Renault 5 E-Tech 150 Comfort Range: Test
Kleiner Stromer: Renault 5 E-Tech gefällt vor allem in der Stadt

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Man möchte Renault knuddeln: Denn mit dem R5 E-Tech haben sie anscheinend alles richtig gemacht – auf den ersten Blick jedenfalls.
Optisch ist das kleine E-Auto schlüssig, bringt so viele pfiffige Zitate seines Urahns mit, dass man sich völlig kritiklos in ihn verlieben möchte. Ob aus der Liebe auf den ersten Blick aber auch eine erfüllende Langzeitbeziehung werden könnte, klärt der AUTO BILD-Test!
WLTP-Verbrauch wird deutlich verfehlt
Renault hat den schicken R5 in seiner Langstreckenausstattung mit einer 52 kWh fassenden Batterie bestückt. Den Fahrer soll das in die Lage versetzen, über 405 Kilometer nonstop zu stromern. Das ist natürlich der WLTP-Wert, und der ist, wie wir wissen, nicht mal ansatzweise deckungsgleich mit dem Realwert.

Renault verspricht 405 Kilometer Reichweite für den R5 E-Tech mit 52-kWh-Akku. Im Test schaffte der kleine Stromer nur 256 Kilometer.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auf der AUTO BILD-Testrunde ermittelten wir im Drittelmix 256 Kilometer und einen Verbrauch von 22,8 kWh auf 100 Kilometer. Das ist schmal bemessen, passt aber zu den Fahrleistungen.
Fahrleistungen und Fahrwerk passen
Der E-Motor leistet maximal 150 PS und reicht 245 Newtonmeter Drehmoment an die Vorderräder weiter. Das langt, um den für ein E-Auto mit 1,5 Tonnen erstaunlich leichten Franzosen in von uns ermittelten 8,3 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Das zieht einem jetzt nicht die Salami vom Brot, reicht aber durchaus, um flott von der Ampel zu starten, ohne trödelig zu sein – und wirkt subjektiv schneller.

Ordentlich: In 8,3 Sekunden ist der R5 E-Tech auf Tempo 100. Das straffe Fahrwerk passt zu der recht direkten Lenkung.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Wer über Bodenwellen und Kopfsteinpflaster rollt, spürt das straffe Fahrwerk mit den kurzen Federwegen. Das ist nicht schlimm, passt insgesamt ganz gut zu der recht direkten Lenkung, die nur aus der Mitte etwas zu viel Spiel hat. Auf der Autobahn werden nicht nur die Windgeräusche präsent, hier findet auch die Beschleunigung bei 150 km/h durch die Elektronik ihr jähes Ende.
Damit ist man auf deutschen Schnellstraßen weder Fisch noch Fleisch. Im besten Fall kann der Fahrer eines R5 E-Tech in der Mittelspur mitschwimmen. Auf Überholmanöver ganz links sollte er sich nicht einlassen, das zerrt an den Nerven aller Beteiligten.
Messwerte
Modell | Renault 5 E-Tech 150 Comfort Range |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,2 s |
0–80 km/h | 5,8 s |
0–100 km/h | 8,3 s |
0–120 km/h | 11,8 s |
0–130 km/h | 13,8 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,4 s |
80–120 km/h | 6,0 s |
Leergewicht/Zuladung | 1462/494 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 57/43 % |
Wendekreis links/rechts | 10,3/10,3 m |
Sitzhöhe | 625 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,1 m |
aus 100 km/h warm | 34,4 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 17,2 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 22,8 kWh/100 km (+50 %) |
Sportverbrauch | 25,0 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 256 km |
Und während der Fahrer noch mit der Endgeschwindigkeit hadert, wird er beim Blick auf die Reichweitenanzeige auf der Schnellstraße echt nervös. Denn wer hier entspannte 130 km/h fährt, muss nach AUTO BILD-Messungen schon nach 222 Kilometern zwingend an die Ladestation fahren.
DC-Laden mit maximal 100 kW
An der geht es dann auch nicht besonders schnell zur Sache, denn der R5 E-Tech lädt mit maximal 100 kW an der DC-Dose. Im besten Fall ist also nach 30 Minuten Wartezeit der Akku von 15 auf 80 Prozent gefüllt. Wer sich an den AC-Lader hängt, muss bei standardmäßigen 11 kW mindestens 4,5 Stunden für den Ladevorgang einplanen.

