Strecke machen statt Staufrust. Auf dem Sonnendeck relaxen statt die ermüdend-monotone Autobahn abfahren – so eine Fährpassage kann die Anreise in die Zielregion zum stressfreien Intermezzo machen.
Und immer mehr Urlauber kommen auf den Geschmack: Laut einer aktuellen Studie des Fährverbands VFF haben 37 Prozent der Befragten mindestens eine Fährreise in den letzten fünf Jahren gebucht. Über die Hälfte liebäugelt mit einem Turn, vor allem die 18- bis 39-Jährigen. Was viele von ihnen lockt: maritimes Erlebnis und Entspannung an Bord.
Auch die Lust auf Urlaub mit dem Reisemobil ist im Zuge der Corona-Pandemie gewachsen, fast jeder Siebte bestätigt dies, so das Umfragefazit. Wohin zieht es die meisten Fährreisenden? Skandinavien, Großbritannien sowie Baltikum und Mittelmeer zählen zu den Favoriten. Insgesamt stehen europaweit mehr als 1000 Verbindungen zur Auswahl, kurze Überfahrten ebenso wie längere, häufig über Nacht.
Was neben Gas abdrehen und Kühlschrank leeren vor und während der Fahrt noch wichtig ist, erklären wir hier.
In Coronazeiten boomen Reisen mit dem eigenen Fahrzeug – davon profitieren Fährpassagen in Europas Norden und Süden.

Was sollten Fähranfänger wissen?

Früher Vogel fängt den Wurm – das gilt auch für die Reservierung von Fährtickets. Wer einige Monate vor Reiseantritt und dazu noch Hin- und Rückfahrt bucht, kann viel Geld sparen. Besonders bei langen Passagen sind Schnäppchenkontingente schnell ausgeschöpft.
Vergleichsportale im Netz (siehe rechts) liefern einen Überblick über Preise und Verfügbarkeit, ebenso geben Reedereien und Reisebüros Auskunft. Nicht nur hinsichtlich Haupt- und Nebensaison variieren die Preise, auch Wochentage schlagen unterschiedlich zu
Buche. Wochenenden sind meist teurer. Keine Option: Last Minute am Hafen. Schnäppchen gibt es nicht, und bei hoher Nachfrage muss man lange warten.

Wie kann man noch sparen?

Autoclubs wie ADAC und ACE geben Mitgliederrabatt (bis zu 25 Prozent). Manche Reedereien bieten ebenfalls Ermäßigungen für Senioren, Familien oder Kinder, in der Nebensaison auch kurzfristigere Pauschalsonderangebote. Auf die Länge kommt es beim Reisemobil an. Einige Anbieter heben den Fahrpreis ab sechs Metern deutlich an, andere ab sieben Metern.
In jedem Fall wichtig: Das Fahrzeug genau abmessen – einschließlich aller Arten von montierten Objekten wie Fahrräder oder Gepäckboxen. Bei Abweichungen droht satter Aufschlag, oder man fliegt sogar von Bord, falls es zu eng wird. Extras am besten vor der Passage abmontieren.
Rechtzeitig anreisen: Bei längeren Passagen sollte man ein bis zwei Stunden vor Abfahrt einchecken.

Zeit ist Geld - gilt das auch für die Fährpassage?

Nach Island oder auf andere Inseln führt per Reisemobil nur der Seeweg. Auf anderen Routen – etwa nach Schweden, Spanien oder Griechenland – steht alternativ die Überlandfahrt zur Wahl. Was ist günstiger? In den meisten Fällen hat der Landweg die Nase leicht vorn. Allerdings muss man neben Spritkosten auch Maut- und Campingplatzgebühren sowie Verschleiß einrechnen. Aktuell treiben die Mondpreise an der Zapfsäule die Kosten weiter nach oben. Sind auch steigende Fährtarife zu erwarten?
Eine Prognose ist schwierig: "Von unseren Mitgliedsreedereien habe ich noch keine Informationen zu Treibstoffzuschlägen bekommen", sagt Fährverbands-Sprecherin Kathrin Schiemann. Unschlagbares Argument für die Fähre: Zeitersparnis, die bis zu zwei Tage ausmachen kann, stressige Staus exklusive. Da vielen auch nachhaltigeres Reisen wichtig ist, punkten einige Linien mit LNG-Gas-, Hybrid- oder Elektroantrieb.

Kabine oder Sessel? Wo sollte man auf der Nachtfähre schlafen?

Das ist eine Frage des Geldes, der Route sowie des individuellen Bedürfnisses, wie ausgeschlafen man am Zielhafen ankommen möchte. Tagfahrten sind normalerweise günstiger als Nachtpassagen. Auf einigen langen Fährfahrten besteht Kabinenpflicht, so etwa auf der Nord- und Ostsee. Die Auswahl reicht von der günstigsten fensterlosen Innenkabine über die Außenkabine mit Aussicht bis zur Luxussuite. Mittelmeer-Passagen gewähren gewöhnlich auch den Aufenthalt an Deck. Je ausgebuchter das Schiff, desto schwieriger kann jedoch die Platzwahl werden. Und je nach Wetterlage kann es an Deck auch frisch sein.
Unerschrockene nehmen schon mal auf der mitgebrachten Isomatte im Schlafsack Platz. Billiger als eine Kabine, dafür bequemer als die Sitzgelegenheiten im öffentlichen Bereich, ist ein reservierter Ruhesessel. Auch solche Liegesitze können alternativ zur Kabine auf einigen Routen verpflichtend sein.
Im Reisemobil darf man auf der Fähre (Ausnahme: Camping an Bord) nicht übernachten.

