Wer den Reifenwechsel bzw. den Rädertausch in der Werkstatt vornehmen lässt, zahlt meist rund 50 Euro. Günstiger geht es, wenn man es selbst macht. Auch dann muss zuvor ein wenig investiert werden: Ab 20 Euro bekommt man einen einfachen Rangierwagenheber, bereits für 30 Euro einen Drehmomentschlüssel. Doch die Investition zahlt sich mit den folgenden Reifenwechseln richtig aus. AUTO BILD erklärt den Rädertausch Schritt für Schritt und gibt wichtige Tipps.
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Welches Werkzeug ist beim Reifenwechsel nötig?

Bevor es an das Austauschen der Räder geht, sollten Sie sich das benötigte Werkzeug heraussuchen und bereitlegen. Dazu gehört:
  • WagenheberAm komfortabelsten ist ein Rangierwagenheber, für den Reifenwechsel zweimal im Jahr tut es aber oft auch der Fahrzeugwagenheber, sofern vorhanden.
  • Radkreuz: Damit lassen sich auch leicht angerostete Radmuttern lösen.
  • Drehmomentschlüssel: Der gewährleistet, dass die Radbolzen oder Radmuttern mit der richtigen Kraft angezogen werden.
  • Ggf. Schlagschrauber: Mit einem Schlagschrauber geht der Rädertausch besonders schnell.
  • Ggf. Schlüssel: Um das Felgenschloss zu lösen. Der befindet sich in einem speziellen Fach im Kofferraumboden
  • Drahtbürste: Um Rost und groben Schmutz um die Radnabe und der Auflagenfläche der Felgen zu entfernen.
  • Mundschutz: Keinen Staub einatmen, wenn die Radnabe aufbereitet wird.
  • Handschuhe: Auf den Felgen sammelt sich Bremsstaub, der nachhaltig an den Fingern klebt.

Anleitung: richtiges Vorgehen beim Reifenwechsel

  1. Handbremse bzw. elektrische Parkbremse anziehen.
  2. Radmuttern/Radbolzen anlösen (nicht abdrehen).
  3. Wagen aufbocken (unbedingt darauf achten, dass das Rad frei über dem Boden hängt).
  4. Schrauben vollständig herausdrehen.
  5. Rad vorsichtig abnehmen, nicht auf Nabe, Bremsscheibe oder Hitzeschutzblech fallen lassen.
  6. Zustand des Reifens inspizieren (Profi abgefahren? Gummi rissig? Beschädigungen?).
  7. Reifen mit Reifenkreide markieren (VR für vorne rechts, HL für hinten links ...).
  8. Neues Rad mit dem passenden Reifen (siehe Markierung) ansetzen.
  9. Schrauben einsetzen und leicht über Kreuz anziehen, sodass die Felgen plan an der Anlagefläche steht.
  10. Wagen absenken, sodass das Rad blockiert.
  11. Rad mit Drehmomentschlüssel über Kreuz festziehen (richtiges Drehmoment ist dem Bordbuch zu entnehmen).
  12. Luftdruck prüfen und ggf. anpassen.
  13. Wichtig: Nach 50 Kilometern den festen Sitz der Radbolzen erneut mit einem Drehmomentschlüssel kontrollieren.
Die abgenommenen Reifen sollten mit Universalkreide oder einem Wachsmalstift markiert werden (z. B. "VL" für vorn links), damit sie später wieder an die richtige Position gesetzt werden. Vor dem Einlagern ist es ratsam, sie einer Sichtprüfung zu unterziehen. Worauf man achten muss, ist oben in der Bildergalerie erklärt. Tipp: Da die Reifen an der Antriebsachse meist etwas schneller verschleißen, ist es ratsam, alle 10.000 bis 15.000 Kilometer achsweise zu tauschen, also den Reifen von vorne rechts nach hinten rechts, von vorne links nach hinten links und umgekehrt. (Weitere Infos gibt es hier)

Was ist beim Reifenwechsel zu beachten?

