt ist? Hier testen wir Akku-Luftpumpen. Die sind auch prima, um vor der Wintersaison die Reifen der Oldtimer aufzupumpen, damit es keine Standplatten gibt.
Service-Links