Welche Regeln gelten an Bord vor und während der Fahrt?

Einweiser regeln Einfahrt und Einparken auf dem Schiffsdeck, diesen immer Folge leisten. Auch Rangieren oder Rückwärts-Ausschiffen kann je nach Stellplatz nötig sein. Fast immer stehen die Fahrzeuge dicht an dicht, daher die Außenspiegel einklappen. Die Gasanlage muss immer abgestellt, der Haupthahn abgedreht werden. Der Kühlschrank ist in der Regel auch vom 230-Volt-Netz getrennt (Achtung, Verderbliches!).
Parkdeck und Wohnmobil dürfen während der Fahrt aus Sicherheitsgründen nicht mehr aufgesucht werden (außer bei Camping an Bord, siehe rechts). Daher sollte man schon vorab eine Tasche mit nötigem Bordgepäck bereitstellen und sich über die aktuell geltenden Coronabestimmungen schlau machen. Für mitreisende Hunde und andere Haustiere gelten je nach Reederei Vorschriften von Leinengassigang bis Transportbox.

Wer haftet im Schadensfall?

Wo es eng zugeht, können auch mal Parkrempler oder andere Beschädigungen passieren. Den Versicherungsschutz daher schon vor der Reise prüfen. Rangierschäden übernimmt in der Regel die Vollkaskoversicherung, nicht die der Fährgesellschaft. Schließt die Kasko auch das Seerisiko mit ein, kommt der Versicherer in den meisten Fällen zudem für Schäden durch Kollision, Strandung, Untergang der Fähre und Überbordgehen des Wohnmobils auf. Ein Sonderfall ist die sogenannte Havarie Grosse, bei der der Kapitän Fahrzeuge opfert, um ein Sinken des Schiffs zu verhindern. Dann würden alle Passagiere an den Havariekosten beteiligt werden. Viele Wohnmobilversicherungen schließen diesen Fall nicht automatisch mit ein.
Die wichtigsten Routen sehen sie auf der Karte im Überblick.

Wie geht Camping an Bord?

Einige Fähren bieten Camping an Bord - das heißt den Aufenthalt im Wohnmobil während der gesamten Überfahrt. Die griechischen Reedereien Anek Lines und Superfast Ferries haben von April bis Oktober die Strecke Italien–Griechenland im Programm. Die italienische Fährlinie Moby Lines setzt sein Angebot 2022 von/nach Sardinien allerdings aus.
Geschlafen wird zum Beispiel im Fahrzeug, duschen und essen kann man nach Belieben auf der Fähre. Denn Gasbetrieb ist auch in diesem Fall nicht erlaubt. Der Preis entspricht einer Deckpassage pro Passagier plus Fahrzeug und ist günstiger als eine Schlafkabine. Da die Zahl der Stellplätze begrenzt ist, sollte man früh buchen. Aber Achtung, je nach Stellplatz kann es unter Deck eng und stickig sein, auch kann der Schiffsmotorenlärm nerven.

FÄHRREISEN MIT HUND & CO

Panoramablick: Vierbeiner führen an Bord kein Hundeleben.

Kathrin Schiemann, Leiterin der VFF-Geschäftsstelle, gibt Tipps
Corona hat einen Haustier- Boom ausgelöst. Gibt es jetzt auch einen an Bord?
Zahlen liegen dazu noch nicht vor. Da die Nachfrage nach Fährreisen im Allgemeinen steigt, müsste die Anzahl an Reisenden mit Haustieren ebenfalls steigen. Viele Reedereien haben das Angebot für Tiere an Bord in den letzten Jahren der Nachfrage angepasst. Bei längeren Fahrten ist die Kapazität an Haustierkabinen allerdings noch recht begrenzt.
Was müssen Haustierbesitzer vor Reiseantritt beachten?
Sie müssen die Einreisebedingungen für Haustiere prüfen, ebenso die Regeln der Reedereien an Bord, wie etwa Maulkorb- oder Boxpflicht. Man sollte außerdem langfristig buchen, da Haustierkabinen und Ruhesessel im Haustierbereich
sehr schnell ausgebucht sind.
Wie unterscheiden sich die Reedereien in ihren Reisebedingungen?
Bei einigen Reedereien besteht die Möglichkeit, das Haustier im öffentlichen Bereich (außer Restaurant, Café/Bar und Bordshop) und an Deck mitzunehmen. Auf anderen Strecken ist die Buchung einer Haustierkabine oder ein Sitzplatz im Haustierbereich obligatorisch. Auf einigen Fähren können Haustiere während der Überfahrt im Wohnmobil bleiben, bei anderen Reedereien muss eine Box im Hundehotel gebucht werden.
Gibt es besonders tierfreundliche Routen?
Dazu zählen die Passagen nach Skandinavien mit Ausnahme von Norwegen. Beim Camping an Bord von Italien nach
Griechenland können Haustiere die Überfahrt zusammen mit der Familie im eigenen Wohnmobil verbringen.

Fazit

von

Sabine Franz
Per Fähre erweitert sich der Reiseradius gewaltig. Weiteres Plus: Zeitersparnis und Erholung auf See. Sind spontane Trips auch eher nicht drin, das Kreuzfahrtfeeling ist die frühe Planung wert.

Von

Sabine Franz