  • Zeit: Planen Sie für die Montage genügend Zeit ein – Stress und Hektik sorgen für Unsicherheit. Was dann oft passiert: Der Wagen kippt vom Wagenheber, der Wagenheber wurde nicht am richtigen Punkt am Schweller angesetzt, sodass der Schweller eingedrückt wird. Oder – ein besonders gefährlicher Fehler – es wird vergessen, wirklich alle Schrauben fest anzuziehen.
  • Stabilität: Damit der Wagen stabil steht, nehmen Sie den Wechsel nur auf ebenem, festen Untergrund vor. Verwenden Sie einen stabilen Wagenheber, sichern Sie den Wagen gegen Wegrollen.
  • Drehmoment: Beachten Sie für den Wechsel die Angaben im Bordbuch, hier finden Sie auch das erforderliche Drehmoment zum Anziehen der Räder. Häufig liegen die angegebenen Werte um 120 Nm, es gibt aber auch Fahrzeuge, für die Drehmomentwerte von 180 Nm vorgeschrieben sind.
  • Radbolzen: Wer von Stahl auf Aluräder tauscht, muss auf die Länge der Radbolzen achten. Bei Alurädern sind sie oft länger, werden hier die Bolzen der Stahlfelge verwendet, haben die Radbolzen nur ein paar Gewindegänge in der Radnabe zu fassen, können beim Fahren ausreißen.
  • Vibrationen: Machen Sie nach dem Wechsel eine längere Probefahrt, die auch über die Landstraße führt. Gibt es Vibrationen im Lenkrad oder beim Bremsen, kommt man nicht um einen Werkstattbesuch rum. Häufig liegt es an einem abgefallenen Wuchtgewicht, die Vibrationen können aber auch andere Gründe haben. Zur Kontrolle müssen die Räder auf die Wuchtmaschine.

Zubehör für den Reifenwechsel

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Wann sollte man für den Reifenwechsel in die Werkstatt?

Es gibt durchaus gute Gründe, den Reifenwechsel in der Werkstatt durchführen zu lassen. Da wäre etwa die Möglichkeit, seine Reifen dort einlagern zu lassen. Das kann man zwar auch unabhängig von der Montage machen, doch bei vielen Werkstätten kostet die Einlagerung weniger, wenn dort auch der Wechsel durchgeführt wird.
Los geht es bei rund sieben Euro pro Rad und Saison. Zudem nimmt einem die Werkstatt die Arbeiten, die mit der Einlagerung einhergehen, ab. Sichtprüfung auf Schäden, Reifenreinigung und gegebenenfalls Auswuchten der Räder sind weitere Services, die die Werkstatt übernimmt. Kostenlos sind diese Dienste in den meisten Fällen allerdings nicht.
Luftdruck Reifendruck-Kontrollsystem
Wenn die Reifen mit einem direkten RDKS ausgerüstet sind, muss der Radwechsel in der Werkstatt erfolgen.
Bild: Continental AG
Ein weiterer Grund für einen Reifenwechsel in der Werkstatt ist der Check des Reifendruck-Kontrollsystems (RDKS). Sofern ein direktes RDKS verbaut ist, sollten die Reifen nur vom Profi gewechselt werden. Er überprüft die Sensoren in den Reifen, die über ein Funksystem die Daten an eine zentrale Steuereinheit übermitteln. Wer einen Wagen mit indirektem RDKS fährt, hat diese Sorgen nicht – in seinen Rädern stecken keine Sensoren, die es zu prüfen gilt.
Dazu sollte das Gewicht der Räder bedacht werden. Grundsätzlich gilt: je größer die Räder, desto höher das Gewicht. Bereits eine bereifte Felge mit einem Durchmesser von 17 Zoll kann über 20 Kilogramm wiegen. Räder, die auf großen SUV verbaut sind und bis zu 23 Zoll Durchmesser haben, erreichen ein Gewicht von über 40 Kilogramm. Hier sollte der Räderwechsel mindestens in Teamarbeit, also zu zweit erfolgen, oder eben doch besser geschultem Fachpersonal überlassen werden.

Was ist beim Einlagern der Reifen zu beachten?