Um den Akku von 15 auf 80 Prozent zu füllen, muss der Renault im besten Fall mindestens 30 Minuten am Schnelllader hängen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
So gesehen ist der Renault 5 E-Tech eher ein Stadtauto als ein Langstreckenstromer. Dafür spricht auch der kleine Wendekreis. Hinzu kommen gute Bremsen und die Gewissheit, dass der kleine Franzose sehr fahrsicher ist. Trotz solchen Lobs ist der Elektroflitzer in der Anschaffung mit einem Einstiegspreis von mindestens 32.900 Euro ziemlich teuer. Zumal er sich bei genauer Betrachtung auch in der City nicht als Multifunktionstool erweist.
Zwar ist der Kofferraum mit 326 bis 1106 Litern für die Fahrzeugklasse ordentlich bemessen – wer den aber vollschaufelt, muss beim Ein- und Ausladen eine knapp 20 Zentimeter hohe Kante am Heck überwinden. Und wird beim Umlegen der Fondlehnen auch nicht mit einem ebenen Ladeboden belohnt. Hier tut sich dann erneut eine hohe Stufe auf. Gespart wurde zudem beim wabbeligen Kofferraumboden und bei der Kofferraumabdeckung, die aus billigster Pappe gefertigt wurde.
Fahrzeugdaten
Modell | Renault 5 E-Tech 150 Comfort Range |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 110 kW (150 PS) |
Dauerleistung | 78 kW (106 PS) |
maximales Drehmoment | 245 Nm |
Vmax | 150 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsscheiben vorn/hinten | 296/280 mm |
Testwagenbereifung | 195/55 R 18 H |
Reifentyp | Continental EcoContact 6Q |
Radgröße | 6,5 x 18" |
Reichweite* | 405 km |
Verbrauch* | 15,2 kWh/100 km |
Batteriekapazität | 52 kWh |
Ladeleistung | 11/100 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | 30 Minuten |
Ladeanschluss | vorn links |
Fach unter Frontklappe | – |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 500/500 kg |
Stützlast | 63 kg |
Kofferraumvolumen | 326–1106 l |
Länge/Breite/Höhe | 3922/1744–2015**/1498 mm |
Radstand | 2540 mm |
Grundpreis | 32.900 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 34.400 Euro |
Hinzu kommt, dass die Rückbank selbst für kleine Reisende kaum nutzbar ist. Zum einen passen die Füße durch die im Fahrzeugboden steckende Batterie nicht recht unter die Vordersitze, zum anderen schubbern die spitz angestellten Knie am Vordersitz. Bequem geht anders.
Innenraum zitiert das historische Vorbild
Vorne hingegen können sich Fahrer und Beifahrer durchaus wohlfühlen. Das liegt nicht nur am guten Platzangebot, sondern auch am gesamten Ambiente, das die Interieur-Designer des R5 E-Tech geschaffen haben. Allein das Fahrerdisplay und die Gestaltung des Innenraums sind ein kleines Kunstwerk. Die Ära der Pop-Art, in der der einst als "kleiner Freund" bezeichnete R5 groß geworden ist, findet sich hier fast perfekt zitiert.

