Renegade? Das haben wir doch schon mal gehört, oder? Stimmt genau. Als vor gut zehn Jahren die Marke Jeep ihr neues kompaktes Mini-SUV mit optionalem Allradantrieb vorstellte, nannte sie es auch Renegade. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt Abtrünniger. Das eröffnet Interpretationsspielraum.
Abtrünnig ist der Neue von Rhön Camp insofern, als dass er sich vom Standardprogramm der jungen Reisemobilmanufaktur abhebt. Das besteht in weiten Teilen aus ausgebauten Kastenwagen mit Blechkarosserie, kompakt auf Basis des Mercedes Vito oder größer auf Sprinter. Der Renegade baut zwar auch auf den Sprinter, allerdings auf ein Leiterrahmen-Chassis mit Kofferaufbau.
Mit solchen Koffern hat die Muttergesellschaft Volklandt GmbH & Co. KG Erfahrung. Diese setzt man auf Anhängerfahrgestelle und baut sie zu mobilen Sanitätsstationen für das Rote Kreuz, die Malteser oder Johanniter aus. Schließlich entspringt das gesamte Unternehmen einer großen Möbeltischlerei, die auch vor Jacht- oder Büroausbauten nicht haltmacht.
Rhön Camp Renegade
Der Renegade bietet trotz kompakter Außenmaße ein tolles Raumgefühl.
Bild: Hardy Mutschler
Abtrünnig ist der Renegade von Rhön Camp aber auch, weil er gern mal asphaltierte Wege verlässt und sich auf der Flucht vor dem Alltag in die Büsche schlägt. Oder es zumindest könnte, wenn der Fahrer wollte.

Das ist der Rhön Camp Renegade

Der Rhön Camp ist ein Teilintegrierter mit eigenständigem Innenraumkonzept, das konsequent für die Nutzung mit zwei Personen ausgelegt ist.
Die Basis bildet der Sprinter mit Allradantrieb und Neunstufen-Wandlerautomatik. Er strahlt mit seinen BF-Goodrich-All-Terrain-Reifen auf 18-Zoll-Alurädern von Twin-Monotube-Projekt reichlich Abenteuerlust aus. Unterstützt wird der Eindruck durch eine Fahrwerkshöherlegung, einen von vorn deutlich sichtbaren Motor-Unterfahrschutz aus Aluminium sowie einen weiteren Unterfahrschutz fürs Mitteldifferenzial, den man erst sieht, wenn man in die Knie geht.
Dazu gesellt sich eine mächtige Dachreling, die rechts hinten zu einer Leiter ergänzt wird, damit man dem Renegade auch mal aufs Dach steigen kann. Zwar verfügt das Mobil über einen beträchtlichen hinteren Überhang, doch lässt das unten abgeschrägte Heck immer noch ansehnliche Böschungswinkel zu.
Rhön Camp Renegade
Ist das Bett abgesenkt, lassen sich alle Stauklappen öffnen.
Bild: Hardy Mutschler

Das hat der Renegade

Ein bemerkenswertes Innenraumkonzept, in das das Fahrerhaus nicht integriert ist. Direkt hinter der ersten Sitzreihe liegt der quer angelegte Sanitärraum, der sowohl von vorn als auch von hinten durch Türen erreichbar ist. Das ermöglicht auch den direkten – allerdings gebückten – Durchgang von vorn nach hinten.

Rhön Camp Renegade

Rhön Camp Renegade
Motorisierung 
319 CDI 
Leistung 
140 kW (190 PS) bei 3800/min 
Hubraum 
1950 ccm
Drehmoment 
400 Nm bei 1700 U/min 
Höchstgeschwindigkeit 
100 km/h (erlaubt) 
Getriebe/Antrieb 
Neunstufenautomatik/ Allrad 
Masse fahrbereit/Zuladung ca. 
3730/370 kg 
Länge/Breite/Höhe 
6480/2180/3150 mm 
Liegefläche Heck L x B 
2000 x 1600 mm 
Innenhöhe/-breite max. 
2100/2010 mm 
Grundpreis/Testwagenpreis 
209.990 Euro / 285.695 Euro 
Diese Grundrisskonstellation hat was. Denn der quer liegende Waschraum dient auch als Isolation. Die von der Aufbauheizung erzeugte Wärme kann nicht so einfach durch das nicht isolierte Fahrerhaus entfleuchen. Und während der Fahrt bewährt sich der Waschraum als Schallschlucker. Denn irgendwas klappert ja immer im Womo – und sei es nur das Besteck in der Küchenschublade.
Kleiner Wermutstropfen: Fahrer über 1,85 Meter Länge können sich etwas eingezwängt fühlen, weil die Wand hinter dem Sitz die Neigungsmöglichkeit der Lehne limitiert. Dafür erweist sich der Wohnraum trotz einer Länge von nur knapp 6,50 Metern als großzügig. Dominiert wird er von einer üppigen Rundsitzgruppe im Heck, an die man gern Gäste einlädt.
Jeep Renegade e-Hybrid
Ein klassisches Sprinter-Cockpit, das einem Pkw in nichts nachsteht.
Bild: Fiat Chrysler Automobiles
Zur Nachtruhe wird das zwei Meter lange Doppelbett elektrisch bis auf Höhe der Sitzkissen abgesenkt. Ebenerdig einsteigen ist nicht möglich, da braucht es eine Leiter. Die Bettabsenkung wird, wie alle anderen Bordfunktionen, über das serienmäßige Mercedes-Benz Advanced Control (MBAC) gesteuert. Das ist nicht komplett selbsterklärend, Fahrzeugnutzer müssen sich etwas einfuchsen.
Für angenehme Wärme im Winter sorgt eine dieselbetriebene Truma-Combi-Heizung – der Renegade ist, auch dank beheizbarer Wassertanks – für Wintercamping prädestiniert. Im knappen Heckstauraum bringen Wintersportler maximal ihre Skistiefel unter. Wintersportgerät muss in der optionalen Heckbox verstaut werden, die für satte 7300 Euro angeboten wird und an unserem Testfahrzeug montiert war. Der Preis ist deshalb so hoch, weil die Box zum Be- und Entladen mit einem komplexen Liftsystem abgesenkt werden muss.
Rhön Camp Renegade
Der Renegade sorgt für einen lässigen Auftritt.
Bild: Hardy Mutschler
Wie ein zivilisierter Teilintegrierter – flott und wendig. Das komfortable Sprinter-Fahrwerk wird durch das optionale RBX-Fahrwerkspaket (9900 Euro) weiter aufgewertet, die BF-Goodrich-Reifen rollen auf Asphalt angenehm ab und nehmen es auch mit matschigem Untergrund auf. Der 190-PS-Diesel zeigt sich souverän und ist die ideale Ergänzung zum butterweich schaltenden Automatikgetriebe.

Fazit

von Martin Häußermann
Für die Reise ins Abenteuerland wäre der perfekt verarbeitete und gut ausgestattete Rhön Camp Renegade ein idealer Begleiter. Als normales Urlaubsfahrzeug ist er naturgemäß unterfordert – und ohnehin auch schlicht zu teuer.