Wer die Reifen selbst einlagert, sollte sie zuvor ordentlich säubern und auf Schäden untersuchen. Auch das Herstellungsdatum kann anhand der vierstelligen DOT-Nummer an der Reifenflanke (teilweise nur innen) abgelesen werden. Steht dort zum Beispiel "4414", dann wurde der Reifen in der 44. Woche 2014 produziert, ist also über 11 Jahre alt – und damit überfällig für einen Austausch.
Dazu sollte das Restprofil unter die Lupe genommen werden. Bei zu geringer Profiltiefe (Sommerreifen min. 3 mm, Winterreifen min. 4 mm) oder Beschädigungen lohnt es sich nicht, die Reifen einzulagern – sie können direkt entsorgt werden. Kompletträder sollten liegend aufeinander gestapelt, Reifen ohne Felge stehend in einem trockenen, lichtgeschützten Raum eingelagert werden. Die stehenden Reifen ohne Felge alle vier Wochen drehen. (Weitere Infos zur Reifenlagerung gibt es hier.)

Von O bis O: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Wechseln?

Experten raten, beim Reifenwechsel die Faustregel "von O bis O" zu beherzigen – also im Oktober auf Winterreifen und um Ostern wieder auf Sommerreifen zu wechseln. Wer sich daran orientiert, macht in der Regel nichts falsch. Zur Osterzeit verabschieden sich meist die frostigen Temperaturen, und im Oktober wird es langsam wieder kälter. Die genauen Temperaturen und Witterungsverhältnisse sind jedoch von Region zu Region unterschiedlich. Hersteller empfehlen, von Sommer- auf Winterreifen zu wechseln, wenn die Temperaturen unter sieben Grad Celsius fallen.
Die Sieben-Grad-Regel ist aber ein Mythos. Was dahintersteckt und wann man wirklich auf Winterräder wechseln sollt3e, erklären wir hier.
Die Straßenverkehrsordnung macht übrigens keine Vorschriften zur richtigen Zeit für den Reifenwechsel. Hier heißt es lediglich in §2 Abs. 3a, dass ein Auto bei winterlichen Straßenverhältnissen (Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte) nur mit Winterreifen (M+S-Reifen, Alpine-Symbol) gefahren werden darf.
Wer seine Reifen in der Werkstatt wechseln lässt, tut gut daran, sich früh zu kümmern, denn in der Räderwechsel-Saison kommt es in den Werkstätten sowohl zu zeitlichen als auch zu materiellen Engpässen. Einen Termin zum Reifenwechsel bekommt man nur mit ausreichend Vorlauf, und wer neue Reifen kaufen möchte, muss unter Umständen mit einer hohen Lieferzeit rechnen. 

Was ist beim Online-Reifenkauf zu beachten?

Auch wenn ein Satz neuer Reifen auf die Felgen aufgezogen werden muss, kommt man um den Besuch einer Werkstatt nicht herum. Sei es, dass der alte Reifen zu wenig Profil hat oder durch das Alter spröde und rissig geworden ist – in beiden Fällen muss Ersatz her. Der kann entweder direkt in der Werkstatt oder im Zubehör-Handel gekauft werden. Tipp: Wer seinen Reifen online kauft, kann ihn sich auch direkt in die Werkstatt schicken lassen, die ihn montieren soll.
Reifenmontage Reifenwechsel
Neue Reifen auf die Felgen zu ziehen, sollte man dem Fachmann überlassen. Er wuchtet den Reifen im Anschluss noch aus.
Bild: Sven Krieger
Allerdings berechnen die Werkstätten oft geringere Preise für Montagearbeiten, wenn sie auch den Reifen und/oder die Felge verkauft haben. Die Kosten für das Aufziehen eines neuen Reifens auf die Felge, das Auswuchten und die abschließende Montage auf den Wagen schwanken stark und hängen auch von der Größe der Radreifenkombination ab.
Ab etwa zehn Euro pro Reifen ziehen die Profis das Gummi auf die Felge. Inklusive Auswuchten werden mindestens 20 Euro fällig. Mit etwa fünf Euro muss man für die Montage am Wagen einrechnen. Wer ein eingelagertes oder mitgebrachtes Rad neu auswuchten und montieren lässt, kann etwa 10 Euro pro Rad einplanen.