Hübsch gemacht: Der Innenraum ist ein einziges großes Zitat der 1970er-Jahre. Hier durften sich die Designer richtig austoben.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Da bezaubern bunte Tachozahlen auf dem 10 Zoll großen Fahrerdisplay, die an das damals so hofierte Line-Art-Design der 70er-Jahre erinnern. Hinzu kommen bonbonfarbene Elemente, angefangen beim Sitzstoff bis hin zu den Intarsien der Armatur.
Avatar Reno hilft bei der Bedienung
Hinter dem ebenfalls zehn Zoll messenden Zentraldisplay verbirgt sich das bei Renault unterdessen bewährte Android Automotive 12 von Google. Bedeutet also: Das Navi ist nichts anderes als Google Maps, der Einkauf der mehr als 50 bereitgestellten Apps erfolgt über den Play Store und eine extra generierte KI, die auf den Namen Reno hört. Sie sorgt auf Wunsch für die Unterhaltung, weist uns den Weg zur nächsten Ladestation oder gibt Tipps, wie die Reichweite optimiert werden kann.

Kleiner Freund im kleinen Freund: Die kleine animierte Raute namens "Reno" führt den Fahrer charmant durch die Bedienung.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Zugegeben, das ist sehr charmant, und Reno ist bei jedem Besteigen des Fahrzeugs präsent, um sich vorzustellen und seine Dienste anzubieten. Dann erscheint Reno als stilisierte Raute mit Augen, Mund und Händen auf dem Bildschirm, wirkt in seiner Animation wie die hüpfende Büroklammer, die 1996 über Windows 95 den Weg auf alle gängigen Bürocomputer schaffte. Den einen nervte das, der andere fand es witzig.
An manchen Stellen etwas überfrachtet
Wie dem auch sei, die Funktionalität ist gegeben, denn Reno kann navigieren, Anrufe tätigen oder die Klimaanlage, die Sitzheizung sowie die Lautstärke der Multimediaanlage auf Anfrage regeln. Wer mit dem Finger auf dem recht verspielten Zentraldisplay seine Wünsche verwirklichen möchte, der muss damit leben, dass die Fettfingerspuren bald besser sichtbar sind als die Menüpunkte.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auch bei der Bedienung rund ums Lenkrad haben sich die Designer richtig ausgetobt. Was auf den ersten Blick stylish aussieht, stellt sich beim zweiten Hingreifen als unangenehme Überfrachtung heraus. Rechts am Lenkrad kämpfen gleich drei Bedienhebel um unsere Aufmerksamkeit, wobei der am schlechtesten zu erreichende der Gangwählhebel ist. Da hilft es auch nicht, dass der aussieht wie ein Lippenstift und von den Designern "e-pop-shifter" getauft wurde.
Wertung Renault 5 E-Tech 150 Comfort Range
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Gutes Platzangebot vorn, hinten sehr eng, großer Kofferraum, Innenraumqualität ist durchwachsen. | 3 / 5 |
Antrieb | Alltagsgerechte Fahrleistungen, subjektiv flott, Höchstgeschwindigkeit und Reichweite mäßig. | 3,5 / 5 |
Fahrdynamik | Agil und wendig, direkte Lenkung, aus der Mitte indifferent, zupft beim Anfahren, gute Bremsen. | 4 / 5 |
Connected Car | Google-Integration, kabellose Smartphone-Anbindung, Dienste nur 5 Jahre, gute Sprachsteuerung. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Kleinwagenformat, geringes Gewicht für ein E-Auto, lokal emissionsfrei, niedrige Außengeräusche. | 4 / 5 |
Komfort | Einstieg nicht ganz einfach, hinten sehr eng, Sitze zu weich, verschachtelte Menüs im Display. | 3,5 / 5 |
Kosten | Teuer für ein Stadtauto, hohe Vollkasko, vorgeschriebene jährliche Wartung, zwei Jahre Garantie. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,2 |
Aber ja, der R5 funktioniert. Wer mit der elektrischen Neuauflage unterwegs ist, kann sich der neugierigen Blicke der Passanten und der spontanen Ansprache an der Ladestation sicher sein.
Fazit
Nimmt man den R5 E-Tech als Reminiszenz an den "kleinen Freund", der 1972 auf den Markt kam, ist er absolut gelungen. Auch fahrtechnisch gibt es an dem Elektriker nur wenig zu beanstanden. Wirklich hart sind dann aber die reale Reichweite und der Preis. Hier wird der Interessent sehr genau rechnen müssen. AUTO BILD-Testnote: 2,2
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